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Hallo Quarinox,
ich hoffe mal sehr, dass ich mich bei dem koplexen Thema relativ kurz fassen kann...
Wenn nicht, entschuldige bitte
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Doch soweit ich weiß basierte der Urpanganismus genauso wie du es heute dem Christentum vorwirfst, die Priesterschaft hielt die Gläubigen mit Drohungen in Schach. Viele Götter in panganen Religionen gelten doch gar als aggressiv, rachsüchtig oder gar böse, oder irre ich?
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Tja, wo fange ich denn am Besten mal an...
Am Besten erst mal gleich mit der Bemerkung, dass sich hier nur meine persönlichen Definitionen und Ansichten finden, die sich durchaus extremst von den Definitionen und Ansichten anderer "Heiden" unterscheiden können!
Ich möchte das Betonen, weil sehr häufig angenommen wird (wie bei den monotheistischen Religionen), dass es EINE Lehre, eine Meinung usw. gibt.
Aber das stimmt nicht.
Setzte fünf Heiden in einen Raum und Du hast mindestens neun verschiedene Meinungen
So "einfach", wie es sich bei der Definition manche Menschen machen, die sich vor allen Dingen nicht wirklich mit der "Materie" auseinander setzten wollen, ist es im "Heidentum" nicht.
Vielleicht sollte ich da erst mal bei dem Begriff "Heide"/"Heidentum"/"(Neo)Paganismus" etc. beginnen.
Im eigentlichen Sinne Sinne des Ursprungswortes bezeichnen ja der Begriff "Heide" einen Menschen, der weder dem Islam, noch dem Christentum noch dem Judentum angehört.
Aus diesem Grunde verwende ich z.B. diesen Begriff, um zu zeigen, dass ich eben keine Anhängerin eine dieser drei großen monotheistischen Glaubensrichtungen bin.
Schlussendlich würden auch der Buddhismus und andere Weltreligionen (oder auch Weltanschauungen, Philophien usw.) dazu gehören, wenn man nach dieser, aus dem Deutschen Duden entnommenen Definition gehen würde.
Denn der Begriff "Heide" ist ja im Prinzip auch erst durch diese drei Religionen geprägt worden.
Tja, was glauben nun Heiden?
Innerhalb des Oberbegriffes "Heide" versammeln sich die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen, Gruppierungen, Weltbilder und Glaubensvorstellungen.
Sicherlich einerseits vergleichbar mit z.B. den monotheistischen Glaubenswegen, die ja innerhalb ihrer Lehre noch dutzende andere Meinungen und Ansichten hat.
Allerdings ist es innerhalb des "Heidentums" nicht ganz so einfach strukturiert, da es DAS Heidentum (TM) nicht gibt!
Triffst Du z.B. nach unserem Gespräch hier auf eine/n anderen Heiden/in, so kannst Du mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass er oder sie eine ganz andere Meinung und Ansicht haben kann, als ich.
Also halten wir einmal fest, dass der Begriff Heidentum, (Neo)Paganismus eigentlich ein Oberbgegriff für ziemlich viele unterschiedliche Richtungen ist.
Um einen sehr kurzen Einblick zu verschaffen, ein paar wenige Beispiele:
Asatru (Germanische Glaubenswelt)
Ägyptischen Glaubenswelt
Alchemie
Animismus
Celtoi (keltische Glaubenswelt)
Wicca
Hexen
(Neo) Druiden...
So, nun zu Deinem Einwurf:
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| Doch soweit ich weiß basierte der Urpanganismus |
Nun ja, von einem "Urpaganismus zu sprechen ist recht gewagt, aus mehrerlei Gründen.
1. Das Wissen, was wir über die religiösen Praktiken unserer Altvorderen wissen, ist sehr bruchtstückhaft und ist (meistens) aus christlichen Quellen bekannt, die, da sollten wir mal wirklich ehrlich sein, mit ziemlicher Sicherheit alles andere als "objektiv" berichtet habe
2. auch Quellen, wie z.B. Caesar sind (was z.B. die keltischen Praktiken angeht) mit äußester Vorsicht zu genießen, da bekannter Weise grade die Römer oft falsch dargestellt haben, um ihre Occupationen zu rechtfertigen.
3. Alles andere, was man über die Religionen unserer Vorfahren ""weiss"", basiert auf Theorien und Vermutungen der Wissenschaftler.
Allein schon deswegen kann und sollte man nicht von etwas ausgehen, was sich "Urpaganismus" nennt, da sich dieser mindestens genauso unterscheidet, wie das heutige Christentum sich von dem Urchristentum unterscheidet.
Ich persönlich (da ich selbst Studentin der Ur-und Frühgeschichte und der Klassischen Archäologie bin) kann eigentlich sehr oft nicht anders als Schmunzeln, wenn ich von manchen Heiden höre, wie authentisch doch ihr glaube ist...
Wobei sie vergessen, dass im Prinzip der Glaube rekonstruiert und alles andere als vollständig ist...
Jedenfalls bei den Glaubensrichtungen, die sich auf die alten Völker stützen, wie z.B. die Celtoi oder die Àsatru.
Tja, was kann dann unter "heidnischen Religionen verstanden werden?
Nun ja, das erste Merkmal ist, dass sie sehr oft polytheistisch oder animistisch sind.
Des Weiteren gibt es keine Bücher, oder Schriften, die als "Heilige Schrift" im Sinne der monotheistischen Religionen haben.
Sicherlich halten einige Àsatru dei Edda hoch, aber es steht dennoch jedem zu, sie so zu interpretieren, wie es der oder diejenige selbst für richtig hält.
Ebenso sieht es mit anderen "Schriften" (sofern sie erhalten sind) auch aus.
Im Gegensatz zu den monotheistischen Glaubenswegen sind die heidnischen Religionen im großen und ganzen "Erfahrungsreligionen".
Das bedeutet, dass es dabei um Selbsterfahrung geht und um die Erfahrung der natürlichen Gegebenheiten um uns herum.
Es geht dabei um die persönliche, direkte und individuelle Erfahrung des "Göttlichen"/der "Götter, wozu meist ein zwischen geschalteter Priester unnötig ist, es sei denn, jemand möchte das!
Was desweiteren ein sehr hervorspringender Unterschied ist, dass in dem Sinne nicht an ein Leben nach dem Tod geglaubt wird, wie es die monotheistischen Religionen tun.
Auch wenn immerwieder versucht wird (natürlich von Seiten der monotheistischen Religionen), etwas anderes hinein zu interpretieren
Die einen Glauben an die Wiedergeburt (eigentlich, so meine Erfahrung der größte Teil der Heiden).
Wie dieser Glauben nun aussieht, ist wiederum völlig individuell, ebenso wie jedes Glaubens- und Weltbild völlig unterschiedlich sein kann.
Ausserdem ist es durchaus möglich, dass sich unterschiedliche Glaubenssysteme durchmischen, was sogesehen bei den monotheistischen Religionen (ich behaupte zumindest fast) unmöglich ist.
Da gibt es Celtois, die nicht nur die keltischen Götter verehren, sondern vielleicht sogar hethitische oder ägyptische.
Hellenen, die nicht nur die Götter Griechenlands ehren, sondern auch die der Germanen oder des Voodoo.
Wiccas und "Hexen" stehen da sowieso aussen vor, weil die auch wieder ein Thema für sich sind.
Es gibt Heiden, die nur mit Magie arbeiten, es gibt Heiden, die jede Form der Energie als "magisch" bezeichnen (z.B. auch ein Gebet).
Dann haben wir die, die sagen es gibt Schwarze-und Weisse Magie und dann gibt es diejenige, die sagen: "Magie ist grau!"
Manche sagen: Man muss bei Ritualen immer einen eingeweihten Priester haben.
Andere sagen: Nö, die Götter leihen mir auch so ihr Ohr.
Ich könnte das endlos fortsetzen.
Also, Du siehst, dass man nicht so pauschal alle Heiden über einen Kamm scheren kann, da es sich bei den einzelnen Wegen, Gruppierungen, Individuen, usw. usf. um eine sehr unhomogene Sache handelt, im Gegensatz zu den Gruppierungen innerhalb der monotheistischen Religionen.
In der Form, wie heute der (Neo)Paganismus erlebt wird, dass darf man auch nicht vergessen, ist sehr sehr vieles einfach auf der Rekonstruktion der alten Völker und deren Religion erwachsen.
Jedenfalls, wenn man sich diejenigen ansieht, die vermeintlich sagen, sie würden "echt traditionell" sein.
Es geht auch nicht anders, weil insbesondere die monotheistischen Kulturen dafür gesorgt haben, dass die alten Bräuche zerstört, assimiliert und/oder mit anderen Dingen/Deutungen usw. gefüllt werden.
Sicher, so konnten sich einige Dinge erhalten (*g* woher kommt wohl der Weihnachtsbaum oder der "Osterhase"? Oder die Daten, wann welche christlichen Feste gefeiert werden... ), andererseits wurde unsagbar viel zerstört und ist unwiederbringlich verloren.
Viele Heiden sehen das, einige hegen auch einen Hass gegen die Kirchen/Anhänger der entsprechenden monotheistischen Religion.
Ich persönlich finde das unsinnig.
Was geschehen ist, ist geschehen.
Trotzdem ist das "Wissen" da, man brauch es nur "wieder zu entdecken".
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| Welcher genauen Form des Pangenismus gehörst du denn an? |
Ich gehöre zu keiner dieser "Gruppierungen".
Ich bin sozusagen eine eigene "Sparte" für sich, für die ich noch kein passendes "Etikett" gefunden habe
Der Begriff "Paganistin"/"Heidin" ist für mich schlicht und ergreifend bequem, weil ich damit ausdrücken kann, das ich zum einen keine Anhängerin eines monotheistischen Weges bin und zum anderen ausdrücken kann, dass ich in eine Richtung tendiere, die sich mit dem "alten Glauben" (nach meiner Definition einfach die Bezeichnung für den Glauben an Götter und Göttinnen, nicht mehr und nicht weniger) befasst.
Also, ich kann Dir da keine andere Antwort geben als: Ich habe meine eigene Form.
Was mein Weg mit anderen heidnischen Religionen gemein hat ist die Tatsache, dass ich an Göttin und Gott glaube und auch diese erlebe.
Ansonsten sieht es so aus, dass ich weder ein "heiliges Buch" habe, noch ein "Buch der Schatten" oder sonst etwas, worauf sich mein Glauben gründet.
Ich gründe meinen Glauben auf dem, wie ich das Göttliche erlebe, was es mit mitteilt usw.usf.
Und ich denke, so ist schlussendlich jede Art von Religion entstanden.
Erst das individuelle Erleben von etwas, was wir Gott/Göttliches/Götter nennen, worauf sich dann bestimmte Formen der Verehrung ergaben und schließlich (unter Umständen) die Institutionalisierung.
So, aber ich glaube, der Roman sollte jetzt erst mal genügen
Sorry, ist etwas lang geworden, aber ich habe schon versucht, mich so kurz wie möglich zu fassen...
Das ist bei diesem Thema nicht sonderlich einfach.
Vergleichbar damit, sämtliche christlichen Gruppierungen und Anschauungen in ein Posting zu stecken.
Liebe Grüße
Feuerblitz
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