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Einheit aller Religionen












Hallo, mit dem Bahai Konzept der Einheit aller Religionen, bzw. überhaupt der Rede davon, das der eine Gott hinter allen Religionen steckt, habe ich folgendes Problem: Man setzt dabei ein bestimmtes Gottesverständnis, nämlich ein monotheistisches, wie man es aus Judentum, Christentum und Islam kennt, absolut und ordnet die anderen Religionen unter. D.h. in dieser Einheitskonzeption dominiert eine monotheistische Weltsicht. Beim Buddhismus wird besonders deutlich, dass die Buddhisten selber sich ganz und gar nicht in dieser Weise verstehen - viele hinduistische Traditionen lassen sich auch nicht in dieses Modell einordnen. Auch das Gottesbild zwischen Juden, Christen und Moslems unterscheidet sich erheblich (z.B. in Hinblick auf die Trinität). In dieser Einheitskonzeption erhebt man seine eigenen religiösen Vorstellungen über alle anderen und behauptet zu wissen, was die Wahrheit aller Religionen sei, dass sie nämlich auf den Einen Gott bezogen sind. Viele dieser Religionen haben jedoch ganz andere Vorstellungen, nämlich z.B. von vielen Göttern oder überhaupt keinem Gott im theistischen Sinn wie im Buddhismus. Man glaubt, die Wahrheit und Einheit hinter den Religionen erkannt zu haben, dabei projiziert man nur seine eigenen Vorstellunen in die Welt - das ist arrogant und man übergeht, wie die Angehörigen der Religionen sich selber sehen. Die eigenen religiösen Vorstellungen - nämlich dass es einen und nur einen Gott gibt, werden unberechtigter Weise auf andere übertragen, ohne ihrem Denken wirklich zu entsprechen. Man behauptet die eigenen Ansichten als allgemeingültig - den anderen werden nur Teilwahrheiten zuerkannt, die eigene Religon steht an der Spitze, wie man in dem Bahai-Schaubild schön sehen kann. Dort ist die vollkommene Wahrheit, die anderen sind nur Vorstufen. Solche Konzepte gibt es überall, aber sie haben nichts mit Toleranz zu tun, weil die anderen nur unter dem Vorbehalt toleriert werden, dass sie eigentlich gar nicht anders sind, weil der gleiche Gott (nämlich der Gott desjenigen, der die Einheit nach seinen Vorstellungen bestimmt) sich auch in ihnen offenbart hat, ob sie das wissen oder nicht. Ich denke, zu einem wirklichen Dialog kann es erst kommen, wenn man offen ist dafür, dass die anderen wirklich anders sind, dass sie sich nicht alle im Rahmen dee eigenen Weltbildes auf eine Einheit beziehen lassen. Diese Einheitskonzepte haben etwas von einer erdrückenden Umarmung, sie sind gut gemeint, aber der Andere wird dabei in seiner Andersheit unterdrückt und einer konstruierten und bestimmten religiösen Vorstellungen verpflichteten Einheit untergeordnet - er kommt nicht wirklich zu Wort. Anstatt alles unter eine Einheit zu bringen, wäre es besser, die Unterschiede aushalten zu lernen.
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