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Die Einsamkeit der Mütter












http://www.emma.de/einsamkeit_der_muetter_2008_5.html

Was mich so bewegt, ist, daß die Tötung der Kinder nicht hätte stattfinden können, wenn auch Väter zu ihrer Verantworung stehen würden.

Zitat:
Nadja N. bekommt das Kind nachts um 4.30 Uhr auf der Toilette. Er schläft nebenan auf dem Sofa. "In meinem Kopf habe ich überhaupt nichts mehr mitgekriegt. Der Gedanke war nur: Was machst du jetzt?" Als er sie wenig später fragt, woher das Blut auf der Toilette käme, ­behauptet sie, sie hätte eine Fehlgeburt gehabt. Er befiehlt ihr sauberzumachen – und fährt zur Arbeit.

Sprachlosigkeit. Angst. Verdrängung. Sprachlosigkeit in der Beziehung; Angst vor dem Mann, dem Erzeuger des Kindes; Verdrängung der Schwangerschaft und bevorstehenden Geburt. Fast immer sind es Hausfrauen oder ganz junge Mädchen. Und immer sind sie gnadenlos einsam.


Was macht den Menschen zum Mörder ?
Wird Tötung zur Gewohnheit, weil wir keinen Ausweg aus bestimmten Situationen wissen - warum funktioniert in der Gesellschaft das soziale System nicht mehr ?
Warum schaut Jeder weg - weil es bequem ist ?
Weil man fürchtet, sich dann um die Mitmenschen kümmern zu müssen ?
Weil man mit den eigenen Problemen nicht fertig wird ?

Weil man zu sehr gefordert worden wäre ?

Zitat:
"Mein Mann hat gesagt, wenn ich ihm noch einmal eine Schwangerschaft verheimliche, schmeißt er mich raus!" Sabine S. wird wieder schwanger, von ihrem Mann. Es ist keineswegs ein Geheimnis im Ort, dass sie schwanger ist. Und er? "Es ist unwahrscheinlich, dass man eine Schwangerschaft nicht mitbekommt", sagt sie heute.

Sie bekommt das Kind tagsüber in der Badewanne, wo sie zuvor eine Nagelschere und Desinfektionsmittel bereit gelegt hat, sie ist schließlich Wissenschaftlerin. Danach irrt sie in der Dämmerung mit dem Neugeborenen durch den Ort. Der Arzt? Da ist alles dunkel. Die Kirche? Sabine S. befürchtet, dass das Kind über Nacht stirbt, wenn es nicht gleich entdeckt wird. Sie kehrt nach Hause zurück und setzt sich mit dem eingewickelten Kind aufs Sofa. Sie wartet.

Endlich dreht sich der Schlüssel im Schloss. Der Mann öffnet die Wohnzimmertüre, wirft einen Blick – und schließt die Türe wieder. Sabi­ne S.: "Da hat es bei mir Klick gemacht. Stromausfall." Als sie wieder zu sich kommt, "bin ich mit der Hand am Hals des Kindes".


Wie menschlich sind wir ?

Wird töten zur Gewohnheit ?
Weil in sämtlichen aktion-Filmen das Töten wie Sport aussieht - wie ein Spaßspiel im Computerprogramm ?

Sterben unsere Gefühle ?
Gabriele, du suchst dir auch immer die Themen aus, die so richtig wehtun.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich für die Frauen nicht viel Verständnis.
Wie kann ein normaler Mensch eine wie oben geschilderte Beziehung führen? Sie hat für mich eindeutig einen an der Waffel, Wissenschaftlerin hin oder her.
An den Action-Filmen wird es sicher eher weniger gelegen haben, schätze ich.
@astrella,
verstehen kann man diese Frauen nicht.
Ich habe vor einigen Jahren zusammen mit einer Kollegin eine damals 30jährige Frau verteidigt, die ihr Kind ebenfalls unmittelbar nach der Geburt getötet hat. Sie hatte schon 3 Kinder von zwei verschiedenen Männern, der Vater des getöteten Kindes hatte sich auch schon aus dem Staub gemacht. Die ersten 3 Kinder sind in einem Heim gewesen, weil die Frau mit sich und ihrem eigenen Leben überfordert war.
Diese Frau hatte bis dahin ein Leben hinter sich gebracht, dass geprägt war, von gestörten Beziehungen, Gewalt (physich und psychisch) und einer teilnahmslosen Umgebung. Ein Lebenslauf der in seinen Einzelheiten uns Verteidiger fast ebenso erschüttert hat, wie die Tat selbst. Auch in diesem Fall hatte angeblich niemand in ihrem überschaubaren Umfeld etwas mitbekommen von der Schwangerschaft, die Frau selbst hat sie solange es ging, auch vor sich selbst "geheim gehalten".
Sie gebar das Kind in der Küche, die Nabelschnur hatte sie mit einer Schere durchtrennt.
Sie hat ihr Kind, ein gesundes Mädchen, dann innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt getötet, indem sie es mit einem Küchentuch erstickte.
Sie selbst konnte sich daran nicht mehr richitg erinnern. Ihre Erinnerung setzte erst am nächsten Tag wieder ein. Sie rief dann -irgendwie absurd- einen Notarzt, weil ihr Kind tot sei.
Bei der Geburt befand sie sich in einer völligen Ausnahmesituation. Was wird jetzt? Ein Kind. Ich kann es nicht versorgen. Man wird es mir wegnehmen, wie die anderen Kinder auch. Sie muss in diesem Moment eine unglaublich verzweifelte und einsame Frau gewesen sein.

Wir haben als Verteidiger eine zerstörte Frau, eine gebrochene , ich will fast sagen, gestorbene Existenz vorgefunden. Ein armseliges Bündel Mensch, emotional ausgehöhlt, kaum fähig, dass Monströse ihrer Tat zu erfassen.

Zitat:
Wie kann ein normaler Mensch eine wie oben geschilderte Beziehung führen?

Das ist der Punkt. Man kann diese Frauen im allgemeinen nicht mit "normalen" Maßstäben messen. Wenn darüber berichtet wird, erfährt man immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt - in der Regel die Tatsache, dass ein Kind getötet wurde. Das weckt in der Gesellschaft starke Emotionen. Die weiteren Umstände bleiben meist im Dunkeln. Man sieht nur die "Kindsmörderin". Und das wird diesen Täterinnen sehr oft nicht gerecht, auch wenn man als Außenstehender ihre Tat natürlich nicht begreifen kann.
Aber man sollte sich davor hüten, sie zu Monstern zu stilisieren.

Ach ja, unsere Mandantin wurde zu 3 Jahren und 9 Monaten Freiheitsstrafe wegen eines minderschweren Falles des Totschlages verurteilt.
Zitat:
Gabriele, du suchst dir auch immer die Themen aus, die so richtig wehtun.


Weil die Welt nicht nur "rosarote" Wolken hat, sondern auch sehr viel dunkle. Und weil ich beide Seiten wahrnehme und versuche, zu verstehen, was in den Menschen vorgeht, wenn sie eine Tat begehen.

Ich glaube, wenn Menschen fest von sich und ihren Handlungen als Richtschnur überzeugt sind, daß sie andere Menschen weniger verstehen können oder wollen. Und vielleicht auch, weil es als Schutz für sich selbst dient.

Wenn alles so einfach wäre, dann wäre die Welt anders, aber die Welt ist nun mal nicht einfach zu verstehen und es gibt Zweifler, Suchende und Menschen aller coleur.

Wir merken schon lange, daß die gesellschaftlichen Tabus wegbrechen, daß Menschen in Situationen geraten, an die man früher nie gedacht hat und es ist alles scheinbar so fern, und doch so nah.
Aus einer sicheren Position heraus läßt sich immer leicht urteilen, aber wie sieht es aus, wenn man in die gleiche Situation geraten würde, wie würde man dann handeln ?
Liegt es am Charakter des Menschen, liegt es daran, daß unsere Ängste größer geworden sind ?
Sind Erziehung und die erhaltene/nicht erhaltene Liebe ím Elternhaus ein Grund für Fehlverhalten oder sind wir psychisch nicht stabil.

Es gibt so viele Gründe und die Psyche des Menschen ist manchmal unergründlich.

Wie können wir Gott verstehen, wenn wir nicht einmal unseren Nächsten verstehen können ?


Ich habe oft dieses Bild vor Augen

http://www.engelbilder.de/products/.....s-Ende-der-Maskerade.html

Ich denke auch, nekilotte hat es mit dieser Meinung auf den Punkt gebracht.

Zitat:
Wir haben als Verteidiger eine zerstörte Frau, eine gebrochene , ich will fast sagen, gestorbene Existenz vorgefunden. Ein armseliges Bündel Mensch, emotional ausgehöhlt, kaum fähig, dass Monströse ihrer Tat zu erfassen.


Grüße am Abend
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum I


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