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Welche Fakten im Umkreis der Geburt Jesu ergeben sich nach abstreifen der Fiktionen und Fantasien?
Im Folgenden behandle ich die ältesten Dokumente aus dem Umkreis der Geburt Jesu in ihrer allgemein anerkannten chronologischen Reihenfolge und beginne mit dem gegen 70 n. Chr. geschriebenen Markusevangelium.
Der Text Mk 6,1-6 berichtet von der Ablehnung Jesu in seiner Vaterstadt. Als Argument gegen Jesus sticht die Bemerkung heraus, er sei der Sohn der Maria. Sie entstammt einer Überlieferung, die in der allerersten, bald von der Kontroverse um die Vollmacht Jesu geprägten Zeit geläufig war. Der Satz „Sohn der Maria“ ist um so ungewöhnlicher, als ein jüdischer Mann normalerweise mit dem Namen seines Vaters verbunden wurde, selbst dann, wenn der Vater schon gestorben war. Man vgl. die Namen von einigen bekannten rabbinischen Lehrern: Johanan ben Zakkai, Akiba ben Joseph, Chanania ben Dosa. Einen wesentlichen Grund für die Annahme, „Sohn der Maria“ sei polemisch gemeint, liefern die drei Evangelisten, Matthäus, Lukas und Johannes, denen das Markusevangelium vorlag und die unabhängig voneinander „Sohn der Maria“ in „Sohn des Handwerkers“ bzw. „Sohn des Joseph“ ändern.
Als historisch ist zu erschließen, dass die Bezeichnung Jesu als „Sohn der Maria“ bereits in seinem Heimatort gegen ihn geäußert wurde. Die Wendung mag man als Verhöhnung bezeichnen, die den Finger auf einen wunden Punkt der Abstammung Jesu legt. Wenn die aufgebrachten Leute seines Heimatortes ihren Landsmann Jesus als „Sohn der Maria“ bezeichnen, so ist das ein arges Schimpfwort. Jesus wird verächtlich nach seiner Mutter und nicht nach seinem Vater, wie es üblich war, benannt. Der Vorwurf bringt also zum Ausdruck: Dieser Bursche, der uns da Predigten halten will, hat keinen richtigen Vater; er ist ein Bastard.
Anders gesagt, der Vater Jesu wird an dieser Stelle nicht genannt, weil Zweifel darüber bestehen, wer sein wirklicher Vater ist. Wäre Jesus ein leiblicher Sohn Josephs gewesen, hätte der Ausdruck „Sohn der Maria“ niemals Eingang in einen frühchristlichen Text gefunden. Die Wendung „Sohn der Maria“ ist so schockierend, dass nur Markus den Mut hat, sie zu wiederholen.
Weshalb war es schockierend und weshalb eine Verhöhnung in der Zeit vor 2000 Jahren, wo ein Name so ausschlaggebend sein konnte im gesellschaftlichen Kontext der damaligen Zeit ?
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Die antichristlichen jüdischen Traditionen von der Geburt Jesu
Die Frage stellt sich: Lassen sich die obigen Ausführungen zu Jesus als dem Sohn der Maria durch jüdische Quellen weiter absichern?
Die Toledot Jeschu, eine Sammlung volkstümlich-romanhafter Erzählungen über Jesus, berichten in aller Ausführlichkeit von der Verführung der jungen Maria. Doch scheiden sie aus chronologischen Gründen aus, denn sie stammen aus dem Mittelalter. Ebenso wenig kommen die rabbinischen Quellen der tannaitischen Zeit (bis 220 n. Chr.) in Frage, denn sie erwähnen an keiner Stelle Maria und Jesus. Eindeutige jüdische Kritik findet sich in der ältesten erhaltenen heidnischen Schrift gegen die Christen vor 178 n. Chr.
Dank der Schrift des Kirchenvaters Origenes (gest. ca. 251 n. Chr.) „Gegen Kelsos“ (Gegen Celsus) sind Auszüge aus einem antichristlichen Werk erhalten geblieben, das der gebildete Heide Kelsos ungefähr im Jahre 178 n. Chr. abgefasst hatte. Im Rahmen der erhaltenen Stücke bezieht sich Kelsos wiederholt auf die Aussagen eines jüdischen Gewährsmannes. In Kap. 1,28-38 begegnet die Behauptung, die Jungfrauengeburt sei von Jesus selbst erdichtet worden. In Wahrheit sei er ärmlicher Herkunft gewesen und entstamme einer ehebrecherischen Beziehung seiner Mutter, einer Handarbeiterin, zu dem Soldaten Panthera (Pandera). Sie sei darauf vom Ehemann, einem Handwerker, verstoßen worden und habe, ehrlos umherirrend, Jesus irgendwo im geheimen zur Welt gebracht. Dieser sei später nach Ägypten gegangen, um dort als Tagelöhner zu arbeiten, habe dort mit magischen Kräften umzugehen gelernt und sei schließlich, stolz auf seine Fähigkeiten, in die Heimat zurückgekehrt, wo er sich öffentlich als Gott ausgegeben habe.
Fragen wir nach dem geschichtlichen Wert der Erzählung im Matthäusevangelium, so sprechen vorläufig folgende Gründe gegen die Unhistorizität der Zeugung Jesu aus dem heiligen Geist und seiner Geburt aus der Jungfrau Maria.
a) Der heilige Geist ist im Hebräischen weiblich und nicht sächlich wie im Griechischen. Die Voraussetzungen einer Zeugung durch den Geist sind daher brüchig.
b) Geistzeugung und Jungfrauengeburt Jesu sind im Neuen Testament nur selten und zudem ausschließlich in späten Traditionsschichten bezeugt.
c) Wollte man die Jungfrauengeburt für historisch halten, müsste man doch wohl annehmen, Maria habe von ihren intimen Erfahrungen berichtet. Dagegen spricht jedoch, was die älteste Überlieferung über die Familie Jesu berichtet. Diese, einschließlich die Mutter Maria, meinte, Jesus sei verrückt und wollte ihn daher „ergreifen“.
Als historisches Faktum hinter Mt 1,18-25 schält sich hingegen ein feindliches Gerücht heraus, das von nichtchristlichen Juden über die illegitime Geburt Jesu verbreitet wurde. Das ist der eigentliche Kern der Geschichte des Mt. Dann aber ist auch klar, dass die Zeugung Jesu von einem Unbekannten eine weitere historische Einzelinformation ist. Diese Zeugung Jesu durch einen Unbekannten dürfte auch daraus folgen, dass Jesus in der ältesten Tradition, die in Mk 6,3 erhalten ist, „Sohn der Maria“ heißt. Sie wird von der durch Kelsos aufbewahrten jüdischen Polemik bestätigt, die Maria der Unzucht zeiht. Vgl. ähnlich Joh 8,4: (Die Juden zu Jesus:) „Wir sind nicht aus der Unzucht geboren.“
a) Nicht einmal in der Datierung der Geburt Jesu stimmen Mt und Lk überein: Bei Mt soll die Geburt Jesu noch zu Lebzeiten Herodes des Großen (gest. 4 v. Chr.) erfolgt sein, bei Lk hingegen kurz nach einer von Kaiser Augustus angeordneten Steuerschätzung zur Zeit der syrischen Statthalterschaft des Quirinius (ab 6 n. Chr.). Von einem reichsweiten Zensus unter Augustus ist allerdings aus nichtchristlichen Quellen nichts bekannt. Der erste Zensus in Judäa, nicht im ganzen Römischen Reich, ist 6/7 n. Chr. ausgeschrieben worden.
b) Bei Mt wohnen die Eltern in Bethlehem, und erst nach der Rückkehr aus Ägypten siedeln sie nach Nazareth um. Lk dagegen lässt die Eltern vor der Geburt Jesu von ihrem Wohnort Nazareth nach Bethlehem ziehen.
c) Von Magiern aus dem Morgenland, einem Wunderstern, einer Flucht nach Ägypten und einem Kindermord des Herodes berichtet Lk nichts; umgekehrt weiß Mt nichts von einer Verkündigung der Geburt an die Hirten usw.
Ein letzter ebenso verzweifelter wie abwegiger Versuch, beide Erzählungen zu harmonisieren, wäre die Annahme, beide wollten dasselbe nur auf verschiedene Weise darstellen oder das von Mt Berichtete setze die lk Geschichte als früher Vorgefallenes voraus (bzw. umgekehrt). Vielmehr liegen zwei gleich unhistorische Erzählungen vor.
Jesus ist anders: aber wie ?
Kennen wir die Sitten und Gebräuche des Orient vor 2000 Jahren ? Das Leben, die Verhältnisse, das Leben innerhalb der Familien und vieles mehr.
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Können wir uns auf alle schriftlichen Zeugnisse verlassen oder müssen wir sie anders deuten ?
Verschiedene Wurzeln der Jungfrauengeburt
Im Vorangehenden hatten wir gesehen, dass Christen durch die Geburt Jesu aus einer Jungfrau die als Verleumdung gemeinte Version der vorehelichen, illegitimen Geburt Jesu beantworteten. An dieser Stelle will ich die oben aufgeschobene Frage klären, wie dies religionsgeschichtlich möglich war, und werde dies unter der Überschrift „Gottessohnschaft - Geistzeugung - Jungfrauengeburt tun.
Christen griffen dabei auf Vorstellungen zurück, die in der religiösen Umwelt schon lange zuvor ausgebildet worden waren. Begünstigt wurde die Übertragung dieser Vorstellungen auf Jesus insbesondere durch das Bekenntnis, Jesus sei der Sohn Gottes. Als solcher wurde Jesus bereits in der Urgemeinde bezeichnet: Gemäß der Röm 1,3f zugrunde liegenden judenchristlichen Tradition erfolgte seine Einsetzung zum Gottessohn durch die Auferstehung. In diesem Sinn wird die Gottessohnschaft Jesu auch in einer alten Formel verstanden, die Lukas in Apg 13,32f wiedergibt: "Und wir verkündigen euch die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, dass Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht: 'Du bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeugt' (Ps 2,7)." Im MkEv ist dagegen eine Überlieferung enthalten, welche die Gottessohnschaft Jesu gewissermaßen vorverlegt: Jesus wird hier bereits im Zusammenhang mit der Taufe zum Sohn Gottes (Mk 1,11).
Eben diese Bezeichnung "Gottessohn" war nun aber auch in der hellenistischen Welt geläufig - freilich mit einem ganz anderen Bedeutungsinhalt. Was darunter verstanden wurde, wenn z.B. Herakles, Pythagoras, Platon, diverse Pharaonen, Alexander der Große, Ptolemäus, Scipio Africanus Maior und Kaiser Augustus als Gottessöhne bezeichnet wurden, zeigt sich an der damit hauptsächlich verbundenen Vorstellung: Der Gottessohn ist durch einen Gott gezeugt.
Ertrag: Die Vorstellung, dass Jesus vom heiligen Geist gezeugt und von einer Jungfrau geboren worden sei, geht auf die Umdeutung zurück, die der Titel "Gottessohn" in dem Moment erfuhr, ja, erfahren musste, als das hellenistische Judenchristentum den Gottessohn Jesus in einer hellenistischen Umwelt heimisch machte. Die Gottessohnschaft war aufgrund derselben Terminologie eine ideale Verständigungshilfe zwischen Judenchristen und Hellenisten - obwohl jeweils etwas ganz Verschiedenes damit gemeint war. Während man andere Titel, welche die Bedeutsamkeit Jesu aussagten, nicht mehr verstand und entweder fortließ ("Menschensohn" findet sich in den paulinischen Gemeinden nicht mehr) oder umbildete (der Titel "Messias" wird in der griechischen Form "Christus" zum Eigennamen), bekam die Bezeichnung "Sohn Gottes" einen völlig neuen Inhalt: "Sohn Gottes" wird nun nicht mehr als Titel Jesu, sondern als eine Aussage über seine naturhafte Beschaffenheit verstanden, d.h. in einem physischen Sinn ausgelegt. Von der Legende wurde er dann mit einer Jungfrau in Verbindung gebracht, die allein als Gottes würdig galt.
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Nun besteht die Ironie dieses Vorgangs religiöser Selbsttäuschung darin, dass die Bibel selbst die Mittel für seine Aufdeckung bereitstellt. Denn die Kirche musste ein Interesse daran haben, Weltenherrn und Wanderprediger als ein und dieselbe Person dingfest zu machen. Ohne diese begriffliche Fixierung und historische Verankerung des mythischen Christus keine Autorität und Macht für die Kirche auf dieser Erde! Daher bewahrte sie in ihren Reihen auch die Traditionen vom historischen Jesus und nahm sie - dogmatisch geschönt - in den Kanon heiliger Schriften auf. Das gereichte ihr in der Neuzeit unter den Gebildeten zur Schande, weil man erkannte: Jesus hat diese Kirche nicht gewollt. Er hat ihr gar nicht die Binde- und Lösegewalt zugeschrieben, die ihre Vertreter bis heute für sich beanspruchen.
Seitdem reißen die Versuche nicht ab, doch noch zwischen historischem Wissen und lieb gewonnenem Glauben zu vermitteln.
Der eine besteht darin, die heilsnotwendigen Lehren zu unterteilen in solche, die man wörtlich nehmen soll, und andere, die man besser bildlich versteht. „So kommen etwa das Heilshandeln Gottes und der Erlösungstod Christi ins Töpfchen der Fakten, die Jungfrauengeburt und der Teufel ins Kröpfchen der Metaphern“ (Christoph Türcke). Doch ist das nichts anderes als eine Immunisierungsstrategie. Längst hat die historische Kritik hat auch die harten Fakten als Fiktionen entlarvt.
Ein anderer Versuch will den historisch widerlegten Glauben offensichtlich als „Religion light“ vermitteln. Der evangelische Kirchentag im Jahre 2001 liefert dafür ein Beispiel. Seine Losung: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31, Vers 9) soll angeblich Freiheit verheißen und zugleich Hoffnung auf Orientierung zu Beginn des 3. Jahrtausends ausdrücken. Doch treiben die Veranstalter mit diesem Text aus Psalm 31 als Losung nur Schindluder. „Weiter Raum“ heißt dort nämlich Rettung vor den Feinden, und ihnen wünscht der Beter folgendes: „die Gottlosen sollen zuschanden werden und hinabfahren zu den Toten und schweigen“ (Vers 1 . Das ist etwas anderes, als was die Losung des Kirchentags suggeriert. Jesus fände in dieser Mischung von „Religion light“ und Ahnungslosigkeit keinen Raum.
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http://www.kreudenstein-online.de/Q.....zeln_der_Jungfrauengeburt
(49) ... Er aber (sc. der Prophet Jeremia) ... verkündet einen Spruch im Namen Gottes, der sich an die ganz friedliche Tugend wendet mit den Worten: 'Hast du mich nicht Haus genannt und Vater und Mann deiner Jungfräulichkeit?" (Jer 3,4). Ganz deutlich lehrt er uns hiermit, dass Gott sowohl ein Haus ist, nämlich die unkörperliche Stätte unkörperlicher Ideen, als auch Vater aller Dinge, der sie ja geschaffen hat, und endlich Mann der Weisheit, der den Samen der Glückseligkeit für das sterbliche Geschlecht in die gute und jungfräuliche Erde versenkt. (50) Denn mit der unbefleckten, unberührten, reinen Natur, dieser wahrhaften Jungfrau, zu verkehren ziemt sich allein Gott, und zwar ganz anders als uns; denn bei den Menschen macht die Vereinigung zum Zwecke der Kinderzeugung die Jungfrau zum Weibe; wenn aber Gott mit der Seele zu verkehren begonnen hat, erklärt er die, die zuvor schon Weib war, wieder zur Jungfrau, da er die unedlen und unmännlichen Begierden, durch die sie ein Weib wurde, aus ihr wegschafft und dafür die edlen und unbefleckten Tugenden in sie einführt. So verkehrt er mit Sara nicht eher, als bis sie alle Eigenschaften des Weibes verloren hat (Gen 18,11) und wieder zum Rang einer reinen Jungfrau zurückgekehrt ist" (Über die Cherubim 43-50).
Ertrag: Die Vorstellung, dass Jesus vom heiligen Geist gezeugt und von einer Jungfrau geboren worden sei, geht auf die Umdeutung zurück, die der Titel "Gottessohn" in dem Moment erfuhr, ja, erfahren musste, als das hellenistische Judenchristentum den Gottessohn Jesus in einer hellenistischen Umwelt heimisch machte. Die Gottessohnschaft war aufgrund derselben Terminologie eine ideale Verständigungshilfe zwischen Judenchristen und Hellenisten - obwohl jeweils etwas ganz Verschiedenes damit gemeint war. Während man andere Titel, welche die Bedeutsamkeit Jesu aussagten, nicht mehr verstand und entweder fortließ ("Menschensohn" findet sich in den paulinischen Gemeinden nicht mehr) oder umbildete (der Titel "Messias" wird in der griechischen Form "Christus" zum Eigennamen), bekam die Bezeichnung "Sohn Gottes" einen völlig neuen Inhalt: "Sohn Gottes" wird nun nicht mehr als Titel Jesu, sondern als eine Aussage über seine naturhafte Beschaffenheit verstanden, d.h. in einem physischen Sinn ausgelegt. Von der Legende wurde er dann mit einer Jungfrau in Verbindung gebracht, die allein als Gottes würdig galt.
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