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Junge Mann schloss die Augen












Teil 10

Die Gezeichneten

Der junge Mann schloss die Augen. Erinnerungen an das Christfest seiner Jugend tauchten wieder auf. Was war doch das Weihnachtsfest ein wunderschönes Erlebnis gewesen! Die Eltern hatten sich immer Mühe gemacht, den Heiligen Abend liebevoll u gestalten. Bewusst verzichtete die Familie auf viele Äusserlichkeiten. Man sass lange und freudig bewegt am Tisch und genoss ein feines Abendessen, das sei Mutter mit grosser Hingabe zubereitet hatte. Man sang etwa die Weihnachtslieder mit, die im Radio dargeboten wurden. Dann kamen die kleinen Geschenke auf den Tisch. „Nicht viele, aber von Herzen“, lautete die Devise der Mutter. Jedes überlegte sich schon lange, womit es dem anderen Freude bereiten könnte. Der Kirchgang zu nächtlicher Stunde stand äusserst selten auf dem Programm; der Vater meinte, wenn man schon das ganze Jahr über kaum in den Gottesdienst gehe solle man nicht in der Weihnachtsmette den andere den Platz versperren. Die Mutter war mit dieser Ausrede wohl nicht zufrieden. Doch sie drängte nicht darauf, dass man die Mitternachtsmesse besuche, weil sie an diesem Abend keine familiären Auseinandersetzungen wünschte. Also sass man lange zusammen und fand das Weihnachtsfest in der Familie ein schönes Erlebnis.

Doch dann kam jene Zeit, wo es ihn von zu Hause weggetrieben hatte und er den Heiligen Abend im Kreise seiner Kollegen lauthals und mit grossen Alkoholmengen feierte. Dieser Kreis nahm ihn immer mehr gefangen, bis er sich von daheim löste und allmählich tiefer und tiefer sank. Er wusste, dass er sich jetzt im elenden Loch befand. Drogensucht und Aids waren sein Schicksal.

Plötzlich schüttelte es ihn. Wie glücklich mussten die Menschen sein, die an all das glauben konnten, was man an Weihnachten verkündigte, was ihnen vom Kind im Stall zu Bethlehem erzählt wurde. Er erinnerte sich an die Geschichte der Bibel. Damals fanden die junge Frau Maria und ihr Mann Josef auch keinen Platz in der Herberge. Man hatte sei doch auch weg gewiesen. War das aber nicht sündhaft, wenn er sich und seine Freundin mit dem Paar aus der Heiligen Schrift verglich? Josef und Maria waren gute, heilige Menschen gewesen, nicht zerlumpte Versager wie er und seine Freundin. Aber der Gedanke kehrte dauernd zurück: Jene beiden fanden einen Stall, in dem sie unterkamen. Wie wäre er dankbar, wenn er für die kommende Nacht irgendwo einen Unterschlupf auftreiben könnte!

Fortsetzung folgt…..
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