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Hallo Martin
Das Zeitalter der Aufklärung geht sicher mit der Erfindung des Buchdruckes in den Jahren 1452/55 einher. Erst dadurch wurde Wissen verbreitet und für jedermann zugänglich.
Die Autoritäten in Europa guckten plötzlich ganz dumm aus der Wäsche, da ihre (einzige) Meinung einfach umgangen wurde.
Buchdruck, Renaissance u. Reformation griffen ineinander.
Die davon ausgelöste zivilisatorische Beschleunigung ist ohne Beispiel u. da mich in dieser Hinsicht der Islam besonders interessiert:
In der islamischen Zivilisation war das etwas anders.
Denn erst dreihundert Jahre nach der Erfindung des Buchdruckes wurde die Druckerpresse im Bereich des Islam großteils eingeführt.
Islamische Rechtsgelehrte verhinderten in der Zeit des 15. Jahrhunderts die Einführung der Druckerpresse u. von diesem Zeitpunkt an treten die Entwicklungen von Westen u. Orient massiv auseinander.
Ibn Hanbal (780-855) vertrat die Haltung, nur Koran u. Hadith seien der Verschriftlichung wert. Alles andere trage zur Verwirrung d. Gläubigen bei.
Die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind bis jetzt spürbar.
Ist in der islamischen Tradition nicht eine auffällige Scheu od. z.T. sogar eine Aversion gegen die Verschriftlichung (qahr al-kitab) zu erkennen?
Der Begründer d. neueren Islamwissenschaft, Ignaz Goldziher, sprach von einem regelrechten „Widerwillen“ gegen das Schreiben.
Diese Distanz zum Schriftlichen führt zu einem Generalverdacht gegen das Schreiben: Es könnte sich daraus ein zweites Buch ergeben.
Im Islam wird ja immer noch eine große Tradition d. Mündlichkeit, des Rezitierens u. Memorierens, hochgehalten. Denn dadurch wurde
die Einführung des Buchdrucks im Islam regelrecht (gewollt?) verschlafen u. deren Defizite sind bis heute sichtbar u. ist einer der Gründe warum eine Aufklärung nie stattgefunden hat.
Obwohl mancherorts behauptet Aufgeklärt zu sein, wie ich festgestellt habe (in einigen orthodoxen Muslimischen Foren). Eine gegenteilige Ansicht wird kompromittiert von sich gewiesen. So meine Erfahrung.
Auch wäre interessant zu wissen ob das Wort „Aufklärung“ in der hoch arabischen Sprache vorkommt, wie es in Europa verinnerlicht ist u. ob dies überhaupt als Ziel od. Weg angesehen wird. Wahrscheinlich wird´s dem Teufel zugeschrieben - eh klar od. nem Tschin.
Meiner Meinung nach, wird von Autoritäten her dagegen gearbeitet u. der Gläubige klatscht auch noch Huldigung. Stichwort Unmündigkeit. Woher soll er´s den auch wissen. Er ließt ja nichts anderes. Ist wie eine sakral verordnete Buch Zensur deren kleinste Abweichung Minuspunkte produziert. Mit einem schlechten Gewissen lässt sich nun mal gut arbeiten.
Wie bei uns, vor etwa einem halben Jahrtausend. Die Parallelen sind evident.
Das ist auch der Grund warum das Zitat von Immanuel Kant zwar gelesen jedoch so wenig verstanden wird, von den orthodoxen. Da wird sich so schnell, ausser Beunruhigung, nix ändern - wie wir sehen werden.
LG
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