|
|
|
Ich weiß, daß es nicht jedem Menschen so gut geht wie uns, daß manche Menschen einfach kaputt sind.
Aber diese Frauen sind erwachsen. Sie sind keine passiven Wesen, die durch die Widrigkeiten des Lebens umhergeschleudert werden, sondern sie lassen sich schleudern. Irgendwann ist jeder mensch für sich selbst verantwortlich und kann nicht mehr alles auf die bösen Eltern oder was ich was schieben. Wenn jemand sein Kind tötet, dann ist dieser Mensch hochgradig gestört und gehört in Therapie.
So gerne wird auf die Umgebung verwiesen, die so schön wegguckt. Tun sie das? Scheuen sie nicht eher die Verantwortung, die damit einhergeht, sich so einer Frau anzunehmen? Muß man von jeder Frau in schwierigen Verhältnissen ausgehen, daß sie eine potentielle Kindsmörderin ist?
Ich habe in meiner Nachbarschaft eine Frau, die war bei nserem Einzug mehr oder weniger hochschwanger. Eine Nacht lagen wir wach, weil von drüben die ganze Nacht Wehklagen und Schreie kamen. Danach sah man sie eine ganze Zeitlang nicht mehr, aber nach ein paar Monaten tauchte sie wieder auf - nicht schwanger, auch nicht mit Baby...was also kann da vorgefallen sein.
Wieviel kann man nachfragen in so einem heiklen Thema, wenn man ansonsten eher (sprachbedingt) wenig Kontakt hat? Wieviel Wunden soll man aufreißen, die vielleicht durch eine Fehl- oder Totgeburt entstanden sind, um seine Neugier zu stillen? Und würde man wirklich die Wahrheit erfahren, wenn das Fehlen des Babys andere Ursachen hat?
Ich bin doch nicht Miss Marple.
Übrigens ist sie jetzt wieder schwanger.
@neki
Als Verteidiger steht man ja nun auf der Seite des Mandanten und ist in der Pflicht, das Beste für ihn rauszuholen. Nur wenn ich der Frau eine krankhafte Störung diagnistiziere und eine Einschränkung ihres freien Willens und Denkens, kann ich sie von Verantwortung lossprechen.
Ich für mich persönlich glaube an die Existenz eines freien Willens und dazu gehört eben, daß man bei so einer Tat entweder in eine Therapie oder in den Knast gehört. Auch ein noch so verzweifelter Mensch trägt Verantwortung, und die Alternative: "Ich bringe mein Kind lieber um als daß es ins Heim kommt" ist einfach haarstäubend.
Ich weiß von mir selbst, daß man ein Baby eine Zeit lang als eine Verlängerung von sich selbst sieht und nicht als autonomen Menschen. Wo man meint, man habe noch "Rechte", weil es mehr oder weniger mal zum eigenen Körper gehörte.
Die Tötung von Neugeborenen kommt oft vor in der Natur bei Stressituationen wie auch sogar toleriert in vielen Kulturen. Macht die Sache meines Erachtens aber auch nicht viel besser.
Wenn wir Tötungen und Mord allgemein ablehnen, dann gibt es kein "Ja, aber..", denn es ist, was es ist: Die Auslöschung eines ganzen Menschenlebens. Unwiederrufbar.
|
|
|
|
@gabriele,
| Zitat: |
Wir merken schon lange, daß die gesellschaftlichen Tabus wegbrechen, daß Menschen in Situationen geraten, an die man früher nie gedacht hat und es ist alles scheinbar so fern, und doch so nah.
|
Die Kriminalstatistik belegt keine Zunahme der Kindstötungen - ganz im Gegenteil.
Es ist wie so oft ein falsche Wahrnehmung, die vermuten lässt, es gebe hier eine signifikante Steigerung. Es wird sehr viel mehr als früher medial ausgeschlachtet. Kindstötungen hat es schon immer gegeben. Es gab bis 1998 noch den § 217 StGB, in dem es eine Priveligierungsvorschrift für unverheiratete Frauen gab, die ihr Kind unmittelbar nach der Geburt getötet haben. Dies zeigt, dass es schon immer ein akutes Regelungsbedürfnis für diese tragischen Fälle gegeben hat.
Heute ist es sicher nicht mehr zeitgemäß, zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen zu unterscheiden. Es werden nur die Einzelheiten des Falles beurteilt.
|
|
|
|
nekilotte, da gebe ich Dir recht, daß es durch die Vielzahl der von den Medien aufgeführten Fälle den Anschein gibt, daß es vermehrt Tötungen gibt.
| Zitat: |
| Aber diese Frauen sind erwachsen. Sie sind keine passiven Wesen, die durch die Widrigkeiten des Lebens umhergeschleudert werden, |
astrella, die Handlungen auch eines erwachsenen Menschen kann man nicht einfach damit erklären, daß er erwachsen ist.
Wie sensibilisiert sind wir für die Nöte von Menschen ?
Einfach nur aburteilen, ohne Nachzudenken, irgendwie lax irgendwelche Meinungen hinstellen und sagen: nun: mir kann es nicht passieren, bei mir ist alles in Ordnung und die sind eben die schlechten Menschen - ich glaube, so einfach kann man sich das nicht machen.
| Zitat: |
"Daher kommt die wunderliche Thatsache, daß Jeder sich a priori für ganz frei, auch in seinen einzelnen Handlungen, hält und meint, er könne jeden Augenblicke einen andern Lebenwandel anfangen, welches hieße ein Anderer werden. Allein a posteriori, durch die Erfahrung, findet er zu seinem Erstaunen, daß er nicht frei ist, sondern der Nothwendigkeit unterworfen, daß er, aller Vorsätze und Reflexionen ungeachtet, sein Thun nicht ändert, und vom Anfang seines Lebens bis zum Ende denselben von ihm selbst mißbilligten Charakter durchführen und gleichsam die übernommene Rolle bis zu Ende spielen muß."
Schopenhauer. |
http://www.oekosophie.de/html/vorstellungen_vom_menschen_.html
Ich denke, früher, in jungen Jahren, hätte ich auch anders geurteilt, mich den gesellschaftlichen Bedingungen und Vorgaben angepaßt, aber später, als mir selbst so vieles passierte, begriff ich, wie unsensibel wir bei der Verurteilung anderer Menschen sind. Ohne nachzudenken, ohne hineinfühlen zu können in bestimmte Situationen - was wir für richtig halten, hat richtig zu sein, und belegen es dann mit groben Worten.
Trotz meines Verständnisse für bestimmte Situationen, mir ist diese Erfahrung im persönlichen Leben erspart geblieben, irgendwie hatte ich Glück, daß ich nicht darauf angewiesen war, daß ein Mann sagen konnte: ich will es und ich will es nicht - trotzdem lasse ich mir im Fantasiebereich die Situation durch den Kopf gehen, als wäre es meine Situation und ich versuche, darüber nachzudenken, was ich dann wohl getan hätte ?
Da kommt man dann schon ins Grübeln.
|
|
|
|
| Zitat: |
| astrella, die Handlungen auch eines erwachsenen Menschen kann man nicht einfach damit erklären, daß er erwachsen ist. |
Das habe ich auch nicht so gemeint. Aber Erwachsene tragen eine Verantwortung, wer sonst wenn nicht sie? Kinder? Tiere? Das sind doch die Opfer, die sich noch nicht wehren können. Die sind wirklich passiv und wehrlos.
Wieviel Eigenverantwortung kann man einem Menschen abverlangen?
Ab einem gewissen Alter sollte man in der Lage sein, die Weichen in seinem Leben selbst zu stellen, andernfalls müsste man ihm die Mündigkeit und das Recht auf weitreichende Entscheidungen wie zum Beispiel Familienplanung einfach absprechen. Wäre das die Alternative?
Ich kann mir nicht vorstellen, daß diese Menschen das Gefühl haben, unmündig zu sein.
Wie soll man auf solche monströse Tat reagieren?
Duziduzi über den Kopf streicheln und "nicht so schlimm hätte jedem von uns unter den Umständen passieren können" von sich geben?
Das stimmt doch so nicht.
Gut, ich bin nun auch kein Teenager mehr und habe schon persönlich oder auch nur in meiner Vorstellung in einige Untiefen meines Ichs geschaut, und ich habe so ziemlich genau eine Ahnung, unter welchen Umständen ich scheitern oder zu einer Mörderin werden könnte.
Mag sein, daß normalerweise die menschliche Seele sowieso ungeahnte Abgründe bereithält - wenn man mal bei gewohnheitsmäßigen Mord an Zivilisten während des 2. Weltkrieges durch treusorgende Familienväter anfängt und bei den Ergebnissen von den fingierten Elektroschocktests , die man anderen verabreichen sollte aufhört - irgendwie sind das aber immer (´tschuldigung Neki) Männer. Frauen töten nicht. Und schon gar keine Kinder oder Babys. Vielleicht ist es das, was so für mein Gefühl gar nicht geht.
|
|
|
|
Manchmal denke ich an die Kinder, die in Afrika zu Kindersoldaten ausgebildet werden und welche Strapazen sie durchleben müssen, wenn sie zum Töten gezwungen werden. Was wird aus ihnen als Erwachsene.
Würde ich jetzt die Seelenreife mit hinein nehmen, könnte man sagen, daß der Mensch, egal wie alt er im biologischen Alter ist, er auch ein seelisches Alter hat.
Nicht jeder Mensch, der uralt geworden ist, ist auch seelisch reif.
Kam gestern eine Meldung, daß Johannes Heester(104) nun allmählich seine Texte vergißt - in den 5 Liedern seines Vortrags mußte ihm 2 Dutzend mal geholfen werden von seiten seiner Frau und seines musikalischen Begleiters.
Irgendwie will der Mann nicht alt werden - sein Sträuben, zu erkennen, daß es Zeit ist, empfinde ich fast als etwas Kindliches.
Wenn der Mensch nicht in Würde altern kann, wenn er sich aufzwingt, die Jugendlichkeit noch wie weiß wer lange halten zu müssen, ist seine Seele noch nicht reif.
Durch unsere Mitmenschen lernen wir sehr viel, auch, uns selbst zu erkennen.
Wenn wir in die Welt mit wachen Augen schauen, wird uns viel klar. Auch vieles, was uns unklar ist, wenn wir es nur einseitig betrachten.
Diese geschilderten Fälle der Frauen sind nur einige von vielen - von denen wir nicht alle wissen. Gott sei Dank.
Letztendlich werden aber diese Frauen mit dem Leid konfrontiert, denn es wird sie nie in Ruhe lassen, ihr Leben lang nicht.
Sind diese kleinen Seelen auf die Welt gekommen, damit etwas geschieht und der damit betroffene Mensch über sich und sein Leben neu nachdenken muß ?
Maurice Maeterlinck schreibt in "Weisheit und Schicksal" Jena 1908
"Je mehr der Horizont
unserer Seele sich erweitert,
umso mehr erweitert sich
auch der Horizont des Glücks;
Denn der Raum, den unsere Gefühle
und Gedanken einnehmen, ist der einzige,
auf dem unser Glück sich bewegen kann.
Unser Glück bedarf keines materiellen RaumsM
aber der moralische Raum,
der sich vor ihm auftut,
kann nie groß genug sein."
| Zitat: |
Dr. Bernhard Prediger:
"Wir sehen nie das Ganze und unterliegen, sofern wir das, was wir sehen und und uns bewußt machen, für das Ganze nehmen, immer einer Täuschung." |
|
|
|