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Endlich hab ich mal wieder Zeit zum Schreiben. Ich will erstmal auf das von dir angesprochene Bezugssystem zu sprechen kommen. Verstehe ich es so richtig: Mein Bezugssystem ist diese Zeit und dieses Universum. Ich existiere hier und jetzt, also auch mein "Ich". Sterbe ich, bin ich in diesem Bezugssystem tot und bleibe tot. Nun wirds konfus: Der Tod mag eine Grenze sein, aber keine feste.
Jetzt stellen wir uns mal vor, das Universum stürzt in sich zusammen, beim Endknall kommt eine kleine bis große Unregelmäßigkeit auf, ein neues entsteht, das wie unseres aufgebaut ist. Jetzt würde deiner Meinung nach ein neues Bezugssystem entstehen, das alte "unangetastet" verbleiben? Ich sehe es anders. Genau wie die Replizierung des Körpers ist das Ich replizierbar, weil es nichts anderes als Folge des Körpers ist. Der Bezug(-sraum) ist völlig unerheblich.
Ich mach mal ein kleines Beispiel (Obwohl ich solche Übertragungen eigentlich nicht mag. Die sind zu ungenau):
Stell dir vor, du baust gleiche 2 PC´s. Auf dem ersten installierst du Windows. Dann kommt er in eine Schrottpresse.
Jetzt nimmst du den zweiten, aus den gleichen Teilen. Wenn du hier Windows installierst, wird es genau die gleichen Funktionen und -sweisen haben wie das alte.
Das Gehirn müsste natürlich unglaublich ähnlich sein, damit das gleiche Ergebnis rauskommt. Aber unendlich = machbar. Jetzt kommt die Stelle, an der ich Probleme bekomme: Der freie Wille und das "Ich". Hier ergibt sich ein Unterschied zwischen Mensch und Programm. Im Endeffekt: Warum kann ich 2 mal das gleiche Ich erzeugen, dann aber darin unterschiedliche Erfahrungen und Persönlichkeiten erschaffen? Wenn das Bezugssystem egal ist, reicht die Erzeugung eines "Ich"s, eines unglaublich komplexen Programms. Denn letztendlich sind alle Faktoren, die ein Bewusstsein in einem Körper erzeugen, beschreibbar.
So, jetzt habe ich mich wieder im Kreis gedreht. Meine Kernaussagen sind die gleichen wie im letzten post. Aber ich denke nicht, dass ein Bezugssystem so wichtig ist (zumindest nach der Definition, wie ich sie mir bilde).
Nur kommen jetzt massig Probleme auf: Es muss doch auch Universen geben, in dem es den 100,00% gleichen Körper 2- oder mehrmals gibt. Die einzelnen Atome (Stoffe/Elektronen) wären zwar andere, aber wenn sie nicht allzu sehr abweichen, dann ist so etwas egal. Der PC führt Windows immer gleich aus, auch wenn die Einzelteile nicht aus den gleichen Atomen aufgebaut sind.
Also 2 mal dasselbe "Ich" in einem Universum. Da das nur beinahe unendlich unwahrscheinlich ist, muss es das irgendwann mal geben. Was passiert jetzt? Das setzt natürlich auch vorraus, dass die Kinder zu jedem Zeitpunkt ihrer Kindheit und in der Gebärmutter mit den exakt gleichen Mengen von Nähstoffen versorgt wurden - auch beinahe unmöglich.
Meine Theorie (mehr ist es nicht; vll sogar eine Wunschtheorie) führt so zu seltsamen, undenkbaren Ergebnissen.
Alles in allem fürchte ich sowieso, dass das "Ich" einzigartig ist und bleiben wird. Das führt zu deiner Frage, wie ich mich dabei fühle. Naja, so und so. Einerseits natürlich schei** (treffender kann ich es nicht ausdrücken). Jeder Moment des Lebens ist irgendwann mal vorbei, auch wenn es der schönste des Lebens ist. Irgendwann mal bin ich völlig vergessen, nichtexistent, weg. Am passendsten ist die Analogie vom Schlaf ohne Traum: Bei so was merkt man nicht, wie die Zeit vergeht, dass man da ist. Man schläft ein und wacht auf. Die Zeit dazwischen ist subjektiv NICHTS. Was, wenn man nicht mehr aufwacht? Unendliche Langeweile. Immerhin merke ich nichts davon, doch irgendwie kann das meine Erwartung von der Langeweile nur noch verschlimmern. Wenn es so langweilig ist, dass ich nicht mal die Langeweile bemerke, dann ist es EXTREM öde.
Selbst bei bestem Zureden kann ich mich von dieser Ansicht lösen. Unser Leben ist zu kurz. Was sind schon 80 Jahre (falls ich die schaffe).
Und jetzt schau man sich mal andere Menschen an. Vor grade mal 60 Jahren starben einfach so 60 Mio Menschen, ein großer Teil davon noch keine 30! Babys sterben, Kinder sterben, wir sind so dumm und töten uns weiterhin fröhlich gegenseitig. DAS regt mich auf. Wenn uns nur eine Lebenszeit gegeben ist, dann sollten wir in einer Lebenszeit so viel wie möglich erreichen. Nicht nur privat, sondern global!
Andererseits: Man gewöhnt sich ein wenig an den Gedanken. Zwar nicht vollkommen, und im Alter wirds vll schlimmer, aber ein wenig hilfts. Milliarden sind vor mir gestorben, haben ihr Leben schon hinter sich (wenn sie überhaupt ein richtiges hatten, frei von extremen Qualen). Ich folge halt eines Tages. Himmel wird auch irgendwann mal langweilig: Unendliche Glückseligkeit = Unendliche Langeweile. Man hat irgendwann alles unendlich oft gemacht, was Spaß macht. Von daher: Das Leben kann gerne länger sein, aber wenn man den Augenblick vor dem Tod nochmal alle guten Dinge vorbeiziehen lässt, stirbt man in Ruhe und Frieden. Das ist doch auch eine Form der ewigen Glückseligkeit.
Jetzt will ich aber auch deine Ansichten erfahren....
| Zitat: |
| Rein rational besteht hier ein Widerspruch: Was wäre das Logischste, das ein Mensch tun könnte, wenn ihm bewusst wäre, dass er genau ein Leben hat, auf das bis in alle Unendlichkeit nichts folgt? => Jede Sekunde das zu tun, zu dem er gewillt ist! Und, glaube mir - unabhängig allen Anstands, Werten, Gesetzen, Rechten. |
"Rational"/Logisch gesehen ja, aber von einem "vernünftigen" Standpunkt aus nicht. Deine Beschreibung wäre die erste Ebene. Aber man könnte mit ein wenig Anstand (ok, mit viel Anstand) auch folgern, dass wir einfach für jeden Menschen auf der Erde das schönstmöglichste Leben ermöglichen sollen. Das würde vielleicht bedeuten, dass wir unsere Ansprüche etwas zurückschrauben müssen. Leider ist die Menschheit zu dumm, um dahinter zu kommen. Geld, Macht, Herrschaft, (zT fehlgeleitete) Religion kann auch beitragen, die Welt zu verschlechtern.
@Bobo:
Was macht dich so sicher, DASS etwas danach kommt?
-deine Erfahrungen?
1. Habe ich keine derartigen Erfahrungen
2. Erfahrungen sind höchst subjektiv. Sowohl deine als auch diejenigen derer, die du in den Tod begleitest hast.
3. Wenn man 2 bedenkt, dann habe ich keine ernsthaften Gründe, ein Leben nach dem Tod im spirituellen Sinne auch nur ansatzweise in Erwägung zu ziehen. Leben = Stoffaustausch. Das endet nach dem Tod.
Außerdem: Wenn wir ein Leben nach dem Tod haben, warum nicht die Affen? Sie sind nicht sehr verschieden zu uns? Ab wann in der Menschheitsgeschichte sollte eigentlich die Grenze sein, ab der wir plötzlich ein Leben danach erlebten?
Wenn Tiere ein Leben danach haben, wie weit kann das gehen? Ratten, Insekten, Würmer, Kleinstlebewesen, Bakterien? Irgendwann vermischen sich außerdem Tiere und Pflanzenwesen.
Aussagen wie "vielleicht hat Gott das-und-das gemacht/gewollt..." sind auch höchst subjektiv, entsprechen einem eigenen Gedankengang und so z.T womöglich auch gewissen Wunschvorstellungen (zB "Ich glaube an Gott, so halt. Und es gibt bestimmt auch ein Leben nach dem Tod. Sonst wären 80 Jahre zu kurz" - keinerlei Argumentation). So was mag sich schön anhören, aber wenig bringen [Achtung: Meine Meinung!].
Falls es kein Leben nach dem Tod gibt:
- Ich gehe davon aus. Also habe ich mich schon teilweise damit abgefunden.
- Gläubige gehen vom Gegenteil aus, die verpassen dann verdammmmmt viel.
Falls es eines gibt:
- Naja, umso besser! Wird zwar auch irgendwann mal öde, aber immerhin! Das dauert dann ein paar Billiarden Jahre.
- Der Gläubige geht hiervon schon aus
Ich gehe auch nicht 100% vom atheistischen (Welt-)bild aus. Nur zu 98%...
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