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Der Ursprung und der Sinn des Christentums












Teil II – Der Ursprung und der Sinn des Christentums



6. Das Christentums entstand im Umfeld der antiken Mysterienschulen und Einweihungskulte. [b]Es gibt deutliche Übereinstimmungen in der Symbolik und bei den mythischen Grundmotiven, die dieses belegen. (siehe: Konrad Dietzfelbinger: Mysterienschulen)



7. Wie bei den anderen Einweihungskulten, so gab es auch im ursprünglichen Christentum ein „geheimes/esoterisches Wissen“, das nur an Eingeweihte weiter gegeben wurde. („Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen,..“)



8. Ein solches geheimes Wissen, das nur einem „inneren“ Kreis von Eingeweihten zugänglich ist, wird als „Esoterik“ bezeichnet. (Eso = innen). Leider hat dieser Begriff in den letzen Jahren einen ziemlich negativen Beigeschmack bekommen, da dieses Schlagwort auch recht häufig für zweifelhafte und unseriöse Publikationen missbraucht wurde, die eigentlich gar nichts mir dem geheimen Wissen der Mysterienschulen zu tun hatten.



9. Esoterik und Christentum sind also keine Gegensätze, sondern es gab ursprünglich auch eine „christliche Esoterik“.



10. Dieses geheime Wissen ging im Laufe der Zeit verloren. Aber es hat verborgen in der Symbolik der Evangelien die Jahrhunderte relativ unbeschadet überstanden und lässt sich daraus rekonstruieren – sofern man die Symbolik versteht.



11. Im Thomas-Evangelium wird uns zwar die esoterische Lehre des Christentums als Logien-Sammlung vermittelt („Dies sind die geheimen Worte...“), aber der Text ist nur für solche Menschen verständlich, die den „Tod“ bereits überwunden haben.(Die Symbolik des „Todes“ wird später noch dargestellt.)



12. Die Symbolik der Evangelien ist keine „poetische Ausschmückung“ der Lebensgeschichte von Jesus, sondern sie vermittelt uns ein Wissen über eine andere, geistige Wirklichkeit, das sich anders nicht darstellen lässt.



13. Die symbolische Auslegung der Evangelien hat den Sinn, die Symbolsprache zu vermitteln, so dass der Zuhörer lernt, sie auch selbst anzuwenden. Jede symbolische Auslegung ist in diesem Sinne eine kleine Einweihung.



14. Diese „symbolische“ Auslegung ist etwas vollkommen anderes als die heute üblichen „moralischen“ Auslegungen der Evangelien. In der moralischen Auslegung wird das Leben von Jesus als ein Vorbild für unser irdisches Handeln interpretiert. In der symbolischen Auslegung wird hingegen der Weg von Jesus zu einer Schilderung von Abläufen, die sich großenteils in einer anderen, geistigen Wirklichkeit abspielen.



15. Während es bei der moralischen Sicht um die Frage geht „Was bedeutet das für mich, wenn ich danach handeln will?“, so geht es bei der symbolischen Sicht um die Frage „Was bedeutet das, wenn es in mir passiert?“. (z.B. Was bedeutet die Gefangennahme von Jesus, wenn sie in mir geschieht?)



16. Durch ein Verständnis für die Symbolik lässt sich eine andere, geistige Wirklichkeit erleben, so wie sich durch das Lesen der Buchstaben die Handlung eines Romans erleben lässt. Durch die Symbolik öffnet sich eine Tür zu einer anderen Wirklichkeit. Und so, wie uns ohne Schriftkenntnis die Handlung eines Romans verborgen bliebe, so bleibt uns ohne Symbolkenntnis die andere Wirklichkeit und auch der tiefere Sinn der Bibel verborgen.



17. Wenn mancher Gläubige, Priester, Theologe oder kirchliche Würdenträger den verborgenen Sinn hinter der Symbolik nicht erfassen kann und schließlich sogar behauptet, es gäbe ihn gar nicht, so gleicht er darin einem Analphabeten, der die Handlung des Romans leugnet, nur weil er selbst nicht lesen kann.



18. Es ist nicht der Sinn des Christentums, dass wir glauben, dass alles wirklich vor 2000 Jahren exakt so geschehen ist, wie es in er Bibel steht, denn was vor 2000 Jahren in einem fernen Land geschah, das hat für uns heute keinerlei Nutzen.



19. Sondern es geht darum, dass heute etwas in uns geschieht – dass wir mit Hilfe der mythischen Motive einen Zugang kriegen zu dem Urwissen, dass in jedem von uns begraben ist.



20. Wer das Ur-Wissen in sich wiedererweckt hat, der braucht nichts mehr zu glauben, denn er hat verstanden. Das Credo wird durch die Gnosis ersetzt.



21. Die heute oftmals übliche „historische“ oder „entmythologisierte“ Sicht auf die Evangelien lenkt von dieser Symbolik ab und beraubt damit die Gläubigen um diesen Zugang zu der anderen Wirklichkeit. Das gilt ein gleicher Weise auch für den Buchstabenglauben sogenannter „bibeltreuer Christen“.

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