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Wenn also jemand behauptet: Amerika darf keinen Krieg gegen den Irak führen, weil Jesus verboten hat, zum Schwert zu greifen, dann missbraucht er Jesu Worte. Er wen-det sie auf etwas an, wofür sie nicht bestimmt sind. Anders wäre es, wenn Christen zum Schwert greifen, um Ungläubige zu bestrafen und Länder für das Evangelium zu erobern und das Reich Gottes hier auf der Erde zu verwirklichen. Wer das tut, der hat Jesus gegen sich. Die Kreuzzüge mögen im Namen Gottes geführt worden sein, aber Gott war trotzdem dagegen. Denn da ging es um sein Reich, und sein Reich ist nicht von dieser Welt, und wer mit irdischen Waffen dafür kämpfen will, für den gilt wirk-lich: „Wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen.“ Irdische Reiche werden mit irdischen Waffen verteidigt; in Gottes Reich wird mit geistlichen Waffen gekämpft.
Zurück zu unserem Rätselwort. Wenn Jesus sagt: „Ich bringe das Schwert“, dann meint er nicht Waffengewalt und Krieg. Wer ihm etwas anderes unterstellt, unterstellt ihm etwas Fal-sches. Die Kreuzritter konnten sich nicht auf diese Aussage berufen; der Islam hat nicht das Recht, das als Argument gegen Jesus anzuführen. Das Christentum ist keine kriegerische Re-ligion. Jesus ist kein Feldherr, er ist der Prince of Peace, der Friedensfürst.
So haben es auch die christlichen Märtyrer aller Jahrhunderte gesehen. Heute gibt es ja in verschiedenen Religionen zahlreiche selbsternannte Märtyrer, die in Wirklichkeit schlicht und einfach Terroristen sind – bis an die Zähne bewaffnete Selbstmordattentäter. Sie nehmen ih-ren Tod ganz bewusst in Kauf, um denen, die sie für Feinde halten, Schaden zuzufügen. Kein christlicher Märtyrer hätte je so etwas getan. Andere mit in den Tod reißen, um den Feind zu bekämpfen – eine fürchterliche Perversion des Märtyrergedankens. Nein, die Märtyrer unter den ersten Christen und in allen späteren Generationen starben, damit andere leben können, oder sie starben, weil sie überzeugt waren, dass die Treue zu Gott mehr wert ist sogar als das Leben. Aber zum Schwert zu greifen, um Frieden zu schaffen? Auf diese Idee wäre nie einer gekommen.
Aber was hat Jesus dann gemeint, wenn er sagte: „Ich bringe das Schwert“? Um das heraus-zufinden, müssen wir ihm noch ein bisschen länger zuhören. Er hat nämlich weitergeredet, und für uns heißt das: weiterlesen in Matthäus: „Ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwie-germutter; die eigenen Angehörigen werden zu Feinden.“ (Matthäus 10,35.36)
Daran wird zunächst einmal deutlich: Frieden ist ein sozialer Begriff. Frieden hat damit zu tun, wie ich mit den anderen Personen in meinem Umfeld auskomme. Frieden ist ein Bezie-hungswort; es beschreibt, wie es um eine Beziehung steht. Zerrüttete Beziehungen bedeuten Unfrieden; harmonische Beziehungen bedeuten Frieden. Wenn zwei zerstrittene Parteien sich versöhnen, entsteht Frieden.
Wenn Jesus also vom Schwert redet, denkt er an Entzweiung – nicht Entzweiung zwischen Völkern, sondern Entzweiung zwischen einzelnen Menschen.
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