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Gott ist mein Herr und euer Herr, so dienet Ihm. Das ist ein gerader Weg.« Dementsprechend werden die namentlich unerwähnt bleibenden Jünger Jesu im Koran nicht nur als seine Nachfolger, sondern auch und zuerst als seine »Helfer zu Gott« bezeichnet (Sure 3:52, f). Zum Wesen der Sendung Jesu gehört auch, der unmittelbare Vorläufer Muhammads zu sein. Daher gehört es zu seiner Botschaft, dessen Kommen anzukündigen (Sure 61:6): »Und als Jesus, der Sohn Marias, sagte: O Kinder Israels, ich bin der Gesandte Gottes an euch, um (...) einen Gesandten zu verkünden, der nach mir kommt: sein Name ist Ahmad.« Ahmad bedeutet »der Gepriesene, der Hochgelobte« und hat in der Wurzel dieselben drei Konsonanten (h-m-d) wie Muhammad. Daher wird dieser Vers von islamischen Auslegern durchweg als Anspielung auf das »Siegel der Propheten« (Sure 33:40) verstanden. In jedem Fall lässt sich beobachten: Wie das Neue Testament den jüdischen Propheten Johannes den Täufer als Vorläufer Jesu betrachtet bzw. instrumentalisiert, so wird Jesus seinerseits im Koran als Vorläufer Muhammads in Anspruch genommen. Sure 61:6 dient mithin als Hinweis auf die Einheit und Kontinuität der göttlichen Offenbarungs- als Prophetengeschichte.
(3) Jesu Wunder werden im Koran »Beweise«, manchmal auch »Zeichen« genannt. Jesus vollbringt sie auf Grund einer doppelten Voraussetzung. Zum einen hat Gott ihn von Geburt an gestärkt mit dem »Geist der Heiligkeit«. Zum anderen kann Jesus seine Taten allein »mit Gottes Erlaubnis« tun. Beides kommt in folgender Beschreibung der Wunder Jesu zum Ausdruck, in der Gott selbst Jesus anredet (Sure 5:110). Die Auflistung erinnert an die Summarien der Synoptiker: »O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte, sodass du zu den Menschen in der Wiege und als Erwachsener sprachst; und als Ich dich das Buch, die Weisheit, die Tora und das Evangelium lehrte; und als du aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt mit meiner Erlaubnis schufest und dann hineinbliesest und es mit meiner Erlaubnis zu einem Vogel wurde; und als du Blinde und Aussätzige mit meiner Erlaubnis heiltest und Tote mit meiner Erlaubnis herauskommen ließest«.
Drei Taten Jesu werden im Koran besonders gewürdigt: das Wiegen-, das Vogel- und das Speisetischwunder. Beim Wiegenwunder (Sure 3:46; 5:110; 19:29-33) spricht Jesus bereits als Kind zweimal zu den Menschen: zunächst tröstend zu seiner Mutter, sodann auf dem Arm Marias zu den Menschen. Mit seiner Rede nimmt Jesus nicht nur Maria vor den Verdächtigungen und Verleumdungen ihrer Angehörigen in Schutz, sondern stellt sich selber als »Gottes Diener« vor und beschreibt seinen göttlichen Auftrag. Eine weitere Tat Jesu ist das Vogelwunder, das eine gewisse Verwandtschaft zeigt mit einem Wunderbericht im apokryphen Kindheitsevangelium des Thomas (Kap. 2), gleichwohl aber signifikante Unterschiede zu diesem aufweist. Denn das Vogelwunder Jesu dient dem Erweis der Schöpfermacht Gottes, der Menschen durch Wort und Tat daran teilhaben lässt, wann und wie es Ihm gefällt, nicht aber der Verherrlichung eines göttlichen Wunderknaben. Am ausführlichsten von allen Wundern Jesu wird das mit der Speise, die (auf einem Tisch) vom Himmel kommt, beschrieben (Sure 5:112-115). Möglicherweise ist dieser Bericht ein Reflex der Speisewunder, von denen die Evangelien berichten, oder der Vision des Petrus in Joppe (Apostelgeschichte 10,9-16), vielleicht aber auch der (gnostischen) Tradition vom Himmelsbrot (vgl. Johannes 6,30-35) oder einfach der Praxis der christlichen Mahlfeiern am »Tisch des Herrn« (1 Korinther 10,21), also der Worte zur Einsetzung des Abendmahls.
(4) Ein letzter gewichtiger Titel Jesu im Koran ist »Diener Gottes« (abd Allâh). Diese Bezeichnung ist kein exklusiver Titel für Jesus, sie ist vielmehr die grundsätzliche Be-stimmung des Menschseins als solchen. Der Anthropologie des Koran zufolge besitzt der Mensch eine abd-Struktur (vgl. Sure 51:56; 7:194; 13:15, f; 21:26). Der Mensch als »Diener« ist, was er ist, in seiner Verwiesenheit und seinem Angewiesensein auf Gott als seinem alleinigen »Herrn« (rabb). Jesu Bezeichnung als abd ist von dieser Herr-Diener-Relation bestimmt. Solches abd-Sein des Menschen bedeutet nicht die blinde Unterwerfung eines unmündigen Sklaven, sondern »die Entfaltung des eigentlichen Kerns seines Daseins«, wie der muslimische Theologe Abdoldjavad Falaturi betont. Mit dem aus der jüdisch-christlichen Tradition stammenden Titel des »Gottesknechts« soll ebenso wie mit der Bezeichnung »Sohn Marias« gesagt werden, dass Jesus nicht der »Sohn Gottes« ist. Die Behauptung einer Gottessohnschaft Jesu kann sich dem Koran zufolge nicht auf Jesus berufen - mehr noch: sie steht geradewegs im Widerspruch zu seinem Selbstzeugnis. Gott ist nicht sein Vater, sondern sein Herr. Genauso wenig wie die Engel, die in der unmittelbaren Gegenwart Gottes leben, ist Jesus zu stolz dafür, sich dem Einen und Einzigen Gott als sein Geschöpf unterzuordnen, wie Sure 4:172 betont: »Der Messias wird es sicher nicht aus Widerwillen ablehnen, Diener Gottes zu sein, und auch nicht die in die Nähe (Gottes) zugelassenen Engel. Wenn einer es aus Widerwillen ablehnt, Ihm zu dienen, und sich hochmütig zeigt, so wird Gott doch sie allesamt zu sich versammeln
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