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Sensationelle Entdeckung: Es gibt Hirn unter dem Tuch!
Sensationelle Entdeckung: Es gibt Hirn unter dem Tuch! Muslimische Frauen sind normal!
Na und? Was kommt jetzt? Ändert sich etwas?
Artikel von Karola Khan aus der MAZ (Muslimische Allgemeine Zeitung) Okt. 2006, Nr.1
„Emanzipiert mit Kopftuch - muslimische Frauen treffen Entscheidungen eigenständig.“ Ziemlich verkannt: die Kopftuchträgerin.“ „Junge Musliminnen mit Kopftuch sind aufstiegsorientierter als deutsche Frauen insgesamt.“ „Mutterschaft ist nicht das alles überragende Lebensziel. Gleichberechtigte Partnerschaft ist ein hoher Wert.“ „Was denkt der Kopf unter dem Tuch?“ Die erste repräsentative Untersuchung muslimischer Kopftuchträgerinnen zeigt:
Sie sind ganz normale Frauen!
So oder ähnlich berichten deutsche Medien über die „Kopftuch-Studie“ der Konrad-Adenauer-Stiftung in Deutschland. Erstaunlich an den Berichten ist für die Betroffenen nicht das Ergebnis der Studie, sondern die Reaktion der Medien. Plötzlich erkennen diejenigen, die für das Negativbild der muslimischen Frauen in den Köpfen der Deutschen mitverantwortlich sind, dass diese „Studienobjekte“ eigentlich ganz normale Menschen sind, weder verklemmte Hinterwälderinnen, noch gefährliche Verschwörerinnen oder gar Verfassungsfeindinnen, ganz normal eben. Eine Studie wird veröffentlicht und alle freuen sich darüber. Da fragt frau sich schon: „Na und! Was hat sich geändert? Wird sich etwas ändern? Was kommt nun? „Wir sind ganz normal, wir tragen das Kopftuch aus freiem Willen, wir werden weder dazu gezwungen, noch sind wir indoktriniert. Was wir uns wünschen, ist Respekt vor unserer freien Entscheidung“. Das und nichts anderes haben die muslimischen Frauen seit Jahrzehnten beteuert, aber ihre Aussagen wurden bislang ignoriert. Schlimmer noch, von eben diesen Medien und Politikern wurden sie als unglaubwürdig indoktriniert diffamiert, ja als intellektuell so unterbemittelt, dass sie nicht merken, wie unterdrückt sie doch sind.
Jetzt stellt ein katholisches Institut fest, was Muslime ohnehin wissen und seit Jahrzehnten sagen und praktizieren und die Botschaft wird positiv rezipiert, bestaunt und weiterverbreitet. So fragt sich frau, ob sie darüber lachen oder weinen soll. Lachen, weil endlich ihr Hirn unter dem Tuch entdeckt wurde, oder weinen, weil es von Anderen gesagt werden mußte, um ins Bewußtsein ihrer demokratisch-säkularen Mitmenschen zu dringen. Jetzt ist die Sensation da, muslimische Frauen sind normal! Vergessen wir nun, wie die Gesellschaft mit ihnen umgesprungen ist und weiter umspringt? Denn die Gerichtsverfahren gegen die muslimischen Lehrerinnen mit Kopftuch stehen noch aus und die Schikanen in den Ämtern, weil sie es wagen, ihr Recht auf Religionsfreiheit auszuüben.
Denn erinnern wir uns, viele von ihnen sind seit Jahrzehnten im Schuldienst tätig, und keine hat jemals mit ihrem islamisch gebotenen Kopftuch den Schulfrieden gestört oder Kinder indoktriniert. Vergessen wir auch die Hasstiraden einer Alice Schwarzer, die Schikanen einer DU-Kultusministerin Anette Schavan, die Verleumdungen der Medien und die Sondergesetze der Politiker? Vergessen wir die hysterische Hetze, angeheizt durch Möchte- Gern-Expertinnen, gegen alles, was islamisch angehaucht oder als solches zu erkennen ist? Oder fragen wir uns doch, wer hat eigentlich dieses Negativbild geprägt, das nun in Frage gestellt wird?
Die öffentliche Meinung entsteht schließlich nicht im luftleeren Raum, sondern wird gespeist von den Monopolisten in Sachen Infor mationsverbreitung, den Medien und Politikern. Eben diese haben sich in den vergangenen Jahren herzlich wenig darum bemüht, ein differenziertes Bild zu zeichen. Es war ja so einfach, Vorurteile zu pflegen, Klischees zu transportieren und Ängste zu schüren.
Fragt sich auch, wohin mit dem heißgeliebten Klischee, das Kopftuch sei DIE Gefahr für Demokratie, Emanzipation, Gleichberechtigung, ja für die gesamte westliche Welt und deren Werte? Einfach abschaffen oder mit weiteren Verrenkungen der Hirnwindungen aufpolieren? Denn Traditionen wollen gepflegt sein, egal wie falsch sie sind, da steht der Westen dem Osten in nichts nach. Deshalb ist auch die Erkenntnis der Studie, dass muslimische Frauen sich mehrheitlich nicht als Teil der Gesellschaft fühlen, wenig überraschend.
Wie denn auch? Wie soll frau sich integriert fühlen, wenn sie ständig vor den Kopf mit dem Tuch gestoßen wird, wenn sie tagtäglich Diskrimierung erfährt, wenn sie vom Arbeitsmarkt verdrängt wird und bei Behörden mit diskriminierenden, teilweise rassistischen Verordnungen konfrontiert wird.
Wenn sie ständig nur Verleumdungen über sich selbst liest und hört. Wie soll frau sich zu einer Gesellschaft hingezogen fühlen, die sie ausgrenzt und beleidigt?
Das wäre sicher pathologisch! Was ist nun angesagt?
Wenn die Medien und die Politiker die Größe hätten, das längst Überfällige zu tun, und die muslimischen Frauen so behandeln, wie sie es verdient haben – nämlich ganz normal, dann könnten auch die Schranken in den Köpfen auf beiden Seiten fallen, und das Zugehörigkeitsgefühl der Minderheit stiege proportional mit dem Abbau der Schikanen durch die Mehrheit. Denn muslimische Frauen sind nicht nur normal, sie haben auch normale Menschenwürde!
Karola Khan
mfg keys
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