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Tiere, Pflanzen, Gegenstände, tote Personen












Zunaechst die Definition des Wortes Personifikation:
Zitat:
Die Personifikation, fictio personae oder Prosopopoiia (griech. prosopon poeìn = eine Maske aufsetzen) ist eine rhetorische Figur, die Tieren, Pflanzen, Gegenständen, toten Personen oder abstrakten Wesenheiten eine Stimme gibt oder menschliche Züge verleiht. Im allgemeineren Sinne spricht man auch von Anthropomorphismus. Eine erweiterte Personifikation nennt man auch Allegorie.


Die Definition des Wortes Gott:
Zitat:
Das Wort Gott steht in seinem allgemeinen Sinn als Gattungs- bzw. Sammelbegriff für transzendente (d.h. die erfahrbare Welt – auf welche Weise auch immer – übersteigende) Mächte, die ihrerseits Einfluss auf das Leben in der für uns erfahrbaren Welt nehmen. An einen Gott oder mehrere Götter glauben, heißt dann, (1) die Existenz bzw. Wirksamkeit einer solchen Macht bzw. solcher Mächte anzunehmen sowie (2) sein Leben auf diese göttliche Macht bzw. diese göttlichen Mächte in der Welt hin zu orientieren.
In einem übertragenen Sinn kann das Wort Gott generell für alles stehen, was einzelnen Menschen letzte Lebensorientierung ist („dies oder jenes ist sein/ihr Gott“). Das jeweils mit unterschiedlichen Bedeutungen gefüllte Wort Gott steht dann für miteinander konkurrierende Lebensorientierungen, unter denen die einzelnen Gottesvorstellungen ihren Platz suchen und ihre je spezifische Art des Gottesglaubens auszudrücken haben.

Kurz, per definitionem ist also Gott eine Macht.
Diese Definition steht im Einklang mit dem Anfang des 2. Gebotes Moses':
Zitat:
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, ... von dem was oben im Himmel...ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht...(Ex 20,4-6 und Dtn 5,8-10)

Auch der Islam kennt eine solche abstrakte Formulierung Gottes:
Zitat:
Die 99 Namen Allahs (arabisch: Asma'u llahi l-husna) werden als Synonym für Allah verwendet.
In einem Hadith sagte der Prophet Mohammed:
Wahrlich, Allah hat neunundneunzig Namen, einen weniger als hundert. Wer sie aufzählt geht ins Paradies. (Sahih Buchary Ausg. 3, Band 50, Nr. 894)

Auch wenn es an dieser Stelle nicht belegbar ist, so meine ich mich zu erinnern, das die zahl 99 in der arabischen Symbolik fuer Unendlich steht. Sollte dies der Fall sein, so entspraeche diese Annahme der von Moses, sowie der Definition Gottes, so wie sie allgemein gueltig ist.

Jedoch ist ein solcher abstrakter Begriff Gottes als abstrakte Macht den Menschen nicht handlich genug.
So heisst es dann auch im weiteren Verlauf des 2. Gebotes dann auch: "Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetaten der Väter heimsucht ..., aber Barmherzigkeit erweist ..."
Tatsaechlich wird hier genaugenommen innerhalb eines Gebotes das Gebot selbst wiederlegt, denn wenn ich auf Gott die menschlichen Eigenschaften "eifernd" und "Barmherzig" projeziere, mache ich mir damit bereits ein Bild ueber Gott.

Dies ist eine zutieft menschliche Schwaeche, denn Personifikationen finden im Alltag staendig statt.
Sie sind ein notwendiger didaktischer Schritt zur Artikulation von Situationen, die anders nicht beschreibbar sind.
Beispiel:
„Jetzt lacht das Glück uns an / bald donnern die Beschwerden.“
(Andreas Gryphius)

„Natur schläft — ihr Odem steht,
Ihre grünen Locken hangen schwer,
Nur auf und nieder ihr Pulsschlag geht
Ungehemmt im heiligen Meer.“
(Annette von Droste-Hülshoff)

Weitere Beispiele:
„Der Dollarkurs liegt am Boden.“
„Der Tag verabschiedet sich.“

Das eigentliche Problem, das allerdings in Religionen aus der Personifikation Gottes entsteht, ist die zutiefst aberglaeubische Vorstellung irgendwo ueber den Wolken wuerde ein alter Mann mit goldenem Heiligenschein ueber dem Kopf, mit weissem Bart, in weissem Gewand, Sandalen tragend ein heiliges Buch in der Hand halten und guetige Worte sprechen.
Im Islam existiert sogar ein Gott den man fuerchten und dienen muss, der Respekt und bedingungslose Treue verlangt und der ueber Leben, Krankheit und Tod des Glaeubigen herscht, ganz so wie ein "Master" zu seinen Sklaven.*
Alleine im letzten Satz haben wir Gott 5 menschliche Eigenschaften zugesprochen: fuerchten, dienen, respektieren, Treue und Herrschaft.
Alleine deshalb zeugt ein solcher Satz von tiefsten Aberglauben.

*Ich mache den Vergleich bewusst, um das hoechst irdische (Ohn)machtpotential hinter einer solchen Haltung aufzuzeigen.
Ein glaeubiger Mensch wird solche demuetigende Verhaltensweise internalisieren (und damit zu einem hohen Masse seine eigene Wuerde ueber Bord werfen) und ist deshalb relativ einfach zu fuehren.

Was also ist Gott?
Wikipedia schreibt Gott ist eine Macht. Sehr gut formuliert.
Es wird bewusst offengelassen, wie sich diese Macht aeussert, denn wir Menschen wissen es nicht.
Gott kann bis dato nicht bewiesen werden, also wissen wir auch nicht ob und wenn ja, welche Eigenschaften Gott hat.

LG
Martin
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum III


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