Foren-Übersicht
Impressum | Login | Registrieren | Forum | Suche

Die Krone der Liebe












http://www.8-pfad.de/theosophie/konstanz/krone/wunder.htm

DIE KRONE DER LIEBE


DAS WUNDER DER LIEBE



Die Krone der Liebe wird das Diadem des unsterblichen Geistes, nachdem er, völlig geläutert, den Tod überwunden und Beiwerk und Umkleidungen abgestreift hat.
Das Ablegen dieser Hüllen nennen die Menschen Tod, und solange ihr geistiges
Teil an solche Wandlungen gebunden ist, bleibt es ungekrönt Aber während der
Zeitdauer, wo der Wechsel der Zustände das gesetzmässige Los ist, bildet und formt sich die Krone. Denn ungekrönt kann der Geist nicht zur Gemeinschaft der Unsterblichen eingehen, und den todlosen Zustand kann er nicht antreten, bevor die Knospen zu vollen Blumen für den Kranz der Liebe sich erschlossen haben.
Jede Blume ist eine Freundesliebe, rückhaltlos erfüllt und makellos lauter geworden. Die Erfüllung ist die Läuterung, und Weh und Herzeleid ist oftmals der Weg dazu. Denn die Aussaat, die die Blüten bringt, ist die menschliche Liebe. Von diesem Samen gehen in den langen Reihen der Verkörperungen Tausende von Regungen auf. Eine Kraft, das Schicksal, wählt darunter aus und lõsst die wenigen verheissungsvollen Sympathien stark und sieghaft werden, dass sie fort und fort zunehmen und sich steigern, wenn die mindern Triebe längst verdorben und vergessen sind. Vollendung aber erreicht die Liebe nicht, ehedenn der Geist unsterblich geworden: ehe er, triumphierend über Raum und Zeit und Einverleibung im Fleisch, seine eigene geistige Hülle um sich gezogen hat, womit er sich eine Ewigkeit erhabenster Machtentfaltung schafft.
Das ist das Hochzeitsgewand, die zwei sind eins geworden. Sie werden eines, wenn alles getan und alles erfüllt ist, was die Not der Wallfahrt auf den armseligen und doch so verhängnisvollen Erdenpfaden verschuldet hat. Wohl stehen Blumen am Weg, singen die Vögel in den Lüften und flattern sorglos von Zweig zu Zweig; wohl quellen Bäche aus den Felsen und erscheinen Seen in den dürren Landen. All das macht die Pilgerfahrt erträglich und ist mitunter so gefällig, dass die Lust daran die Qual des ruhelosen Wanderzwanges zeitweise vergessen lässt. Nichts aber kann die Unrast selber ändern, sie ist das Merkmal der Pilgerfahrt. Der Wanderer hat hier keine bleibende Stätte, und harmlose Rasten schon sind bedenklich, denn unbemerkt können Rückschritte daraus werden. Die Seele sucht sich, sie sucht die unwandelbare Verbindung, die zum wirklichen Leben erhebt; und gäbe es diese unvergängliche Berührung während der Einverleibungen, so wäre die Flucht der Rasse aus dem dunkeln Ungrund, in dem sie geboren worden ist, zum Tageslicht unbegrenzten Bewusstseins vereitelt. Das ist die Ursache, warum selbst die vorgeschrittensten Seelen jenen andern, ihren Schwesterseelen, in einem irdischen Leben nur für eine kurze Spanne Zeit nahekommen dürfen, nur so lange, um sie wachzurufen und sie fühlen zu lassen, dass die große Zukunft unablässiges Streben und rastloses Steigen braucht.
Dem Weckruf folgt alsbald der Abruf. Darum bricht den grossen Seelen der Tag der grossen Liebe unter Furcht und Zagen an, sie spüren, dass die Leidenszeit, der Schwertstreich Gottes, nahe ist. Gottes Schwert wirkt nichts als Gutes, und über unser Leben und über unsere Seele ist keiner geringen Macht Gewalt gegeben als dem Gott des Aeons selber, der die Menschheit zur Pforte führt. So heisst der Weise Trübsal und Freude gleich willkommen, denn er erkennt die Hand, die ihm den Weg bezeichnet.
Jede Seele, die den Leidenskelch geleert und die totlosen Zustände erreicht hat, bringt zum Hochzeitsfeste für die Krone ihre Blumen und fürs Gewand ihr eigenes Gespinst bei. Also muss der vollkommene Freund von Freunden und die hohe, durch die Begegnung mit dem Freund erweckte Liebe in jedem Leben abseits stehen. Sie wächst nicht zur Blume für die Krone aus. Das Wesen, das vollkommen geworden und vom Tode erlöst Krone und Festgewand trägt, tritt in eine um vieles herrlichere Runde ein. Ein hehrer Gleichsinn aller gestaltet diesen übermenschlichen Kreis, nicht anders, als wie die Kraft der Anziehung die Sterne zum Firmament vereinigt. So wird's geschehen, dass am Schlüsse lauter Unsterbliche auf dem Schauplatz sind und dem letzten Ziel und Ende des Menschentums Gestalt verleihen. Und jeder nimmt seinen Posten ein. Die Liebe hat sie diesen Weg geführt, nichts sonst kann das. Sie ist die höchste Macht, mit der das höchste Teil des Menschen noch Fühlung hat.
Über der persönlichen Liebe freilich gibt es noch höhere Mächte, das ist gewiss; denn diese Liebe hat noch ein Geleite und eine Richtung notwendig, wenn auch der Mensch, solang er so durch und durch persönlich fühlt, sie als die oberste, bedingungslose Lenkerin seines Inneren erlebt Der Mensch hat keine Herrschaft über sie; wie der elektrische Strom in den Draht, so tritt die Liebe in ihn ein und erfüllt und überwältigt ihn. Die das psychische Gesicht erworben haben, bemerken Wesen, die den Strom richten und den Draht gebrauchen. Wer dazu ausersehen ist, über den kommt eine Wiedergeburt, und ein köstliches Erwachen feiert auch die andere Seele, wenn die ganze Wärme eines Menschenherzens so ihr zuströmt.
Diese Mysterien offenbaren etwas vom Wunder der Liebe. Wert und Würdigkeit erwecken die Liebe nur hie und da. In solchen Fällen ist der Geliebte wirklich in einer höheren Sphäre heimisch, und unter einer solchen Zuneigung wird dann der Mensch aufwärts geführt und zu seinem Pfade hingelenkt. Meistens aber ist der Charakter nebensächlich, und er entscheidet nur, wenn in einer Seele gar keine Tüchtigkeit und Stärke vorhanden ist, oder wenn das Böse in ihr derart wuchert, dass die Liebe allein den Menschen noch erneuen und retten kann. Dann richten die »Herren des Schicksals« jenen Strom auf den also Bedürftigen, wie der Gärtner einen kränkelnden Stock in den Sonnenschein stellt. Die Liebe ist die elektrische Kraft, die nicht bloss das Wachstum ermöglicht, sondern das Leben gibt, und auf die Oede eines verdüsterten Herzens wirkt sie wie die Sonne auf feuchtes Erdreich; frisches Grün sprosst auf mit einem Male. Das geistige Leben des Menschen und sein physisches entsprechen einander, solange der Geist im Fleische wohnt. Was in seinem Wesen keimen will, braucht Feuchte, gerade wie der Sämling in der Erde, die den Menschen trägt. Diese Gabe ist noch grösser und wundersamer als der Strahl der Sonne, als die Liebe, denn die quellende Feuchtigkeit entstammt dem zusammengesetzten Wesen der Menschennatur und ihres Reichs, wie im Physischen aus der gemischten Substanz der Erde und ihrer Atmosphäre. In der Höhle seines eigenen Herzens quillt der Bronnen, der den wachsenden Menschen bewässert; und Leid, Sorge, Verlust, Entbehrung Zweifel, Enttäuschung -- sie entwinden dem Herzen die nötige Feuchte, weichen des Menschen Wesen und machen es geschmeidig und empfänglich.
Die Blume der Freundesliebe ist ein wesentlicher Teil des Wachstums. Ihr Gedeihen verlangt Feuchtigkeit.
***********************



wunder.txt
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum III


Ähnliche Themen
Ich liebe einen vergebenen Mann...und er liebt mich.
Mit ewiger Liebe liebe ich Dich
Ich Christ liebe eine Muslima... Problem
P.S. Ich liebe dich
Entwickle die Sicht der Liebe
Liebe
Die Grammatik der Liebe
Was ist Liebe? Gedanken über Partnerschaft.
Liebe auf den zweiten Blick
Meister Eckhart: Die Liebe Gottes