Beerdigung für Arme


Hallo !

Kürzlich sah ich eine Reportage über anonyme Beerdigungen, für Sozialhilfeempfänger.

Solche Menschen die keine näheren Angehörigen mehr haben, oder schlicht und ergreifend kein Geld da ist.

Diese Menschen werden dann verbrannt, die Urne wird dann anonym beigesetzt.

Als ich das sah, fragte ich mich, ob das grundsätzlich für alles so gehandhabt wird und wo ist die Kirche ?
Also Menschen die bis zum Schluß, oder soweit es ihnen möglich war, Kirchensteuer bezahlt hatten und nicht aus der Kirche ausgetreten waren, die werden auch so begraben ?

Es kommen nicht einmal Bekannte dazu, nur um die Kosten so gering wie möglich zu halten....es gibt keine Sterbeanzeige, die auch nicht gerade billig ist und nur den günstigsten Blumenschmuck....kein Pfarrer....hm.

LG
Luna
Kein Pfarrer? - Das finde ich hart für Menschen, die gläubig waren, nur kein Geld hatten.

Mir persönlich ist's eher gleichgültig - ich habe bereits testamentarisch meinen Körper
der Anatomie vermacht und mir jede Art von Verabschiedung ausdrücklich verbeten...
Lieber Wu,

ja, ohne Pfarrer. Ich weiß aber nicht, ob das generell so gehändelt wird. Dieser Beitrag bezog sich nur auf Berlin.

Wenn sich kein Angehöriger meldet, dann werden diese Menschen verbrannt. Ist noch jemand da und kann nicht erreicht werden, bleibt die Leiche noch liegen, aber nicht zu lange, da die Kosten für die Kühlung auch sehr hoch sind.

Manchmal kommt noch ein Angehöriger, zu spät, und sagt dann, dass er oder sie, nie verbrannt werden wollte.

Mal abgesehen davon, dass ich das Geschäft mit dem Tod nicht mag, hatte mich damals mit dem Bestatter angelegt, als es um die Beerdigung meines Vater's ging, da kenn' ich nix, denke ich doch, das es nicht würdig ist, so zu verfahren.

Der Anatomie vermacht ? ...also mutig, find' ich das. Im Grunde ist es ja egal, die Hülle braucht man eh nicht mehr, aber .... was muß ich mir da genau drunter vorstellen ?

LG
Luna
Liebe Luna,

das ist im Prinzip ganz einfach - ich, bzw. mein Körper steht dann dem anatomischen
Institut zur Ausbildung der Medizinstudenten zur Verfügung. Anschließend wird er -
ohne großen Pomp - gemeinsam mit Anderen unauffällig entsorgt. Früher hielt sich
hartnäckig das Gerücht, man bekäme Geld dafür - ich kann mich selbst daran erinnern,
daß mich einmal vor der Uni ein etwas abgerissener Mann ansprach:
"Wo ischt denn dees, wo ma in Leib vakaffn kunn?" - das ist eine Latrinenparole...
M.E. dient es der Allgemeinheit - irgendwie müssen die angehenden Ärzte ja ihre
anatomischen Fähigkeiten erwerben - außerdem spart es - Kosten wie Tränen.
Und falls es tatsächlich jemand geben sollte, der gern zu Begräbnissen geht, will ich
ihn in dieser Vorliebe nicht unterstützen
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Ein Friedhof:
Die abgelegten Kleider Gottes.

[Christian Morgenstern]
Hallo Luna,
auch hier kann ich eigentlich nur wieder aus meinem Verwandtschaftskreis etwas wiedergeben. Und auch hier gab es einen Fall; sie hatte lediglich ein Kind (meine Cousine (fast 17)) das selbst nicht in einem Zahlungsfähigem Alter gewesen wäre - zudem waren beide Sozialhilfeempfänger. Das Sozialamt übernahm die Kosten für die Beerdigung (allerdings nur in deren Rahmen, der lediglich das nötigste umfasst), wozu eine Einäscherung an einem anonymen Platz vorgesehen war - auch ohne Pastor. Weder das Kind, noch sonst irgend jemand erfuhr die genaue Stelle des Platzes - nur der Friedhof wurde bekannt gegeben. Allerdings gibt es auf dem Friedhof einen freien Platz wo all diese 'Fälle' zu Grabe getragen werden.
Vor der Beerdigung musste meine Cousine selbst den Totenschein aus der Patologie abholen (was auch nur Probleme machte), weil sonst gar keine Beerdigung hätte stattfinden können.
Noch schlimmer war allerdings der Nachlassverwalter; dieser beschuldigte meine Cousine des Diebstahls von diversen privaten Gegenständen und beantragte das Durchsuchen des neuen Wohnraums meiner Cousine - natürlich per Polizei. Es war sogar noch Rechtens, da ihre Mutter kein Testament verfasst hatte und somit der Nachlass praktisch dem Sozialamt zur Deckung der Beerdigungskosten hätte dienen müssen.
Ich mag mich gar nicht an Einzelheiten zurück erinnern - es war einfach nur unmenschlich und das reinste Chaos!
unmenschlich, ...ja...das ist der richtige Ausdruck...

Mich macht das wütend und auch sehr traurig.... Mensch ist doch Mensch, nur weil jemand weniger Geld hat, kann man doch nicht einfach tun und lassen, wie's am billigsten ist... ach pfui, nein.....hier ist Deutschland...das nennt sich auch noch irgendwie sozial.....

War die Frau denn in der Kirche ?...ich frage mich da schon wo die Nächstenliebe bleibt, wenn nicht einmal ein Pfarrer es für nötig hält, den letzten Segen zu geben... ...und wie grausam für das Mädchen ! Wie kann man nur so herzlos sein ! War doch schon schlimm genug, so früh die Mutter zu verlieren..... was sind denn das für Menschen....?
Ja, liebe Luna sie war in der Kirche - jedenfalls ruppte man ihr fleissig die Steuer dafür ab, in späteren Jahren konnte sie weder in die Kirche noch irgend woanders hin. Die Metastasen hatten die komplette Hüfte, zuvor schon die Gebärmutter zerfressen und weiteten sich kurz vor ihrem Tod noch ins Gebein aus. Weder zu Hause, noch im Krankenhaus - geschweige denn bei der Beisetzung (so erzählte uns das Sozialamt) war ein Pastor jemals zu sehen.
Es geht bei solchen Fällen kaum noch um Menschen (aus anderer Sicht gesehen) - hier geht es nur noch darum 'kostengünstig Abfall zu entsorgen' [Entschuldigung der harten Worte, aber in meinen Augen ist es mit nichts anderem vergleichbar!]!
das macht mich sehr betroffen....

da kommt einem dann schon die Frage in Kopf: was ist ein Mensch wert ?

Zwar wehre ich mich immer , einen solchen Vergleich anzustellen, aber eines ist ganz deutlich, hier werden m.E. Menschenrechte verletzt. Ich meine das jetzt nicht einmal auf die Beerdigung bezogen, aber das Vorher.
Das Leiden, die Krankheit und noch eine minderjährige Tochter.... für was zahlte diese Frau Kirchensteuer ? Wenn sie nicht einmal seelischen Beistand während ihrer schweren Tage im Krankenhaus bekam ...?

Bei meinem Vater lief da eines ins andere....das Besttungsunternehmen, mein ich so war das, oder mußte man den Pfarrer selbst anrufen...? Doch schon länger her... auf der Station, wo mein Vater lag, gab es einen Pfarrer, ich war bei ihm zum Gespräch - ich brauchte das, - er ging auch zu meinem Vater ans Krankenbett...

Da ist mir gerade noch etwas eingefallen:
Das Sterbegeld wurde gestrichen. Es waren 2000,-- DM.
Gibt es nicht mehr, das ist auch mit ein Grund für diesen Anstieg der anonymen Beerdigungen.
Aber für unsere Politiker, und nur die Politiker - keine Beamten- werden 6000,-- Euro bereitgestellt..... ...hmmm... tja.... irgendwie, in Anbetracht dessen, was Du, liebes girl, zu berichten hattest...will mir da so gar nichts mehr zu einfallen....
so sind sie, die Ämter - die fordern sogar noch Geld von Dir ein, wenn Du für Deine eigenen Kinder (minderjährig) das Erbe ausschlagen musst.. 40 Euronen waren das sogar, glaube ich damals bei Angela (die besagte Cousine - sie hatte nämlich auch schon ein klein Babe). Gerade wenn man aus einer Grossfamilie stammt, bleibt es erst recht nicht unbemerkbar. Ich weiss nicht wie es in angrenzenden Ländern gehandhabt wird, aber Deutschland zieht mir mit seiner Amtsgewalt schon die Schuhe aus!
Strafanzeige gegen das Sozialamt stellen - Verstoss gegen Artikel 1 GG.
Weiterhin Strafanzeige wegen Verstoss gegen die Totenruhe und Verdacht aud Diebstahl gegen des Fachbereichsleiter des Sozialamtes stellen - und in der lokalen Presse die Sache richtig schön breit treten....