Foren-Übersicht
Impressum | Login | Registrieren | Forum | Suche

Erwachen im Augenblick des Todes












http://www.8-pfad.de/theosophie/konstanz/erwachen/erwa_tod.htm


Erwachen im Augenblick des Todes


Der Tod des physischen Körpers trifft manchmal mit dem völligen Erwachen der Seele zusammen. Das ist dann ein Ereignis, das zur Erklärung desselben und zur Erinnerung an denselben des Baues einer grossen Pyramide würdig ist. In diesem besonderen Fall sehen die Beobachter am Sterbebett auf dem Gesicht des Sterbenden einen Wechsel vor sich gehen, der nicht beschrieben werden kann. Der Kopf, der so niedrig liegt, nimmt einen Ausdruck von Kraft an und scheint sich von selbst aufzurichten, obgleich er sich nicht rührt. Und das Licht der ewigen Morgendämmerung spiegelt sich in den Augen wider, die sich so bald für immer schliessen werden. Einer, der an solchem Sterbebette wachte, sagte mir: "Meine Mutter war immer sehr taub, und ich bedauerte nicht, sie zu verlieren, sie wäre dann viel besser aufgehoben gewesen. Als sie starb, sah ich in ihren Augen einen Ausdruck, als ob sie über die Schönheit von etwas erstaunt wäre, das ich nicht wahrnahm, und ein unbeschreibliches Entzücken schien sie zu erfüllen, als ob sie wüsste, dass sie nie mehr hilflos und taub sein würde."

Solche Seele sieht um das Bett die Engel mit weissen Flügeln stehen, die warten, um sie durch den Raum, den Äther und DIE SPHÄREN zu tragen. Und sie sieht Führer und Lehrer bereit, ihr den Weg über die Schwelle des materiellen Lebens und über das große ätherische Meer zu den spirituellen Zuständen hin zuziehen. wo sie sich selbst leuchtend und flammengleich wiederfindet und mit den Kräften des Lebens, der Liebe und der Tat ausgerüstet ist, die dem Menschen unvorstellbar sind. Wenn sich die erwachende Seele aus dem physischen Körper zurückzieht, erkennt sie in dem Strahl, der sie aufwärts zieht, den glänzenden Aufstieg, der vor ihr liegt. Und das Entzücken darüber spiegelt sich sofort in den sterbenden physischen Augen wider. Ich habe nie davon gehört, dass dieser wunderbare Gesichtsausdruck wahrgenommen wurde, ehe die Kraft zu sprechen ganz verloren war. Er tritt im allerletzten Augenblick ein. Niemand, der dies gesehen hat, kann jemals den Tod wieder fürchten. Es mag vernünftig sein, daran zu zweifeln, ob man gut genug gelebt hat, um solchen grossen Lohnes würdig zu sein, aber man braucht den Tod nicht zu fürchten. Nur für den Übeltäter, den Menschenfeind, kann Furcht berechtigt sein, und wenn er sich fürchtet, braucht er nur den Irrweg, auf dem er wandert, zu verlassen und den Weg zu betreten, auf den ihn die Engel so liebend gern führen möchten. Dann kann die Furcht für immer beiseite gelegt werden. Nur wenn die Menschen zu verstehen beginnen, dass das Leid, das ihnen durch die Trennung beim Tode auferlegt wird, sie nur darum trifft, um sie aus der physischen Dunkelheit und Unvollkommenheit herauszuführen, werden sie die unendliche Güte und Barmherzigkeit der Macht erahnen, die ihr Leben lenkt. Ganz gleich wie gross und tief das Glück, in dem die Sterblichen gerade leben, sein mag, es ist in Wirklichkeit zeitlich begrenzt. Es ist das 7iel des Leides, die Seelen der Menschen in einen Seinszustand zu erheben, wo das Element der Dauer und das Ewigkeitsbewusstsein existieren. Der Liebende, der geliebt hat und starb, besitzt jene Liebe und den Geliebten völlig in dem Teile seiner Natur, der sich in den spirituellen Zustand zu erheben vermag, und kann beide auch niemals wieder verlieren. Das erste Empfinden, das auftritt, nachdem der Tod die wahrhaft Liebenden getrennt hat, ist, dass eins von ihnen völlig weggenommen wurde, unerreichbar und auf grausame Weise, wie wenn ein Kindermädchen einem Kinde das Spielzeug fortnimmt und aus dem Zimmer tut. Doch der Geist der Sphäre, der Lenker der Menschenleben, möchte sie gern wissen lassen, dass der Gegenstand ihrer Liebe, wenn er durch den Tod genommen wurde, überhaupt nicht fortgenommen sondern nur höher hinaufgehoben wurde. Es gibt überhaupt keinen Vergleich zwischen der Situation eines Kindes, dessen Spielzeug auf ein hohes Wandbrett ausserhalb seiner Reichweite gelegt wurde, und dem Liebenden, der zurückblieb. Die Seele des Menschen kann die äussersten Höhen erklimmen. "Wohin ich gehe, wisst ihr, und den Weg dahin kennt ihr." Und wenn der Zurückbleibende am Fusse der goldenen Treppe stehenbleibt, ist es nur darum, weil er vorzieht, nicht aufzuschauen und zu erwachen. Es ist sein Wunsch, den Geliebten bei sich zu haben, und dass sie zusammen durch das physische Leben tanzen und nach dem physischen Leben zwischen den Verkörperungen in der Ätherwelt schlafen und ausruhen mögen. Doch das ist nicht die Bestimmung des Menschen. Das ätherische und das physische Universum sind nur zeitbegrenzte Heimstätten. Der Mensch muss darüber hinausgehen.

Einer der seltsamen Umstände, die oft im Zusammenhang mit dem Gesetz der Trennung durch den Tod besprochen werden, ist die Tatsache, dass sehr oft der höher Entwickelte, der Selbstlose und Demütige, auf den sich der andere stützt, der gänzlich Spirituelle zuerst genommen wird. Das ist darum so, weil solche Seelen beim Abscheiden aufwänsteigen und jene, die sich nach ihrer Gegenwart sehnen, nach sich ziehen, und zwar so, dass nicht nur ihre Natur in dieser Zeit vergeistigt wird, sondern dass auch die nächste Verkörperung sich auf einer höheren Stufe vollzieht.

Wenn die erdgebundenere und unvollkommenere Natur zuerst abscheiden würde, würde sie in der ätherischen Welt verweilen, in das physische Leben zurückdrängen und sich dem Zurückbleibenden bemerkbar machen. Sie würde so die Befriedigung, die das gerade vergangene Leben bot, wiederholen statt in ein neues Leben einzutreten. Das Gesetz des Todes und der Trennung durch ihn ist ein Hauptpunkt im Plane der Entwicklung der ganzen Menschheit; und der Geist der Sphäre ist verpflichtet, diese Trennung immer wieder anzuwenden, um die Schritte der einzelnen Menschen und die Vollendung der ganzen Pilgerfahrt zu beschleunigen. Das Glück ist ein Geburtsrecht des Menschen, doch nicht das Glück auf der Erde, denn die Erde wird ihn nicht lange genug in ihrem Schösse bergen, um ihn zu erfreuen. Glück ist sein Geburtsrecht als Geist, nicht als sterblicher Mensch, und deshalb ist das Glück ein viel grösserer Besitz, als er es sich vorstellt. Die Zufriedenheit erfüllt ihn in jenem Bewusstseinzustand, in dem sie sich vollkommen offenbaren kann, weil es dort den Kampf zwischen den Gegensätzen und auch keine Furcht mehr gibt; denn dort gibt es weder Wechsel noch Tod.

In allen solchen spirituellen Bewusstseinszuständen gibt es nur den Übergang von einer Sphäre in eine andere, wie das jeder Hellsehende und Sensitive wahrnehmen und berichten kann. Aber jeder Übergang ist ein freudiges Ereignis und bereitet denen, die ihn beobachten, große Freude, so als ob jedes ihn selbst durchlebte. Während des physischen Daseins leben wir in steter Furcht vor Leiden und Unglück. Sogar auf dem Höhepunkt eines erfolgreichen und glücklichen Lebens ist diese Furcht immer da, selbst wenn sie uns nicht bewusst ist. Das zeigen auch die einfachen alltäglichen Sprachwendungen: "Du wirst dir wehtun, wenn du nicht aufpasst." "Du wirst dich krank machen."

Man denke nur an die immer gegenwärtige Angst eines Mannes, der eine geliebte Frau oder ein kleines Kind unter den vorerwähnten Bedingungen besitzt. Möge er auch noch so ein grosser Optimist sein, die Angst wird unbewusst immer da und bereit sein, sich beim geringsten Wink zu plötzlicher und grausamer Tätigkeit zu erheben, sei es als Nachricht über einen Unfall, ein Feuer oder eine Krankheitsepidemie. Sie alle tauchen auch die heitersten Menschen in Qualen der Furcht um jene, die sie lieben. Es ist notwendig, sie jenseits der Schwelle jenes Zustands zu leiten, in dem solche Ängste existieren. Und bei den meisten Menschen ist die Versetzung des Meistgeliebten über jene Schwelle hinaus das wirkungsvollste Mittel. Wenn das eintritt, müssen sie sich von der Illusion befreien, dass sie nicht folgen können, dass sie in jedem Fall (ausgenommen in ihrer Einbildung) in ihrem physischen Körper gefangen oder an das physische Leben angekettet sind. Gar zu oft bedarf es vieler Verkörperungen voller Liebe und Schmerz, um diesen Wahn zu überwinden, der das erste und deshalb das Haupthindernis des Fortschritts ist. Das erste Gefühl dessen, der geliebt und verloren hat, ist die Empfindung eines Verlustes des Geliebten. Doch die viel schmerzhaftere, wirkliche und umgestaltende Erfahrung kommt später und lässt ihn empfinden, als ob die Liebe selbst von ihm genommen sei.

Jene, die um ihn sind und die wahren Sachverhalte des Lebens nicht kennen, sagen dann, er beginne sich von seinem Verlust zu erholen. Ein äusserer Wechsel wird sichtbar. Entweder er kehrt zu seinen eigenen alten Beschäftigungen leidenschaftlicher denn je wieder zurück und scheint das Leben selbst wieder aufzunehmen, ohne sich um den, den er verlor, weiter zu kümmern: oder aber er nimmt die besonderen pflichten, die jener erfüllte, auf und versucht, sie fortzuführen. Der Mensch, der letzteres tut, befindet sich in einem hoffnungsvolleren Zustand als der andere, weil er sich bemüht, dem edleren Charakter des geistvolleren Wesens, das an einen höheren Platz versetzt wurde, nachzueifern. Was er in sich selbst erlebt, ist die Umwandlung der Liebe, die er fühlte, aus einem physischen in einen spirituellen Zustand. Und wenn er sich gänzlich in seinem Körper auf dem physischen Plan befindet, wird ihn die furchtbare Leere und Verlassenheit mit Unbehagen erfüllen. Und er stürzt sich wieder in Arbeit und Beschäftigung, um ein Gefühl der Wirklichkeit zu erlangen. Jedermann weiss, wie oft sich Menschen kurze Zeit nach einem schweren Schmerzerlebnis harter Arbeit zuwenden, um sich vor dem Wahnsinn zu retten. Darum erwacht der Impuls zur Anstrengung in ihnen.

Der Mensch lebt so gänzlich in der spirituellen Sphäre, zu der ihn seine Liebe hinzieht, dass ihm die Sphäre des physischen Lebens, in die ihn das Schicksal hineinzwängte, völlig unwirklich zu sein scheint. Ein Sensitiver, der aus einer tiefen Trance erwacht, erlebt oft, dass es ihm schwerfällt, sich in der Wirklichkeit seines Zimmers zurechtzufinden, wenn er im spirituellen Zustand weit umhergewandert war. Er muss sich erst im Zimmer umherbewegen und die Dinge berühren, um sich wieder zu orientieren. So muss auch der Mensch, dessen Seele durch Kummer und Verlust hinweggezogen wurde, und dessen Liebesnatur ihre dauernde Heimat jenseits der Schwelle des physischen Lebens gefunden hat, notwendigerweise das Gefühl der Unwirklichkeit und der nur schmerzenden Leere durch große Aktivität überwinden, wenn er über jene Schwelle wieder zurückkehrt. Seine Seele, die durch die Bande der Liebe hinaufgezogen wurde, hat zu erwachen begonnen, und die Aktivität wird weniger für seine Person als vielmehr für das große Ganze der Natur von Nutzen sein. Auf diese Weise wird er die Bedingungen für eine höhere und bessere Verkörperung schaffen, die derjenigen, in der er jetzt leidet, folgen wird. Und er wird mit seiner Geliebten zur Erde zurückkehren und viel enger mit ihr vereinigt sein als je vorher, weil ihn die Gesetze der Entwicklung durch seine Liebe an einen höheren Plal gezogen haben. Denn wo euer Schatz ist, da soll auch euer Herz sein.




****************
erwa_tod.txt
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum III


Ähnliche Themen
Der Augenblick zählt....
Die Schrecken des Todes sind unbegründet,
Flüchtiger Augenblick
Aus Traum nicht mehr erwachen
Erster Augenblick
Arabische Kultur des Todes
Mein Traum zum Zeitpunkt des Todes meines Sohnes
Angesichts des Todes zum Glaube
Gewissheit des Todes
Die Halle des Lernens für das Erwachen