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Der Tod als seelisch-geistiges Erlebnis












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Der Tod als seelisch-geistiges Erlebnis


Sogar von Schülern des Okkultismus wird der Tod gar zu oft für ein rein physisches Ereignis gehalten. Der Einfluss, den das materialistische Denken hierzulande ausübt, ist so stark, dass sogar fortgeschrittene Seher bis zu einem gewissen Grade unbewusst davon beeinflusst werden, und ein Gefühl der Trauer empfinden, wenn sie vom Tode eines Freundes oder einer von ihnen geachteten Persönlichkeit hören. Häufig wird zur Rechtfertigung angeführt, dass der Heimgegangene hier so sehr vermisst und noch so sehr gebraucht wurde. Nichts zeigt klarer als dies, wie der menschliche Verstand seinen Gesichtskreis einengt. Jene geliebte oder noch brauchbare Seele wird anderswo gebraucht, und zwar ausserhalb dieses zeitbedingten Wohnortes. Und je liebenswerter und brauchbarer sie war, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie Förderung erfahren hat; und deshalb ist das Ereignis im ganzen gesehen ein Anlass zur Freude. "Der Tod", so sagte Andrew Jackson Davis, "oder der Übergang, der so bezeichnet wird, sollte von allen Ereignissen am meisten bewundert werden, und seine Erwartung ist das erste, was man schätzen und würdigen sollte.“

Er erkannte sehr klar , dass das Ablegen des Körpers, das gewohnheitsgemäß so sehr bedauert wird, nur ein Nebenumstand des wirklichen Ereignisses ist. Die verstorbene Kaiserin von Österreich, die auf so tragische Weise ums Leben kam. hatte lange vor ihrer Sterbestunde erkannt, dass das Ablegen des Körpers nicht nur eine Nebensächlichkeit ist, sondern auch von dem wirklichen Geschehen selbst getrennt eintreten kann. Sie erkannte klar, dass der Tod ein seelisch-geistiges Erlebnis ist. Ihre Worte waren: "Es gibt im Leben eines jeden von uns einen Augenblick, wenn er innerlich stirbt, und es ist nicht nötig, dass dies bis zum Tode des Körpers hinausgeschoben wird." Georg Macdonald, der kürzlich dieses wundervolle seelisch-geistige Erlebnis auf diese Art durchschritt, schrieb diese Zeilen:„Besser als die auserwählteste Geburt auf Erden ist der Tod nach vollbrachtem Werk." Er freute sich auf herrliche Begegnungen jenseits des Grabes. Und da er an die Unsterblichkeit glaubte, hoffte er, nicht nur menschlichen sondern auch Tierseelen zu begegnen, denn er wurde von vielen dieser beiden Gruppen geliebt. Jenseitsgläubige aller Länder anerkennen mit Freude solche Begegnungen nach dem Tode; und sie freuen sich auf die Befreiung von den Schranken des Körpers. Alle Religionen lehren ihre Anhänger, sich auf ihre besondere Art von Himmel zu freuen. Das bildet auch einen Teil ihres philosophischen Systems. Doch die alte Lehre, die durch Ägypten zu uns gekommen ist, enthält mehr als dies. Sie deutet an, dass von der Seele des Menschen erwartet wird, dass sie im Laufe des seelisch-geistigen Erlebnisses, das wir Tod nennen, einen schwierigen Schritt aufwärts macht, und dass ihr dabei sowohl von oben als auch von unten viel geholfen werden muss.

Bei den Ägyptern war ein kompliziertes Ritual voll tiefer okkulter Bedeutung ein anerkanntes Verfahren, bei dem von der Seele erwartet wurde, dass sie Hilfe findet, wenn sie sich den schweren Weg vom Leben hier zu einem besseren Leben anderswo hinaufmüht. Nach dem physischen Tode musste ihr jedmöglicher Beistand gewährt werden, wenn sie den grossen Schritt ausführte, der das Ziel der seelischen Veränderung war. Solche komplizierten Wege sind dem Menschen des modernen Westens unbekannt. Und der Gedanke, dass die Seele gleich nach dem Tode des Körpers eine große Anstrengung vollbringen soll, ist ihnen nicht vertraut. Dass aber solche Anstrengungen von den Sterbenden erwartet und von den unsichtbaren Wesen, die sie umgeben, gefordert werden, wird durch Vorkommnisse an einigen Sterbebetten verständlich gemacht.

Fräulein Frances Power Cobbe sagte einmal zu der Schreiberin von Anekdoten an Sterbebetten, in denen die wirklichen Worte der Sterbenden sorgfältig aufgezeichnet wurden, dass man daraus viel lernen könne. Solche Sammlung kann aber selbst vom gewissenhaftesten Mitarbeiter nicht in einem Lande angelegt werden, in dem die Ärzte im Sterbezimmer regieren und ihre Richtlinien aufstellen, um den sterbenden Körper und nicht die lebende Seele zufriedenzustellen. Wenn ein Sterbender von grossen Feierlichkeiten spricht und die wundervollen Dinge zu beschreiben versucht, die er wahrnimmt, sagt der Doktor einfach: "Er phantasiert - er redet irre." Ich habe selbst an einem Sterbebett gestanden und gehört, wie der Kranke von einer erhabenen Wahrheit sprach, die er selbst oft in der Kirche bestätigt hörte, die vom Fenster aus zusehen wäre. Der Doktor aber sagte: "Das ist Fieberwahn." Die medizinische Wissenschaft weigert sich, den Tod als ein seelisch-geistiges Ereignis anzusehen; und das ist ganz natürlich, denn sie ist nur dazu da, den Körper zu behandeln. Dass sie die letzten Stunden des Körpers für gänzlich unwichtig hält, zeigt auch die Tatsache, dass sie Versuche an sterbenden Kranken durchführt und ihnen damit die Augenblicke stört, die dem wichtigsten Werk dieses Lebens geweiht sein sollten, dem Hinüberschreiten aus diesen Lebensbedingungen in andere. Wenn der Tod wirklich als höchster Augenblick des Lebens angesehen werden würde, und wenn die Krankenpfleger jedem Wort, das der Scheidende äußerte, ihre volle Aufmerksamkeit schenken würden, könnten wir viel mehr über den Charakter dieses Geschehens wissen. Zweifellos wird viel Hilfe geleistet, sogar dem ungebildetesten und unwissendesten Menschenbruder. Und oft sind es jene, die sie liebten und die ihnen auf dem Wege vorangingen, die kommen und jene Hilfe leisten, wie es in Macdonalds Traum des Mystikers beschrieben ist. Die tiefe Traurigkeit dieses Gedichts tritt in seinem Handlungsverlauf, kurze Zeit nachdem die See le das Totenbett des Körpers verlassen hat, ein. Zuerst wird sie durch die Anwesenheit eines langverstorbenen Bruders, der sie auf dem schwierigen Wege führt und leitet, aufgeheitert und erfreut. Doch es kommt eine Pause, ein Augenblick, wenn die Seele, die mit dem spirituellen Leben noch nicht vertraut ist, allein bleiben muss, um das von ihr noch nicht beherrschte ABC dieses Lebens zu erlernen. Wenn sie die Seele eines alten Ägypters gewesen wäre, so wären wahrscheinlich diese Pause,der neue Abschied und die daraus folgende lange Einsamkeit nicht notwendig gewesen. Die Belehrung wäre ihr durch gründlich vorbereitete Hilfsmittel gegeben worden. Die Liebe ist der große Hebel, der den Unwissenden erhebt. Jene, welche die Sterbestunden einfacher Bauern studierten, haben herausgefunden - so glaube ich -, dass sich zwei Dinge immer ereignen: Das eine ist, dass die scheidende Seele weiss, dass sie sich erheben d.h. aufwärtsgehen muss, und dass sie das für schwierig hält. Das andere ist: Dass jene aus ihrer eigenen Familie oder ihrem Freundeskreis, die sie am meisten liebte und die vor ihr starben, herbeikommen, um ihr bei dem Bemühen nach oben zu helfen. Ich war einmal dabei, wie eine arme, alte Frau aus einem Elendsviertel einer Stadt im Norden des Landes starb. Fünfzig Jahre lang hatte sie in den gleichen traurigen, schmutzigen Verhältnissen ein wundervolles Leben der Hingabe, Selbstaufopferung und Aufrichtigkeit geführt. Sie war schon recht lange vor ihrem Tode an grauem Star auf beiden Augen erblindet. Als das Ende nahte, sah ich mit Überraschung, wie sie wiederholt die blinden Augen zur Decke hinauf und dann zu ihrem Bett herunter richtete, als ob sie Dinge beobachtete, die von oben herniederkamen. Das dauerte einige Zeit. Schliesslich murmelte sie die Namen von zwei Töchtern, die vor zwanzig Jahren gestorben waren und sagte: "Sie werfen Blumen auf mich herunter, schöne, schöne Blumen, und sie sagen: „Mach nicht so lange Muter, wir werden dir hinaufhelfen..“ Diese alte Frau lebte von der Gemeindefürsorge, und so gab es keinen Doktor, der da sagte: "Sie phantasiert.“ Der viel beschäftige Fürsorgearzt hatte keine Zeit, um zu bleiben und auf ihre Worte zu lauschen.

Ein anderes Sterbebett, an dem mir die unsichtbare Hilfe von dem Sterbenden beschrieben wurde, war das eines unwissenden Seemannsjungen. Er furchtete den Tod als etwas Schwerwiegendes und Unerwartetes. Er hatte nicht geglaubt, dass er so jung sterben müsse. Und als ihm der Doktor erzählte, dass sein Ende nahe sei, stiess er einen schrecklichen Schrei der Verzweiflung aus. Doch der erste Schmerz verging, und er sagte mir, dass er, obwohl er enttäuscht wäre, weil er gehen sollte, ehe er richtig zu leben begonnen hätte, doch nicht viel dagegen hätte. Er fürchtete sich nur, weil er nicht immer gut gewesen sei. Er schien zu glauben, er würde ganz unfähig sein und nicht wissen, was er tun müsse, wenn er seinen Körper verlässt. Doch kurz vor dem Ende flüsterte er mit grosser Anstrengung: "Es ist alles in Ordnung - ich kann hinauf-gelangen - sie lassen ein Seil zu mir herunter -und ich kann daran hinauf." Der Gedanke vom Hinaufgehen war ihm selbst gekommen. Niemand hatte ein Wort darüber verloren. Er gehörte einer Familie an, die erklärtermassen ungläubig war. Keins ihrer Glieder ging weder zur Kirche noch in eine Kapelle. Aber Liebe und Tod wirkten ihre Wunder sowohl an ihnen als auch an jenen, welche die Dein Ste eines Geistlichen oder Priesters zur Seite haben. Wenn er unter ihnen war, zeigte sich der Tod ihnen nicht als das Ende des Lebens und Bewusstseins, sondern als ein Schreiten von einem Zustand des Lebens in einen anderen.

Ich war bei der Mutter des Jungen gerade vor ihrem Tode und fragte sie, ob sie sich freue, zu ihm zu gehen und auch zu seinen beiden Schwestern, die vor ihm starben; denn ich wusste, wie sehr sie sie alle liebte. Sie hatte zwei unverheiratete erwachsene Söhne, die mit ihr zusammen lebten und sich sehr um sie sorgten.

Sie zögerte, ehe sie mir antwortete, und dann sagte sie: "Ich weiss es nicht. Sie wollen mich hier haben, und sie wollen mich dort haben." Ich fragte sie, ob sie von ihren Kindern wisse, die vorher gestorben seien. "Oh, ja!" sagte sie. "Ich sehe und höre sie gerade so deutlich wie die ändern. Sie sind alle bei mir. Sie starb ein paar Stunden danach, aber ich war im letzten Augenblick nicht bei ihr und weiss somit also nicht, ob sie davon sprach, dass ihr hinaufgeholfen wurde.

Einige reine und hochentwickelte Seelen scheinen auf so wundervolle und schöne Art und Weise hinaufgetragen zu werden, wenn sie von ihrem physischen Körper befreit sind, dass sie sich gar keiner Anstrengung, sondern nur einer wunderbaren Erhebung bewusst sind. In solchen Fällen haben Hellseher selten schöne und bedeutsame Visionen gehabt; wie bei Frances Willard, dessen letzte Worte waren: "Wie schön ist es, bei Gott zu sein“. Hellseher haben beobachtet, wie er von einer Schar fliegender Engel schnell aufwärts getragen wurde, bis sie ihn nicht mehr sehen konnten. Diese Engel warten auf die sterbenden reinen Seelen und tragen sie über den ersten Teil des Weges, der vor ihnen liegt. Sie werden oft von Hellsehern gesehen.

Wenn man beginnt, den Tod als ein seelisch-geistiges Erlebnis zu betrachten, bedeutet das einen grossen Trost für jene, die beim Tode eines geliebten Menschen zugegen sind oder waren, wenn sie mit ansehen mussten, wie der Körper Schmerz erleidet. Es scheint mehr als wahrscheinlich zu sein, dass die Seele mit ihrem spirituellen Erlebnis beschäftigt ist, schon lange ehe der Körper aufgehört hat, Schmerzenslaute zu äussern, die den Beobachtern so sehr zu Herzen gehen. Während der langen Perioden der Bewusstlosigkeit kann sie weit weg sein und die Freude jener Freiheit geniessen, in die sie bald völlig eintreten wird.

Eine große und schreckliche Einsamkeit senkt sich oft auf den Beobachter hernieder, wenn der Verscheidende in tiefen Schlaf versunken ist oder sich unter der Einwirkung eines Schlafmittels befindet. Es ist, als ob die Seele hinaufgegangen ist, hinauf auf weissen Flügeln, oder goldene Treppen hinauf und wünscht, nicht wieder zurückgeholt zu werden. Noch einmal öffnen sich die Augen vollbewusst und voller Liebe, aber nur für einen kurzen Augenblick. Die Trennung hat bereits stattgefunden

Etwas Seltsames sagte einmal eine sterbende Frau. Sie war einige Zeit bewusstlos gewesen, und der Mann hatte sie durch ein starkes Wiederbelebungsmittel zum Leben zurückgebracht. Sie schaute ihn vorwurfsvoll an und sagte: "Warum hast du mich zurückgeholt? Ich musste solch einen steilen Hügel erklimmen und hatte die Spitze fast erreicht, als du mich zurückholtest." Bald wurde sie wieder bewusstlos. Und er kniete neben ihr nieder und liess ihre Seele ungehindert aufwärts entschwinden. Für den Okkultisten und den Schüler tritt ohne Zweifel der Augenblick des Todes oder der Trennung von den Bindungen an eine Verkörperung ohne Beziehungen zum Tode des Körpers auf, wie die Kaiserin von Österreich richtig erkannte. Die innere Erhebung ereignet sich manchmal einige Jahre vor dem Ende des Lebens. Und andere merken so etwas, was wie eine völlige Änderung des Charakters dessen erscheint, der abscheiden will. Wenn dann das physische Leben aufhört, geschieht alles sehr schlicht und ohne Mühe, wie es bei Dr. Moody (dem berühmten Moody und Sanky) geschah, der beim Erwachen aus einem Zustand der Bewusstlosigkeit kurz vor seinem Tode sagte: "Wenn das der Tod ist, da gibt es kein Tal. Es ist herrlich. Die Erde entflieht. Der Himmel kommt näher“. Mr. Moody war ein grosser persönlicher Freund Henry Drummonds, dessen Abscheiden von ähnlicher Art war. W.Robertson Nicoll sagte von seinem Tode: "Es schien, als ob seine Leiden die Kräfte seiner Seele enthüllten und befreiten. Jene, die ihn während seiner Krankheit sahen, erkannten, dass die spirituelle Kraft wuchs, als das physische Leben verlöschte. Zweifellos war der seelisch-geistige Entschluss der Seele, dieses Haus des Lebens zu verlassen, am Anfang seiner Krankheit eingetreten, vielleicht sogar früher. Und was die Beobachter sahen, war einfach die Befreiung der Seele von dem Hindernis einer Hülle, die sie beiseite legen wünschte. Wie wundervoll muss das sein für den Beobachter auf der anderen Seite, der mit spiritueller Sicht wahrnimmt! Es ist wunderbar, wenn man mit sterblichen Augen das Aufblühen einer irdischen Blume beobachtet. Was für ein prächtiger Anblick muss die Entfaltung einer spirituellen Gestalt sein, wenn sie aus ihrer Hülle entflieht!

Es ist bemerkenswert, wie viele große Menschen, deren worte von ihren Freunden aufgeschrieben wurden und erhalten blieben, sich auf den Tod gefreut haben und mit starkem Interesse und grosser Sehnsucht auf dieses erhabene geistig-seelische Erlebnis warteten. Fürst Bismarck sagte kurz vor seinem Ende: "Mein einziger glücklicher Tag wird der Tag meines Todes sein." Und er, der eiserne Kanzler, dessen Leiden am Ende seines Lebens den Charakter von Gewalt und tragischer Wildheit annahmen, wie sie zu seiner Karriere gehörten, verschied voller Milde wie einer, der bereits wiedergeboren war. Er erwachte aus einem ruhigen Schlaf, in den er gefallen war, und sah, wie seine Tochter an seinem Bett sass und ihm die Stirn abtrocknete. Und als er sagte: "Ich danke dir mein Kind", fiel er in Ohnmacht, aus der er nie wieder auf dieser Seite des Schleiers erwachte, der diesen geheimnisvollen Schritt verhüllt.

Der enorme Charakter Mr. Gladstones zeigte auch diese wunderbare Güte und Friedlichkeit gegen das Ende zu. Er hielt den nahenden Tod für das Ablegen eines abgetragenen Kleidungsstücks und sprach vom glücklichen Wechsel des Gewandes in einem Brief an Dr. Guiness Rogers. Ein Hellseher hatte, lange bevor seine tödliche Krankheit einsetzte, vorausgesagt, dass er in einem feurigen Triumphwagen sterben würde. Das Feuer kam. Oft nannte er den starken Schmerz, den er ertragen musste, den "Feuerofen" Aber eine große Ruhe, der Friede, der dem Sturm folgte, hüllte ihn ein, ehe der wirkliche Wechsel der Gewänder stattfand. Und er hielt sich seihst

für "tot", soweit es diese Welt betraf, lange bevor das physische Ereignis eintrat. Als Mr. George Hussel1i von seinem Totenbette loskam, sagte er, ihm wäre, als ob er einen flüchtigen Schimmer vom Paradiese durch die halboffenen Tore gesehen habe.

Sowohl Bismarck als auch Gladstone hatten tiefe Freundschaften mit Tieren. Und von dem letzteren ist bekannt, dass der treuste seiner Freunde aus dem Tierreich sich entschlossen hatte, sein Leben hinzugeben, weil er von seinem Herrn getrennt wurde. Der kleine Petz war ein schwarzer Spitz, der neun Jahre lang Mr. Gladstones steter treuer Begleiter war. Er war eins der glücklichsten kleinen Geschöpfe, immer fröhlich und von geradezu aufdringlicher Gesundheit. Die natürliche Fröhlichkeit, die für einige Hunde charakteristisch ist, ist häufig eine Quelle grosser Freude und ein Trost für jene, die mit ihnen verbunden sind. Der kleine Petz war lustig, bis sein geliebter Herr ohne ihn fortging. Da verliess ihn sein fröhliches, glückliches Wesen für immer. Er ging mit Mr. und Mrs. Drew ins Buckley Pfarrhaus, nahe bei Hawarden, und rannte immer wieder zu seinem alten Heim zurück. Er liess sich nicht trösten. Schliesslich verweigerte er das Futter und starb. Sollte seine liebende Anwesenheit noch ein Trost für die scheidende Seele sein? Das Weiterleben der Tiere im Jenseits kann von einem Hellseher kaum angezweifelt werden. Es hat Szenen an Sterbebetten gegeben, die diese Vermutung wahrscheinlich sein lassen. Ich selbst war Zeuge, wie sich eine sterbende Person herzlich freute über die Anwesenheit eines kleinen Hundes, der vor zehn Jahren gestorben war. Es gab keinen Zweifel darüber, dass dieses Wesen in der inneren Welt existierte. Meine Freundin lag sehr still, wahrscheinlich war sie bewusstlos, als sie plötzlich sich vergeblich zu erheben versuchte und ein Ausdruck grösster Freude auf ihr Antlitz trat. "Oh, da ist der liebe kleine Mark!" sagte sie. "Zwei schöne Engel haben ihn mir gebracht." Dann redete sie die Besucher an und bat sie, den Hund nahe zu ihr zu legen, da sie sich nicht bewegen konnte. Und es war höchst wunderbar mit anzusehen, wie sie ihre fast leblosen Hände hob, um das unsichtbare Tier zu streicheln. Ich konnte das kleine liebende Geschöpf, dessen Kommen ihr so viel Freude bereitete, nicht sehen, aber ihre Handlungen liessen seine Anwesenheit für mich wirklich erscheinen. Einige Augenblicke hielt sie ihn mit der einen Hand und bewegte die andere hin und her, als ob sie den Kopf des Hundes streichele; und dann sagte sie: "Sie nehmen ihn weg," und sank erschöpft zurück, sah aber sehr "glücklich" aus. "Ich freue mich wirklich, dass ich ihn wieder bei mir haben werde.", hörte ich sie schwach murmeln. Vor kurzer Zeit endete die Freundschaft mit einem Hunde auf tragische Weise. Eine Witwe, die einmal reich und sehr wohltätig war, wurde so arm, dass sie der Gemeindefürsorge zur Last fiel. Ihr einziger ergebener Freund war ein Hund. Und weil sie diesen Hund hielt, bekam sie keine Fürsorgeunterstützung mehr. Als sie sehr krank wurde, wollte sie nicht ins Krankenhaus, weil ihr der Hund genommen werden sollte. Als sie starb, barg der Hund den Kopf in einem ihrer Kleidunersstücke verweigerte jede Nahrung und folgte ihr bald in den Tod. „

"Ich fühle mich so, als ob ich wieder ganz ich selbst sein sollte", sagte Sir Walter Scott, als er starb. "Sagt niemals von mir, dass ich tot sei,' waren Brownings letzte Worte. Er hatte lange vorher erkannt, dass der Tod ein grosses seelisch-geistiges Ereignis ist. In der Sterbeszene des Paracelsus hatte er an die wunderbare Kameradschaft gerührt, die zu beiden Seiten des Schleiers zu jenen kommt, die abscheiden. Nichts konnte schöner und vollkommener sein als das Bild des sterbenden Paracelsus, wie er die Hand eines verkörperten Freundes, der an seinem Sterbelager sitzt, und zugleich die Hand des anderen nicht verkörperten Freundes festhält, der dasteht und wartet, dass sich die Seele von jenem Sterbebett erhebt.

Das Erscheinen der Christusgestalt am eigentlichen Krankenbett scheint häufiger bei denen einzutreten, die gänzlich ohne Freunde sind, und die niemanden haben auf der anderen Seite des Schleiers, der durch die Bande der Liebe mit ihm verbunden ist und auf ihn wartet. Als Beispiel für das, was ich meine, will ich den Fall von Hannah, der Tochter eines Landwirts aus Lancashire, erzählen. Sie war das, was man eine "Naive" nennt, und war häufig besessen. Die eine Seite ihres Wesens war die eines netten, liebenswürdigen, zarten Mädchens, das von jedermann geliebt wurde. Im anderen Zustande war sie ein schreckliches Wesen, und ihre Käsereien waren fürchterlich. Ihre Leute hatten es nicht gern, dass sie jemand in diesem Zustande sah, auch nicht der Herr Pfarrer, der alle näheren Verhältnisse kannte. Sie schämten sich über Ihre veränderte Stimme und über die schreckliche Sprache, die sie dann gebrauchte. Ihr Bruder wuch zu einem intelligenten Mann heran und wurde Lehrer. Am Tage vor seiner Hochzeit sagte Hannah am frühen Mo gen zu ihrer Mutter: "Heute nacht hatte ich einen wunderschönen Traum; ich sah einen schönen Garten, der schöner war als irgendeiner, den ich je sah. An der anderen Seite des Gartentores stand Jesus Christus, und er öffnete das Tor für mich." Die Mutter antwortete: "Sprich mir nicht von Träumen. Hilf mir lieber, Vaters Frühstück zu bereiten. Heute muss viel getan werden." Hanna tat, wie ihr befohlen wurde. Als aber ihr Vater kam, versuchte sie wieder, eine Gelegenheit zu bekommen, um zu beschreiben, was sie im Traum gesehen hatte. "Unsinn!" sagte ihre Mutter. "Dein Vater hat keine Zeit, um sich mit Träumen zu befassen." So wurde es ihr nie erlaubt, alles zu beschreiben, was sie gesehen hatte. Aber das Tor war für sie geöffnet worden. Am nächsten Morgen fanden sie sie tot im Bett, sie sah sehr lieb und glücklich aus. Ein Junge, ein Kind ganz armer Fabrikarbeiter in Lancashire, verletzte sich das Rückgrat und siechte dahin. Eines Abends, als seine Mutter in seinem Zimmer arbeitete, sagte er plötzlich zu ihr "Höre auf mit deiner Arbeit! Siehst du nicht den Herrn Jesus dort stehen?" "Nein," antwortete sie "Oh, aber ER ist es," sagte der Knabe bestimmt. "ER trägt einen leuchtenden Gürtel, auf dem Buchstaben stehen. Die Buchstaben sind LIGHT (Licht). Bestimmt hörst du die Musik, Mutter?" "Nein," antwortete sie. "Dann müssen es die Entrel des Lichtes sein, die den Pilger der Nacht willkommen heissen," rief er und starb fast sogleich nach diesen Worten. Was er aussprach, zeigte, dass er sich an ein beliebtes Kirchenlied erinnerte; aber es zeigte auch, dass er die Bedeutung der Worte jenes Liedes verstanden hatte, und dass ihm kameradschaftliche Hilfe, die er brauchte, gegeben wurde. In einem anderen Falle, von dem ich erfuhr, veranschaulicht das Sterben zweier Personen, Mann und Frau, sehr deutlich das, was ich mich darzulegen bemühe. Der Ehemann war ein einfacher Mensch, ein Buchhalter in einer Mühle. Er besass keine weitere Bildung, die über das hinausging, was für solche Stellung nötig war. Es ist gewiss, dass er z.B. niemals etwas vom Heiligen Gral gehört hatte. Er und seine Frau waren beide sehr gute, einfache, religiöse Leute, die eine große Familie so gewissenhaft aufzogen, dass sich jedes Glied derselben als wohlerzogen erwies. Als die Frau starb, war sie voller Hoffnung und eifriger Vorfreude. Sie sprach viel zu einer ihrer Töchter, was sie erleben würde und worauf sie sich freue. Dann wurde sie still, und die Tochter fragte schliesslich: "Mutter, erkennst du mich?" "Ja," antwortete sie, "aber sprich nicht wieder. Der Herr Jesus steht hier." In wenigen Minuten starb sie.

Ihr Ehemann überlebte sie um einige Jahre und vermisste sie sehr. Als er auf dem Sterbebette lag, sagte er zu der Tochter, die bei ihm war: "Ich sehe so schöne Dinge." "Was für Dinge sind das, Vater?" fragte sie. "Ich weiss es nicht," erwiderte er; "sie sind schöner als alles, was ich je vorher gesehen habe, aber ich kann sie nicht beschreiben." "Oh, versuche es doch und erzähle mir, wem sie gleichen," bat sie. „Da ist ein schönes Licht," sagte er, "und in seiner Mitte ist etwas, das mehr einem Abendmahlskelch gleicht als etwas anderem sonst, aber, oh, es ist so viel prächtiger, heller und schöner; gerade eben war es ganz nahe rechts neben meinem Bett." Als der Tod eintrat, sagte er: "Fanny, ich sehe ein kleines weisses Tor, und deine Mutter ist auf seiner anderen Seite, aber ich kann es nicht öffnen und hindurchgehen - doch ich werde es nun sehr bald öffnen können."

Wir alle schulden dieser jungen Frau Dank, die zu wissen wünschte, was ihr Vater sah, und sich an alles erinnerte, was er sagte.

Ich erinnere mich an den Fall eines Mädchens,das als es im Sterben lag, eine so liebliche Vision hatte, dass es sich danach sehnte, denen, die um ihr Bett sassen, zu erzählen und zu beschreiben, was es wäre. Aber sie wollten es ihr nicht gestatten, weil sie so schwach war. Sie versuchte ihr Äusserstes, sie zum Zuhören zu bewegen, doch sie konnte es nicht. "Oh, aber ich möchte es euch doch so gern erzählen," sagte sie und starb. War das nicht eine vertane günstige Gelegenheit? Ich kann denen, die um sie herumstanden, nicht verzeihen, dass sie sich und andere solcher Erkenntnis beraubt haben. Es ist selten, dass Sterbende den Tod fürchten. Ich habe nur von einem oder zwei Fällen gehört, wo Furcht bis zum Tode bestand. Und es war in jedem Falli der Abschluss eines schlechten und selbstsüchtigen Lebens, auf dem bis zum Ende beharrt wurde. Sogar bei jenen, die den Tod immer gefürchtet haben verschwindet die Furcht, ehe das Ereignis eintritt. Wenn sich die entweichende Seele der Freiheit nähert, überwindet sie zweifellos die physische Ängstlichkeit. Nicht der Sterbende fürchtet den Tod, sondern jene, die um ihn sind. Es ist nicht der Fehler der Sterbenden, wenn wir nicht viel mehr über den Weg des Abscheidens von einem Leben zum ändern Bescheid wissen. Es ist der Fehler jener, die sich weigern, den wertvollen Worten zu lauschen, und sich Schweigen auferlegen, wenn sie das beachten sollen, was für Fieberwahn oder Delirium gehalten wird. Bei jenen, die wissen, dass ihr Tod nahe ist, tritt gewöhnlich kurz vor dem Ende ein Zustand grossen Friedens und grosser Hoffnung ein, und es schneidet jene, die um sie sind, tief ins Herz, wenn sie vom eintretenden Wechsel sprechen. Dies wird fälschlich für einen Zustand des Verzichts, einen Zustand blossen Gehorsams, gehalten. Tatsächlich aber ist er das Ergebnis des seelischgeistigen Wechsels, der begonnen hat, jenes Wechsels im Inneren, von dem die Kaiserin von Österreich sprach, und der manchmal der Bote eines gewaltsamen oder sogenannten plötzlichen Todes ist. Er tritt bestimmt nicht nur ein, wenn der Tod durch Krankheit veranlasst wurde, und ist deshalb nicht eine Folge derselben, obgleich er in manchen Fällen mit der Krankheit zugleich auftritt.

Alexander Ireland besuchte Robert Chambers, den geistreichen Verfasser der "Spuren der Naturgeschichte der Schöpfung" einige Zeit vor seinem Tode und sagte:"Es war rührend mit anzuschauen, wie er vollkommen gelassen, ich möchte fast sagen heiter, seine schwindende Kraft und das sich nähernde unvermeidliche Ende betrachtete. Er sprach von der Wolke des Lebens, in der wir uns jetzt alle zu bewegen scheinen, und von der Hoffnung eine endlichen Auftauchens aus den Schatten und Dunkelheiten in das volle Licht."

Durch das Tor des Todes erheben wir uns alle von den Schattenbildern. Und durch dieses Tor allein kann die Menschheit zur Freiheit gelangen. Er ist das grösste seelisch-geistige Ereignis, das wir kennen, die Krönung und der Höhepunkt dieses vorübergehenden Lebens.

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