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Zentrum für Türkeistudien untersuchte die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und „Spiegel“
Wie schon auf Seite 15 dieser Ausgabe dargestellt, hat das Essener Zentrum für Türkeistudien (ZfT) jüngst seine neueste Studie über die „Wahrnehmung des Islam“ vorgestellt. Dessen Abschnitt über „Den Islam und die Muslime in den deutschen Medien“, bei dem als Beispiel die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) und der Hamburger „Spiegel“ ausgewählt wurden, ist so interessant, dass hier eine genauere Beschreibung angezeigt ist. Die Auswahl des ZfT ist insofern stimmig, da die WAZ als regional bedeutsame Tageszeitung einen großen Leserkreis erreicht und der „Spiegel“ als wichtigstes wöchentliches „Nachrichtenmagazin“ für den gehobenen medialen Diskurs von eminenter Bedeutung ist.
Im deutschen „Mediendiskurs“ ergibt sich, so die Autoren, der Befund, dass in diesem eine generell wachsende Skepsis hinsichtlich der „Integration der Muslime“ formuliert und über diese berichtet werde. Ambivalent ist die Erkenntnis insofern, als dass „generalisierende Urteile über den Islam und die Muslime“ in ihrer relativen Häufigkeit abnähmen.
In Hinblick auf die Berichterstattung in Printmedien bestätige sich, dass ein negatives Islambild sich insbesondere „aus dem Zusammenhang von Islam und (terroristischen) Bedrohungsszenarien“ speise und dass nach dem 11. September dieses Bild „den Diskurs über den Islam“ noch deutlicher bestimme als zuvor. Auf einer quantitativen Ebene habe sich die Anzahl der ausgewählten „Items“ in den Vergleichszeiträumen (2002-2001 und 2003-2004) sowohl für die WAZ als auch für den „Spiegel“ „jeweils mehr als verdoppelt“.
Im Falle des „Spiegel“ sei bereits 2000-2001 beim Thema Islam am häufigsten die These vertreten worden, dass es eine Verbindung zwischen Muslimen und Terrorismus gebe. Zwar werde nirgend im Blatt behauptet, dieser Zusammenhang sei direkt oder unmittelbar, „die Begriffe ‘Islam’ und ‘Muslime’ fallen aber schlicht am häufigsten“ im Kontext der Terrorberichterstattung. Gleiches habe für den Vergleichszeitraum 2003-2004 gegolten. Ebenso wichtig, insbesondere in der Berichterstattung des „Nachrichtenmagazins“, werde die „Andersartigkeit der Muslime“ betont. Dabei würden, so das ZfT, „abweichende Kulturnormen, Kleidungsvorschriften, Erziehungs- und Lebensstile hervorgehoben“ - hier wiederum gilt das gleiche für den analogen Zeitraum. Auf Platz vier der Essener Liste der so genannten „Items“ werde im „Spiegel“ „auch eine falsche Toleranz gegenüber den Muslimen thematisiert“. Ab und zu werde gar ausgeführt, dass „der Islam an sich“ eine Gefahr darstelle.
Exemplarisch ist das vom Essener Zentrum geschilderte Beispiel einer „Spiegel“-Buchbesprechung. Das Magazin bezeichnete den Titel „Die Kraft der Vernunft“ der Alt-Publizistin Oriana Fallaci als eine „neue polemische Warnung an den Westen vor dem Würgegriff des Islams“. Obwohl sich die Hamburger von Fallacis Thesen distanziert hätten, verschaffe das Magazin durch die bloße Publikation „ihren Überlegungen doch ein breites Forum“.
Im Falle der WAZ „werden die Muslime (...) am häufigsten im Kontext von Terrorismus erwähnt, an zweiter Stelle aber auch als Opfer von Terror und Krieg“. Anders als beim „Spiegel“ steht aber in dieser Zeitung an dritter Stelle der erwähnten Häufigkeit die Bedeutung des „Dialogs“. Bemerkenswert ist, dass es parallel zur „kulturellen Abwertung des Islam“ eben auch die „Aufwertung“ des selben gibt (Plätze 6 und 7). Mit ihren Beispielen über das „gute Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen“ etabliere die WAZ einen „Gegendiskurs“.
(Der Autor ist Chefredakteur des Islamischen Zeitung; Erstveröffentlichung in der letzen Ausgabe)
Quelle: http://www.islam.de/7704.php
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