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@astrella,
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Wie soll man auf solche monströse Tat reagieren?
Duziduzi über den Kopf streicheln und "nicht so schlimm hätte jedem von uns unter den Umständen passieren können" von sich geben? |
Das ist ein faktisch unlösbares Problem. Wie begegnet man einer solchen Tat? Was ist im Fall einer Verurteilung eine gerechte Strafe? ich weiß es nict und die Richter wisse, wenn sie ehrlich zu sich selbst sind natürlich auch nicht. Juristisch handelt man die Sache nach dem Rahmen ab, der sich durch die Rechtsprechung des BGH oder die Instanzgerichte herausgebildet hat.
Und wie du selbst schon gesagt hast -entweder Strafe oder Therpie, bzw. beides.
Solche Taten passieren nicht einfach so, sie haben meistens eine lange Vorgeschichte. Ich will auch nnicht den Eindruck erwecken, als seine diese Taten zu rechtfertigen, dass sind sie nicht! Aber man muss doch die Umstände jedes einzelnen Falles genau beleuchten.
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| irgendwie sind das aber immer (´tschuldigung Neki) Männer. |
Ich habe damit gar kein Problem. Es ist eine Tatsache. Meine Mandanten sind zu 90 % Männer. Man muss auch mal feststellen, dass in den Fällen der Kindstötungen die Rolle der Männer/Väter im öffentlichen Bewusstsein gar nicht wahrgenommen wird. Und juristisch greifbar ist das regelmäßig gar nicht. Das bedeutet aber nicht, dass hier nicht eine Mitschuld vorliegen kann bzw. regelmäßig vorliegt.
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| Frauen töten nicht. Und schon gar keine Kinder oder Babys. Vielleicht ist es das, was so für mein Gefühl gar nicht geht. |
Eben. Es ist die starke emotionale Besetzung des Themas, dass für das Unverständnis sorgt. Kinder töten ist schon unvorstellbar. Mütter, die ihre eigenen Kinder töten, ist so unverständlich, so weit weg von dem Bild einer Mutter, dass man sich als halbwegs gesunder Mensch, mit einen Minimum an Gewissen gar nicht vorstellen kann, warum man so etwas tut.
Es widerspricht jedem inneren Instinkt in uns.
Und dennoch, diese Frauen sind keine Monster. Es gibt irgendetwas in ihrem Leben, dass ein solch unvorstellbare Tat möglich gemacht hat. Es muss der Versuch unternommen werden, diese Gründe zu ermitteln. Denn trotz dieses schrecklichen Geschehens haben die Täterinnen einen Anspruch darauf, so "gerecht" wie es eben möglich ist, beurteilt zu werden.
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Wieviel Eigenverantwortung kann man einem Menschen abverlangen?
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Eine schwierige Frage, die man eben nur im Einzelfall beurteilen sollte. Grundsätzlich muss man von einer Eigenverantwortung ausgehen, da sonst alle unsere Regeln des Zusammmenlebens sinnlos werden. Aber es gibt im Einzelfall sehr große graduelle Abweichungen.
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| die Rolle der Männer/Väter im öffentlichen Bewusstsein gar nicht wahrgenommen wird. |
Wenn ein Mann meint, er hätte die vielen Schwangerschaften seiner Frau nicht mitbekommen und es wird ihm (scheinbar) von der Öffentlichkeit geglaubt, dann trägt die Gesellschaft ebenso ihre Schuld daran.
Oder sind Männer nicht aufmerksam genug, wenn es um die Gefühle von Frauen geht ? Um ihre Befindlichkeiten ?
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| Aber es gibt im Einzelfall sehr große graduelle Abweichungen. |
Jeder Mensch ist anders, jeder Fall ist anders, jedes Schicksal ist anders.
Lieben wir den Nächsten nur, wenn er so ist wie wir und was ist, wenn nicht ?
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@Gabriele
Kindersoldaten sind einem ganz anderen Druck ausgesetzt. Sie werden unterunglaublichen Bedrohungen gezwungen, die Menschen, die sie lieben, zu verstümmeln, zu töten oder dabei zuzusehen, wie sie gefoltert werden. Danach sind sie gebrochen. Unter Drogen gesetzt, machen diese Kinder alles. Diese Menschen "zurückzuholen" gelingt aber trotzdem manchmal, weil in der Gesellschaft einfach der Konsens besteht, daß diese Kinder nicht für ihre zum Teil bestialischen Taten verantwortlich gemacht werden können. Oft gelingt sogar eine Familienzusammenführung.
Die Erwachsenen, die aus diesen Kindern entstehen, werden mit dem "morlaischen Nachreifen" und der Reflektion über ihre Taten jedoch zunehmend suizidgefährdet oder aber einfach verrückt. Oder sie verbleiben roh und den Rest ihres Lebens gewaltbereit und nicht mehr sozialisierbar.
Ich finde die Bemühungen, diese Kinder zu reintegrieren, einfach unglaublich. Ich weiß nicht, ob ich in dem Maße verzeihen könnte.
@Neki
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Und dennoch, diese Frauen sind keine Monster. Es gibt irgendetwas in ihrem Leben, dass ein solch unvorstellbare Tat möglich gemacht hat. |
Kann man das nicht bei jedem Menschen sagen, der ein Verbrechen begeht, ob nun vorsätzlich oder im Affekt? Entweder gehe ich davon aus, daß der Mensch an sich frei in seinen Entscheidungen ist, oder aber determiniert. Vielleicht ist der Übergang fließend, ich weiß es nicht.
Ich habe noch nie eine Kurzschlussreaktion erlebt und kann mich da nicht reinversetzen, vielleicht habe ich deswegen das Gefühl, Affekthandlungen werden so ein bißchen wie eine Ausrede behandelt. Genauso wie: Ich war betrunken/ich stand unter Drogen. Macht die Sache auch nicht entschuldbarer, ganz im Gegenteil.
@Gabriele
Männer mögen in diesem Fall eine Mitschuld tragen.
Sehe ich genauso. Dennoch: Frauen werden hier nicht zwangsverheiratet. Ich suche mir meinen Lebenspartner selbst aus. Punkt.
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@astrella,
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| Kann man das nicht bei jedem Menschen sagen, der ein Verbrechen begeht, ob nun vorsätzlich oder im Affekt? |
Ich glaube, dass potentiell jeder in entsprechenden Situationen zum Täter werden kann.
Ich habe verschiedenste Täter kennen gelernt,. Die Bandbreite gehrt von tatsächlich schuldunfähig bis hin zu nichts anderem als schlicht einer Riesendrecksau, die ganz genau wusste, was sie macht.
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| Ich habe noch nie eine Kurzschlussreaktion erlebt und kann mich da nicht reinversetzen, vielleicht habe ich deswegen das Gefühl, Affekthandlungen werden so ein bißchen wie eine Ausrede |
Ich selbst habe dass ebenfalls noch nie persönlich erlebt, daher würde ich auch nie behaupten, das ich diese Täter verstehe.
Die Ausgangsfälle - also Kindstötungen durch die Mutter - sind auch für mich im engeren Sinne keine Affekttaten. Dies Frauen befinden sich im Monent der Geburt und kurz danach in einer Art Schockzustand. Sie waren vorher schon psyschich und emotional extrem unstabil. In eine solche Situation kann man sich nicht hineinversetzen.
Wie gesagt, es geht nicht darum die Tat schön -oder gar kleinzureden. Bei solchen Kapitaldelikten habe ich das nie getan und würde es nie tun. Es geht darum diesen Frauen, die häufig nicht nur Täterinnen sind, soweit es möglich gerecht zu werden.
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| Kindersoldaten sind einem ganz anderen Druck ausgesetzt. Sie werden unterunglaublichen Bedrohungen gezwungen, die Menschen, die sie lieben, zu verstümmeln, zu töten oder dabei zuzusehen, wie sie gefoltert werden. Danach sind sie gebrochen. Unter Drogen gesetzt, machen diese Kinder alles. |
Diese Kinder können kannst du daher auch nicht in "normalen" Maßstäben für ihre Taten verantwortlich machen.
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| Ich finde die Bemühungen, diese Kinder zu reintegrieren, einfach unglaublich. |
Aber doch wohl notwendig und wichtig.
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| Ich weiß nicht, ob ich in dem Maße verzeihen könnte. |
Ich glaube, dass man ihnen nicht einmal verzeihen muss. Das Verzeihen halte ich ohnehin für das höchstpersönliche Recht der betroffenen Opfer. Nur diesen steht es zu, zu verzeihen.
Es genügt, wenn man anerkennt, dass auch diesen Kindern unglaubliches Unrecht angetan wurde. Dass man Täter aus ihnen gemacht hat und sie unter dieser Prämisse beurteilt.
Die angolanische Gesellschaft, die sicherlich sehr viel heterogener ist als in Deutschland, hat wohl gar keine andere Wahl, als die Geschichte der Bürgerkriege in dieser Form aufzuarbeiten. Eine Indiviualgerechtigkeit in Bezug auf die stattgefundenen Verbrechen während der zahlreichen Kriege kann dort kaum hergestellt werden.
@gabriele,
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Wenn ein Mann meint, er hätte die vielen Schwangerschaften seiner Frau nicht mitbekommen und es wird ihm (scheinbar) von der Öffentlichkeit geglaubt, dann trägt die Gesellschaft ebenso ihre Schuld daran.
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Ich glaube das in der Regel auch nicht, aber es gibt durchaus Verdrängungen, die soweit gehen, dass man am Ende das wirklich glaubt, was man anfangs nur glauben wollte.
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| Oder sind Männer nicht aufmerksam genug, wenn es um die Gefühle von Frauen geht ? Um ihre Befindlichkeiten ? |
Für dies Männer gibt's eine ganz einfache und passende Beschreibung: Riesenarschloch. Die kümmern sich einen Scheiss um irgendjemandes Befindlichkeit, die kennen nicht einmal dieses Wort.
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| Ich glaube, dass potentiell jeder in entsprechenden Situationen zum Täter werden kann. |
Kann. Nicht muss. An diesem Punkt fängt doch gerade der freie Wille an. Man hat in den meisten Fällen eine Entscheidungsmöglichkeit. Manche entscheiden sich für den einen Weg, andere f+ür den anderen. Selbst wenn ich davon ausgehe, daß dem Menschen, der den "falschen"Weg gewählt hat, subjektiv keine ander Wahl blieb... ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll. Hm. Eine Gesellschaft kann doch nur funktionieren, wenn man das Gefühl hat, daß inakzeptables Verhalten auch irgendwie geahndet wird.
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| Ich finde die Bemühungen, diese Kinder zu reintegrieren, einfach unglaublich. |
Aber doch wohl notwendig und wichtig. |
Unglaublich war in diesem Fall nicht negativ gemeint.
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| Ich weiß nicht, ob ich in dem Maße verzeihen könnte. |
Ich glaube, dass man ihnen nicht einmal verzeihen muss. Das Verzeihen halte ich ohnehin für das höchstpersönliche Recht der betroffenen Opfer. Nur diesen steht es zu, zu verzeihen. |
Oft ist die Familie ja selbst von den Taten der Kinder betroffen gewesen.
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| Es genügt, wenn man anerkennt, dass auch diesen Kindern unglaubliches Unrecht angetan wurde. Dass man Täter aus ihnen gemacht hat und sie unter dieser Prämisse beurteilt. |
Ich denke, so rational kann man auch nur als Anwalt denken
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| Die angolanische Gesellschaft, die sicherlich sehr viel heterogener ist als in Deutschland, hat wohl gar keine andere Wahl, als die Geschichte der Bürgerkriege in dieser Form aufzuarbeiten. Eine Indiviualgerechtigkeit in Bezug auf die stattgefundenen Verbrechen während der zahlreichen Kriege kann dort kaum hergestellt werden. |
Hier ist eine Art Voodoo noch sehr verbreitet. Diese Kinder werden dann einer rituellen Reinigung unterzogen, die sie von den Dämonen befreit.
Die Taten werden dann nicht mehr mit dem Kind verknüpft, sondern mit den bösen Geistern, die Macht über das Kind erlangt haben.
Vielleicht ist es die einzige Form, die das Geschehene erträglich macht.
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