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Hallo,
hier nochmal ein par Fakten:
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Alle „Informationen“ finden sich in biographischen Werken des frühen 9. und 10. Jahrhunderts
(1. Die Sira des Ibn-Hisham, gest. 834, die sich – tatsächlich oder fiktiv? – auf einen nicht erhaltenen Text von Ibn-Ishak, gest. 768, bezieht;
2. eine Geschichte der Kriegszüge von al-Waqidi, gest. 822;
3. ein Buch namens „Klassen“ oder „Generationen“ von Ibn-Sa’ad, gest. 845;
4. ein Buch „Annales“ von at-Tabari, gest. 922) sowie in den sechs kanonischen Hadithsammlungen des späteren 9. Jahrhunderts
(Sie werden folgenden Redaktoren zugeordnet:
1. al-Bukhari, gest. 870;
2. Muslim, gest. 875;
3. Abu Dawud, gest. 888;
4. Tirmidhi, gest. 892;
5. Nasa’i, gest. 915;
6. Ibn Madscha, gest. 886).
Nach den Kriterien historisch-kritischer Forschung sind diese rund zweihundert Jahre später aufgeschriebenen Berichte nur mit großen Vorbehalten zu betrachten[1]. Sie wurden zusammengestellt zu einer Zeit, als Mohammed die Identifikationsfigur eines mächtigen Großreiches war und entsprechend stilisiert wurde; ihr legendarischer Charakter drängt sich schon bei einem unvoreingenommenen Lesen auf, es werden viele Fragestellungen thematisiert, die zur möglichen Lebenszeit des Propheten noch keine Rolle gespielt haben konnten usf.[2]
Erst in diesen Quellen aber wird ein Leben Mohammeds geboten und der Koran auf seine Verkündigung in Mekka und Medina zurückgeführt, so dass die Gestalt des arabischen Propheten ...als historische Gestalt in Frage steht:
„Muhammad is not a historical figure, and his official biography is a product of the age in which it was written.“[3] Ebenso wird erst im 9. Jahrhundert behauptet, dass die Verkündigungen Mohammeds unter dem dritten Kalifen Osman (644-656) ...zur heutigen Ganzschrift des Koran zusammengestellt worden seien.
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Die ersten beiden „islamischen“ Jahrhunderte liegen im Dunkel der Geschichte, und es bleibt unerklärlich, wieso die Bildung islamischer Großreiche keine Zeugnisse hinterlassen haben soll, noch nicht einmal bei den Gegnern der Araber, den viel schreibenden Byzantinern, oder bei Juden und Christen unter angeblich islamischer Herrschaft.
Bis gegen Ende des 8. Jahrhunderts waren die Regionen des Vorderen Orients und Nordafrikas offensichtlich beherrscht von arabisch-christlichen Stammesführern, die Omaiyadenherrscher und wohl auch noch die frühen Abbasiden waren Christen.
Erst im Verlauf des 2. Jahrhunderts Hidschra scheint sich die Muhammad-Vorstellung von ihrem bisherigen Bezugspunkt Jesus gelöst und isoliert zu haben.
Diese Loslösung scheint vorher schon eine Erweiterung – die Annahme eines christlichen Apostel-Propheten namens Muhammad – und ein Übergangsstadium gekannt zu haben: Die Verehrung eines Ali („Erhabenen“), der an Stelle des fernen und transzendenten Muhammad (Jesus) auf konkretere Weise normative Funktionen wahrnimmt. Die Verselbständigung der Muhammad-Vorstellung bot dann im 8. und vollends im frühen 9. Jahrhundert die Möglichkeit, sie im Interesse der Schaffung einer arabischen Identität des abbasidischen Großreichs mit dem schon überlieferten arabischen Propheten dieses Namens, jetzt aber als eigenständige Gestalt, und mit den arabischen heiligen Stätten Mekka und Medina zu verbinden oder zu unterlegen.
Jetzt entstehen die biographischen Werke und die Hadith-Sammlungen der Sunna. Alle noch verfügbaren Traditionen über frühere arabische Herrscher und Auseinandersetzungen werden rückwirkend zu einer fortlaufenden Geschichte der islamischen Religion und Reichsbildungen zusammengestellt. Die ältere Ali-Verehrung wird zurückgedrängt und lebt in den schiitischen Strömungen fort.
Diese Interpretation...ist nicht willkürlich, sondern stützt sich auf die einzigen historisch aussagekräftigen Quellen.
[1]Vgl. hierzu z.B. Yehuda D. Nevo / Judith Koren, Crossroads to Islam: The Origins of the Arab Religion and the Arab State, Amherst, New York 2003, 9: „Non-contemporary literary sources are, in our opinion, inadmissable as historical evidence. If one has no source of knowledge of the 7th century except texts written in the 9th century or later, one cannot know anything about the 7th century: one can only know what people in the 9th century or later believed about the 7th.“
[2]Vgl. hierzu Verf., Weltreligion Islam. Eine Einführung, Mainz, Luzern 2000, 28-41.
[3]Y.D. Nevo / J. Koren, a.a.O. 11.
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2005/imp050503.html |
LG
Martin
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