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http://www.8-pfad.de/theosophie/konstanz/reinkarn/r_find.htm
Wie findet die Wiederverkörperung statt?
Der Leser, wird sich nunmehr klar geworden sein, nicht nur darüber, dass es das Ego oder der Denker ist, welcher zur Wiederverkörperung gelangt, sondern auch über den Unterschied, welcher zwischen diesem und dem vergänglichen tierischen Menschen besteht, und er muss jetzt sein Augenmerk darauf richten, sich auch über den Vorgang der Reinkarnation weiteres Verständnis zu verschaffen.
Diesen Vorgang wird man am leichtesten begreifen, wenn man sich ins Gedächtnis zurückruft, zu welcher Ebene der Denker gehört und vermittelst welcher Kräfte er wirkt. Der Denker ist das sogenannte fünfte Prinzip oder Grundteil im Menschen, und dieses Prinzip iMikrokosmos oder dem Menschen entspricht der fünften Ebene des Makrokosmos oder der den Menschen umgebenden gesamten Außenwelt. Nach der esoterischen Philosophie sind die Ebenen verschiedene Darstellungsformen einer primären Substanz, und auf jeder einzelnen Ebene wirkt das Bewusstsein unter den gerade für sie entsprechenden Bedingungen.
Substanz ist ein Wort zur Bezeichnung des Seins in seiner ursprünglichsten, objektiven Erscheinungsform, des ersten Stadiums der Offenbarung des zeitlichen Sichtbarwerdens des Einen, des ersten Samenkornes des zur Gestaltung gelangenden Kosmos, des in Dunkel gehüllten Anfanges aller in Erscheinung tretenden Dinge. Die Substanz birgt in sich die Potentialität oder Möglichkeit von allem, -- von dem ätherischen Geiste sowohl wie von der dichtesten Materie. Ebenso wie Professor Crooks in der Chemie das Protyle oder eine Ursubstanz aufgestellt hat, aus welchem die Atome gebildet sind, und wie dann aus Atomen die Moleküle und aus diesem zusammengesetzte Körper und im weiteren Verlaufe immer verwickeltere Verbindungen entstehen -- so nimmt auch die esoterische Philosophie das Vorhandensein einer primären Substanz an, aus welcher der Kosmos sich entwickelte, und welche in ihren feinsten Teilen Geist, Energie und Kraft -- in ihrem gröbsten Teile aber dichtester Stoff ist, und sie behauptet, dass aus dieser mehr oder minder verdichteten und mit mehr oder weniger Kraft begabten Substanz jede der verschiedenartigsten Formen in allen Welten bestehe.
Das Wort Ebene bezeichnet nur eine Daseinsstufe, auf welcher dieser Gciststoff innerhalb gewisser Grenzen der Verdichtung schwankt und unter genau bestimmten Gesetzen wirkt. So bezeichnet z. B. die physische Ebene unsere sichtbare, hörbare, fühlbare, riechbare und schmeckbare Welt, in welcher wir vermittelst unserer Sinne mit der Geistmaterie -- welche die Wissenschaft Kraft ,und Stoff nennt, als ob sie von einander trennbar wären -- in Berührung treten, gleichviel ob sie sich nun in fester, flüssiger oder gasförmiger Form darstellt. Ebenso verhält es sich mit den anderen Ebenen, von welchen jede durch die charakteristischen Eigenschaften ihrer Geistmaterie sich von den anderen unterscheidet. Auf jeder derselben tritt das Bewusstsein infolge der Wirksamkeit ihrer Geistmaterie zutage. Dieser nur ganz kurz skizzierten und in gedrängtester Form wiedergegebenen Anschauung muss noch eine weitere Tatsache beigefügt werden, nämlich die, dass diese Ebene nicht, wie behauptet wurde, gleich den Schichten einer Zwiebel eine über der anderen liegen, sondern wie Luft und Äther in unserem Körper sich durchdringen 1).
Nach der esoterischen Lehre gibt es sieben solcher Ebenen. Wenn wir von der Ebene der Materie ausgehend aufwärts zählen, ist die Ebene des Denkers die fünfte:
Zählung Übersetzung Sanskrit Zählung
7 reiner Geist Atma 1
6 Geist-Seele Buddhi 2
5 Denker Manas 3
4 sinnliche Natur Kâma 4
3 Lebenskraft Prana 5
2 Astral-Bild Linga-Sharira 6
1 physischer Leib Sthula-Sharira 7
Diese fünfte Ebene im Menschen entspricht, wie bereits erwähnt, der fünften Ebene im Kosmos oder der Ebene von Mahat, des Universal-Geistes 2), der göttlichen Ideen-Bildung, von welcher direkt jene formende, lenkende und leitende Kraft ausgeht, welche die Essenz von all den mannigfachen auf der physischen Ebene in Tätigkeit tretenden Kräften ist. (Diese Ebene wird oftmals auch die Dritte genannt, weil sie von Atma aus gerechnet auch wirklich die dritte ist. Es ist jedoch ganz gleichgültig, mit welcher Nummer man sie bezeichnet, von Wichtigkeit ist nur, dass der Anfänger ihr Verhältnis zu den übrigen Ebenen richtig erfasst.)
Die gesamte Formenwelt, mag eine Form nun noch so feiner oder noch so dicht stofflicher Natur sein, ist in stufenweiser Entfaltung aus dem Universal-Geiste hervorgegangen, und die Kraft dieses universal-Geistes ist es, welche die Atome zusammenfügt und zusammenhält, sie wieder trennt und zu neuen Formen gestaltet, um auch diese wieder aufzulösen, jene Kraft, welche aufbaut und niederreisst, schafft und zerstört, anzieht und abstösst; -- und doch nur eine einzige Kraft für das Auge des Philosophen, eine Mannigfaltigkeit von Kräften für die Beobachtung des Naturforschers, in Wahrheit aber Eins in ihrem Wesen und vielfältig in ihren Erscheinungsformen.
Von der fünften Ebene gehen demnach alle Form-Schöpfungen aus, wobei ich das Wort Schöpfung im Sinne des Formens vorher schon vorhandenen Stoffes zu neuen Formen und Gestalten gebrauche. Diese Gedanken-Kraft ist der esoterischen Philosophie zufolge die einzige Quelle, aus welcher Formen entspringen; und H. P. Blavatsky nennt sie: "die geheimnisvolle Kraft des Gedankens, welche dieser infolge der ihm innewohnenden Fähigkeit, äusserlich sichtbare und wahrnehmbar Schöpfungen hervorzubringen, besitzt". -- Wie auf der Ebene des Kosmos, so verhält es sich auch auf der Ebene des Menschen. Dem Denker wohnt die Kraft inne, durch welche alle Dinge gemacht sind, und wir werden sehen, dass in dieser schaffenden Kraft des Gedankens das Geheimnis der Methode der Reinkarnation liegt.
Wer selbst die Erfahrung zu machen wünscht, dass Gedanken wirklich Bilder und auch Formen hervorzurufen vermögen, so dass im wirklichsten Sinne "ein Gedanke auch ein Ding ist," der kann in den heutzutage so allgemein verbreiteten Berichten über die sogenannten hypnotischen Experimente das Gesuchte leicht finden. Die auf ein reines, unbeschriebenes Blatt Papier projizierte Gedankenform einer Idee kann von einer hypnotisierten Person dortselbst wahrgenommen werden, oder sie kann sogar in dem Grade objektiv gemacht werden, dass der Hypnotisierte sie zu sehen und zu fühlen vermag, als wäre sie ein wirklicher körperhafter Gegenstand 3).
Ebenso kann ein Medium den Gedanken eines der Anwesenden in Form eines "Geistes" in Menschengestalt sehen, wofern dieser Gedanke in seiner Aura oder in der dasselbe umgebenden magnetischen Atmosphäre vorgestellt wurde. Oder ein Hellsehender kann sowohl in seinem Trancezustand wie auch wachend ein Bild sehen und beschreiben, welches eine anwesende Person mit Absicht sich vorstellt, ohne dass hierbei ein Wort gesprochen wird, wenn nur der Wille hinlänglich geübt ist, die GedankenVorstellung auch richtig in ein Bild zu gestalten. Alle Menschen, welche sich viel mit Darstellung sichtbarer Dinge beschäftigen, sind bis zu einem gewissen Grade hellsehend, und können sich selbst durch persönlich angestellte Experimente den Beweis liefern, dass sie die Kraft besitzen, durch ihren Willen unsichtbare Materie in sichtbare Form zu gestalten.
Die weniger feine Astral-Materie kann formt werden. Ein solcher Vorgang wird uns aber auch gar nicht befremdlich erscheinen, wenn wir erwägen, wie gewisse Denkgewohnheiten sogar die dichte Materie, aus welcher unser physischer Körper besteht, allmählich umgestalten, bis endlich im späteren Alter der Charakter sich auf dem physischen Gesichtszüge uberträgt, dessen Schönheit nicht in seiner Form und Farbe, sondern in seinem Ausdruck liegt -- in dem Ausdrucke, welcher eben die nach dem inneren Selbst geformte äussere Maske ist. Jede zur Gewohnheit gewordene Gedankenrichtung, ob Tugend oder, Laster, hinterlässt ihren Eindruck auf den physischen Gesichtszügen, und wir bedürfen keines zur Erforschung der Aura befähigenden Seher-Auges, um sagen zu können, ob die geistige Verfassung und Denkweise eines Menschen edelsinnig oder gemein.. ehrlich oder argwöhnisch, liebevoll oder gehässig sei. Dies ist eine allgemein so bekannte Tatsache,. dass sie auf uns gar keinen Eindruck mehr macht, und doch ist sie ausserordentlich bezeichnend; denn wenn der dichte Stoff unseres Körpers durch die Macht des Gedankens derart geformt wird, was liegt dann Unglaubliches oder nur Befremdliches in der Vorstellung, dass die feineren Stoff-Formen ebenso plastisch sein und willig jene Gestalt annehmen können, zu welcher sie durch die gewandten und kunstfertigen Finger des unsterblichen Künstlers, des denkenden Menschen geformt werden?
Die hier aufgestellte Behauptung besagt demnach, dass Manas seiner inhärenten Natur nach eine formerzeugende Kraft ist und dass die Reihenfolge der Vorgänge bei der Schaffung eines äusserlich sichtbaren Objektes diese ist: Manas erzeugt einen Gedanken, und dieser Gedanke nimmt auf der Manas oder Geistes-Ebene Gestalt an; von hier geht er auf die Kâma-Manas-Ebene über, woselbst er sich verdichtet, gelangt dann zur AstralEbene, auf welcher er in seiner nunmehr schon dichteren Gestalt bereits für das Auge des Hellsehenden sichtbar ist; wird er durch einen geschulten Willen bewusstermassen gelenkt, so kann er sofort zur physischen Ebene übergehen und so auch für gewöhnliche Augen objektiv sichtbar werden; in der Regel aber verbleibt er als eine Form oder Schablone auf der Astral-Ebene, aus welcher heraus er sich erst nach Eintritt bestimmter, treibender Umstände zu. objektivem Dasein gestaltet.
Nach den Aufzeichnungen eines Meisters besitzt ein Adept die Fähigkeit:
"die Formen, welche seine Einbildungskraft aus untätiger, kosmischer Materie in der unsichtbaren Welt geschaffen hat, auch in die sichtbare Welt zu projizieren und dort in Erscheinung treten zu lassen. Der Adept schafft gar nichts Neues, sondern er benützt und handhabt nur das Material, welches rings um ihn in der Natur bereit liegt, und welches durch Ewigkeiten hindurch schon durch alle möglichen Formen gegangen ist. Er hat nur nötig, sich eben das Eine, dessen er gerade bedarf, zu wählen und wieder in objektive Gestalt zurückzurufen." (Occult World, 5. Aufl., pag. 88.)
Ein Hinweis auf allgemein bekannte, auf der physischen Ebene sich abspielende Vorkommnisse mag dem Leser vielleicht das Verständnis der Frage erleichtern, auf welche Art das Unsichtbare zum Sichtbaren werden kann. Ich erwähnte bereits, dass die Formen oder Gestalten sich allmählich verdichten, indem sie von der Manas-Ebene zur Kâma-Manas- dann zur Astral- und von dieser endlich zur physischen Ebene übergehen. Stellen wir uns nun beispielsweise eine dem Anscheine nach leere Glasglocke vor, welche in Wirklichkeit aber mit unsichtbaren Gasen, d. h. mit Wasserstoff und Sauerstoff gefüllt ist. Ein Funke genügt, um die Verbindung dieser beiden Gase zu veranlassen, worauf wir "Wasser" in dem Glase haben. In hoch erhitztem Zustande ist dieses Wasser gasförmig und unsichtbar, lassen wir das Glas erkalten, so bildet sich sichtbarer Wasserdampf und schlägt sich als sichtbare Wassertropfen am Glase nieder; steigern wir die Abkühlung, dann gefriert das Wasser und wird zu Flocken aus festen Eiskristallen. Ebenso vcranlasst das Aufleuchten des Geistesfunken die Verbindung unsichtbarer Materie mit einer Gedankenform; diese verdichtet sich dann zu einer Kâma-Manas-Form -- was in unserem Gleichnisse der Wasserdampf versinnbildlicht, -- diese wieder weiter zur Astralform -- dem Wasser entsprechend, -- und endlich zu einer physischen Gestalt, -- welche durch das Eis dargestellt ist. -- Wer mit der esoterischen Philosophie vertraut ist, weiss, dass in der Natur alles sich in geordneter Reihenfolge entwickelt, und ist gewöhnt, in den niedereren auf der physischen Ebene befindlichen Stufen der Materie Analogien zu finden für ihre Zustände auf den verschiedenen höheren Ebenen der "unsichtbaren" Welten. Für die NichtTheosophen habe ich das Gleichnis nur angeführt, um ein konkretes physikalisches Bild des allmählichen Verdichtungsprozesses zu geben und zu zeigen, auf welche Art es möglich ist, dass das Unsichtbare sich zu Sichtbarem verdichten kann.
In Wahrheit ist demnach dieser Verdichtungsprozess feiner Materie in dichtere erfahrungsgemäss eines der gewöhnlichsten Vorkommnisse. Die Pflanzenwelt entwickelt sich und wächst heran, indem sie die in der Atmosphäre vorhandenen Gase an sich zieht und die in derselben aufgespeicherten ätherischen Stoffe in Saft und Fasern verwandelt. Die Wirksamkeit der Lebenskraft zeigt sich durch dieses ununterbrochene Schaffen und Aufbauen sichtbarer Formen und Gestalten aus unsichtbarem Stoffe, und ganz abgesehen von der absoluten Richtigkeit des erwähnten Gedankenganges ist soviel gewiss, dass er nichts absolut Unmögliches oder auch nur Ausserordentliches enthält. Seine Wahrheit beruht auf Erfahrung, und in einem solchen Falle ist das Zeugnis solcher Persönlichkeiten, welche Gedankenformen auf verschiedenen Ebenen zu sehen vermögen, sicherlich gewichtiger, als die Behauptungen derjenigen, welche nicht imstande sind, sie zu sehen. Das Wort von hundert Blinden, welche das Vorhandensein eines sichtbaren Gegenstandes leugnen, ist von weniger Gewicht, als das Wort eines einzigen Sehenden, welcher denselben wahrnimmt und seine Fähigkeit des Sehens auch beweisen kann. In dieser Frage mag sich der Theosophist mit ruhigem Abwarten zufrieden geben, denn er weiss ja, dass das Ableugnen an der Richtigkeit von Tatsachen nichts ändert, und dass die Welt allmählich ebenso noch zum Bewusstsein der Existenz dieser Gedankenformen gelangen wird, wie sie ja auch -- nach einer ähnlichen Periode des Achselzuckens -- nunmehr die Richtigkeit und Unbestreitbarkeit einiger von Mesmer schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts behauptete Tatsachen anerkannt hat 4).
Wir sind zu dem Schlusse gelangt, dass der Ursprung aller Ereignisse in der Form von Ideen, Gedanken, Begierden und Erregungen auf der Manas- oder Kâma-Manas- Ebene zu suchen ist, von hier aus nehmen sie eine Astralform an, um endlich als Tatsache in objektiver Gestalt auf der physischen Ebene zu erscheinen, und dass diese letzteren daher Wirkungen von vorherbestehenden geistigen Ursachen sind. Nun ist aber nach der esoterischen Philosophie unser Körper selbst eine solche Wirkung, denn er ist nach dem Vorbilde des Astralkörpers oder des Linga-Sharira geformt -- ein Ausdruck, mit welchem unsere Leser nunmehr wohl vertraut sein werden. Wir müssen die Idee eines aus Astralstoff bestehenden Körpers, welcher zur Erzeugung dichterer Stoffgebilde dient, klar erfassen; denn zum Verständnisse der Wiederverkörperungs-Lehre ist es unbedingt notwendig, dass wir wenigstens vorläufig die Theorie annehmen, dass unser physischer Körper das Resultat physischer, nach einer früher schon vorhandenen Astral-Form gestalteter Moleküle sei.
Kehren wir nun zu der Idee von dem formenschaffenden Denker zurück, welcher in dem gewöhnlichen Menschen sicher nur durch den niederen Manas oder Kâma-Manas wirkt, denn wir dürfen uns vorläufig noch keine Hoffnung machen, dass wir von einer reinen Manas-Tätigkeit viele Spuren finden werden. Indem wir im Alltags-Leben denken, schaffen wir Gedankenformen. Ein Meister sagt: "Der Mensch bevölkert während seines Lebenslaufes den Raum fortwährend mit einer aus ihm selbst hervorgehenden Welt, die erfüllt ist mit seinen eigenen Phantasiegebilden, Begierden, Gelüsten und Leidenschaften!" (Occult World, pag. 90.)
Die Gedankenbilder verbleiben in der Aura oder in der magnetischen Sphäre des Menschen und mit der Zeit wirkt die sich anhäufende Menge derselben mit immer zunehmender Kraft; ja die Wiederholung der Gedanken und Gedankentypen vermehrt infolge der sich anstauenden Kraftmenge deren Intensität von Tag zu Tag, bis endlich ganz bestimmte Gedankenformen sein geistiges Leben derart beherrschen, dass er lieber dem Antriebe derselben Folge leistet, als neue Entschlüsse fasst, einen Zustand, welchen wir dann Gewohnheit nennen, mit deren Eintritt das sichtbare Bild dieser angehäuften Kraft nach aussen in Erscheinung getreten ist. Auf diese Weise entsteht der "Charakter", und wenn wir den ausgereiften Charakter eines Menschen genau kennen, so sind wir auch imstande, mit ziemlicher Gewissheit vorherzusagen, wie er unter bestimmten Verhältnissen handeln wird.
Beim Herannahen der Todesstunde befreien sich die dem Astralleibe zugehörigen Teile unseres Körpers vom physischen Leibe; der Linga-Sharira allein verfällt allmählich zugleich mit seiner irdischen Gestalt. Der Gedankenkörper, das Produkt des verflossenen Lebens, besteht fort und scheint verschiedene Prozesse durchmachen zu müssen, um die gemachten Erfahrungen festzulegen und die vielfach ganz verschiedenartigen Gedanken vollständig zu assimilieren etc. Über diese nach dem Tode oder vor einer neuen Wiedergeburt stattfindenden Vorgängen und Wandlungen wurden unserer Welt nur bruchstückartige Andeutungen zu teil, und der des Beistandes entbehrende Schüler muss mit Hilfe dieser wenigen Lichtstrahlen versuchen, so gut er kann auf seinem Wege sich vorwärts zu helfen. Unbedingt sicher scheint jedoch, dass, ehe eine neue Inkarnation stattfindet, dieser Gedankenkörper im wörtlichen Sinne erst die Astral-Ebene durchwandern muss, woselbst er sich mit Astralstoff bekleidet, und dann zum Linga-Sharira der demnächst zur Welt kommenden Persönlichkeit wird. Nachdem das physische Gehirn zugleich mit dem übrigen physischen Körper nach dieserAstral-Schablone geformt und gemodelt wird, so ist dasselbe seinem ganzen Baue nach der, wenn auch unvollkommene physische Ausdruck der geistigen Gewohnheiten und Eigenschaften des neuen zur Verkörperung gelangenden menschlichen Wesens, der geeignete Träger zur Ausübung eben jener Fähigkeiten, welche er infolge seiner früher erworbenen Erfahrungen nunmehr zum Ausdrucke bringen soll. 5).
Fassen wir, um ein Beispiel anzuführen, den Gedankentypus eines lasterhaften und eines tugendhaften, oder besser gesagt, eines selbstsüchtigen und eines uneigennützigen Charakters ins Auge. Ein Mensch erzeugt fortwährend Gedankenformen voll Selbstsucht und Eigenliebe, sein ganzes Dichten und Trachten ist nur auf sein eigenes Ich gerichtet, und diese ihn rings umgebenden Formen wirken wieder auf ihn zurück, so dass er auf dem besten Wege ist, sich über diesen Selbstdienst und über seine fortgesetzte Missachtung fremder Ansprüche, sowie über sein ausschliessliches Streben nach Befriedigung seiner eigenen Ziele gar keinen Skrupel mehr zu machen. Wenn er dann endlich stirbt, wird sich sein ganzer Charakter zu einer diesem Streben entsprechenden selbstsüchtigen Form verhärtet haben. Diese bleibt fortbestehen, eine wird nach Ablauf einer bestimmten Zeit und Astralform annehmen, um als Modell für seinen zukünftigen physischen Körper zu dienen. Er wird sich zu einer Familie von ähnlichem Charaktertypus hingezogen fühlen, zu Eltern, welche physisch imstande sind, ihn mit einem Materiale auszustatten, welches denselben Charakterstempel trägt, so dass der in dieser Astralform gemodelte physische Körper ein derart konstruiertes Gehirn erhält, dass es physisch zur Darstellung des Ganges zu rücksichtsloser Selbstsucht und Selbstbefriedigung geeignet ist; wogegen die entsprechende physische Unterlage für die Äusserung geselliger und menschenfreundlicher Tugenden fehlen wird. In ausserordentlichen Fällen unausgesetzt gepflegter rücksichtsloser Selbstsucht während einer gegenwärtigen Inkarnation dürfen wir die Ursache suchen für das Entstehen des "verbrecherischen Gehirntypus" in der nächsten Inkarnation, und das Kind tritt in diese Welt, ausgerüstet mit diesem für alle Nichtswürdigkeiten geeigenschafteten Werkzeuge, welchem der unsterbliche Denker trotz aller Bemühungen kaum einen einzigen Ton reiner und wohlklingender Melodie zu entlocken vermag. Der in einer solchen Persönlichkeit inkarnierte Manasstrahl wird dieses ganze Leben hindurch durch Kamawolken getrübt und gebrochen erscheinen. Nur ganz selten wird trotz der ungünstigen Verhältnisse seine wahre, hehre Natur dennoch bis zu einem gewissen Grade in dem physischen Träger zum Durchbruch kommen, denselben momentan umwandeln, und nach qualvoller Anstrengung wird hie und da die niederere Natur niedergeworfen und wenn auch sehr langsam ein oder der andere Schritt zum besseren gemacht werden. Aber das ganze Leben hindurch wird die Vergangenheit die Gegenwart beherrschen, und mit bebenden Lippen muss der in früheren Tagen gefüllte Wermutbecher bis zum letzten Tropfen geleert werden. 6).
In dem zweiten der angenommenen Fälle schafft eine Person fortwährend Gelegenheit, um selbstlose und solche Gedankenformen zu erzeugen, welche darauf abzielen, den Bedürfnissen anderer gerecht zu werden, liebevolle Gedanken zur Förderung der Wohlfahrt des Nächsten in sich aufzunehmen und das Wohlergehen anderer zu fördern. Von solchen Gedankenformen rings umgeben geht er durchs Leben, sie wirken ganz natürlich ihrerseits wieder auf ihn zurück und allmählich wird ihm das Streben nach Selbstlosigkeit und die Sorge für das Wohl anderer mit Hintansetzung seiner eigenen Interessen zur festen Lebensgewohnheit. Beim Eintritt des Todes wird daher sein Charakter durch und durch ein wahrhaft selbstloser sein. Kehrt er dann wieder zur Erde zurück, so wird die seinen früheren Charakter darstellende Astralform sich zu solchen Eltern hingezogen fühlen, welche nicht nur geeignet sind, ihm eine reine Natur zu verleihen, sondern auch gewohnt sind, den Einflüsterungen ihres höheren Ichs Folge zu leisten. Aus dieser in einer solchen Astral - Schablone geformten Natur geht dann ein zur Manifestation von Bestrebungen der Selbstaufopferung geeignetes Gehirn hervor, welchem die physische Notwendigkeit für das Hervortreten roher Instinkte gänzlich fehlt. Tritt diese Gewohnheit der Selbstverleugnung im Laufe einer Inkarnation mit ganz aussergewöhnlicher Stärke hervor, dann wird sie die Ursache zur Bildung eines Gehirnes von wohlwollendem, menschenfreundlichem Typus für die nachfolgende Wiederverkörperung, und das Kind tritt mit diesem vorzüglich guten Instrumente ausgerüstet in die Welt, mit einem Instrumente begabt, welches bei der leisesten Berührung von Seiten des unsterblichen Lenkers laut ertönt und göttliche Melodien der Liebe und der Menschenfreundlichkeit hervorbringt, so dass die Welt in Staunen gerät über die Herrlichkeit der Taten und Resultate eines solchen Menschenlebens, welche bei ihm zudem weniger das Ergebnis persönlicher Mühen und Anstrengungen, als vielmehr der lautere Ausfluss seines ganzen Wesens zu sein scheinen. Solche erhabene von Wohltun überfliessende Naturen sind aber nur die äusseren Zeichen langer, glücklich bestandener Kämpfe, von Kämpfen, welche dem gegenwärtigen Menschen zwar unbekannt sind, die aber der innere Sieger nur zu gut kennt, und die eines Tages auch der von ihm beseelten Persönlichkeit bekannt werden.
So schreitet die Evolution des Menschen Schritt für Schritt vorwärts, indem der Charakter von Persönlichkeit zu Persönlichkeit weiter entwickelt und Gewinn wie Verlust mit strengster Sorgfalt verzeichnet wird, um in astralen Formen neuerdings wieder hervorzutreten, welche hinwiederum die nachfolgende physische Persönlichkeit beherrschen. Jede Tugend ist demnach das äussere Merkmal eines bereits gemachten Fortschrittes von wiederholten Siegen über die niederere Natur und die angeborene "Gutherzigkeit", der geistige oder moralische Charakter, mit welchem ausgestattet ein Kind schon zur Welt kommt, sind unfehlbare Beweise vergangener Kämpfe und früher errungener Siege, oder einst erlittener Niederlagen. Für die geistig oder sittlich gleichgültigen oder schlechten Menschen ist dies zwar keine erfreuliche und beruhigende Lehre, um so erhebender aber und beseligender wirkt sie auf diejenigen, welche kein Verlangen tragen nach Abhängigkeit von irgendwelcher menschlichen oder göttlichen Gerechtigkeit, sondern zufrieden sind, das zu ernten, was sie sich mit Geduld und Fleiss als wohlerworbenes Eigentum zu erringen bestrebt waren.
Eduard Carpenter hat in seinem Buche "Towards Democracy" in dem Abschnitte "The Secret of Time and Satan" diese Lehre in folgende Worte gekleidet:
"Die Kunst des Schaffens muss wie jede andere Kunst erlernt werden. Langsam, langsam und im Laufe vieler Jahre hast Du diesen Leib Dir aufgebaut; und die Kraft, welche Du jetzt (so wie sie ist) Dein eigen nennst, und vermöge welcher Du Deinen gegenwärtigen Körper aufgebaut hast, die hast Du Dir in früheren Zeiten und in anderen Körpern erworben.--So wirst Du auch in Zukunft über jene Kräfte verfügen können, die Du jetzt erwirbst. -- Die Kraft, den Körper aufzubauen, schliesst alle anderen Kräfte in sich. .... Merke wohl, dass all Dein Streben und Trachten immer auf Dich selbst zurückfällt. Ich sage nicht, Du sollst nichts erstreben; aber achte darauf, wie Du es erstrebest! -- Ein Soldat, der in den Kampf zieht, kümmert sich nicht darum, wie viel andere Rüstung er wohl noch mit sich tragen könne, sondern fragt sich eher, was er noch von ihr entbehren könne; denn er ist sich wohl bewusst, dass jeder neu hinzukommende Gegenstand, den er nicht frei und ungehindert gebrauchen kann, ihm hinderlich ist. So wird auch Dich, wofern Du Ruhe und Behaglichkeit oder Vergnügen oder nur das Geringste für Dich selbst suchest, das Bild dessen, was Du suchest. verfolgen und sich an Dich klammern, und Du wirst es mit Dir fortschleppen müssen. -- Die Bilder und Kräfte aber, welche Du auf diese Weise hervorgerufen hast, werden sich rings um Dich auftürmen und für Dich einen neuen Körper bilden, -- einen Körper, welcher nach Erhaltung und Befriedigung strebt. -- Und bist Du nicht imstande, diese Bilder jetzt zu zerstören, so wirst Du auch nicht fähig sein, dann jenen Körper zu zerstören, und wirst ihn mit Dir schleppen müssen. -- Sorge daher, dass er nicht Dein Grab und Dein Gefängnis werde, statt ein beflügelter Zufluchtsort und ein Palast der Freude. . . .
Siehst Du nicht ein, dass Du nur .durch den Tod den Tod zu überwinden vermagst? Denn da Du ein Sklave dessen bist, was den Sinnen schmeichelt, hast Du Dich mit einem Körper bekleidet, dessen Du nicht Meister bist; Du wärest lebendig in ein Grab gebannt, würde dieser Körper nicht der Vernichtung anheim fallen. Durch Leiden und Dulden sollst Du aber aus diesem Grabe befreit werden, und infolge der erworbenen Erfahrung Dir einen neuen und besseren Körper aufbauen. -- So wiederholt sich oftmals dieses Spiel, bis Du endlich die Flügel ausbreiten kannst und alle engelhaften und satanischen Kräfte in Deinem Fleische konzentriert hast. ........
Und die Leiber, die ich annahm, neigten sich vor ihm und waren wie Flammengürtel rings um mich herum; ich aber warf sie von mir: -- die Leiden aber, welche ich ertrug in meinem Körper, die wurden zu Kräften, die ich im nächsten Leibe beherrschte." --
Wir finden hier eine Wahrheit in schönen Worten ausgedrückt. Und ich bin fest überzeugt, dass auch der Tag anbrechen wird, an welchem die Völker des Okzident ebenso an dieselbe glauben werden, wie die Orientalen von jeher und auch heutzutage noch an ihr festhalten.
So arbeitet nun der unsterbliche Denker Tausende von Generationen hindurch geduldig fort an der Aufgabe seiner Sendung, nämlich den tierischen Menschen aufwärts zu führen und zu veredeln, bis er endlich befähigt ist, Eins zu werden mit dem Göttlichen. Aus einem einzelnen Leben erwirbt er sich wohl nur Bruchstücke für die Lösung seiner Aufgabe, aber dessen ungeachtet wird das hieraus gefertigte Astralmodell einen weniger tierischen Charakter haben, als wie jener Mensch bei seiner Geburt hatte, dessen Lebenswerke n dem jetzigen zum Ausdruck kommen sollen. Nach diesem, wenn auch nur um ein Geringes verbesserten Modelle wird der nächste Mensch gebildet, und von ihm wird nach seinem Tode eine Astralschablone für den später folgenden physischen Körper geformt werden, welche wieder um ein kleines weniger ist, nicht sofort, immer wieder und wieder, Generationen auf Generationen, Jahrtausende auf Jahrtausende hindurch, wobei auch mancher Rückschritt eintritt, der wieder gut gemacht, und mancher Missgriff stattfindet, der wieder rückgängig gemacht werden muss, wobei uns viele und nur langsam heilende Wunden geschlagen werden. Im allgemeinen aber geht s dennoch immer aufwärts und vorwärts, so dass das Tierische abnimmt, das Menschliche aber immer mehr hervortritt; dies ist die Geschichte der menschlichen Evolution, die nur langsam zu lösende Aufgabe des Egos, der Weg, auf welchem es sich zu seiner Bestimmung, d. h. zur "göttlichen Menschheit" erhebt. Bei diesem Vorwärtsschreiten gelangen die Persönlichkeiten allmählich auf eine Stufe, woselbst es ihnen klar wird, dass sie auf die vom Denker ausgehenden Anregungen auch reagieren müssen, und wo sie dunkel zu fühlen beginnen, dass sie etwas mehr sind als isoliert stehende Lebewesen, und dass sie an etwas Fortdauerndes, Ewiges gebunden sind. Wenn sie ihr Ziel auch noch nicht vollständig erkennen, so beginnen sie doch unter der Berührung des Lichtes zu erzittern und zu erbeben, wie die Knospe zur Frühlingszeit in ihrer Hülle erzittert und sich vorbereitet, sie zu zersprengen, um im hellen Sonnenschein ihre Pracht zu entfalten.
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1) Ebensowenig liegt im Menschen das Knochensystem, Muskelsystem, Nervensystem u. s. w. schichtenweise übereinander; sondern sie bilden ein Ganzes, wenn auch jedes in seiner Art vom anderen verschieden ist. (H.)
2) Leider sind wir im Deutschen gezwungen, immer wieder das vielbedeutende und deshalb nichtssagende Wort "Geist" anzuwenden, weil kein passenderes vorhanden ist. (H.)
3) Hierauf beruht die Hervorbringung der vielbesprochenen "okkulten" Schriften, Briefe, Zeichnungen und Gemälde, welche jedem sichtbar sind, auch ohne dass er "hypnotisiert" ist. (H.)
4) Jedem Menschen kann seine eigene Erkenntnis vollkommen genügen. Anderen seine Ansichten aufdrängen zu wollen, ist das Resultat persönlicher Eitelkeit. Wir sind gegen alle Proselytenmacherei. Wer aber den Weg der Wahrheit gehen will, dem wird er gezeigt. Nur für diesen ist er vorhanden. (H.)
5) Gautama Buddha sagt: "Die Nichterkenntnis der Wahrheit ist die Ursache aller Übel. Aus der Nichterkenntnis entspringen die Sankhâra (Neigungen) der dreifachen Produkte irdischen Daseins, nämlich des Körpers, des Sprechens und Denkens; aus den Sankhâra entspringt Sonderbewusstsein, Name (Charakter) und Form; aus diesen die sechs Regionen (Sinne); aus diesen entsteht Verlangen (Egoismus); aus diesem das Gebundensein; dann folgt die persönliche Existenz, Geburt, Alter, Tod. Durch die Zerstörung (Überwindung) der Sankhâra wird auch alles, was aus diesen entspringt, zerstört.. Dieses geschieht durch die Erkenntnis der Wahrheit, und der von ihr erleuchtete Mensch ist gleich der Sonne, welche die Nebel (des Irrtums) zerstreut. (H.)
6) Jeder Mensch ist in gewisser Beziehung sein eigener Vater, und deshalb fallen seine Sunden auf "seine Kinder", wie es heisst "bis ins siebente Glied".
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