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Unergründlichkeit und Unbegreiflichkeit Gottes












Unergründlichkeit und Unbegreiflichkeit Gottes
Auswahl aus den Baha'i Schriften

Sieh, wie sie die ganze Schöpfung durchdringen. So stark ist ihre Wirkkraft, daß kein einziges Atom im ganzen Weltall zu finden ist, das nicht die Beweise Seiner Macht bekundet, Seinen heiligen Namen verherrlicht und Ausdruck des strahlenden Lichtes Seiner Einheit ist. So vollkommen und umfassend ist Seine Schöpfung, daß kein Verstand, so scharf er auch sei, und kein Herz, wie rein auch immer, das unbedeutendste Seiner Geschöpfe in seinem Wesen jemals erfassen, wieviel weniger das Geheimnis Dessen ergründen können, der die Sonne der Wahrheit, das unsichtbare, unerkennbare Wesen ist. Die Vorstellungen der frömmsten Mystiker, die Bildung der Geistesfürsten unter den Menschen, das höchste Lob, das des Menschen Zunge oder Feder ausdrücken können, sind alle die Frucht des begrenzten menschlichen Verstandes und durch dessen Beschränkungen bedingt. Zehntausend Propheten, jeder ein Moses, sind auf dem Sinai ihres Suchens wie vom Donner gerührt durch Seine verbietende Stimme: »Du sollst Mich niemals schauen!«, während eine Myriade Sendboten, jeder so groß wie Jesus, bestürzt vor ihren himmlischen Thronen stehen bei dem Verbot: »Mein Wesen sollst du niemals begreifen!« Seit unvordenklichen Zeiten ist Er in der unaussprechlichen Heiligkeit Seines erhabenen Selbstes verschleiert gewesen, und ewig wird Er in dem undurchdringlichen Geheimnis Seines unerkennbaren Wesens verhüllt sein. Jeder Versuch, zu einem Verständnis Seiner unerreichbaren Wirklichkeit zu gelangen, endet in vollkommener Verwirrung, und jedes Bemühen, Seinem erhabenen Selbst zu nahen und Sein Wesen zu schauen, führt zu Hoffnungslosigkeit und Fehlschlag.

Baha'u'llah
Gepriesen und verherrlicht bist Du, o Herr, mein Gott! Wie kann ich Dich erwähnen, da ich doch weiß, daß keine Zunge, und wäre ihre Weisheit noch so tief, Deinen Namen gebührend rühmen kann, und daß der Vogel des Menschenherzens, so sehr er sich auch sehne, niemals hoffen darf, zum Himmel Deiner Erhabenheit und Deines Wissens aufzusteigen.

Wenn ich Dich, o mein Gott, als den All-Wahrnehmenden beschreibe, muß ich zugeben, daß Sie, die höchsten Verkörperungen der Wahrnehmung, auf Dein Geheiß erschaffen wurden. Und wenn ich Dich als den Allweisen preise, muß ich zugleich anerkennen, daß die Urquellen der Weisheit selbst durch das Wirken Deines Willens entstanden. Und wenn ich Dich als den Unvergleichlichen verkünde, erkenne ich bald, daß Sie, die der Inbegriff der Einheit sind, durch Dich herabgesandt wurden und nur Beweise Deines Werkes sind. Und wenn ich Dich als den Allwissenden begrüße, muß ich bekennen, daß Sie, die der Inbegriff des Wissens sind, nur Schöpfung und Werkzeug Deiner Absicht sind.

Erhaben, unermeßlich erhaben bist Du über das Bemühen der Sterblichen, Dein Geheimnis zu enträtseln, Deine Herrlichkeit zu schildern oder die Art Deines Wesens auch nur anzudeuten. Denn was immer solches Bemühen erreichen mag, - nie darf es hoffen, jene Grenzen zu überschreiten, die Deinen Geschöpfen gesetzt sind, ist dieses Streben doch durch Dein Gebot bewirkt und durch Dein Ersinnen gezeugt. Die erhabensten Gefühle, die die Heiligsten der Heiligen zu Deinem Lobe bezeigen können, und die tiefste Weisheit, die die gelehrtesten Menschen bei dem Versuch, Dein Wesen zu begreifen, zu äußern vermögen, kreisen alle um jenen Mittelpunkt, der Deiner Herrschaft völlig untertan ist, Deine Schönheit verehrt und durch die Bewegung Deiner Feder Antrieb findet.

Nein, verhüte, o mein Gott, daß ich jemals Worte äußere, die zwangsläufig eine unmittelbare Beziehung zwischen der Feder Deiner Offenbarung und dem Wesen alles Erschaffenen andeuten. Weit stehen jene, die Dir verbunden sind, über der Vorstellung einer solchen Beziehung. Alle Vergleiche und Ähnlichkeiten vermögen dem Baum Deiner Offenbarung nicht gerecht zu werden, und jeder Weg zum Verständnis der Manifestation Deiner selbst und des Tagesanbruchs Deiner Schönheit ist verschlossen.

Fern, fern von Deiner Herrlichkeit sei, was der Sterbliche von Dir behaupten oder Dir zuschreiben, oder der Lobpreis, mit dem er Dich verherrlichen kann! Was immer Du Deinen Dienern als Pflicht auferlegt hast, damit sie Deine Majestät und Herrlichkeit aufs höchste preisen, ist nur ein Zeichen Deiner Gnade für sie, auf daß sie fähig werden, zu der Stufe aufzusteigen, die ihrem eigenen innersten Wesen verliehen wurde, der Stufe der Erkenntnis ihres eigenen Selbstes.

Niemand außer Dir war jemals fähig, Dein Geheimnis zu ergründen oder Deine Größe geziemend zu preisen. Unerforschlich und hoch erhaben über das Lob der Menschen wirst Du für immer bleiben. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Unerreichbaren, dem Allmächtigen, dem Allwissenden, dem Heiligen der Heiligen.

Baha'u'llah
Und nun zu deinem Hinweis auf das Bestehen zweier Götter. Gib acht, daß du dich nicht verleiten lässest, dem Herrn, deinem Gott, Gefährten beizugesellen! Er ist und war von Ewigkeit her einzig und allein, ohne Gefährten oder Seinesgleichen, ewig in der Vergangenheit, ewig in der Zukunft, gesondert von allen Dingen, immerwährend, unveränderlich und selbstbestehend. Er hat sich in Seinem Reich keinen Teilhaber bestimmt, keinen Berater, Ihn zu beraten, keinen, Ihm zu vergleichen, keinen, mit Seiner Herrlichkeit zu wetteifern. Jedes Atom des Alls bezeugt dies, und darüber hinaus die Bewohner der Reiche der Höhe, sie, die die erhabensten Sitze einnehmen, sie, derer Namen vor dem Throne der Herrlichkeit gedacht wird.

Bestätige in deinem innersten Herzen dieses Zeugnis, das Gott selbst für sich ausspricht, daß es keinen Gott gibt außer Ihm, daß alle außer Ihm auf Sein Geheiß erschaffen, mit Seiner Erlaubnis geformt sind, Seinem Gesetz unterliegen, den herrlichen Beweisen Seiner Einheit gegenüber einer vergessenen Sache gleichen und wie ein Nichts sind, wenn sie den mächtigen Offenbarungen Seiner Einheit gegenübergestellt werden.

Er ist in Wahrheit durch alle Ewigkeit Einer gewesen in Seinem Wesen, Einer in Seinen Eigenschaften, Einer in Seinen Werken. Jeglicher Vergleich trifft nur Seine Geschöpfe, und alle Vorstellungen von einer Teilhaberschaft betreffen allein die, welche Ihm dienen. Unermeßlich erhaben ist Sein Wesen über die Beschreibungen Seiner Geschöpfe. Er allein thront auf dem Sitze überirdischer Majestät und erhabenster, unerreichbarer Herrlichkeit. Wie hoch sich die Menschenherzen, den Vögeln gleich, auch aufschwingen, sie können niemals hoffen, die Höhen Seines unerkennbaren Wesens zu erreichen. Er ist es, der die ganze Schöpfung ins Dasein rief, der alles Erschaffene auf Sein Geheiß entstehen ließ. Sollte da irgend etwas als Sein Gefährte oder als eine Verkörperung Seiner selbst angesehen werden, das kraft eines von Seiner Feder offenbarten, vom Finger Seines Willens gelenkten Wortes geboren ist? Ferne sei es Seiner Herrlichkeit, daß eine menschliche Feder oder Zunge Sein Geheimnis andeute, daß ein menschliches Herz Sein Wesen begreife. Alle außer Ihm stehen arm und verlassen an Seiner Tür, alle sind machtlos vor der Größe Seiner Macht, alle sind nur Sklaven in Seinem Königreich. Er ist reich genug, aller Geschöpfe zu entraten.

Baha'u'llah
Jedem verständigen und erleuchteten Herzen ist es offenbar, daß Gott, die unerforschliche Wesenheit, das göttliche Sein, unermeßlich erhaben ist über jedes menschliche Kennzeichen wie körperliches Dasein, Aufstieg und Abstieg, Ausgang und Rückkehr. Fern sei es Seiner Herrlichkeit, daß des Menschen Zunge angemessen Sein Lob künden oder des Menschen Herz Sein unergründliches Mysterium erfassen könnte. Er ist und war von jeher in der altehrwürdigen Ewigkeit Seines Wesens verhüllt und wird in Seiner Wirklichkeit dem Schauen der Menschen ewiglich verborgen bleiben. »Keine Schau erfaßt Ihn, Er aber erfaßt alle Schaut Er ist der Scharfsinnige, der Allsehende.« (Koran 6:103)

Baha'u'llah
Gerühmt sei Dein Name, o Herr mein Gott! Du bist es, den alle Dinge anbeten und der selbst niemanden anbetet, der Herr über alle Dinge und niemandem untertan ist, der alle Dinge kennt und von niemandem erkannt wird. Du wünschtest Dich den Menschen bekannt zu machen, darum hast Du durch ein Wort Deines Mundes die Schöpfung werden lassen und das Weltall geformt. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Bildner, dem Schöpfer, dem Allmächtigen, dem Allgewaltigen.

Gelobt sei Dein Name, o mein Gott! Ich bezeuge, daß kein Gedanke an Dich, sei er noch so wundersam, jemals zum Himmel Deiner Erkenntnis aufzusteigen vermag und daß kein noch so erhabener Lobpreis sich in die Sphären Deiner Weisheit aufschwingen kann. Seit aller Ewigkeit bist Du jenseits der Fassungskraft und der Erkenntnis Deiner Diener, unermeßlich erhaben über die Versuche Deiner Knechte, Dein Mysterium in Worte zu fassen. Welcher Macht kann das schattengleiche Geschöpf sich rühmen im Angesicht Dessen, der der Unerschaffene ist?

Ich bezeuge, daß die höchsten Gedanken aller, die Deine Einheit anbeten, und die tiefgründigsten Betrachtungen derer, die Dich erkennen, nur das Ergebnis dessen sind, was durch den Federzug Deines Geheißes und durch Deinen Willen erzeugt ist. Ich schwöre bei Deiner Herrlichkeit, o Du Geliebter meines Herzens, Du Quell meines Lebens! Ich bin völlig überzeugt von meiner Unfähigkeit, Dich so zu beschreiben und zu preisen, wie es Deiner großen Herrlichkeit und Deiner hehren Majestät zukommt. Des eingedenk, flehe ich Dich an bei Deinem Erbarmen, das alles Erschaffene übertrifft, und bei Deiner Gnade, welche die ganze Schöpfung umfängt, nimm von Deinen Dienern an, was sie auf Deinem Pfade darzubringen vermögen. Hilf ihnen sodann durch Deine stärkende Gnade, Dein Wort zu erhöhen und Dein Lob zu künden.

Mächtig bist Du zu tun, was Dir gefällt. Du bist fürwahr der Allherrliche, der Allwissende.

Baha'u'llah
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