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Kalte Steinstufen












Teil 9

Die Gezeichneten

Er setzte sich auf die kalten Steinstufen, die zum Portal der Kirche hinaufführten. Eine alte Frau trat aus der Kirche. „Ist ihnen nicht gut?“ fragte sie herzlich, und er spürte aus dem Klang ihrer Worte, dass sie tiefes Mitgefühl mit ihm empfand. Sie schaute ihn fragend an und meinte dann: „Junger Mann, ich glaube, Sie sind sehr krank. Sie sollten heim ins Bett. So erkälten Sie sich noch mehr!“ Er schüttelte stumm den Kopf. Er war so grenzenlos müde, dass er dieser freundlichen Greisin keine Antwort geben konnte. „Sie, hier draussen ist es zu kalt. Kommen Sie, drinnen in der Kirche ist es etwas warm. Der Sakristan schliesst die Türe noch nicht zu. Dann können Sie sich ein bisschen aufwärmen.“ Sie packte ihn am durchstochenen, hoch geschwollenen Arm. Er schrie auf vor Schmerz. Sie hatte ihn an der wunden, eitrigen Stelle berührt. Er zog den Ärmel hoch und wies auf den entzündeten und von Wundkrusten übel aussehenden Arm. „Um Himmels willen“, schrie die Frau. „Sie müssen doch mit einer solchen Entzündung ins Spital.“ Sie fasste ihn trotz ihres Alters mit festem Griff um die Hüfte. Er hätte der betagten Frau diese Kräfte nicht zugetraut. Sie hob ihn gleichsam in die Höhe, stellte ihn auf die Beine und schob ihn zum Portal hinauf, das sich mit einem leisen Druck auf die Türklinke automatisch öffnete. Durch einen Vorraum hindurch führte sie ihn ins halb erleuchtete Gotteshaus.

Der Sakristan war gerade damit beschäftigt, an einem mächtigen Tannenbaum die elektrischen Kerzenstränge hochzuziehen und an den Ästen zu befestigen. Er hatte sein Werk beinahe vollendet, und nach einigen Minuten leuchtete der Baum auf mit ungezählten Kerzen. Es war ein wunderschöner Anblick. Der Chorraum mit dem Altarkreuz erstrahlte jetzt in einem mystischen Glanz.


Fortsetzung folgt ….
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