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Wenn ich mir überlege, warum ich so anfällig war für die Scientology, dann war es vor allem der Wunsch, ein paar Lebensprobleme in den Griff zu bkommen. Das Hubbard-Buch "Dianetik -- Wissenschaft der geistigen Gesundheit" schien mir einen Weg zu zeigen, der einerseits völlig meinem damaligen durch und durch materialistischen Weltbild entsprach und andererseits leicht gangbar erschien. Mit Kirchen, Religionen und Spiritualität wollte ich damals nichts zu tun haben, wo ich doch ein paar Jahre vorher frustriert und verärgert aus der evangelischen Kirche ausgetreten war.
Nach der Scientology -- da waren die meisten der oben angedeuteten Probleme tatsächlich durch Scientology-Techniken erledigt -- war es dann ein genereller Überdruss über die Banalität und Langweiligkeit des gewöhnlichen Lebens. Beruf, Familie, Kinder, Urlaub -- alles ganz nett, aber doch letztlich unbefriedigend und oft genug einfach nur langweilig, langweilig, langweilig.
Es musste doch mehr hinter dem Leben stecken! Und das suchte ich auf verschiedenen spirituellen Pfaden. Subud, Lectorium Rosicrucianum, unzählige Bücher von mehr oder weniger bekannten "Eingeweihten" oder sonstigen klugen Köpfen -- auf die Dauer wurde es immer wieder schal und fragwürdig, nachdem dieser oder jener Gipfel erklommen war. Mein Leben und meine äußeren Umstände wurden dabei aber trotzdem immer besser und erfreulicher.
Irgendwie ganz schön spannend -- offenbar ist tatsächlich der Weg das Ziel, und es ist immer diese Unrast, die einen voranbringt.
Jesus, Mohammed, Baha-Ullah, Freimaurer, Rosenkreuzer, Hexenwesen, aufgestiegene Meister usw. usw. -- es sind alles Stufen und Trittleitern. Wichtig ist nur, dass man nicht stehen bleibt. Und vielleicht ist sogar das manchmal für ein Weilchen notwendig.
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Und hat dich deine Suche und dein Weg verändert?
Hast Du das Gefühl, vorangekommen zu sein?
Ich kann jetzt nur für mich sprechen. Ich habe im Rahmen meines Umzuges vor kurzem ein Tagebuch in der Hand gehabt. Ich habe darin vor 30 Jahren geschrieben, und ich war erstaunt, wie wenig sich meine Grundsätze, meine Haltung, meine Moralvorstellungen, meine Art zu denken verändert hat. Hätte man mich gefragt, bevor ich das Tagebuch gelesen hätte, hätte ich empört behauptet, natürlich habe ich mich bewegt, liegen seit der Zeit von damals doch gefühlte 2000 Einzelschritte und Erkenntnisse dazwischen. Erfahrungen mit Politik, Philosophie, Religionen, Drogen, Liebe, Trauer, Verantwortung - alles was das Leben so zu bieten hat. Und doch hat es mein Wesen nicht verändert. Ich bin irgendwie immer zu meinem Ausgangspunkt zurückgekehrt.
Meine Träume von damals sind bisher alle in Erfüllung gegangen.
Auch ich habe mich immer als Sucher gesehen - und gefunden habe ich immer an anderen Stellen.
Ich glaube, der Weg liegt in einem selbst verborgen. Wobei - verborgen ist vielleicht falsch formuliert. Vielleicht ist der eigene Weg so offensichtlich, daß man ihn gar nicht mehr wahrnimmt.
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Hallo Astrella,
Dein Tagebucherlebnis veranlasst mich zu allerhand Reflektionen. Unser Wesen ist wohl tatsächlich recht stabil. Tja, wenn man wüsste, wie das Leben weitergegangen wäre ohne diese verschiedenen Erfahrungen. Trotzdem glaube ich generell, dass unsere Handlungen bei gleichbleibendem Wesen doch unterschiedlich sein können, je nachdem, durch welches Weltbild man sich gerade prägen lässt. Und daraus folgen wiederum unterschiedliche Lebenserfahrungen.
Ich hätte damals auch ein deprimierter Säufer ohne Hoffnungen werden können. Statt dessen lernte ich Verantwortung und Arbeitsmoral, und mein Weltbild entfernte sich vom puren Materialismus hin zu der Vorstellung, dass ich im Kern ein geistiges Wesen bin, das seine gesamte Zukunft selbst in der Hand hat. Das hatte tiefgreifende, positive Auswirkungen auf mein weiteres Handeln.
Einen Punkt von Dir kann ich aber bestätigen: Der Weg liegt in uns selber. Wahrscheinlich brauchen viele erst einmal einige Handreichungen in Gestalt einer äußeren Religion oder Philosophie. Aber man sollte letzten Endes nicht fremdbestimmt leben. Auch etwas, was ich mit den Jahren gelernt habe.
Hier kommt dann der Aspekt der Reinkarnation hinein. Wäre doch schade, wenn alles für die Katz gewesen wäre. Für mein nächstes Leben wünsche ich mir mehr Mut, Familiensinn, Arbeitsamkeit und Durchsetzungsvermögen. Mal sehen, ob das was wird.
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| Zitat: |
| Ich hätte damals auch ein deprimierter Säufer ohne Hoffnungen werden können. |
Hättest Du?
Hab ich auch mal von mir gedacht - jetzt nicht Säufer - aber daß ich in andere dunkle Kanäle hätte rutschen können - durch eine dunkle Fügung des Schicksals. keine Ahnung. Ich habe mich so oft auf Messers Schneide bewegt, mein Schicksal herausgefordert - und bin immer wieder auf die richtige Seite gefallen. Zufall? Oder habe ich nicht unterbewusst bestimmt, auf welche Seite ich falle?
Sicher hatte ich zwischendurch auch einmal andere Prioritäten, aber letztendlich haben sich diese "Aussetzer" nicht entscheidend auf mein Leben ausgewirkt.
Ich kann mit Reinkarnation nicht viel anfangen - da man ja offensichtlich seine Erinnerungen an ein früheres Leben verliert, sind doch eh die gesammelten Erfahrungen für die Katz.
Du schreibst so schön, daß Du deine gesamte Zukunft in der Hand hältst und verlegst deine Wünsche auf ein nächstes Leben?
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Was die "gesamte Zukunft" angeht, bezog sich das auf das geistige Wesen, das per definitionem nicht an diesen einen Körper gebunden ist. Jetzt mit 62 gründe ich aus wohlerwogenen biologischen Gründen keine Familie mehr. Das mit dem Mut übe ich bewusst, ist aber manchmla nicht ganz einfach, denn ich scheue Konflikte. Auch das Hirn ist nicht mehr so wie in Kindertagen in der Lage, mühelos fremde Sprachen, Klavierspielen oder Tanzen zu lernen. Alles hat seine Zeit. Was die Erinnerungen an die früheren Leben angeht: Die sind nicht verloren, sondern erhalten sich in Gestalt eines besseren (hoffentlich) Charakters. Und wer es unbedingt wissen will, der kann sogar die Datails früherer Leben zurückrufen (sofern es sich dabei nicht um Hirngespinste handelt), was allerdings einige besondere Techniken voraussetzt.
Du erwähnst da, dass Du vielleicht unterbewusst bestimmt hast, auf welche Seite Du fällst. Da ist schon was dran. Vielleicht musste ich unterbewusst durch die Scientology, um etwas Struktur in mein Leben zu bringen. Vielleicht geht so etwas auch bewusst, sobald man es weiß. Wir könnten vielleicht vieles wissen, und manches könnte uns auch fürs erste verborgen bleiben. Das ist es ja: Was steckt hinter dem Ganzen? Zufall? (Um mit Astrella zu sprechen.)
Ich bin da mal optimistisch, mangels genauerer Daten.
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