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Hallo Heiko,
Einige jüdische, römische und griechische Geschichtsschreiber der Antike erwähnen Jesus, jedoch fast nur seine Hinrichtung, nicht sein Wirken und seine Lehre. Diese seltenen Notizen sind zudem quellenkritisch umstritten.
Nimmt man die von Parazone gepostete grundsaetzliche Kritik an der kreuzigungstheorie hinzum, bleibt noch weniger.
Der jüdische Historiker Flavius Josephus* berichtet in den Jahren bis 94 n. Chr. in seinen Antiquitates Judaicae (Ant 20,200) über die Hinrichtung des Jakobus und bezeichnet ihn beiläufig als Bruder Jesu, der Christus genannt wird (Kap. 20,200).
Die Antiquitates Judaicae schildert die Sagen des jüdischen Volkes von der Schöpfung bis zum Ausbruch des Aufstandes im Jahre 66 n. Chr. Dabei hielt er sich weitgehend an die Schilderungen im Alten Testament, soweit diese historisch reichten. Für die Zeit danach, also die Zeit der Makkabäer oder Hasmonäer und vor allem für das 1. Jahrhundert vor und nach Christus, also die Zeit von Herodes dem Großen und seiner Söhne und für das Urchristentum, ist er unsere wichtigste Quelle, da er sich auf andere, uns nicht erhaltene Werke stützt.
Flavius Josephus (* 37/38 als Joseph ben Mathitjahu in Jerusalem, † ca. 100), war ein jüdischer Feldherr und Geschichtsschreiber aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Er gilt als einer der wichtigsten Autoren des Hellenistischen Judentums.
Insgesammt wie gesagt, sehr sehr duerftige Quellen.
Ich denke mal ganz frei und extrapoliere etwas.
Wie ich immer wieder hier in den Foren feststelle, ist der menschliche Trieb zur Personifizierung von abstralten Inhalten ungebrochen.
Noch immer, auch heute im 21. Jahrhundert, koennen sich die meisten Menschen mit einem abstrakten Gottesbebriff nicht anfreunden.
Gott muss Gestalt und Gesicht bekommen, er muss als menschlich personifiziert, menschliche Eigenschaften zugeschrieben bekommen.
Aehnlich verhaelt es sich mit Religionen, als abstrakte geschichtliche Erscheinung sind sie unfassbar fuer den Menschen. Ein personifizierter Religionsstifter muss her, um Religion fassbar zu machen. (Ad absolutum bei den islamischen Sunniten)
Allgemein:
Eine psychologisch notwendige Massnahme scheint es zu sein, abstrakter Systeme in fassbare materielle oder sogar personifizierte Gestalt zu reduzieren.
Vermutlich verbirgt sich dahinter der Instinkt: "Erkenne deinen Feind um ihm angemessen begegnen zu koennen."
(Vergl.: Man erinnere sich auch an die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit als (abstrakte, da inhomogene, Voelker zu Personen reduziert wurden. Da gab es den brutalen Russe, der feigen Englaender usw...)
Extrapoliert auf die Geschichte, bedeutet das nun, das schon immer abstrakte Inhalte personifiziert wurden.
Typischerweise wurde ja der donner ja mit dem "zuernenden Gott des Donners" (menschlich) personifiziert und nicht mit dem "Toben eines himmlischen Ozeans"(sachlich) personifiziert .
So wird auch eine abstrakte Sammlung von Glaubensaussagen moeglicherweise (menschlich) personifiziert worden sein.
Findet einmal eine solche Personifizierung statt, so lehrt uns die Massenpsychologie, wird sie in aller regel von Anhaengern unreflektiert uebernommen.
LG
Martin
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