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Hallo Termini,
Der Artikel gefaellt mir gut. In weiten Strecken stimme ich ungeteilt zu.
Lediglich die kritische Betrachtung am Schluss bedarf m.E. einiger Anmerkungen.
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| Die zeitgenössische Wissenschaft streitet genau das ab, was Kants sittlicher Ordnung zugrunde lag: die Möglichkeit einer genuin menschlichen Freiheit, die nicht den physikalischen Gesetzen unterworfen und deshalb nicht auf jene Gesetze reduzierbar war. |
Das stimmt!
Ein Teil der Vertreter der modernen Neurowissenschaften, so etwa [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Roth_(Biologe)]Gerhard Roth[/URL], Henrik Walter und Wolf Singer, sind der Überzeugung, dass der freie Wille eine Illusion sei.
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| Allein diese Freiheit machte menschliche Wesen zu Zwecken an sich und bildete die Grundlage für Menschenwürde. |
Richtig. Kant konnte diese Erkenntnisse noch nicht haben. Falsch aber ist der Schluss, das sich deshalb die Definition der Menschenwuerde damit eruebrigen wuerde.
Denn auch wenn es keinen freien Willen im kantschen Sinne gibt, so verfuegt doch der Homo Sapiens ueber kognitive Faehigkeiten, die kein anderes Saeugetier auch nur im Ansatz hat.
Das irgendwann Hochleistungsrechner solche vor allem deterministischen Faehigkeiten simulieren koennen ist zwar moeglich (was den La Plasschen Daemon wiederbeleben wuerde) aber aendert nichts an der Verbindung des Verstandes mit der Wuerde des Menschen, der sich m.E. (anders als bei Kant) durch seine qualitativen Naehe zur hypothetischen Realitaet messen laesst.
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| In Ermangelung eines philosophisch begründeten Glaubens an menschliche Würde bleibt uns entweder nur ein schlechter Relativismus oder vonseiten der modernen Wissenschaft eine utilitaristische Moral, die auf einer in hohem Maße reduktionistischen Auffassung des Menschen beruht. |
Na, das ist eher Polemik, denn ein Mangel an philosophisch begründetem Glauben an menschliche Würde kann ich nicht erkennen.
Zwar glaube ich auch das eine utilitaristische Moral ein moegliches Zukunftsszenario sein koennte, aber gerade solange ein illegitimer Reduktionismus vorhanden ist, bleibt eine solche Moral eben eher unwissenschaftlich.
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| Ohne eine einmütig anerkannte säkulare Basis für ein Verständnis der Menschenwürde kennt die von der modernen Wissenschaft als Nebenprodukt erzeugte Technik keine Grenzen, was die machbaren Veränderungen des menschlichen Verhaltens oder des Menschen überhaupt angeht. |
... und das ist gut so!
Auch mit einer einmütig anerkannten säkularen Basis für ein Verständnis der Menschenwürde sollte sich keine wissenschaftlichen Grenzen ergeben. Das waere ein Rueckfall ins tiefste Mittelalter.
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| Sie sieht keine menschliche Essenz und deswegen auch keine Grenzen der technischen Selbstveränderung des Menschen. Das ist zwar eine Interpretation menschlicher Freiheit, nicht aber die von Kant. |
Richtig! Es ist vielmehr die konsequente evolutionaere Weiterentwicklung der Ideen Kants.
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| Das „aufgeklärte Zeitalter“, das Kant mit dem Sieg über die aufklärungsfeindliche Religion vorhersah, liegt daher in ebenso weiter Ferne wie zur Zeit Friedrichs des Großen. |
Auch das ist richtig. Ein solches aufgeklärtes Zeitalter ist auch obsolet. Deshalb ist es nicht mehr erstrebenswert dieses wieder zu beleben.
Kant glaubte, dass Aufklärung ihm zufolge zufolge nichts ist, was einem einzelnen Individuum zugeschrieben werden kann, sondern was aus dem Zusammenwirken debattierender Menschen entsteht, die fähig sind, eigenständig zu denken.
Le Bon, der Vater der Massenspychologie hat eindrucksvoll beschrieben, warum diese Idee per se bereits im Ansatz scheitern musste.
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| Ich habe an sich keine Fragen, die ich mir nicht selber beantworten kann. Für mich bleibt zu hoffen, dass dieser reduktionistische Wahn bald ein Ende haben wird. |
Ich denke, das wir erst am Anfang dieses "reduktionistische Wahns" stehen. Ein Ende sehe ich nicht.
Und das ist gut so!
LG
Martin
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