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Feierliche Hochamt












Abschied von Abbé Pierre

Messe in der Notre-Dame de Paris




Ch. M. Paris, 26. Januar

Mit einem feierlichen Hochamt in der Kathedrale Notre-Dame de Paris in Anwesenheit von Präsident Chirac und den Staatsspitzen hat Frankreich am Freitag dem am Montag verstorbenen Armenpriester Abbé Pierre die letzte Ehre erwiesen. Das Oberhaupt des französischen Episkopats, Kardinal Ricard, Erzbischof von Bordeaux, Erzbischof Vingt-Trois von Paris, dessen Vorgänger Kardinal Lustiger und Kardinal Barbarin, Erzbischof von Abbé Pierres Heimatstadt Lyon, zelebrierten zusammen mit weiteren Geistlichen die Messe vor einer bunt zusammengesetzten Trauergemeinde aus der ganzen Welt, unter ihnen auch Vertreter der orthodoxen Kirchen, aber auch des Islam und des Buddhismus.
Die Letzten als Erste

Hinter dem einsamen Sessel des Staatschefs, der wenige Meter vor dem zu ebener Erde gestellten Holzsarg placiert worden war, sassen in den ersten Reihen manche Gefährten des vom Abbé gegründeten Emmaus-Hilfswerkes. Die Letzten, für deren Wohl sich der charismatische Priester ein Leben lang abgemüht hatte, waren für einmal wirklich die Ersten; die grossen Leute, unter ihnen Premierminister de Villepin mit den meisten Ministern, aber auch unzählige Würdenträger wie der ehemalige Staatschef Giscard d'Estaing, hatten mit einem Platz in den hinteren Reihen vorliebzunehmen, inmitten der Freunde des Abbés, der Lumpensammler und anonymen Wohltäter sonder Zahl.

Feierlichkeit und zugleich Einfachheit prägten den Abschied von dem «Aufständischen Gottes im Dienst der Armen», als welchen Kardinal Barbarin diesen ebenso grossen wie bescheidenen Franzosen in einer Predigt würdigte. Auf dem schlichten Sarg lagen einzig die berühmte Pelerine des Priesters, seine Baskenmütze, an die nach seinem Wunsch das Grosskreuz der Ehrenlegion geheftet war, und sein Priestergewand. Gemäss seiner letztwilligen Verfügung erklangen die Worte des Apostels Paulus über Glaube, Hoffnung, Liebe sowie der von einem Neffen des Verstorbenen verlesene Passus aus dem Lukas-Evangelium über die Begegnung der beiden Jünger mit dem auferstandenen Christus in Emmaus. Die beiden Stellen der Heiligen Schrift bildeten die Stützpfeiler des Lebenswerks von diesem Mann Gottes.
Vorbild der Nächstenliebe

In Eiseskälte standen Tausende auf dem Vorplatz vor der Kathedrale, als der Sarg hinausgetragen wurde. Manche der aus aller Welt Herbeigeeilten suchten den Sarg des allzeit am Vorbild des Franziskus von Assisi ausgerichteten Priesters zu berühren. Dumpf dröhnte die grosse Glocke der Kathedrale. Am Abend zuvor hatten Tausende im Sportpalast von Bercy vom Abbé und seinem Wirken Zeugnis abgelegt mit unzähligen spontanen Schilderungen ihrer Begegnung mit dem Geistlichen. Nach dem Hochamt wurde die sterbliche Hülle in mehrstündiger Fahrt ins kleine normannische Dorf Esteville übergeführt, in dessen Friedhof der Abbé neben alten Emmaus-Gefährten zur letzten Ruhe gebettet wurde. «Dank sei dir, Herr, dass du uns einen solchen Bruder gabst. Danke, Abbé Pierre, dass du uns ein solches Beispiel gabst» - Kardinal Barbarins Schlussworte in der Notre-Dame spiegelten die Gefühle der Trauernden.

Quelle: http://www.nzz.ch/2007/01/27/al/articleEV5HL.html

Seine Webside: http://www.emmaus-arce.ch/abbe_pierre_t.htm
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