Nicht nur Verkehrsteilnehmer...


Aus einem buddhistischen Forum in den USA:

Vor einiger Zeit ist in den Zeitungen eine interessante Meldung gekommen - in den Niederlanden wurden auf einem Abschnitt einer öffentlichen Straße alle Ampeln, Verkehrszeichen, Straßenmarkierungen, ja selbst die Trennung zwischen Straße und Fußgängerzone, radikal entfernt. Das Ergebnis war, dass das Schnellfahren stark zurückgegangen ist, dass der Verkehrsstrom leichter fließt, und dass bisher keine tödlichen Unfälle bekannt wurden. Es ist dies Teil des revolutionären und anti-intuitiven Design der 'nackten Straße':
Alle werden freundlich 'gezwungen', ihr Wegerecht auf unvoreingenommene Weise mit den Anderen zu 'verhandeln'. Wenn keine Regeln da sind, werden Alle achtsamer und gleichmütig in ihrer Verbundenheit miteinander, denn sie nehmen einander mehr wahr. Indem sie die gemeinsame, nicht abgegrenzte Verkehrsfläche teilen, finden Fahrer und Fußgänger zu einem natürlichen und ausgewogenen Respekt füreinander, Differenzen und Dualität verschwinden. Sie verschmelzen zu einem randlosen Ganzen, sobald das traditionelle Konzept von 'röhrende Motoren gegen hilflose Fußgänger' verschwindet. Das ist ein schönes Memento dafür, dass wir tief drinnen nicht die ungeduldigen Leute sind, die lieber das Gesetz brechen und das Chaos wählen. Nein, wir wissen, dass es Zinsen bringt, freundlich und weise zu sein. Ob sie es wissen oder nicht, die Benützer der Straße lernen die Lektion des Dharma ohne darangeklebte Etiketten. Dass so etwas funktioniert, ist sehr beruhigend. Für mich ist es ein Zeugnis dafür, dass das Ideal des Reinen Landes, die universelle Harmonie, in dieser Welt Früchte tragen kann.
In der Strasse, in der ich wohne, gibt`s am Anfang und am Ende nur ein Schild "30km/h"....Sollte das der Grund sein, warum hier gelegentlich sie Autofahrer mit 70 durch rasen - trotz spielender Kinder, spielender Hunde und - vor allem Abends-
haufenweiser Kätzchen auf Mäusefang....?

Das niederländische Beispiel klappt sicherlich auf Bundes/Landes/Ausfallstrassen - aber wohl kaum in der Grosstadt.....
Gibt es irgendein Volk auf der Welt, das sonst so freiheitssüchtig ist wie die Niederländer?

Am Land funktioniert es sicher auch nicht. Gerade am Land funktionierts nicht, da sind die meisten Unfälle überhaupt! Die Leut "übersehen" Stop-Tafeln und Vorrangschilder und ein Ort weiter von uns (wir sind am Land) ist eine Kreuzung, die so gefährlich ist, dass es schon mehrere Unfälle - sogar mit Verletzten - gab. Jetzt haben sie gross auf die Strasse geschrieben "S T O P". Hilft alles nichts - viele fahren einfach weiter, ohne sich auch nur umzudrehen.
Thomas hat folgendes geschrieben:

Das niederländische Beispiel klappt sicherlich auf Bundes/Landes/Ausfallstrassen - aber wohl kaum in der Grosstadt.....


Das würde ich nicht sagen - in Athen klappt es.

Dort gibt es zwar Verkehrszeichen und Ampeln, aber die stellen für die meisten Leute bestenfalls eine Empfehlung dar.

Trotzdem gibt es erstaunlich wenig Unfälle.

Wie immer ist es wichtig, den Mittelweg zu finden. Wenn man ein System wie den Straßenverkehr zu stark kontrollieren will, wird es unkontrollierbar, wenn man es gar nicht kontrolliert, wird es ineffizient.
bei uns im ort, gibt s keine verkehrszeichen, die autos brettern mit 70,80, manchmal 90 man meinem haus vorbei, ergebniss soind mehrere tote katzen. die polizei kan bei uns nicht plitzen, weil sie schneller verpetzt wirt als sie kuken kann. also ich bin für verkehrszeichen. den es funktioniert dort vieleicht ein parr jahre, aber was wenn die fußgänger einen haalben meter neben der straße llaufen müssen, oder bei einber ampelkreuzung man mal das ande5re auto nicht mehr siht?
Bei uns im der Stadt ( 16.000 Einwohner) sind die Einzigsten, die in Tempo 30 Zonen auch 30 fahren, die Mütter mit ihren Kinderwagen, die schnell zum Einkaufen hechten -....) Marion
Hm, also ich halte unser hochkomplexes Verkehrssystem für eine hohe zivilisatorische Errungenschaft, für einen Ausdruck der Modernität an dem Max Weber sicher seine Freude gehabt hätte... vorrausgesetzt alle halten sich an die Regeln!

Tja, wir Deutsche lieben es eben, andere über die Regeln zu belehren, also dürfen sie auf keinen Fall abgeschafft werden!

Aber wenn ich es mir so recht überlege: sich nicht an die Regeln zu halten, andere zu ignorieren und keine Rücksicht auf sie zu nehmen, das ist irgendwie auch sehr "modern".... hmm *grübel grübel*
Guten Morgen, hallo und Willkommen Devilsadvocate

Dein Satz
Zitat:
Tja, wir Deutsche lieben es eben, andere über die Regeln zu belehren, also dürfen sie auf keinen Fall abgeschafft werden!

lies mir unweigerlich das Wort Intuition ins Köpfchen schiessen. Es gibt tatsächlich Menschen, die ohne Zebrastreifen, Ampel noch Stop-Schild wie von einem Blitz getroffen werden und ihr Auto anhalten wenn sie jemandem am Strassenrand sehen der gern die Strasse überqueren möchte. Es gibt Menschen die helfen, scheinbar ganz intuitiv, egal in welchen Situationen sich ein anderer befindet - ganz ohne überhaupt an Regeln zu denken.

Dann gibt es wiederrum das genaue Gegenteil. Fahren über rote Ampeln; lassen hilfebedürftige Menschen einfach Links liegen ohne Rücksicht auf Verluste - immer das eigene Wohlbefinden ins Auge gefasst. Sei es um nicht zu spät zum Termin zu kommen oder weil sie ihrem Körper mal wieder einen Adrenalin-Kick verpassen wollen...

Wir könnten theoretisch eine gerade Linie zwischen solch Menschen ziehen, ganz nach dem Motto Aschenputtel's "Die Guten ins Töpfchen - die Schlechten ins Gröpfchen". Ja, wir tun dies sogar sehr oft im Leben. Wir regen uns über Menschen auf die über Gebrechen hinwegsehen; wir würdigen sie sogar herab in unserer Ausdrucksweise und machen uns damit nicht besser im Verständnis als jene über die wir schimpfen. Wir glauben teilweise besser zu sein als andere und haben uns damit schon vielfach selbst in die soziale Tasche gelogen. Wir weben wie eine Spinne ihr Netz und merken nicht mal, wenn wir selbst darin kleben bleiben und wiederrum von anderen als Nahrung genutzt werden. Oftmals fallen wir sogar durch die Stellen die von anderen aufgerissen wurden. Manche fallen so stark, das der Fallschmerz sie zu neuem und besserem antreibt - andere wiederrum sind starr vor Schreck und bewegen sich kein Millimeter.
Es ist nicht verwunderlich, wenn viele Menschen erst durch viel Leid auf einen besseren Weg gebracht werden- möchte man doch kein zweites mal Schmerz erfahren. So sehe ich das auch im Strassenverkehr. Erst wenn einem etwas schlimmes passiert öffnen sich meist die Augen.

Um auf die Intuition zurück zu kommen...
Ich denke, das ist die falsche Wortwahl; aus Liebe und Mitgefühl zu meinem Nächsten kommt aus meinem Bauch die Entscheidung Vorsicht auf den Strassen, allgemein Rücksicht und eine gewisse Barmherzigkeit im Leben walten zu lassen.

liebe Grüsse
Gaby
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Lieben Gruss
Gaby
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Zitat:
jw MAa.t xai.tw r-HA.t =k
mAa.t r-Hna =k
Hallo Gaby,

Du hast Recht, gegenüber den Menschen, denen wir täglich begegnen aufmerksam und rücksichtsvoll ("achtsam" wie die Buddhisten sagen) zu sein anstatt nur stur die Regeln zu befolgen (oder auch nicht...) ist sehr wichtig.

Da fällt mir noch eine Geschichte zu sein (Achtung "off-Spam"): stand vor ein paar Tagen in der Zeitung: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,345723,00.html
Eine junge Frau wird in einer voll besetzten S-Bahn von Jugendlichen angepöbeln, geschlagen und beraubt. Die einzige, die einschreitet ist eine ältere Dame mit Krücken, die ebenfalls brutal mißhandelt wird. Sonst tut niemand was!

Wenn ich so etwas lese wird mir richtig schlecht!
die sache mit der entvernung, der verkehrshinweise, wirt warscheinlich auch nur die ersten zwei generationen funktionieren, wenn über haupt.