|
|
|
I. Antike
Homer beschreibt im 8. Jahrhundert v. Chr. das Jenseits als ein düsteres Schattenreich, in dem nicht einmal Heroen herrschen wollten. Eine solch nicht sehr einladende Vision findet sich ebenfalls im Judentum und später bei den Römern. Doch zunächst nach Griechenland, in die 'Wiege' Europas. Neben dem trostlosen Hades gibt es sehr wenige positive Darstellungen des postmortalen Lebens (z.B. bei Hesiod) sowie die Meinung, daß mit dem Tod alles zuende sei. Der bekannteste 'Nihilist' ist Epikur (342-371 v. Chr.), der in einem Brief an einen Freund schrieb: "Das schreckenerregendste aller Übel also, der Tod, hat eben deshalb nichts mit uns zu tun, weil, wenn wir da sind, der Tod nicht da ist, und wenn der Tod da ist, wir nicht da sind." Man darf annehmen, daß philosophische Gedanken über den Tod die vom Volk geübten 'abergläubischen' Praktiken und geglaubten Jenseitsvorstellungen kaum beeinflußt haben. Gleiches gilt auch von der sogenannten 'Revolution' der Seelenvorstellung: die Seele wurde erst in archaischer Zeit als unsterblich, der Körper als ihr Gefängnis angesehen. Vor Heraklit, der die persönliche Unsterblichkeit der Seele als einer der ersten aussprach, etwa bei Homer, hatte der 'Seele' des lebendigen Menschen (thymós) der Totengeist (psyché) gegenübergestanden, welcher den Körper beim Tode verließ. Im sechsten vorchristlichen Jahrhundert scheinen beide Konzepte verschmolzen zu sein, wonach die psyché fortan die Identität der Person garantierte. Ein persönliches Weiterleben war mit dem Aufkommen einer solchen Seelenvorstellung und der 'Entdeckung der Individualität' möglich geworden, die sich besonders in dionysischen Mysterien nachweisen läßt.
Sokrates (470-399 v.Chr.) äußerte in der Apologie zum Tod: "Eines von zweien nämlich ist das Totsein: entweder ist es eine Art Nichtsein (...) oder es ist eine Übersiedlung der Seele von hier an einen anderen Ort." Während er selbst wohl dem ersten Teil der Alternative zustimmte, sprach sich sein Schüler Platon -- besonders im Dialog Phaidon -- für die zweite Variante aus. Dessen komplexe Ideen zum Jenseits wurden aber von den Zeitgenossen und vom Volk nicht übernommen.
In der griechischen Mythologie galt der Tod ('Thanatos') als der Zwillingsbruder des Schlafes ('Hypnos'), beide waren Söhne der Mutter Nacht. Vom Olymp abgegrenzt wirkten ferner die 'Totengötter'; sie hatten besonderen Einfluß auf die Fruchtbarkeit.
Während in Griechenland das persönliche Weiterleben im wesentlichen unabhängig von der Bindung an einen Familienverband möglich war, hing in Rom der Status des Toten in viel größerem Maß noch von der Gesellschaft, besonders der Familie, ab. Die familia bzw. die gens beanspruchte die Person des Toten, was sich besonders im römischen Funeralpomp der Elite zeigte. Die von Masken tragenden Schauspielern mitgestalteten Feierlichkeiten -- mehr Ahnenverehrung als Totenkult -- dienten nicht primär der Jenseitshoffnung des Verstorbenen, sondern waren eine Selbstdarstellung seiner Familie.
Die Philosophie beschäftigte sich weiter mit dem Problem des Todes. In der Nachfolge Epikurs etwa entwickelte Lukrez 28 Beweise für die Sterblichkeit der Seele, die mit dem Körper vergehe. So versuchte er, den Menschen die Angst vor dem Tode zu nehmen. Der Stoiker Seneca ....
Die römischen Jenseitsvorstellungen sahen zunächst eine seelische Fortexistenz nicht vor, da der Verstorbene als Geist nicht mehr als indivuelle Person galt. Die Toten erschienen dagegen kollektiv als divi parentum und schützten den inneren Familienfrieden.
http://parapluie.de/archiv/sprung/tod/
|
|
|