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Starker, reiner, einfacher Gott












http://www.zeit.de/2007/09/Islam

Literaturhinweise:

Der Islam ist Monotheismus pur. Und er ist eine Religion zwischen ängstlicher Defensive und notwendiger Reform.

Der Islam ist die Religion des Erhabenen. Doch wer heute seine bleibende Botschaft sucht, muss sich durch einen Wust von Politik und Ideologie graben. Nicht nur Außenstehenden geht es so, auch die Muslime selbst müssen ihre großartige Religion heute vor Instrumentalisierung und Banalisierung in Schutz nehmen, manchmal gegen ihre höchsten Autoritäten: In der letzten Woche gab eine Professorin der Al-Azhar-Universität in Kairo eine Fatwa über den Valentinstag heraus. Der Islam, mahnt die gestrenge Al-Azhar, »verbietet die blinde Nachahmung des Westens. Darum ist die Feier des so genannten Valentinstags eine Neuerung (Bid‘ah), die keine religiöse Grundlage findet.«

Nicht nur Konvertiten, auch geborene Muslime schätzen die Klarheit, Entschiedenheit und das Positive der Botschaft Mohammeds: das eindeutige Gottesbild (statt der vertrackten Dreiecksgeschichte der Trinität), die heroische Leitfigur des Propheten (anstelle des leidenden und zweifelnden Christus), die klaren Unterscheidungen von Verbotenem und Erlaubtem (statt der christlichen Dialektik der menschlichen Freiheit), die Unantastbarkeit der Schrift (anstelle der kritischen Bibelwissenschaft). Und ebenda beginnen die Probleme. Denn was den Stolz der Muslime ausmacht, darin sieht der Rest der Welt lauter Gründe für ihre Rückständigkeit. Wohl bei keiner anderen Weltreligion klaffen das Selbstbild und die Außenwahrnehmung so sehr auseinander wie beim Islam.

Hier ersieht man die gravierenden Unterschiede, die wohl auch in Zukunft bleibend werden. Eine Veränderung, sprich Reformierung des Islam, wird höchstens eine Veränderung werden, deren Form und Inhalt doch verschieden zum Christentum sein wird.


Wenn man näher zusammenrückt, fällt das Unterscheidende deutlicher ins Auge. Das ist das Paradox des interreligiösen Dialogs: Gerade dabei stößt man auf Differenzen, die man aus der Distanz geflissentlich übersehen konnte. Bequeme Formeln wie die vom »Glauben an den gleichen Gott« kommen nur dem leicht über die Lippen, der noch nie in der Verlegenheit war, einem frommen Muslim zu erklären, dass Jesus keineswegs nur irgendein Prophet, sondern »wahrer Gott und Mensch zugleich« sei. Wer es versucht, erntet jenes mitleidige Lächeln, mit dem die Besitzer des einzig wahren, glasklaren Monotheismus auf die bedauernswerten christlichen »Schriftbesitzer« herabschauen, die nur eine verwässerte Form abbekommen haben. Christen und Muslime glauben an den einen Gott, der die Welt geschaffen hat und sie am Ende der Tage richten wird. Doch sie machen sich sehr verschiedene Begriffe von ihm.
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