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@ Alle, denen sich die Wahrheit bis jetzt verschlossen hat!
Die Bibel - was ist die Bibel
Die Bibel ist ein Dokument der Menschheitsgeschichte, erzählt über dreitausend Jahre hinweg, wortgetreu weitergegeben von Generation zu Generation, aufgeschrieben und gehütet, ausgelegt und ins eigene Leben hineingenommen. Sie ist ein Weltkulturerbe. In der Geschichte des jüdischen Volkes und in den christlichen Zeugnissen ist das Lebenswissen der Menschheit aufgehoben. Texte in allen Gattungen und Formen sind dort gesammelt: Sprüche und Rätsel, Lieder und Gedichte, Briefe und Novellen, Gebete und Visionen, Geschichtsbücher und Fabeln, Gesetze und Gleichnisse. Wir verstehen die Bibel als Zeugnis der langen Geschichte der Menschen mit Gott und zugleich als die Geschichte Gottes mit den Menschen. In diesem Sinne ist die Bibel ein Glaubensbuch.
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Warum die Bibel ausgelegt werden muss!
Die göttliche Wahrheit haben wir in "irdenen Gefäßen" (2. Kor 4,7) vor uns liegen. Darum ist die Bibel auslegungsfähig und auslegungsbedürftig.
In der Bibel selbst ist die Frage der Auslegung präsent. Unterschiedliche Traditionen, Altes und Neues Testament, verschiedene Perspektiven auf ein und dieselbe Geschichte sind zu einem Ganzen verwoben, ohne darin vollends aufzugehen. Die unterschiedlichen Erzählungen und Motive ergänzen und relativieren sich. Die Schrift legt sich durch die Schrift aus. Bereits die Bibel selbst ist ein Ort praktizierter Auslegung.
Damit unterscheidet sich unser Verständnis der Bibel als "Heiliger Schrift" von den Heiligen Schriften anderer Religionen. Wir verstehen die Bibel nicht als ein einheitliches wortwörtliches Diktat Gottes. Die Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort. Schriftauslegung gehört wesentlich zu unserer Tradition.
Der Geist Gottes bewirkt, dass sich Menschen immer wieder unmittelbar durch das Wort der Bibel angesprochen fühlen. Die biblischen Texte in ihrer unterschiedlichsten Form werden so selbst zur Verkündigung, zum Weg Gottes zu uns Menschen.
"Verstehst du auch, was du liest?" (Apg 8,30) Diese Frage des Philippus ist eine zentrale evangelische Frage. Es ist notwendig, das Zeugnis der Bibel in unsere Zeit zu "übersetzen", damit wir es verstehen.
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"Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen" (Lk 24,44), sagt Jesus den Emmausjüngern.
Zwölf Gründe, die Bibel zu lesen
1. Wer die Bibel liest, kennt seine Wurzeln.
2. Wer die Bibel liest, achtet den Anderen.
3. Wer die Bibel liest, versteht mehr von Kultur.
4. Wer die Bibel liest, hält inne.
5. Wer die Bibel liest, begegnet Gott.
6. Wer die Bibel liest, achtet Israel.
7. Wer die Bibel liest, sucht Wahrheit.
8. Wer die Bibel liest, gewinnt Freiheit.
9. Wer die Bibel liest, wird reich.
10. Wer die Bibel liest, findet verborgene Schönheit.
11. Wer die Bibel liest, bleibt nicht allein.
12. Wer die Bibel liest, hat mehr vom Leben.
Gruß Baldur
Was Menschen erleben und erleiden, ist in diesen Texten entfaltet: Brudermord, Krieg und das Ringen um den Frieden, die Gesetzlichkeiten des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die Fragen nach Macht und Recht, Familienzwist und Kinderlosigkeit, der Kampf um bebaubares Land und ausreichend Wasser, Erotik und Liebe, Verrat und Verlust, Glück, Dank, abgründige Gottesverzweiflung und jubelnde Gottesleidenschaft.
Diese biblischen Dokumente verdichten Menschheitserfahrung in all ihren Höhen und Abgründen. Die Ambivalenz menschlicher Existenz wird in Lebensbildern und Überlebensbildern in den biblischen Texten erfahrbar. Sie öffnen Horizonte zur Deutung individueller und gesellschaftlicher Fragen, sie erschließen Lebensdramaturgien unterschiedlicher Zeiten und Kulturen. Die Bibel ist ein Schlüssel zum zwischenmenschlichen Verständnis, ein Grundmuster zur Lebensdeutung.
Die biblische Überlieferung ist zugleich Geburtsstätte der Liturgien des christlichen Gottesdienstes, des persönlichen Gebetes und des gemeinsamen Bekennens. Die Bibel selbst ermuntert zur Weitergabe ihrer Texte über Generationen hinweg: "Was wir gehört haben und wissen und unsre Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern." (Ps. 78,3-4).
Neutestamentliche Texte sind Bekenntnistexte zum auferstandenen Christus - gewachsen aus der Messiaserwartung des Alten Testaments. Sie sind Kern und hermeneutischer Rahmen für die Bekenntnisbildung der Kirche trotz unterschiedlicher kultureller Wurzeln und verschiedener Gemeindetraditionen. Sie stellen bis heute die Gemeinde in eine lange Traditionsreihe. Über den Rahmen von Bekenntnis und Gemeinde hinaus lassen sie sich von jedem Einzelnen neu weitererzählen. Denn diese Texte sind radikal und halten auch ein Schweigen über Gott aus, das für Gott offen bleibt.
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