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Textkritik – die Lunte am
religiösen Dynamit
Die Brisanz liegt unter anderem darin,
dass den Muslimen bis heute der Koran als
das ungeschaffene, direkte Wort Gottes
gilt.
In der Offenbarung hat Gott gewisser-
maßen selbst arabisch gesprochen. Zen-
trum des Islam ist ja der Koran, nicht sein
Prophet Mohammed. Und es sind keines-
wegs nur Islamisten, die so denken, son-
dern theoretisch alle Muslime. So ist denn
selbst die Übertragung des heiligen Buches
in eine andere als die sakrale Sprache des
Koran eine wenn nicht mehr verbotene, so
doch noch immer besonders problemati-
sche Angelegenheit. Ein wissenschaftliches
Herangehen nach dem Vorbild der aufklä-
rerischen europäischen Bibelkritik, der hi-
storisch-kritischen Methode, gibt es bis
heute nicht.
Solches tun allein westliche
Arabisten, Semitisten, Koranforscher – und
legen damit die Lunte an religiöses Dyna-
mit. Die wenigen Muslime, die ihnen da-
bei folgen, leben heute im westlichen Aus-
land oder sind getötet worden.
Faruq Foda, ein ägyptischer „Säkularist“,
wie man solche Wissenschaftler in der arabi-
schen Welt gern nennt, wurde auf offener
Straße erschossen, der palästinensische Pro-
fessor Suliman Bashir aus dem Fenster ge-
worfen, Nasr Hamed Abu Zaid musste
Ägypten verlassen, der Literaturnobel-
preisträger Nagib Machfus wurde in Kairo
attackiert.
Die Schärfe und Brutalität, mit
der die angeblich einzig wahre Exegese ver-
treten wird, hängt nicht zuletzt auch damit
zusammen, dass die Auslegung des Koran
benutzt wird, um politische Macht zu erlan-
gen oder zu legitimieren.
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LG
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