Plinius Secundus: DasWeltall, die Erde und die Götter


Kosmologie: DasWeltall, die Erde und die Götter. Aus Plinius, Naturalis Historia 2, 1 - 4

Die Welt und alles das, was man mit einem anderen Wort "Himmel" zu nennen beliebte, in dessen Umfassung jegliches sein Leben führt, betrachtet man zutreffend als ein göttliches Wesen, das ewig ist, unermeßlich, weder erzeugt noch jemals vergehend. [...]

Daß die Gestalt der Welt zum Aussehen einer vollkommenen Kugel gerundet ist, lehrt vor allem ihre Bezeichnung und die Übereinstimmung der Menschen in dieser Beziehung, indem sie von der Weltkugel (orbis) sprechen; es lehren dies aber auch sachliche Beweise, nicht nur weil [...]

Daß ihr unzählige Gestalten sämtlicher Tiere und Dinge aufgedrückt sind, und daß sie nicht, wie wir es an den Vogeleiern beobachten, ein allenthalben glatter und schlüpfriger Körper ist, was die berühmtesten Gewährsmänner behauptet haben, wird durch sachliche Beweisgründe angezeigt; denn aus den von dort herabfallenden Samen aller Dinge entstehen, wie sie sagen, zahllose vornehmlich im Meere zumeist vermischte, schreckenerregende Gestalten, außerdem, wie das Hinsehen erweist, hier das Bild eines Bären, dort eines Stieres, anderswo eines Buchstaben in einem helleren Kreise mitten durch die Scheitelhöhe. [...]

Auch hinsichtlich der Elemente sehe ich keinen Zweifel daran, daß es vier sind: als höchstes das des Feuers, daher jene vielen Augen der leuchtenden Sterne; als nächstes das der Luft, welche die Griechen und die unsrigen mit demselben Worte 'aer' benennen; sie ist belebend und vermag die ganze Welt zu durchdringen und ist mit dem Ganzen vermischt; von ihrer Kraft getragen, werde die Erde zusammen mit dem vierten Element, dem Wasser, schwebend in der Mitte des Weltraumes im Gleichgewicht gehalten. [...]

[...]Daß die Sonne der ganzen Welt Seele und, deutlicher, ihr Geist sei, daß sie die oberste Herrschaft der Natur und eine Gottheit sei, ziemt sich zu glauben, wenn man ihre Werke in Betracht zieht. Sie nämlich bringt den Dingen das Licht und nimmt fort die Finsternis, sie verbirgt und beleuchtet die übrigen Sterne, sie lenkt den Wechsel der Zeiten und das sich immer wieder erneuernde Jahr nach den Naturgesetzen, sie zerstreut am Himmel das Trübe und läßt auch die Wolken des menschlichen Geistes sich aufhellen, sie leiht ihr Licht auch den übrigen Sternen, hervorleuchtend, hervorragend, alles schauend, alles auch hörend, wie, soviel ich sehe, der Erste in der Dichtung, Homer, nur an ihr es so befunden hat.

Ich halte es deshalb für ein Zeichen menschlicher Schwäche, nach dem Bild und der Gestalt der Gottheit zu suchen. Wer auch Gott sei, wenn es überhaupt einen anderen gibt (als die Sonne) und in welchem Teile [des Alls] er auch sein mag, er ist ganz Gefühl, ganz Gesicht, ganz Gehör, ganz Seele, ganz Geist, ganz er selbst. [...] Die gebrechlichen und mühebeladenen Sterblichen haben, ihrer Schwäche bewußt, die Gottheit in Teile zerlegt, damit jeder in seinem Anteil das verehre, dessen er am meisten bedürfe. Deshalb finden wir bei verschiedenen Völkern verschiedene Götternamen und bei jeweils denselben zahllose Gottheiten; sogar die unterirdischen Mächte, Krankheiten und auch viele böse Seuchen wurden in Arten geteilt, während wir in banger Furcht sie besänftigt wissen möchten.[...]


(Quelle (hier weiterlesen): www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/ Auditorium/LaVoSprA/SO5/Plinius2.htm )
-------------

Biographie Gaius Plinius Secundus:
..kurz Plinius der Ältere (lateinisch Plinius maior) genannt (* etwa 23 in Novum Comum (Como), † 24. August 79 in Stabiae) war ein römischer Gelehrter.

Plinius machte die relativ typische Karriere eines römischen Ritters (Eques); er kommandierte mehrere Militäreinheiten in verschiedenen Provinzen, unter anderem in Germania superior, und war in weiteren Provinzen Prokurator.

Er begleitete als Vertrauter der Kaiser Vespasian und Titus deren Feldzüge nach Germanien.

Bekannt geworden ist Plinius vor allem durch sein naturwissenschaftliches Werk Naturalis historia, das als einziges seiner Werke erhalten ist. In dieser Enzyklopädie in 37 Büchern fasste er das naturkundliche Wissen seiner Zeit zusammen. Das Werk, das trotz seiner großen Stofffülle durchaus literarisch gestaltet ist, stellt eine unschätzbare Quelle für das antike Wissen dar. Laut seinen eigenen Aussagen beinhaltet dieses Werk 20.000 wichtige Fakten zu den Themen Anthropologie, Arzneien aus Pflanzen- und Tiersubstanzen, Botanik, Ethnographie, Gartenbau, Geographie, Kosmologie, Kunstgeschichte, Medizin, Metallverarbeitung, menschliche Physiologie, Mineralogie, Schöne Künste und Zoologie, die er aus ca. 2.000 Büchern von 100 verschiedenen Autoren zusammengetragen hat. Die ersten zehn Bände wurden im Jahr 77 veröffentlicht, die übrigen erst nach seinem Tod.

Außerdem schrieb Plinius mehrere Geschichtswerke: eine Biographie seines Freundes Pomponius Secundus, zwanzig Bücher über die römischen Germanienkriege und eine Darstellung der römischen Geschichte in 31 Büchern, mit dem er an den Schluss des Werks des Historikers Aufidius Bassus anschloss (beginnend wohl 47). Diese Historien, die bis in die Regierungszeit Vespasians reichten, wurden von Tacitus als Quelle benutzt. Sie sind aber wie alle historischen Werke des Plinius nicht erhalten.

Plinius starb beim Ausbruch des Vesuv, der auch Pompeji zerstörte. Er war kurz zuvor zum Präfekten der römischen Flotte in Misenum ernannt worden. Als der Vulkan ausbrach, fuhr er, getrieben von naturwissenschaftlichem Interesse, aber auch dem Bemühen, den Opfern der Katastrophe zu helfen, über den Golf von Neapel nach Stabiae, wo er erstickte.

(Quelle: Wikipedia.de)
Vgl. auch ein paar Jahrhunderte vor ihm schon Xenophanes

"Wenn die Ochsen und Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse roßähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden, wie jede Art gerade selbst ihre Form hätte... Aber ein einziger Gott ist von Göttern und Menschen unerreicht, weder an Gestalt den Sterblichen ähnlich noch an Gedanken. Gott ist ganz Auge, ganz Ohr, ganz Geist; doch ohne Mühe erschüttert er alles mit des Geistes Denkkraft. Stets aber am gleichen Ort verharrt er, sich gar nicht bewegend, und es geziemt ihm nicht hin und her zu gehen, bald hierhin, bald dorthin... Doch ein Genaues freilich erblickte kein Mensch noch wird es je einer sein, der weiß in Bezug auf die Götter und alle Dinge, die man nur immer ausspricht; denn selbst wenn es jemand im höchsten Maße gelänge, Absolutes zu sagen, so hat er doch kein Wissen davon: Schein haftet an Allem."