Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche

Was ist ein Baha'i?












Gehorsam

Die Hingabe an Gott schließt auch Gehorsam Seinen geoffenbarten Geboten gegenüber in sich, selbst dann, wenn der Grund dieser Gebote nicht verstanden wird. Der Matrose gehorcht stillschweigend den Befehlen seines Kapitäns, auch wenn er den Grund derselben nicht versteht; aber deshalb ist seine Anerkennung der Autorität keine blinde. Er ist sich dessen wohl bewußt, daß der Kapitän eine umfassende Prüfung abgelegt und genügend Beweise seiner Fähigkeit als Seemann erbracht hat. Wenn dem nicht so wäre, so wäre es in der Tat töricht, unter ihm zu dienen. So muß auch der Baha'i dem Kapitän seiner Erlösung stillschweigend gehorchen, aber er würde in der Tat töricht sein, wenn er sich nicht zuerst Gewißheit verschaffen würde, daß dieser Kapitän auch genügend Beweise seiner Vertrauenswürdigkeit erbracht hat. Hat er aber solche Beweise empfangen, dann wäre es eine noch größere Torheit, den Gehorsam zu verweigern; denn nur dadurch, daß wir dem weisen Meister in vernünftiger Weise und mit offenen Augen Gehorsam leisten, können wir die Segnungen seiner Weisheit ernten und uns diese Weisheit zu eigen machen. Wäre der Kapitän nicht so weise und würde niemand von der Besatzung ihm gehorchen, wie sollte alsdann das Schiff seinen Hafen erreichen oder der Matrose die Kunst der Seefahrt erlernen? Christus erklärt deutlich, daß Gehorsam der Pfad zur Erkenntnis ist. Er sagt (Joh.7:16-17):

„Meine Lehre ist nicht Mein, sondern Dessen, der Mich gesandt hat. So jemand will Dessen Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob Ich von Mir selbst rede.“

So sagt Baha'u'llah:

„Der Glaube an Gott und Seine Erkenntnis können nur dadurch voll verwirklicht werden, daß der Mensch ... das ausführt, was Er befohlen hat und was durch die Feder der Herrlichkeit in dem Buch geoffenbart ist.“

Selbstverständlicher Gehorsam ist in diesen demokratischen Zeiten keine volkstümliche Tugend, und gänzliche Unterwerfung unter den Willen des nächsten besten Einzelmenschen würde in der Tat unheilvoll sein. Aber die Einigung der Menschheit kann nur dadurch erlangt werden, daß jeder einzelne und alle in eine völlige Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen gebracht werden. Solange dieser Wille nicht klar geoffenbart ist und die Menschen nicht jedem andern Führer entsagen und dem Gottgesandten gehorchen, werden Streit und Hader weitergehen und die Menschen werden nicht aufhören, einander zu bekämpfen; sie werden einen großen Teil ihrer Kräfte aufwenden, um die Bemühungen ihrer Menschenbrüder zu durchkreuzen, anstatt harmonisch für die Herrlichkeit Gottes und für den Gemeinnutz zusammenzuarbeiten.
Dienst

Die Hingabe an Gott erfordert ein Leben des Dienstes unseren Mitmenschen gegenüber. Wir können Gott in keiner anderen Weise dienen. Wenn wir unseren Nebenmenschen den Rücken kehren, kehren wir Gott den Rücken. Christus sagte (Matth.25:40):

„Was ihr getan habt einem Meiner geringsten Brüder, das habt ihr Mir getan.“

So sagt auch Baha'u'llah:

„O Sohn des Menschen! Wenn du Barmherzigkeit übtest, dann würdest du nicht deinen eigenen, sondern den Nutzen der Menschheit im Auge behalten. Wenn du Gerechtigkeit übtest, dann würdest du für andere nur wählen, was du auch für dich selbst wählst.“

Abdu’l-Baha sagt:

„Im Baha'i-Glauben werden Künste, Wissenschaften und alle Arbeit als Gottesdienst erachtet. Ein Mensch, der etwas, sei es auch nur ein Stück Notizpapier, nach seinem besten Können herstellt und dabei bewußt alle seine Kräfte darauf richtet, es zu vervollkommnen, preist damit Gott. Kurz, alle Bemühungen und Anstrengungen, die ein Mensch macht, sofern sie von ganzem Herzen kommen und er von den höchsten Beweggründen und dem Willen dazu getrieben wird, der Menschheit zu dienen, sind Gottesdienst. Gott dienen heißt der Menschheit dienen und den Nöten der Menschen abhelfen. Dienst ist Gebet. Ein Arzt, der dem Kranken frei von Vorurteilen, freundlich und sorgsam hilft und an die Zusammengehörigkeit der menschlichen Rasse glaubt, preist damit Gott.“
Das Lehren

Der wahre Baha'i wird an die Lehren von Baha'u'llah nicht nur glauben, sondern in ihnen Führung und Kraft für sein ganzes Leben finden, und voll Freude wird er andern die Erkenntnis übermitteln, welche die Quelle seines eigenen Wesens ist. Nur auf diese Weise wird er „die Macht und Bestätigung des Geistes“ in vollem Maße empfangen. Nicht alle können beredte Sprecher oder gewandte Schriftsteller sein, aber alle können dadurch lehren, daß sie „das Leben leben“. Baha'u'llah sagt:

„Das Volk Bahas muß dem Herrn mit Weisheit dienen, andere durch sein Leben belehren und das Licht Gottes in seinen Taten offenbaren. Die Wirkung der Taten ist wahrhaft mächtiger als die der Worte ... Die Wirkung des Wortes, das der Lehrer spricht, hängt ab von der Reinheit seiner Absicht und seiner Loslösung vom Irdischen. Manche begnügen sich mit Worten, aber die Wahrheit der Worte wird durch Taten und das gelebte Leben bezeugt. Taten offenbaren die Stufe des Menschen. Die Worte müssen mit dem übereinstimmen, was aus dem Munde des Willens Gottes hervorging und in den Tablets niedergelegt ist.“

Der Baha'i wird seine Ansichten in keinem Fall denen aufdrängen, die sie nicht hören wollen. Er wird die Menschen zum Königreich Gottes hinziehen und nicht versuchen, sie gewaltsam hineinzudrängen. Er wird wie ein guter Hirte sein, der seiner Herde vorangeht und die Schafe durch seine Melodie erfreut, anstatt sie, wie andere es tun, von hinten mit Hund und Stecken gewaltsam vorwärts zu treiben. Baha'u'llah sag:

„O Sohn des Staubes! Die Weisen sind jene, die nicht reden, ehe sie Gehör finden, gleichwie der Mundschenk seinen Kelch nicht darreicht, ehe er nicht einen Dürstenden trifft, und der Liebende nicht aus tiefster Seele ruft, ehe er nicht die Schönheit der Geliebten sieht. Deshalb säe den Samen der Weisheit und Erkenntnis in die gute Erde des Herzens und halte ihn verborgen, bis die Hyazinthen der göttlichen Weisheit aus dem Herzen aufsprießen und nicht aus dem Schlamm und Lehm.“

Im Tablet Ishraqat sagt Er ferner:

„O Volk von Baha! Ihr seid die Dämmerungsorte der Liebe und die Aufgangspunkte der Gunst Gottes. Befleckt eure Zunge nicht dadurch, daß ihr irgend jemanden verflucht oder verwünscht, und hütet eure Augen vor dem, was unwürdig ist. Zeigt, was in euch ist. Wird es angenommen, ist das Ziel erreicht. Wo nicht, da ist es nicht erlaubt, mit denen, die es verwerfen, zu streiten oder sich näher einzulassen, überlaßt sie sich selbst und schreitet vorwärts hin zu Gott, dem Beschützer, dem Selbstbestehenden. Seid nicht die Ursache des Kummers, noch weniger des Aufruhrs und des Streites! Wir hoffen, daß ihr im Schatten des Baumes göttlicher Gunst erzogen werdet und daß ihr stets nach Gottes Willen handelt. Ihr seid alle die Blätter eines Baumes und die Tropfen eines Meeres.“
Höflichkeit und Ehrerbietung

Baha'u'llah sagt:

„O Volk Gottes! Ich ermahne dich zur Höflichkeit. Höflichkeit ist ... die Krone aller Tugenden. Gesegnet ist, wer geschmückt ist mit dem Mantel der Aufrichtigkeit und erleuchtet ist mit dem Lichte der Höflichkeit. Wer mit Höflichkeit ausgestattet ist, nimmt eine hohe Stufe ein. Es ist zu hoffen, daß dieser Unterdrückte und alle Menschen sie erlangen mögen, ihr folgen, sich an sie halten und sie beachten. Dies ist der unwiderlegliche Befehl, der aus der Feder des Größten Namens floß.“

Wieder und wieder betont Er:

„Laßt alle Nationen der Welt miteinander in Freude und Wohlwollen verkehren. O Menschen, stimmt mit den Anhängern aller Religionen in Freude und Wohlwollen überein.“

Abdu’l-Baha sagt in einem Brief an die Baha'i in Amerika:

„Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht ein Herz beleidigt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht eine Seele verletzt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr gegen niemanden unfreundlich handelt! Hütet euch, hütet euch, daß ihr nicht für ein Geschöpf zur Ursache der Hoffnungslosigkeit werdet! Sollte jemand für irgendein Herz zur Ursache des Kummers oder für irgendeine Seele zur Ursache der Mutlosigkeit werden, so würde es für denselben besser sein, sich in den tiefsten Tiefen der Erde zu verbergen, als auf ihr zu wandeln.“

Abdu’l-Baha lehrt, daß so, wie die Blume in der Knospe verborgen ist, in jedem Menschenherzen ein Geist von Gott wohne, einerlei wie hart und unliebsam auch sein Äußeres sein mag. Der wahre Baha'i wird daher jeden Menschen behandeln wie der Gärtner eine seltene und schöne Pflanze pflegt. Er weiß, daß kein ungeduldiger Eingriff seinerseits die Knospe zur Blume entfalten kann, daß nur Gottes Sonnenschein dies zu tun vermag. Sein Bemühen ist daher, diesen lebenspendenden Sonnenschein in jedes verdunkelte Herz und Heim zu tragen. Abdu’l-Baha sagt ferner :

„In den Lehren von Baha'u'llah finden wir auch, daß man einem um Vergebung bittenden Menschen unter allen Bedingungen und Umständen vergeben muß, daß man seinen Feind lieben und den übelgesinnten als wohlgesinnten betrachten soll. Es sollte aber niemand einen andern als einen Feind ansehen, alles still erdulden und ihm verzeihen. Dies wäre Heuchelei und keine wahre Liebe. Nein, du mußt vielmehr deine Feinde wie Freunde ansehen, die dir übelwollenden als wohlwollende und sie dementsprechend behandeln. Deine Liebe und Güte müssen echt sein ... nicht nur Nachsicht, denn Nachsicht, wenn sie nicht von Herzen kommt, ist Heuchelei.“

Solcher Rat erscheint uns unverständlich und widersprüchlich, bis wir einsehen, daß, obwohl im äußeren, fleischlichen Menschen Haß und übelwollen wohnen, doch in jedem Menschen eine innere, geistige Natur liegt, die der wirkliche Mensch ist, von dem nur Liebe und Wohlwollen ausgehen können. Es ist dieser wirkliche, innere Mensch in jedem unserer Nebenmenschen, auf den wir unsere Gedanken und unsere Liebe richten müssen. Wenn dieser zur Tätigkeit erwacht, dann wird der äußere verwandelt und erneuert.
Das sündenbedeckende Auge

Die Baha'i-Lehre ist in keinem Punkte gebieterischer und unbeugsamer als in der Forderung, sich der Tadelsucht zu enthalten. Christus sprach sehr nachdrücklich über diesen Punkt, aber es ist jetzt üblich geworden, die Bergpredigt so zu betrachten, als bringe sie sogenannte Ratschläge der Vollkommenheit zum Ausdruck, die zu leben von einem gewöhnlichen Christen nicht erwartet werden könne. Sowohl Baha'u'llah als Abdu’l-Baha gaben sich die größte Mühe, klarzumachen, daß in diesem Punkt Sie in allem auch meinen, was Sie sagen. Wir lesen in den Verborgenen Worten (ar.27, ar.29):

„O Sohn des Menschen! Sprich nicht über die Sünden anderer, solange du selbst ein Sünder bist. Solltest du dieses Gebot übertreten, würdest du verworfen sein - dies bezeuge Ich dir.“

„O Sohn des Seins! Traue keiner Seele zu, was du nicht wünschest, daß man dir zutraue, und spricht nicht von dem, was du nicht ausführst. Dies ist Mein Gebot - gehorche ihm."

Abdu’l-Baha fordert von uns:

„Über die Fehler anderer zu schweigen, für sie zu beten und ihnen durch Güte zu helfen, ihre Fehler zu bessern. Immer auf das Gute zu blicken und nicht auf das Schlechte. Wenn ein Mensch zehn gute und eine schlechte Eigenschaft hat, auf die zehn guten zu blicken und die eine schlechte zu übersehen. Und wenn ein Mensch zehn schlechte und eine gute Eigenschaft hat, auf die eine gute zu blicken und die zehn schlechten zu übersehen. Sich niemals zu erlauben, ein unfreundliches Wort über einen andern zu sprechen, selbst wenn dieser unser Feind wäre.“

An einen amerikanischen Freund schrieb Er:

„Die schlimmste Eigenschaft und die größte Sünde ist die Verleumdung, ganz besonders, wenn sie von dem Munde der Gläubigen Gottes ausgeht. Wenn ein Mittel erfunden wurde, durch das die Tore der Verleumdung für ewig geschlossen werden könnten, und jeder der Gläubigen Gottes seine Lippen zum Lobe der andern öffnen würde, dann würden die Lehren Seiner Heiligkeit Baha'u'llah verbreitet, die Herzen erleuchtet, der Geist der Menschen veredelt und die Menschheit würde ewiges Glück erlangen.“
Demut

Während uns befohlen ist, die Fehler anderer zu übersehen und nur auf ihre Tugenden zu blicken, ist uns andererseits geboten, unsere eigenen Fehler herauszufinden und von unseren Tugenden kein Aufheben zu machen. Baha'u'llah sagt in den Verborgenen Worten:

„O Sohn des Seins! Wie konntest du deine eigenen Fehler vergessen und dich mit den Fehlern der anderen befassen? Wer dies tut, wird von Mir verworfen.“

„O ihr Auswanderer! Die Sprache bestimmte Ich zu Meiner Erwähnung. Befleckt sie nicht durch Verleumdung. Sollte euch das Feuer des Selbstes übermannen, so erinnert euch eurer eigenen Fehler und nicht der Fehler Meiner Geschöpfe, denn ein jeder von euch kennt sich selbst besser als das Wesen anderer.“

Abdu’l-Baha sagt:

„Laßt euer Leben eine Ausstrahlung des Reiches Christi sein. Er kam nicht, um Sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen ... In der Religion von Baha'u'llah sind alle Diener und Dienerinnen, Brüder und Schwestern. Sobald einer sich für ein wenig besser, für ein wenig höher hält als die übrigen, befindet er sich in einer gefährlichen Lage, und solange er den Keim solch übler Gedanken nicht beseitigt, ist er kein taugliches Werkzeug für den Dienst im Königreich Gottes.“

„Mit sich selbst unzufrieden zu sein. ist ein Zeichen des Fortschritts. Die Seele, die mit sich selbst zufrieden ist, ist die Offenbarung des Satanischen, und wer mit sich selbst unzufrieden ist, ist die Offenbarung des Barmherzigen. Wenn ein Mensch tausend gute Eigenschaften hat, so darf er nicht auf diese blicken; nein, er soll vielmehr danach streben, seine eigenen Mängel und Unvollkommenheiten herauszufinden ... Wie sehr ein Mensch auch Fortschritte machen mag, er ist dennoch unvollkommen, weil es immer noch eine Stufe über ihm gibt. Zu dieser Stufe blickt er aber nicht eher empor und trachtet nicht eher danach, sie zu erlangen, bis er mit seinem eigenen Zustand unzufrieden ist. Wenn sich jemand selbst lobt, so ist das ein Zeichen von Selbstsucht.“

Obschon uns befohlen ist, unsere Sünden einzusehen und sie aufrichtig zu bereuen, ist doch das übliche Bekennen der Sünden vor den Priestern und vor andern nachdrücklich verboten. Baha'u'llah sagt in den Frohen Botschaften:

„Wenn das Herz des Sünders von allem frei ist außer Gott, muß er allein von Gott Vergebung erflehen. Beichte vor den Dienern (d.h. vor Menschen) ist nicht erlaubt, denn dies ist nicht das Mittel noch die Ursache zu göttlicher Vergebung. Solche Beichte vor den Geschöpfen führt zu des Menschen Demütigung und Erniedrigung, und Gott - erhaben sei Seine Herrlichkeit - wünscht nicht die Erniedrigung Seiner Diener. Wahrlich, Er ist mitleidig und wohltätig. Allein mit Gott muß der Sünder um Gnade aus dem Meer der Gnade bitten und Verzeihung von dem Himmel der Vergebung erflehen.“
Forum -> Baha'i-Religion

Zurück  
1, 2, 3  Weiter
Ähnliche Themen
Baha'i und Karma
Gedankliches Probelm mit der Baha'i Offenbarung
Einfluss Krishnas und Buddhas auf die Baha'i
Wie beten und meditieren Baha'i?
Gibt es in der Baha'i Religion die Taqiyya?
Bahá'í-Stätten in Israel jetzt Weltkulturerbe!
Wer ist der Antichrist für die Baha'i?
Die Bahá'í-Religion. Ein Überblick.
Bahá'í-Beratung kommt im finnischen TV gut an
Baha'i und wieder autreten?