|
|
|
Literaturhinweise:
http://www.zeit.de/2001/47/200147_islam.reform.xml
Lassen sich Menschenrechte, Säkularisierung, Demokratie und Pluralismus islamisch begründen? Im Iran streiten Gelehrte für die Versöhnung von Glauben und Moderne
Radikale Islamisten bomben sich seit einigen Jahren schon in unser Bewusstsein. Weder ein Forum noch ein Bewusstsein gibt es hingegen im Westen für jene Intellektuellen, die sich selbst als "religiöse Aufklärer" bezeichnen und den Fanatikern ihre eigene, liberale Interpretation des Islams entgegensetzen.
Deshalb begannen ausgerechnet einige ehemalige Islamisten, die Säkularisierung des Staates zu fordern. Anfangs nur zwischen den Zeilen zu lesen, ist diese Forderung heute immer lauter zu vernehmen. Sie wird von Geistlichen wie von Nichttheologen, Journalisten und Politikern erhoben, die sich als eine Bewegung verstehen und von sich selbst sagen, sie wollten eine "religiöse Aufklärung". In ihren theoretischen Debatten aber haben die religiösen Aufklärer ein kniffliges Problem zu lösen. Sie müssen erklären, wieso ihre Forderungen nicht dem Islam widersprechen: Kann man nach einer säkularen Gesetzgebung leben und sich trotzdem als Muslim definieren?
Für Soroush ist der Glaube durchaus mit der vollständigen Erneuerung von religiösen Konzepten vereinbar, denn er ist der Auffassung, dass jedes menschliche Verständnis der Religion von den Zeitumständen abhängig und also in einem dauernden Prozess der Verwandlung begriffen ist. Zur Reformierung der herrschenden restriktiven Islam-Deutung müsste man aus den alten Texten neue Interpretationen herausarbeiten, "wenn die menschliche Vernunft zur Überzeugung kommt, dass diese oder jene Bestimmung des Korans mit der Menschenwürde unvereinbar ist", schreibt Soroush.
Von den Glaubensregeln, die mit der Menschenwürde nicht vereinbar sind, trennen sich die religiösen Reformer bereitwillig. Fast alle Glaubensregeln, einschließlich der so genannten fünf Säulen des Islams, seien ohnehin nur die "Haut", die die Religion nach außen hin zusammenhält, sie hätten gleichwohl nichts mit der eigentlichen Essenz der Religion zu tun. Soroush argumentiert, Schiit sei, wer an die fünf unumstößlichen Dogmen der Schia glaube: die Einheit Gottes, das Prophetentum, die zwölf Imame, die Auferstehung und die Gerechtigkeit Gottes. Gemäß dieser Argumentation muss auch das Kopftuchgebot nicht unbedingt eingehalten werden. Zwar gebiete der Islam das Tragen des Kopftuches durchaus, aber die Frau müsse es freiwillig tragen. Wolle sie das nicht, habe sie nicht gegen einen essenziellen Bestandteil der Religion verstoßen.
Der Koran gibt keinen Staat vor
« 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | weiter »
|
|
|