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| Was ist der Islamismus! |
| Eine Freiheitsbewegung = erste Schule! |
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| Eine faschistoide Ideologie = zweite Schule! |
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| Stimmen insgesamt : 2 |
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Hallo Ihr lieben,
die Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil die Befürworter des Islamismus diesen ganz anders definieren als die Gegner. Dazu mal ein Positionspapier, das in seiner Position recht neutral die Begriffe klärt:
Folgende Ausschnitte sind aus http://blog.zeit.de/kosmoblog/?p=225
| Zitat: |
Der Islamismus und der Westen, zwei Schulen
In der Debatte über Islamismus und die Politik gegenüber dem Nahen und den Mittleren Osten gibt es zwei Denkschulen.
Die eine geht davon aus, dass der Islamismus im wesentlichen eine Reaktion auf westliches Handeln ist: Auf früheren Kolonialismus und heutigen Imperialismus, und auf die Präsenz und das Handeln des westlich geprägten Israel. In dieser Perspektive handelt es sich beim Islamismus um eine Befreiungsbewegung, die im wesentlichen legitime Ziele vertritt, nämlich die Freiheit von fremdem Einfluss. Die arabische Welt wird als Opfer gesehen, und die Taten des Islamismus als Akte des Widerstands. Misstände in der arabischen Welt werden relativiert, indem man sie Misständen im Westen gegenüberstellt oder sie als Reaktion auf den Westen deutet. Die Debatte in dieser Schule dreht sich darum, ob das Selbstmordattentat gegen Zivilisten noch durch das Widerstandsrecht legitimiert ist, hierzu gibt es unterschiedliche Auffasungen. Sich selbst sehen die Vertreter dieser Schule als Anwälte der Schwachen, und sie übersetzen das Handeln und die Verlautbarungen der Islamisten in ein Plädoyer, das sich aus den Traditionen des westlichen politischen Denkens speist.
Die zweite Schule geht davon aus, dass es sich beim Islamismus um eine eigenständige Bewegung handelt, die sich nicht nur aus vergangenem und gegenwärtigem Handeln des Westens erklären lässt. In dieser Schule sieht man die Islamisten als Akteure, die fest entschlossen sind, einen islamistischen Gottesstaat einzuführen - Scharia im Inneren und Kampf gegen jeden westlichen Einfluss. Ein Kampf, der sich sowohl innerhalb der Region wie auch im Westen abspielt, weil er grundsätzlicher Natur ist und weil der Islamismus als universalistische Ideologie eine expansive Strategie verfolgt. Das Selbstmordattentat wird in dieser Deutung als ein Akt der Kriegsführung gesehen, in einem Krieg, der sich gegen den Westen als Zivilisation richtet - gegen Gleichberechtigung, Demokratie und Menschenrechte, gegen offene Gesellschaft und Konsumkultur.
Die Auseinandersetzung innerhalb des Westens spielt sich zwischen diesen beiden Deutungs-Schulen ab. |
| Zitat: |
Auf der einen Seite wollen tatsächlich viele Menschen in den arabischen Ländern alles andere als eine Herrschaft der Islamisten, und deshalb macht es Sinn, alles daran zu setzen, ihnen eine Alternative zu Despotie, Autokratie und Gottesstaat zu bieten - offene Gesellschaft, Marktintegration, politische Freiheit. Auf der anderen Seite gibt es islamistische Organisationen und Kreise, die in Wort und Tat dem Westen den Krieg erklärt haben und die der Westen mit Wort und Tat bekämpfen muss, um seine Sicherheit, seine Freiheit und seine Werte zu verteidigen.
Eine westliche Strategie in dieser Auseinandersetzung muss auf beiden Ebenen stattfinden. Die Voraussetzung dafür ist Klarheit in der Botschaft: Klarheit in der Ablehnung von islamistischen Terror und islamistischer Gewalt, Klarheit im Einstehen für Menschenrechte, Demokratie und Marktwirtschaft.
Die Vertreter der ersten Schule lassen diese Klarheit gelegentlich vermissen. Insbesondere die Grenze gegenüber islamistischer Gewalt muss jedoch klar gezogen werden: gegenüber Gewalt in den Akten asymmetrischer Kriegsführung (wie Selbstmordattentate gegen Zivilisten) wie auch gegenüber innergesellschaftlicher Gewalt (wie gegen Frauen und Minderheiten). Das ist, als Kern der Menschenrechte, nicht verhandelbar. Ambivalenz in diesen Dingen sendet falsche Signale. |
| Zitat: |
Der Westen steht, als Prinzip, für die Institutionen und Werte der offenen Gesellschaft. Eine Auseinandersetzung mit dem Islamismus sollte keinen Zweifel daran lassen, dass man diese Institutionen und Werte für nicht verhandelbar hält. Dass man im Rahmen einer wirklich freien und offenen Debatte zu anderen politischen Formen kommt als denjenigen, die in der europäischen Tradition verankert sind, ist selbstverständlich; in Südamerika, in Afrika und in Asien gibt es durchaus regionale Unterschiede.
Doch die Formen der Despotie in der arabischen Welt, die selbst wiederum auf europäische Modelle zurückgreifen (Baath-Partei), als Ausdruck einer irgendwie authentischen alternativen Kultur misszuverstehen, bedeutet, einer Ideologie auf den Leim zu gehen, die nicht zufällig von den gewalttätigen Herrschern der Region propagiert wird. Das gilt ebensosehr für die Vertreter eines gewalttätigen Islamismus, der von herrschenden Eliten der Region teils brutal unterdrückt, teils reichlich gesponsert wird. Verlautbarungen von dieser Seite sind mit höchster Skepsis zu betrachten - es handelt sich in der Regeln nicht um die Stimme der Schwachen, Unterdrückten, sondern um die Stimme von Gewaltherrschern und Gewalttätern. Die wirklich Schwachen und Unterdrückten schmachten in den Kerkern, fallen Angriffen zum Opfer oder sitzen im Exil.
In freien Staaten mit gefestigten politischen Institutionen haben beide Formen von Gewaltherrschaft keine dauerhafte Chance, auf was für eine Religion auch immer sie sich berufen. Denn beide sind strukturell nicht in der Lage, den Menschen zu geben, was sie sich wünschen: die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zu führen, verbunden mit der Chance auf einen gewissen Wohlstand. Insofern bieten weder Despotie noch Islamismus eine langfristige Perspektive. Wie lange es aber dauert, bis beide überwunden sind, hängt nicht nur, aber doch in hohem Maße auch vom Verhalten des Westens ab. |
Ein Papier das ich voll und ganz unterschreibe.
Gruß Heiko
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