Kritik vs Ermutigung



Fehlern in Mitmenschen begegnen wir mit:
Kritik, damit der andere ganz klar seine Fehler erkennt
3%
 3%  [ 1 ]
Ermutigung, wir betrachten gemeinsam etwas schönes
29%
 29%  [ 8 ]
Erst Kritisieren, Fehler aufzeigen, dann ermutigen
22%
 22%  [ 6 ]
Erst Ermutigen, dann auf die Fehler hinweisen
37%
 37%  [ 10 ]
Weder ermutigen noch kritisieren, jeder soll doch machen was er will
7%
 7%  [ 2 ]
Stimmen insgesamt : 27

Yojo hat folgendes geschrieben:
Ihr lieben,

Sie erklärte mir bestimmt 10 Minuten lang wie ungeheuer wichtig diese Sauberkeit unter den Fingernägeln ist, und führte zig Beispiele an, die alle Vorteile dieses Zustandes herausstellten.


Lieber Yojo!

Hätten Dich in diesem Moment Deine Fingernägel selbst interessiert, wärst Du dann dankbar gewesen für diese Ausführungen?

Hättest Du diese Ausführungen unter diesen Umständen ebenfalls als Kritik empfunden?

Alles Liebe,
Daniela
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Ich wünsche allen Lebensfreude bis zum Abwinken!
So gerne ich auch einen Punkt gewählt hätte, ich kann nicht – ich bin total überfordert mit unfreien Wahlen. Dies mag auch der Grund sein, warum ich in politischen Wahlen fast immer ungültig wähle. Ich kann meine Stimme nicht für etwas hergeben, wo ich denn Ballast auch bejahen muss.

An erster Stelle bei Kritik steht immer die Motivation einen begonnenen Gedanken fertig zu denken. Der latent Kritisierte soll ein Erfolgsgefühl haben und sich nicht als Dummkopf fühlen. Ich vertrete die Meinung, dass man Menschen leiten und nicht erziehen/dressieren darf. Anders sehe ich das, wen bspw. Gefahr in Verzug ist, dann haben Richtungsempfehlungen keinen Sinn, sondern müssen sofort am Kritikwürdigen behandelt werden.

Kritik ist jedoch auch von der sendenden Seite zu betrachten! Was bezweckt der Kritisierende mit seiner Kritik? Will er nur seine Meinung aufdrängen, sich wichtig machen, von eigenen Fehlern ablenken, oder einfach nur ärgern?

Die schönste Form von Kritik ist die ironische Selbstkritik – leider können das sehr wenige Leute, obschon sie ein mächtiges Instrument wäre. Seltsam ist auch, dass viele die Kritik an sich selbst bei anderen ungern sehen – dies mag vielleicht daran liegen, weil man der Umwelt ein Argument gegen sich stiehlt.

Es gibt auch Menschen, denen keine Kritik an anderen - mangels Denkschwäche - in den Sinn kommt. Hier handelt es sich bspw. um KEINE Tugend, sondern um ein Unvermögen. Also jemand ist nicht automatisch gut, nur weil er nicht kritisiert; es kommt auch darauf an, ob er/sie es überhaupt könnte.
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"Du bist so stolz auf deine Intelligenz", sagte der Meister zu einem Jünger. "Du bist wie der Verurteilte, der stolz ist auf die Größe seiner Gefängniszelle."
Liebe Daniela,
Zitat:
Ich versuche niemanden von irgend etwas weg zu bringen, da ich der Meinung bin, dass niemand das Recht hat, sich einzumischen.
Wenn der auf die Treppe kotzen möchte, dann soll er es doch tun.
Kommt dieser Mensch und berichtet er mir von seinem Problem - dass er immer wieder auf die Treppe kotzt und die Hausmeisterin ist ständig erbost, DANN werde ich ihm gerne helfen; mit Rat und Tat zur Seite stehen, soweit ich das eben kann.

das ist m.E. aber keine allgemein zu empfehlende Haltung - um andere Beispiele zu wählen
- 'Kommt dieser Mensch und berichtet er mir von seinem Problem - dass er immer wieder' Kinder belästigt/Häuser anzündet/Fremde am Telefon terrorisiert/Katzen in der Pfanne brät/versucht ist, sich gemeinsam mit Anderen in die Luft zu sprengen - oder auch nur sich als Troll im Internet gefällt - ihm nur 'dann mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, soweit ich eben kann', ist wohl etwas zu wenig... Dann ist es notwendig, dann habe ich das Recht zu kritisieren, 'mich uneingeladen einzumischen in das Leben eines anderen'...
Wenn ich was Du schreibst zu Ende denke, dann ist doch jede Diskussion hier oder anderswo schon 'unerlaubte Einmischung' - wenn ich nicht ausdrücklich gebeten werde, meine Meinung abzugeben... Das was ich in diesem Forum mache - vielleicht noch mehr als Andere - ist Kritik; manchmal positive, häufiger wohl negative; komme mir aber eigentlich weder besonders respektlos noch besonders unehrlich dabei vor.
Noch weiter gedacht - wer hat denn Deiner Meinung dieses 'Einmischungsrecht'? Der Staat? Die Kirche/Religionsgemeinschaft? Die Mehrheit/Gruppe? In welchen Fällen und ab welchem Größenverhältnis? Und wenn nein - darf dann JedeR tun was er/sie lustig ist, da ja niemand das Recht hat, sich einzumischen?

Ja, ich werde auch gar nicht selten kritisiert - manchmal positiv, manchmal negativ, manchmal wohl zu Recht, manchmal wohl zu Unrecht - was mich daran interessiert ist nicht die Frage ob ich kritisiert werde, und ob Kritik an sich gut oder schlecht ist, sondern ob die Kritik richtig ist oder nicht - und in zweiter Linie ob ihre Form angebracht ist...
Wu hat folgendes geschrieben:
das ist m.E. aber keine allgemein zu empfehlende Haltung - um andere Beispiele zu wählen
- 'Kommt dieser Mensch und berichtet er mir von seinem Problem - dass er immer wieder' Kinder belästigt/Häuser anzündet/Fremde am Telefon terrorisiert/Katzen in der Pfanne brät/versucht ist, sich gemeinsam mit Anderen in die Luft zu sprengen - oder auch nur sich als Troll im Internet gefällt - ihm nur 'dann mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, soweit ich eben kann', ist wohl etwas zu wenig... Dann ist es notwendig, dann habe ich das Recht zu kritisieren, 'mich uneingeladen einzumischen in das Leben eines anderen'...


Lieber Wu!

Es ist doch lediglich eine Sache der Flexibilität! Die Kinder könnten in diesem Fall Hilfe ganz bestimmt gebrauchen und wären auch dankbar dafür.

Wu hat folgendes geschrieben:
Wenn ich was Du schreibst zu Ende denke, dann ist doch jede Diskussion hier oder anderswo schon 'unerlaubte Einmischung' - wenn ich nicht ausdrücklich gebeten werde, meine Meinung abzugeben... Das was ich in diesem Forum mache - vielleicht noch mehr als Andere - ist Kritik; manchmal positive, häufiger wohl negative; komme mir aber eigentlich weder besonders respektlos noch besonders unehrlich dabei vor.


Dies hier ist ein öffentliches Forum und damit läd zur Diskussion ein.
An der Stelle wäre es Einmischung meinerseits, mitzureden ob Du kritisierst oder wie Du Dich fühlst. Dazu kenne ich Dich zu wenig und Du hast mich was DICH persönlich betrifft nicht nach meiner Meinung gefragt.

[quote="Wu] Noch weiter gedacht - wer hat denn Deiner Meinung dieses 'Einmischungsrecht'? Der Staat? Die Kirche/Religionsgemeinschaft? Die Mehrheit/Gruppe? In welchen Fällen und ab welchem Größenverhältnis? Und wenn nein - darf dann JedeR tun was er/sie lustig ist, da ja niemand das Recht hat, sich einzumischen? [/quote]

Nein hat er meiner Meinung nach nicht!
Aber so lange der Mensch nicht gelernt hat Eigenverantwortung zu übernehmen, wird er übernommen werden.

[quote="Wu] Ja, ich werde auch gar nicht selten kritisiert - manchmal positiv, manchmal negativ, manchmal wohl zu Recht, manchmal wohl zu Unrecht - was mich daran interessiert ist nicht die Frage ob ich kritisiert werde, und ob Kritik an sich gut oder schlecht ist, sondern ob die Kritik richtig ist oder nicht - und in zweiter Linie ob ihre Form angebracht ist...[/quote]

Ich lege in ERSTE Linie auf die Form wert und in ZWEITER Linie ob die Kritik richtig ist.

Grüsseli, Daniela
_________________
Ich wünsche allen Lebensfreude bis zum Abwinken!
Uff,

ganz schön viel schwer Verdauliches zum Thema. Ich bin selbst so oft versucht, andere Menschen für irgend etwas zu kritisieren und fühle mich hinterher immer wieder beschämt und gedemütigt, weil ich mich, gleich ob meine Kritik berechtigt war oder nicht, über einen anderen Menschen erhoben und meine eigenen Fehler übersehen habe.

Ich glaube, dass wir durch den geistigen Impuls, den Bahá u´lláh in diese Welt gebracht hat, zu einer vollkommen neuen, heute noch gar nicht absehbaren Sichtweise auf das Thema "Kritik", bzw. auf die Ermutigung kommen werden.

Ich bete, dass Gott meine Fähigkeit, in anderen Menschen das Gute zu erkennen, weiter mehren möge.

Und allen, die hier posten, möchte ich sagen: Ihr seid "Bergwerke voller Edelsteine". Seid Euch des Göttlichen in Eurem Wesen bewußt.


Liebe Grüße ,

Herzlich
also die welche dir die fingernägel kritisierte hat echt eine an der Wafel! aber, dass dich das so belastet zeigt einfach dass du kein selbstvertrauen hast und dass du bischen mehr eier in der hose haben solltest!

meine Meinung.......
Liebe Daniela!
Zitat:
Ich lege in ERSTE Linie auf die Form wert und in ZWEITER Linie ob die Kritik richtig ist.

na, dann hoffe ich nur, dass ich mit meiner Form in kein Fettnäpfchen getappt bin...

Aber in dem Punkt muss ich Dir recht geben: Wenn alle Menschen gelernt haben werden
wirklich Selbstverantwortung zu übernehmen, dann wird Kritik wohl überflüssig sein...
Hallo -

ich denke, wenn nicht gerade 'Gefahr im Verzug' ist, wie Enomine schreibt, dann
können 'Kritik' und 'Ermutigung' einander auch sehr weitgehend überschneiden -
diese Geschichte habe ich heute Morgen im Radio gehört:

Zur Zeit der ägyptischen Wüstenväter, vor 1600/1700 Jahren, kam ein junger Mann
lange Zeit immer wieder zu Altvater Zeno um geistliche Unterweisung - er hatte jedoch
ein schweres persönliches Problem, das er dem Eremiten nicht anzuvertrauen wagte -
aus Angst, dieser könnte ihn verachten und von weiterer Unterweisung ausschließen.
[Bevor jemand fragt - welches Problem das war, ist nicht überliefert... ]
Einmal war er wieder in der Wüste, und zum Abschied sagte ihm der Alte:
"Mein Sohn - bin ich nicht auch ein Mensch wie Du?"
Der junge Mann begann zu weinen und sagte: "Vater, Du weißt doch alles von mir...?"
Zeno legte ihm die Hand auf die Schulter und erwiderte: "Was Dich bedrückt,
das kannst nur Du selbst loswerden, wenn Du es auch aussprichst."
Da brach der Junge weinend zu sammen und erzählte die ganze Geschichte...
Der Altvater hörte sich die Sache an, hob den Verzweifelten auf, umarmte ihn
und sagte nur nochmals "Mein Sohn - bin ich nicht auch ein Mensch wie Du?"
Der ging getröstet heim und war seine Last los...

(Nur gibt's heutzutage nur wenige so aufnahmebereite Menschen - und noch weniger Altväter... )
lieber joyo,
für hände, denen man ansieht, dass man arbeitet, braucht man sich nie zu schämen. schämt sich ein dandy??

Ich selbst kritisiere meistens nur, wenn ich es gar nicht mehr aushalte. als notwehr sozusagen. meistens viel zu spät und nach großem leidensdruck.
und dann ernte ich eine paradoxe situation. der mich verletzende ragiert sehr aggressiv, unterstellt mir jedes recht, mich dazu zu äußern. und greift mich an. schlamassel hoch 2. kriegszustand. weit weg von der liebe.
wie löst ihr das?
KATHARINA
Liebe Katharina,

ich denke die Geschichte mit den Fingernägeln ist recht eindeutig - das Problem
ist die Engstirnigkeit - vielleicht irgendwelche Probleme - dieser Frau, aber nicht
ein Argument dafür, dass Kritik an sich etwas Schlechtes ist.

Das Problem, das Du mit dem Kritisieren hast, hatte ich auch [und manchmal habe
ich es noch... ] - je weniger lang Du wartest, desto weniger Leidensdruck baut
sich auf, und desto überlegter [und sanftmütiger/liebevoller] kannst Du Deine
Kritik abgeben, und desto weniger aggressiv wird sie empfunden. Das bedeutet
aber ziemlich langwierige Arbeit an sich selbst...

Liebe Grüße
() Wu