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Ohne Frage wurde Jesus nicht nur in den frühesten Schichten der christlichen “Frohen Botschaft” als wirklich menschlich dargestellt und verstanden, sondern auch die “höchsten” orthodoxen christologischen Formulierungen bestanden darauf (wie die von Chalkedon). Aber die Anhänger Jesus, besonders in der Reflexion der nachösterlichen Ereignisse, spürten, dasz Gott in ihm und durch ihn auf auszergewöhnliche Weise wirkte.23 Für sie schien sich Gott durch ihn zu manifestieren. Es schien ihnen, dasz Jesus so völlig offen war für alle Dimensionen der Realität, des Seins (wie alle Menschen, alle intelligenten kognitiven Wesen es im Prinzip ebenfalls sind), dasz er vollständig erfüllt war vom Einströmen des Seins auf eine “radikale” Weise, d.h. “bis in seine Wurzeln”, die auch die “Wurzel”, die Quelle allen Seins einschlosz-in theistischer Sprache: Gott. Somit macht es Sinn zu sagen, dasz Jesus völlig, wirklich göttlich war. Das heiszt, weil er völlig offen für alles Sein und die Quelle des Seins war, gab es keinen Teil von ihm, der nicht durchdrungen war von der Quelle des Seins.
Nun scheint es, dasz an diesem Punkt viele frühe hellenistische Christen den linguistischen Schritt machten zu sagen, da Jesus durchflutet wurde von der Quelle des Seins, von Gott, kann man also auch im vollen Sinne behaupten, er sei wirklich Gott. Aber linguistisch war dies eher ein verwirrender statt klärender Schritt, denn diese Sprache läszt versehentlich darauf schlieszen, dasz die Worte Gott und Jesus das gleiche beschreiben.
Das heiszt: Gott ist unendlich, unbegrenzt während Menschen, sowie alle anderen Lebewesen, endlich und begrenzt sind. Jedoch zu sagen, dasz Jesus Gott ist bedeutet, dasz Jesus, ein menschliches Wesen und daher endlich, nicht endlich ist, sondern unendlich. Oder in anderen Worten: Einen Satz zu formen, der mit dem Bindeglied ist das Subjekt und das Prädikat verbindet, wenn beide Substantive sind und zumindest eines seine Kategorie selbst ausfüllt, kann nur bedeuten, dasz das Subjekt und das Prädikat sich decken. Zum Beispiel, wenn es nur einen Präsidenten der Vereinigten Staaten gibt, bedeutet die Aussage “George Bush ist Präsident”, dasz es keinen George Bush gibt, der nicht Präsident ist und keinen Präsidenten, der nicht George Bush ist; George Bush und der Präsident sind aufeinander begrenzt. Oder: “Jesus ist Gott” bedeutet, dasz es keinen Jesus gibt, der nicht Gott ist und keinen Gott, der nicht Jesus ist; Jesus und Gott sind aufeinander begrenzt.
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13. Ein Exkurs: Die Auferstehung
Interreligiöse und interkulturelle Dialoge und Studien tragen zu einigen anderen möglichen Einblicken in eine Anzahl von christlichen Mysterien bei, die lange vielen Nicht-Christen, und zweifellos vielen Christen, geheimnisvoll geblieben sind. An dieser Stelle möchte ich über nur eines reflektieren, das nicht direkt in die Logik dieser Diskussion paszt, aber doch relvant dazu ist, nämlich die Auferstehung. Ich habe nicht vor, eine ausführliche Reflexion über diese christliche Lehre zu unternehmen, sondern ich möchte vielmehr eine mögliche Hilfe im Verständnis der Doktrin aufzeigen, das aus der Erkenntnis, dasz Ähnliches in anderen religiösen Traditionen existiert, hervorgeht.
Jede Kultur entwickelt eine Anzahl von Werten und kommt in diesem Prozesz dazu, bestimmte Dinge in höchster Wertschätzung zu halten. Beispielsweise gibt es in der griechisch-römischen Religionskultur eine starke Neigung zu einem Körper-Geist Dualismus; und unter diesen beiden Elementen ist Körper ganz klar nicht so gut wie Geist. Man mag in der Tat die Haltung einiger populärer Versionen so zusammenfassen: “Körper schlecht, Geist gut”. Daher war für Plato die Welt der Ideen die reale, und die Welt der Materie und der Sinne die im Schatten liegende-wie die Schatten an der Wand der Höhle (Sinnesobjekte) mit dem Feuer (Gott), das von auszen auf verschiedene Figuren (Ideen) schien und Schatten warf. Für den gröszten Teil der griechisch-römischen Kultur galt der Körper als ein Gefängnis, das die Seele zeitweise einkerkerte. Als Konsequenz daraus entwickelten die Griechen die Idee von Unsterblichkeit, nicht des Körpers, aber des Seele. Daher war das beste, was man über eine hoch anerkannte Person sagen konnte, sein/ihr Geist würde weiterleben; er/sie ist unsterblich geworden oder tatsächlich sogar “vergöttlicht” wie die römischen Kaiser.
In der indischen Religionskultur war etwas ähnliches, und doch anderes, am höchsten bewertet. Der individuelle Geist, das Selbst, atman, wurde als vom groszen Weltgeist, Atman oder Brahman kommend interpretiert. Aber jedes atman war gefangen in einem andauernden Kreis von Wiederveinigung mit Materie, dem samsara Kreis der Reinkarnation, abhängig von den Verdiensten der vorherigen Inkarnation. Das beste, was passieren konnte, war die Unterbrechung des samsarischen Kreises, so dasz das individuelle atman befreit wurde (mokscha), um sich mit Atman wieder zu vereinigen.
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