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Küssen in der Öffentlichkeit












[Politik] Freiheits-Debatte - auf was es wirklich ankommt

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Zitat:
Nämlich auf das Küssen in der Öffentlichkeit, Meinungsverschiedenheiten, Großmut, Filme, Musik, die Gedankenfreiheit, die Schönheit, die Liebe. Aber einiges davon wird bedroht, die Unfreiheit wächst unaufhörlich. Ein paar Lehren aus dem zu Ende gehenden Jahr.

Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zum Ganzen. Zu dieser Bildung ist die Freiheit die erste und unerlässliche Bedingung", schrieb 1792 Wilhelm v. Humboldt in seinem leidenschaftlichen Plädoyer für die Entfaltung und den Schutz des Individuums und seiner Freiheit. Doch spätestens seit dem 11. September 2001 gilt der fundamentalistische Hass auf den Westen just jenen Werten und Lebensstilen, die aus dem mühseligen Emanzipationsprozess seit der Aufklärung entstanden sind: Freiheit, Individualisierung und die Suche nach dem persönlichen Glück im Hier und Jetzt auf dieser Welt und nicht im Jenseits.

In der Folge des Streits um die Mohammed-Karikaturen meldeten sich schwedische Feministinnen mit der Aufforderung an ihre Geschlechtsgenossinnen zu Wort, sich in Zukunft züchtiger zu kleiden - aus Rücksicht auf religiöse Gefühle der muslimischen Bürger im freien Norden. Es handelte sich dabei keineswegs um eine Posse. Diese Anregung zur Selbstzensur war todernst gemeint.

Sind unsere Gefühle verletzt, wenn in Saudi-Arabien die Barbie-Puppe wegen ihrer freizügigen Kleidung von der Religionspolizei verboten wird, weil sie als "jüdische Puppe das Symbol der Dekadenz des perversen Westens" sei? An ihre Stelle kam "Fulla", die Jasmin-Blüte, in den Handel und wurde millionenfach verkauft. Fulla ist sehr beliebt, weil sie eine lange, schwarze Abaja mit Kopftuch trägt. Es gibt sie auch im weißen Gewand für das Gebet, mit dazugehörigem kleinen Teppich. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad wiederum hat jüngst angeordnet, westliche Begriffe aus der persischen Sprache zu verbannen und sie durch Ausdrücke in Farsi zu ersetzen. Und im bisher freiheitlichsten Land der muslimischen Welt, in Indonesien, wird der Verkauf alkoholischer Getränke verboten und die Frauen mit einem nächtlichen Ausgehverbot belegt.

Der Kampf der Kulturen ist in vollem Gange. Archaische, vormoderne Denk- und Lebensweisen, die sich am religiösen Kollektiv orientieren, prallen auf moderne, säkularisierte des Westens, in denen die Freiheit der Meinung, der Wissenschaft und der Kunst geschützte Rechte in der verfassten Demokratie, Kirche und Staat darin getrennt sind, die Religion Privatsache ist und das Individuum und seine Suche nach persönlichem Glück im Zentrum stehen. Angegriffen wird die westliche Kultur, weil sie eine dekadente Gesellschaft des Massenkonsums sei, genusssüchtig, sexuell entartet, gottlos und ohne gemeinschaftliches Ideal.

Neu war, dass der Hass nicht wie bisher nur Israel und den USA galt, sondern sich explizit gegen Europa richtete. Doch es dauerte lange, bis die EU sich hinter Dänemark stellte. Europäische Wirtschaftsunternehmen gingen nach angedrohten Einfuhrsperren für europäische Güter in die Defensive und die Firma Nestlé war emsig bemüht, klarzustellen, kein dänisches Unternehmen zu sein. In den europäischen Medien und der politischen Klasse machte sich eine seltsame Appeasement-Haltung breit: vor dem Kampf der Kulturen, westlicher Hybris und Islamophobie wurde emsig gewarnt.

Die Gewaltexzesse der islamischen Massen wurden in einer Weise rezipiert, als handele es sich um die Ausfälligkeiten, den Trotz und die Wut gestörter Kinder. Dass es um einen Kampf gegen die demokratische Kultur des Westens geht, wurde ängstlich ausgeblendet und stattdessen in gutmeinender Manier der Dialog der Kulturen beschworen. Derweil rief Präsident Ahmadineschad einen Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb in Iran als Antwort auf die dänischen Zeichnungen aus, leugnete laustark den Holocaust und drohte Israel, es von der Landkarte "auszuradieren" zu wollen. Ungerührt von Ultimaten der Uno forciert er weiter sein Nuklearprogramm.

Antisemitismus, Israelfeindschaft und Antiamerikanismus der Islamisten hat viele Europäer bisher kaum bekümmert. Noch im Streit um die Mohammed-Karikaturen überwogen die Stimmen, die in kulturrelativistischer Manier Verständnis für die verletzten religiösen Gefühle der Muslime aufbrachten und ihrem gewalttätigen Furor mit paternalistischer Milde begegneten.

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