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Jakobsbrunnen












War Jesus fremdenfeindlich?
Die Begegnung mit der griechischen Frau aus Syrophönizien (Tyrus, Küstenregion nördlich von Israel), die in Matthäus 15,21-28 mit dem alten Gebietsnamen als Kanaaniterin bezeichnet wird, ist nicht die einzige Begegnung Jesu, wo man den Verdacht hat, er sei fremdenfeindlich oder zumindest unfair im Umgang mit Nichtisraeliten. Das berühmte Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Johannes 4) ist ein weiteres Beispiel. Die tatsächliche Einstellung Jesu leitet sich nicht immer unmittelbar aus diesen Passagen ab. Deshalb ist es verständlich, wenn man aufgrund solcher Bibeltexte vorschnelle Schlüsse zieht.

Jesus geht es einerseits immer um die ganz persönliche Begegnung mit den Menschen und andererseits legt er die große Rettungs- (= Heils-) Geschichte Gottes mit uns Menschen offen. So kommt es, dass er manchmal Dinge sagt oder einen Umgangston pflegt, der uns fremd und zu barsch erscheint. Und doch geschieht alles in großer Liebe zu den Menschen, die er hart anspricht.

Das beste Beispiel sind die Pharisäer und ungläubigen Juden. Ihnen erspart Jesus nichts an Kritik. Das ist in vielen Fällen auch unbedingt nötig, um sie zur richtigen Einsicht zu bringen und zu retten. Jesus ist also auf keinen Fall nur zu Nichtjuden hart! Sondern seine Härte hat immer einen sachlichen Grund.


Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen
Bei der Frau am Jakobsbrunnen musste er richtig stellen, dass der Messias tatsächlich von den Juden kommt und dieses Volk eben das von Gott erwählte ist. Ein Messias z.B. aus Samarien wäre mit Sicherheit nicht den Verheißungen entsprechend. Die alttestamentliche Prophetie musste im jüdischen Christus erfüllt werden, sonst wäre Gott unglaubwürdig und auch bzgl. seiner Treue gegenüber Israel unzuverlässig. Diese Tatsache betont Jesus im Gespräch mit der Samariterin und verhilft ihr dadurch zur richtigen heilsgeschichtlichen Erkenntnis:

"Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr (Samariter) weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden."
Johannes 4,21


Andererseits zeigt z.B. dieses Gespräch die Offenheit, Ehrlichkeit und Liebe Jesu gegenüber dieser, für einen Juden "unmöglichen" Person. Die Frau erkennt Jesus als den Messias, ja als ihren persönlichen Erretter:

"Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!"
Johannes 4,28


Das Ergebnis des Gesprächs ist die richtige Erkenntnis der Frau – sie hat den Messias gefunden, das ist es, was Jesus möchte - ganz sicher möchte er das auch bei der kanaanitischen Frau!


Worum es Jesus geht
Jesus reagiert nur scheinbar sehr abweisend. In Wirklichkeit weiß er um den starken Glauben der Frau und prüft ihn bewusst in Anwesenheit der Jünger. Diese möchten am liebsten, dass Jesus "kurzen Prozess" mit der Frau macht und Jesus tut offensichtlich genau das, was sie von ihm erwarten. Die Jünger sollen hier vermutlich mehr lernen, als die Frau!

Jesus erklärt zwar den heilsgeschichtlichen Aspekt in sehr hartem Ton ("Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel"), und bezeichnet Nichtjuden gar als "Hunde" im Vergleich zu den Kindern Israels. Doch ist das keine wüste Beschimpfung anderer Völker, sondern bringt lediglich deren Situation auf den Punkt: Ohne den Hintergrund der Geschichte Gottes mit den Juden, gibt es keinen Messias und auch keine Rettung für die Heiden! Soweit dürften sich die umstehenden Jünger bestätigt fühlen.


Kam Jesus nicht für alle Menschen?
Doch Gott möchte nicht nur die Juden, sondern alle Menschen durch Christus retten. Sein erwähltes Volk Israel soll lediglich die frohe Botschaft als erstes erfahren. Die Frau reagiert nicht entrüstet, sondern in einer unglaublichen Demut und Anerkennung dieser Reihenfolge. Jesus lobt ihren Glauben vor den Jüngern und heilt ihre Tochter, wie sie ihn flehend gebeten hatte.

Jesus empfiehlt damit bestimmt nicht in erster Linie seinen harten Redestil als generell angemessen, sondern unterstreicht die vorbildliche Glaubenshaltung der Frau, die keine Bedingungen an ihren Retter stellt. So lobt er auch an anderer Stelle gerade einen Heiden und seinen kompromisslosen Glauben im Vergleich zu dem schwachen Glauben der Kinder Israels (die ständig neue Belege für Jesu Messianität fordern):

"Wahrlich ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen (eben aus den heidnischen Völkern!) und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs (Israels) werden hinausgestoßen in die Finsternis ..."
Matthäus 8,10-12



Fazit
Hier wird deutlicher als bei der Geschichte mit der kanaanitischen Frau, die eigentliche Einstellung Jesu sichtbar: Obwohl er Israel das Vorrecht, den Messias mitten unter sich zu haben, gewährt und seine Vollmacht mit großen Wundertaten belegt, wird er doch von den meisten verachtet und abgelehnt - und das macht Jesus sehr traurig (vgl. Lukas 13,34). Damit hat Israel jeden Vorrang vor den Heiden verspielt.

Es zählt allein der aufrechte und hingebungsvolle Glaube an Christus – egal aus welchem Volk der oder die Gläubige stammt. Nicht die Abstammung, sondern der Glaube an Jesus ist das Entscheidende. Diese Lektion erteilt Jesus den Israeliten und insbesondere seinen Jüngern, nicht zuletzt durch das Verhalten der kanaanitischen Frau.

(aus: nikodemus.net )
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