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Hallo Ihr Lieben,
Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder rational denkende Mensch irgendwann an dem Punkt angelangt, wo er Gott (er möge mir verzeihen) in Frage stellt - meine Wenigkeit nicht ausgeschlossen.
Was für die Existenz Gottes spricht, sind Erfahrungen, die ich hatte, die man nicht rational erklären kann und auch nicht mit einem "nicht funktionierenden" Gehirn / oder Alkohol / Drogen / Psychopharmaka(brauche ich nicht!) - es funktioniert gut!
Habe etwas gefunden, was ich hiermit beisteuern möchte:
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Frage: Ist Glaube ein Psychotrick?
Antwort:
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Es war nur eine Kleinigkeit, welche die Chefin an ihrer Arbeit auszusetzen hatte. Dennoch reichte eine Bemerkung, um die 23 Jahre jüngere Angestellte rasend zu machen. Wütend knallte die junge Frau ihre Unterlagen auf den Tisch und verließ den Raum. Die Kollegen blickten verdutzt auf. Als jähzornig hatten sie ihre Kollegin noch nie erlebt.
Es gab noch einige ähnlich unangenehme Szenen, bevor die Angestellte ihren Job verlor. Erst Jahre später dämmerte der jungen Frau, was sie gegen die Chefin so aufgebracht hatte: Es war deren Ähnlichkeit mit der Mutter. Gegen deren bevormundende Art hatte die junge Frau eine tiefe Aversion entwickelt, die sie später auf die Chefin übertrug.
Übertragungen sind was ganz Normales. Jeder Mensch projiziert Erfahrungen aus früheren Begegnungen auf andere Menschen – negative wie positive. Das hilft ihm, in unübersichtlichen Situationen angemessen zu reagieren. Natürlich stimmen frühere Erfahrungen nicht ganz mit der jetzigen Realität überein. Um unangenehme Verwicklungen zu vermeiden, muss man daher sein Bild ständig korrigieren. Das fällt manchmal schwer, denn Übertragungen bieten auch Sicherheit.
Kindheitserfahrungen kann man nicht nur auf andere Menschen übertragen, sondern auch auf Gott. Der Mensch kann nicht anders, als in irdischen Beziehungsbegriffen zu denken. Ist der christliche Glaube mehr als eine solche Übertragung? Oder reden sich Christen die Existenz eines liebenden Gottes bloß ein, damit sie sich in Momenten der Einsamkeit und Verzweiflung getröstet fühlen? Ist der Glaube also bloß ein Psychotrick zur inneren Aufrichtung des Menschen? Ein eingebildetes Seil, das dem Menschen in der Verzweiflung Halt gibt?
Kein gläubiger Christ wird Gott für ein seelisches Hilfskonstrukt halten. Man kann nicht einem Gott vertrauen, den man für etwas Eingeredetes hält. Wer so glaubt, nimmt seinen Glauben nicht ernst. Im Notfall erginge es ihm wie dem Bergsteiger, der Sicherheit bekommt, indem er sich vorstellt, er hänge am Kletterseil. Rutscht er aus, findet er keinen Halt.
Der Vorwurf, der christliche Glaube sei bloß eine Übertragung irdischer Bindungen auf das Jenseits, ist alt. So hatte bereits der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804–1872) gefordert, die Verdoppelung der Welt aufzugeben und sich statt mit der himmlischen Familie mit den Problemen der irdischen zu befassen. Dass man, statt den himmlischen Vater anzubeten, sein Verhältnis zum irdischen Vater klären solle. Und dass man statt den himmlischen Staat und seine Hierarchie zu verherrlichen, den irdischen Staat und seine Ordnungen überdenken müsse.
Heute ist es Konsens, dass Gläubige nicht über dem Jenseits das Diesseits vergessen dürfen. Christlicher Glaube ist diesseitig und hilft, Kräfte für das Leben auf Erden zu mobilisieren. Auch stimmen Theologen mit dem Philosophen Feuerbach darin überein, dass Projektionen zum Glauben dazugehören. Menschen können sich Gott nur in menschlichen Beziehungsbegriffen vorstellen. Als Vater oder Mutter. Als grausamen oder nachsichtigen Richter. Und als einen, der die Menschen liebt oder sich kalt von ihnen abwendet.
Dennoch erschöpft sich der Glaube an Gott nicht in Projektionen. Glaube ist mehr. Seine Glaubensbilder ererbt der Einzelne von früheren Generationen. Er lernt sie aus den Erfahrungen und Zeugnissen vieler Generationen, die vor ihm gelebt haben. Der Gläubige verdoppelt also nicht bloß seine Welt, indem er frühkindliche Erfahrungen auf Gott projiziert.
Wer glaubt, kann dank seines Glaubens ungewöhnliche Kräfte entwickeln. So gehört zum christlichen Glauben auch die Gewissheit, dass man von Gott angenommen und geliebt ist. Solche Gewissheit kann so stark sein, dass sie einen aufrichtet, wenn kein anderer Mensch einen bejahen oder einem vergeben kann. Wer aus dieser Gewissheit lebt, ist eher bereit, anderen für ihre Fehler zu vergeben. Der Glaube an Gottes Liebe befreit den Menschen. Er macht ihn offener für andere und für ihre Not.
Auch halten Christen daran fest, dass es trotz aller irdischen Ungerechtigkeit eine ewige Gerechtigkeit gibt. Sie gehen davon aus, dass jede Ungerechtigkeit gegen Gottes Willen ist. Und dass Gott all diejenigen ins Recht setzen wird, die irreparabel Unrecht erfahren haben. Diese Hoffnung spornt Christen an, gegen Unrecht aufzubegehren. Und sie hilft ihnen, selbst Unrecht und Leid zu ertragen, ohne darüber zu verbittern.
Der Glaube ist also kein Psychotrick, mit dem man sich über die Wirklichkeit hinwegtäuscht. Glaube ist eine von früheren Generationen erlernte Lebensbejahung. Er macht Menschen frei für die Wirklichkeit und hilft ihnen, über sich selbst hinauszuwachsen.
BURKHARD WEITZ |
Engeljani
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