Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche

Blutrechtswesen












Ich weiss nicht, ob mein Beitrag an dieser Stelle verstanden wird, ich versuche es trotzdem:

---
Diese Info stammt von der Seite:
http://www.thecosmiccontext.de/islam/islam_paradigma.html
Thema: Ein neues Paradigma für die Entstehung des Islam und seine Konsequenzen für ein neues Paradigma der Geschichte Israels
---

Auszug:

Weil das Blutrechtswesen in unüberbrückbarer Opposition zum Recht des Stadtstaates und Großstaates und damit zu den religiösen Weltreichsdoktrinen des Judentums und hellenistischen Christentums steht, ist das Blutrechtswesen in ganz besonderer Weise der Bekämpfung und Denunziation durch "fortschrittliche" Staatsorgane und Staatstheologen ausgesetzt gewesen. Wie sehr diese Denunziation Erfolg hatte, mag durch die schockierende These betont sein, dass die Moral der Bergpredigt ("Höhenpredigt"!), die Feindesliebe des Neuen Testaments (NT), ursprünglich die Moral der Blutrechtsordnung ist, ein Gedanke, der heute infolge der durch Jahrtausende geübten Denunziation der Blutrechtsordnung schlechthin unglaublich scheint. Es steht heute die sich aufdrängende, weil erfolgversprechende Aufgabe an, aus dem System des archaischen systematischen Weltverständnisses (Untersuchung des archaischen Verständnisses von Tod, Leben, Schuld, Schicksal, Strafe, Vergeltung / Wiedergutmachung, Adoption, Asyl etc. etc.) den Nachweis zu führen, dass die Feindesliebe eine, wenn nicht die zentrale Kategorie der Blutrechtsordnung gewesen ist.

Hier genügt es darauf hinzuweisen, dass auch in der biblischen Tradition der zurecht messianisch verstandene "Erlöser" (z.B. Hiob 19,25: "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt") dem eigentlichen hebräischen Wortsinn nach der blutrechtliche "Einlöser" (go' el) einer blutrechtlichen Schuld ist, in letzter Konsequenz also der Bluträcher im wahrsten Sinn: Leben um Leben. Tatsächlich ist der ntl. Messias "der Hirte, der sein Leben gibt für die Schafe" (Job. 10,12), seiner ideengeschichtlichen Herkunft nach der blutrechtliche Stammesfürst, der der Blutrechtsordnung gemäß sein Leben bedingungslos einzusetzen hat für das Recht der Seinen. Und er ist der schuldlos leidende Knecht seiner Angehörigen, weil er nicht selten auch, selbst schuldlos, die Schuld ihm untergeordneter Stammesmitglieder gegen Stammesfremde mit seinem Leben einlösen muss "wie ein Lamm, dass zur Schlachtbank geführt wird" (Jes.53,7). Ihm steht gegenüber "der Mietling, der kein Hirte ist" (Joh. 10-12), d.h. der gegen Lohn angestellte Richter und Staatsmann der Hochkultur.

Ein weiteres wichtiges Argument für die Herkunft der Messiasidee aus dem Blutracheglauben ist, wie ich andernorts ausführlich nachgewiesen habe, ( das altisraelitische Passahopfer: Passah bedeutet "Hinken", und dieses Hinken des Opfertiers, das durch Zerschneiden der Beinsehnen hervorgerufen wird, ist die Andeutung des bevorstehenden Zerstückelungstodes, nach welchem die einzelnen Stücke gemäß der Wiederbelebungsszene in Ezechiel 37 wieder zusammengefügt und mit neuem Leben versehen werden. Diesem altisraelitischen Hinkeopfer entspricht genauestens das ta'arqib-Opfer der zentralarabischen Beduinen. Auch bei den Beduinen steht dieses "Hinkeopfer" deutlich im systematischen Zusammenhang mit dem Blutrechtsglauben und der Blutrechtspraxis.

Ein anderer ideengeschichtlicher Zusammenhang macht auf andere Weise deutlich, dass der atl. und ntl. Messias seine ursprüngliche geistige Heimat im Blutrecht des Höhenkultes hat: Die archaische Metallurgie arbeitete mit dem gleichen Zerstückelungsmythus mit Wiedergeburtsidee, der auch die Basis, "das Syndrom", des Passahopfers ist. (9) Und da auch in diesem metallurgischen Bereich die Lähmung durch Sehnenzerschneiden wie beim Passah- und ta'arqib-Opfer die symbolische Andeutung des Zerstückelungstodes gewesen ist, haben sich die alten Schmiede, auf dass ihr Werk gelinge, dem Sühneritus der Selbstlähmung unterzogen. Nur aus diesen Zusammenhängen erklärt sich schlüssig, warum in der zentralarabisch-islamischen Tradition der Messiaskönig David als der mythische Waffenschmied geschildert ist. (10) Dieser altisraelitische Schmied / Messias wird zwar nicht als gelähmt geschildert, wie das die archaischen Schmiede Agni in Indien, Hephaistos in Griechenland und der alt-nordische Wieland waren. Daß aber zum Bild des biblischen Messias auch die mythische Selbstlähmung gehört, zeigt die starke frühchristliche Tradition, dass Jesus Christus auf dem rechten Fuß lahmte, eine Tradition, auf die mit höchster Wahrscheinlichkeit auch die merkwürdige Form des orthodoxen (oder des "russischen") Kreuzes mit der schräggestellten Fußstütze (suppedaneum) zurückgeht. (11)
Forum -> Spiegel- und Reflexionsforum IV