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Anthroposophie in der Öffentlichkeit: Zander-Werk gibt eine harte Nuss zu knacken
http://www.nna-news.org/news/de/ind.....1DE_ZANDER-REZENSION.html
Auffallende Parallelen zu Kritikern aus Steiners Zeit
Besonders originell ist Zanders Anthroposophiekritik auch nicht. Es sind auffallende Parallelen zwischen ihm und den Steinerkritikern der ersten Kritiker-Generation um 1920 nachweisbar, bis hin zu wörtlichen Übereinstimmungen. Es gibt kaum einen wesentlichen Befund Zanders, der nicht schon vor vielen Jahrzehnten von den genannten Kritikern publiziert worden wäre.
Die von einem Teil der Presse behauptete und vom Verlag verständlicherweise propagierte „Pionierleistung“ Zanders wäre zumindest in diesem Punkt ebenfalls stark zu relativieren. Er gießt vielfach alten Wein in neue Schläuche, gibt Altbekanntes und längst Widerlegtes als neueste Erkenntnisse aus.
Mit dem Erscheinen von Zanders Werk wiederholt sich überdies ein bekanntes Phänomen der Steiner-Kritik: Ein Akademiker verfasst ein kritisches Buch über Anthroposophie, worauf sensationslüsterne Journalisten und anonyme Pamphletisten sich auf dieses Buch berufen, um Rudolf Steiner oder die noch immer boomenden Waldorfschulen pauschal zu verteufeln.
Auf ahnungslose Leser – auch auf andere Wissenschaftler, die sich mit Rudolf Steiner nie ernsthaft befasst haben – mag das Werk wie eine Jahrhundertentdeckung wirken. Endlich hat ein Wissenschaftler „Licht ins Dunkel“ gebracht und exakt nachgewiesen, was an dieser obskuren Lehre wirklich dran ist - nämlich unter dem Strich gar nichts. Weil das unbefangene Leserpublikum aus Zanders Buch denselben ernüchternden Schluss ziehen wird wie seine historischen Vorläufer, Steiners Zeitgenossen Seiling, Hauer, Kully oder Frohnmeyer: die ganze Anthroposophie, der tausende Menschen gutgläubig folgen, beruhe auf dem Wahnsystem eines skrupellosen Guru.
Denn ein solches Zerrbild wird von Rudolf Steiner gezeichnet. Es kommt einer Demontage gleich. Zander macht aus ihm einen gescheiterten, aber gleichwohl karrierebesessenen, machtlüsternen Gelehrten.
Dabei zeigen sich nicht nur argumentative, sondern auch taktische Parallelen, etwa in den Beschwichtigungsformeln. So beteuert 1918 einer der infamsten Steinergegner, Max Seiling, er wolle Steiner „nicht richten und verurteilen, sondern eben nur feststellen, dass er das nötige Vertrauen zu seinen Offenbarungen nicht beanspruchen kann.“
Zander beschwichtigt im gleichen Ton: „Ich wünsche mir, dass Anthroposophen […] diese Arbeit nicht als Schwert eines Scharfrichters, sondern als wissenschaftliche Analyse lesen.“ (S. 1719). Gleichwohl sitzen beide über Steiner zu Gericht und beider Urteil über den moralischen Charakter Steiners fällt geradezu vernichtend aus.
Marie Steiner beschrieb bereits 1931 die Taktik „wissenschaftlicher“ Steiner-Kritiker : „Aber solche Bücher erheben Anspruch auf Ernst und werden von Professoren empfohlen […] Ihre scheinbare und doch oberflächliche Wissenschaftlichkeit gibt ihnen den Mut zur nacktesten Tendenzführung. Der Stil kann dabei ruhig und gelassen bleiben, denn für das Schimpfen und die persönliche Verunglimpfung sind andere subalterne Schriftsteller da. Es muss für die verschiedenen Schichten und Kulturkreise gesorgt werden. Das Mäntelchen einer scheinbaren Objektivität und vornehmen Zurückhaltung wird dort wirken, wo das ganz grobe Zetern und Schmutzauftragen versagt. So macht man in unserer Gegenwart die Ketzer unschädlich. […] Dies ist das bittere Los der Gottesdiener, der Menschheitsfreunde und Lehrer der Esoterik. Die Welt ruht nicht, bis sie aus ihnen Märtyrer gemacht hat. Dann baut sie sich neu auf aus ihren Taten.“ [Marie Steiner, Schriften I, Dornach 1967, S.111]
Dieses Urteil hat auch heute nichts von seiner Gültigkeit verloren: Die Rolle der „subalternen Schriftsteller“ spielen derzeit Autoren wie Peter Bierl, die Brüder Grandt oder Colin Goldner, aber auch anonyme Blogbetreiber im Internet (etwa in „Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie“). Sie verleumden Steiner und Waldorfschulen mit allen Mitteln und berufen sich dabei jetzt auch auf die wissenschaftliche Autorität Helmut Zanders.
Ein Novum allerdings, dass Zander gleichsam in Personalunion zwei Mächte vereinigt, die bisher getrennt gegen Steiner vorgingen: katholische Theologie und akademische Wissenschaft.
Das Ergebnis
Das Ergebnis ist ein Zerrbild der Anthroposophie
Zanders Buch bestätigt einmal mehr: mit historisch-kritischen Methoden allein lassen sich spirituelle Weltanschauungen wie Theosophie und Anthroposophie nicht verstehen, weil gerade das, was das Neue daran ausmacht, mit System ausgeklammert wird. Rudolf Steiners Grundlagenwerk „Die Philosophie der Freiheit“ kommt in Zanders Kompendium überhaupt nicht vor. Und so ist, was am Ende seiner Untersuchung steht, nichts anderes als ein Zerrbild all dessen, was Anthroposophie für viele Menschen der Gegenwart so attraktiv macht.
Ihre Weltoffenheit, ihre Menschlichkeit, ihre Betonung der geistigen Freiheit des Einzelnen, ihre positive Haltung zum Wissenschaftsbegriff, ihre Neutralität gegenüber allen Religionen, ihre gelebte Toleranz gegenüber den verschiedenen Ethnien, und ihre Innovationsfreudigkeit auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, ihr Engagement in sozialen und gesellschaftlichen Fragen – all das ist kein Thema für den „objektiven“ Wissenschaftler Zander.
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