Gott und Religionen


Die Religionen der Welt sprechen von Frieden, Liebe, Freiheit; allerdings unter der Bedingung, dass man dem jeweiligen angebeteten Gott so dient, wie es ihrer Interpretation nach richtig ist. Man entgehe sämtlichen Segnungen, wenn man Gott nicht entsprechend diene. Jede Religion und und fast jede Glaubensausrichtung beansprucht für sich, die "wahre Religion" oder der "wahre Glaube" zu sein; dementsprechend werden abweichende Religionen und Ansichten als "unwahr" dargestellt.


Glaubensvorstellungen erschaffen Verhaltensweisen; wir verhalten uns nach unserem Glauben. "Glaube" ist das, was wir für "Richtigkeit" halten.


Trotz Jahrtausende alter Traditionen und Glaubensvorstellungen sind wir immer noch fern von Frieden, Liebe und Freiheit. Da stellt sich jedem Denkenden die Frage, ob die praktizierten Glaubensmodelle und -vorstellungen diesem Ziel überhaupt dienlich sind.


Die Religionen sprechen vom Einhalten bestimmter Gesetze, deren Grundlagen sie ihren heiligen Schriften entnehmen. Dogmen und Doktrine, obwohl von Menschen geschrieben, werden bewährterweise Gott zugeordnet, um diesen Dogmen und Doktrinen Unantastbarkeit zu verschaffen. Jede heilige Schrift wird (von Menschen) mit dem Dogma "Wort Gottes" versiegelt und für unfehlbar und unantastbar erklärt und wehe, einer wagt es, dies anzuzweifeln, dann...

Aus den Ausführungen entsteht das Bild eines beurteilenden, trennenden, bedürftigen, rachsüchtigen Gottes, der eine bestimmte Gruppe von dienenden Menschen bevorzugt und andere ausschliesst und verdammt, die es nicht tun. Die Belohnung ist das "Paradies", der "Himmel" und die Strafe die "Hölle", das "Fegefeuer" oder die "ewige Vernichtung". So muss dieser Gott mit Demut und dem Einhalten bestimmter Gesetze und Rituale ständig besänftigt werden, sonst...


Ein Rückblick: in archaisch strukturierten Gesellschaften waren Religion und Politik nicht voneinander getrennt. Die Menschen sahen in den Naturgewalten Götter, denen sie hilflos ausgeliefert waren und die ständig besänftigt werden mussten. Die Gottes- oder Götterbändiger waren die Priester, Schamanen, oder wie auch immer man sie nennen mag. Diejenigen, die in der Lage waren, die Götter zu besänftigen, hatte die grösste Machtposition inne. Diese Machtposition wurde Instrument einer religiös-politischen Elite die sich damit die restliche Bevölkerung untertan hielt und kontrollierte. Die machtpolitische Gleichschaltung gab der Bevölkerung wiederum eine elitäres Gefühl gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen. Dieses kollektiv-elitäre Gefühl wurde von den Inhabern der Machtposition mit Hilfe eines Angst-Lohn-Bestrafungs-Prinzips kontrolliert. "Macht" und "Kontrolle" steht in unmittelbaren Zusammenhang und denjenigen, welche die Machtposition innehaben, ist sehr daran gelegen, diese Position beizubehalten, zu erweitern und zu festigen. Dementsprechend wurde das Gottesbild unter Ausnutzung einer tiefsteckenden menschlichen Urangst zu dem geformt, was heute immer noch für "Gott" gehalten wird.


Immer wenn das Lohn-Bestrafungs-Prinzip auftaucht, wäre zu hinterfragen, ob sich dahinter die Intension zu Macht und Kontrolle verbirgt.


Diese Strukturen setzen sich in verschiedenen Formen bis in die heutige Zeit fort. Sie erschaffen eine Welt der Trennung, der Rachsucht, der Belohnung und Bestrafung, des Exklusiven und des Minderwertigen, der Be- und Verurteilung. Wenn man in die Welt; ist es für jeden ersichtlich. Unter dem Deckmantel der Liebe wird Unliebe geschaffen, unter dem Deckmantel des Friedens Krieg und Trennung, aus der Botschaft der Freude wurde ein Ausdruck des Leids. Das Dogma, dass es nur einen einzigen Weg gibt, hat uns hier her gebracht.

Wir leben jetzt in einer Zeit, in der wir unsere kollektiven Glaubensvorstellungen einer eingehenden Überprüfung unterziehen; sie dementsprechend zu ändern, dass sie dem Frieden, der Liebe und der Freude dienlich sind, statt offenen Auges weiter an der Destruktion festzuhalten.

Dafür müssen wir nicht einen bestimmten Weg gehen; vielmehr geht es darum, dass wir mit sämtlichen verfahrenen Vorstellungen über das, was Gott ist, reinen Tisch machen. Das Lohn-Bestrafungs-Prinzip hat solange wunderbar funktioniert, bis Menschen begonnen haben zu hinterfragen; und es funktioniert immer noch gut genug, um selbstständiges Denken zu unterdrücken.
Es gibt nicht nur einen Weg, es gibt viele Wege. Jeder von uns geht einen dieser vielen Wege und es gibt keinen Weg, der "besser" oder "schlechter" ist.

Wenn man wählt, an einen Gott zu glauben, der irgendwie etwas braucht, und dessen Gefühle so verletzt sind, wenn er es nicht bekommt, dass er Strafen austeilt, dann entscheidet man sich dazu, an einen Gott zu glauben, der sehr viel kleiner ist, als Gott es ist.

"Gott" und "Bestrafung" passen nicht zusammen, denn Gott ist Liebe. Liebe erwartet nicht, sie ist nicht eigennützig, sie beansprucht nichts, vergibt alles, wertet nicht, sie drängt sich nicht auf; sie ist ohne Bedingung, ohne Erwartung, ohne Bedürfnis.

Wenn Gott Bedingungen stellen würde, wäre Gott nicht Liebe, denn Liebe ist ohne Bedingung.

Wenn Gott Gehorsam erwarten würde, wäre er bedürftig; dann wäre Gott nicht Liebe, denn Liebe erwartet nicht und beansprucht nicht.

Gott richtet nicht, denn das würde heissen, dass er wertet, dann wäre Gott nicht Liebe, denn Liebe wertet nicht.


Es gibt nichts, was Gott haben möchte oder braucht. Gott hat keine Bedürfnisse.
Alles-Das-Ist ist genau das: alles, das ist. Deshalb braucht es und mangelt es ihm schon der Definition nach an nichts. Gott fordert nichts, befiehlt nichts, verlangt nichts, zwingt zu nichts; weder weist Gott etwas an, noch erbittet er etwas, beharrt er auf etwas, erwartet er etwas. Gott ist der Urheber von Allem und Jedem. Er ist der Schöpfer und das Erschaffene. Es gibt nichts, was er nicht ist. Er ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.


Es geht nicht um die Abschaffung der Vielfalt, sondern um die Veränderung unserer Vorstellung über die Vielfalt.
Nichts ist "besser" oder "schlechter", "richtig" oder "falsch"; vielmehr lautet die Frage, ob etwas in Bezug auf das gewünschte Ziel funktioniert oder nicht funktioniert. Die Frage nach "besser/schlechter" oder "richtig/falsch" ist ein Aspekt der Beurteilung, die Frage nach der Funktion ist ein Aspekt der Beobachtung.

In Bezug auf die Funktionalität erweisen sich viele der geheiligsten Glaubensvorstellungen als Irrtum, denn sie sind dem Frieden, der Liebe und der Freiheit nicht dienlich, wenn sie genau das Gegenteil davon, nämlich Krieg, Hass, Unfreiheit und Ungleichheit, produzieren.

Es geht auch nicht um Abschaffungen der Religionen oder des Gottes-Glaubens, sondern um die Veränderung oder das Loslassen von Glaubensvorstellungen, die auf dem Irrtum beruhen, das Gott und wir getrennt sind, das wir Menschen getrennt voneinander sind, dass es bessere und schlechtere Menschen gibt, dass es nur einen Weg zu Gott gibt, dass Gott nicht bedingungslose Liebe ist, dass er bedürftig ist, richtet, wertet, bestraft usw.

Es geht um die Erhöhung und Erweiterung des Bewusstseins und der damit einhergehenden Erhöhung und Erweiterung der Glaubensvorstellungen. Es geht darum, zu verstehen, dass Erhöhung und Erweiterung ein fortlaufender Prozess der Veränderung ist; ein Prozess der ständigen Bewegung: das Leben. Jeglicher Stillstand steht dem entgegen. Es geht darum, Wege zu wirklicher Liebe, Freiheit und Freude zu finden.

Es gibt nur Einen von Uns.


(Text von mir und nachlesbar auf meiner Website unter "http://www.seelenfluegel.net/religionen.html")


Grüsse
Christian
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Die Quelle von Leben, Liebe und Weisheit liegt in jedem Einzelnen von uns.

www.seelenfluegel.net
Hallo Christian,

sehr schöner Text! Ich hoffe das lesen noch viele hier!

Ich werde da später mal ein paar vertiefende Frage zu stellen, wenn du magst!

Welcome to the club!

Gruß Heiko
_________________
Man kann eine Lebenssituation erst dann beurteilen, wenn man sie verändert hat!
Soulwing schreibt

Zitat:
Es geht darum, Wege zu wirklicher Liebe, Freiheit und Freude zu finden.

Also, Wege zu wirklicher Liebe, Freiheit und Freude zu finden.
Das heißt, wer diese Liebe, Freiheit und Freude nicht hat, der ist auf dem falschen Weg, in diesem fall muss der Mensch
den richtigen weg suchen.


In Johannes Evangelium wird viel von der liebe gesprochen
Zum Beispiel diese Schriftstellen.
Joh 3, 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Oder diese Joh 13, 34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, auf dass, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet.

1Jo 4, 10 Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.

1Jo 4, 11 Geliebte, wenn Gott uns also geliebt hat, so sind auch wir schuldig, einander zu lieben.

Im Übrigen, lieben kann nur der, wer von Hass und Neid befreit ist, in diesem fall kann uns Jesus helfen, er sagt in Joh 8, 36 Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.

Joh 8, 32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Also anders gesagt ist es so, dass wer diese Liebe, Freiheit und Freude nicht hat, der ist nicht frei, der muss zu Jesus im gebet kommen, und um befreijung bei im bitten.

Jesus sagt auch in Matthäus 11 28 Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. 29 Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen;

Und in 2 Korinther 13, 11 steht geschrieben: Im übrigen, Brüder, freut euch, lasst euch wieder zurechtbringen, nehmt Ermahnung an, seid einträchtig und lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Hallo Braun,

Zitat:
Also anders gesagt ist es so, dass wer diese Liebe, Freiheit und Freude nicht hat, der ist nicht frei, der muss zu Jesus im Gebet kommen, und um befreijung bei im bitten.


Weder Liebe noch Freiheit noch Freude sind Privilegien der Christen.

Auch Buddha empfand eine intensive Liebe zu allem Sein.
Moslems, Christen, Hindus und alle anderen lieben ihre Kinder gleichermaßen.
Gott liebt alle gleichermaßen!

Christen sind nicht Freier als andere.
Unfreiheit ist auch ein Gefangensein in Dogmen.

Und Freude?
Ich arbeitete 3 Jahre in einer psychosomatischen Klinik, die meisten die kamen und eine Religion hatten waren Christen.
Martin H. schreibt
Zitat:

Ich arbeitete 3 Jahre in einer psychosomatischen Klinik, die meisten die kamen und eine Religion hatten waren Christen.

Wen die Klinik im Christlichem Land ist dann werden auch die meisten Christen sein, aber ob das auch wirklich Christen sind.

Gottes Segen wünscht Braun.
Zitat:
Wen die Klinik im Christlichem Land ist dann werden auch die meisten Christen sein, aber ob das auch wirklich Christen sind.

Nun, in der ganzen Zeit hatte ich eine Muslima und keinen Moslem, und das spiegelt in keiner Weise die Verhältinsse wieder.
Ob es Christen sind?
Ja, öfters:

Zitat einer Patientin: „Gott wird mich bestrafen weil ich so eine Schlechte Mutter bin“
Wird diese Furcht eine Besserung bringen?

Oder eine Frau von den Marienkindern, sie musste regelmäßig als Kind über Nacht kniend beten. Ihre Schwester wurde als Baby kalt geduscht, wenn sie schrie, denn das schreien käme vom Teufel.

Haarsträubend ist so etwas. Warum Gott fürchten? Warum sich einen Teufel kreieren?
Lieber in Liebe zu Gott leben und wissen, dass Gott niemals gefürchtet werden muss.
Hallo Braun

Zitat:
Also, Wege zu wirklicher Liebe, Freiheit und Freude zu finden.
Das heißt, wer diese Liebe, Freiheit und Freude nicht hat, der ist auf dem falschen Weg, in diesem fall muss der Mensch
den richtigen weg suchen.


Es gibt kein "richtigen" Weg oder "falschen" Weg, sondern nur Wege, die in Bezug auf das was man zu erreichen wünscht, funktionieren oder nicht funktionieren; aber das habe ich ja in meinem Text ja schon angesprochen. Eine Weg zu gehen, der in Bezug darauf nicht funktioniert, ist deswegen nicht schlechter, nur möglicherweise etwas mühseliger.

Die Liebe, so wie sie Jesus lebte und vermitteln wollte, wurde meiner Meinung nach sehr, sehr missverstanden und dementsprechend schlug sich das in den späteren Schriften der Bibel in all ihren Übersetzungen nieder. Ich bin kein Bibelzitierer, aber einen Vers möchte ich hier in Hinblick auf die Suchenden hier nicht vorenthalten:

"Der Suchende soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er findet, wird er in Erschütterung geraten; und (wenn) er erschüttert ist, wird er in Verwunderung geraten, und er wird König über das All werden".
(Thomas, Abs. 2)



Viele Grüsse
Christian
Hallo Christian, das Zitat aus dem Thomas-Evangelium ist auch eines meiner Lieblingszitate.

An Deinen Text glaube ich zu erkennen, dass Du Neale Donald Walsch gelesen hast. Für mich auch ein Schlüssel zu tieferen Gottesverständnis.
Hallo Christian

Wirklich ein beeindruckender Text und ich kann nur vollkommen zustimmen.
Wenn man die kleingeistigen Streitereien in manchen Unterforen hier liest dann ist dein Beitrag wirklich eine angenehme Abwechslung

Besonders die Aussage


Zitat:
Wenn man wählt, an einen Gott zu glauben, der irgendwie etwas braucht, und dessen Gefühle so verletzt sind, wenn er es nicht bekommt, dass er Strafen austeilt, dann entscheidet man sich dazu, an einen Gott zu glauben, der sehr viel kleiner ist, als Gott es ist.


trifft IMHO voll und ganz zu.

Ich würde soetwas sogar also "Gotteslästerung" betrachten - wenn man Gott also genauso kleinkariert und beschränkt darstellt wie man es selbst ist, dann kann das m.E. nur als Beleidigung gelten.
Hallo Martin H.

Ja, die GMG-Reihe hat mich gewissermassen bestätigt und auch "weitergeführt" und ich habe viel "zurückbekommen", was natürlich wiederum in meine Gedanken und Weltauffasunge geflossen ist.. Ich wurde früher immer wieder gefragt, ob ich GMG gelesen hätte...bis ich dann eines Tages diese Bücher in der hand hatte.


Hallo Amaris,

Es sieht so aus, dass "wir" uns einen Gott nach unserem Bilde geschaffen haben, wenn der genauso kleinkariert ist, wie "wir".


lg
Christian

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