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Spiritualisierung des Alten Testaments












http://www.christen-und-juden.de/index.htm?html/bibel.htm

Neben der Spiritualisierung des Alten Testaments gab es auch eine inhaltliche Reduzierung. Unter Berufung auf eine falsch verstandene Gesetzeslehre des Apostels Paulus glaubte man, die alttestamentlichen Gebote auf das Liebesgebot reduzieren zu dürfen. Frei nach dem Motto Augustins: "Liebe und tue [im Übrigen] was du willst“. Allenfalls die 10 Gebote ließ man in der Kirche als Zusammenfassung eines universellen Pflichtenkodex noch gelten. Die Folge dieser Reduzierung war eine Verarmung des christlichen Ethos, die immer wieder anderweitig kompensiert werden musste ("Stimme des Gewissens", "Gesetz der Stunde" etc.).


In der Geschichte der Kirche fehlte es nicht an Versuchen, das Alte Testament ganz abzuschaffen. So stellte der Gnostiker Marcion (um 150) den zornigen, rachsüchtigen Judengott dem neutestamentlichen Gott der Liebe gegenüber. Eine Antithese, die in abegeschwächter Fassung bis in unsere Tage zu hören ist. In der Weimarer Republik kritisierte der liberale Theologe Adolf v. Harnack das Festhalten des Christentums am Alten Testament, das er als Folge einer „kirchlichen und religiösen Lähmung“ ansah. Im Dritten Reich schließlich forderten die „Deutschen Christen“ eine "Befreiung vom Alten Testament mit seiner Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten". Bis heute widersteht die Kirche solchen Versuchungen. Ist es nur ein Festhalten an lange Vertrautem, purer Traditionalismus also? Oder weiß sie, was mit dem Alten Testament auf dem Spiel steht?
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