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http://www.welt.de/politik/article7....._Judas_dem_Verraeter.html
Die Person des Judas Iskariot, des Mannes aus Karioth im südlichen Juda, ist in unserer Gesellschaft bis heute negativ besetzt. In der Alltagssprache gilt Judas als Inbegriff des Verräters, und nach deutschem Recht darf niemand diesen Vornamen bekommen. Im kulturellen Gedächtnis verbindet sich mit ihm eine ruchlose Tat, und die vier Evangelien des Neuen Testaments deuten sie in zahlreichen Variationen als Auslieferung des Gottessohnes in feindliche Hände. Bereits für die ältesten Christen war es unvorstellbar, dass dieses Verbrechen des Judas keine schwere Strafe nach sich ziehen würde. So malten sie das schreckliche Ende des Judas auf verschiedene Weise aus.
Spätere Textzeugen korrigieren daher den Paulustext an dieser Stelle und lassen die Ersterscheinung nur vor elf Jüngern geschehen sein. Ebenso sieht es auch Matthäus, und der Verfasser der Apostelgeschichte erzählt sogar von der durch den „Verrat“ des Judas notwendig gewordenen Nachwahl. Indes handelt es sich in beiden Fällen um Harmonisierungen, welche die sekundären Erzählungen vom „Verrat“ des Judas verarbeiten. Erst als Christen eine Generation nach Paulus die zunächst rein theologisch gedeutete Passion Jesu mit Geschichte auffüllten, benötigten sie einen historisch identifizierbaren Auslieferer. Die Glaubensformel, dass der „Herr“ von Gott zum Heil ausgeliefert worden sei, rief die Frage nach dem Ausführer dieser Tat wach. Man verfiel auf den Jesusjünger Judas aus Karioth in Judäa. Das Judenvolk, das die Christen von Beginn an als schuldig am Tode Jesu angesehen haben, konnte keiner besser symbolisieren als er (Judas/Juda/Juden). Erst jetzt bekam die Dahingabe zusätzlich eine unheilvolle Seite („wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird“). Judas und Juden wurden zu Unmenschen stilisiert – mit bis heute anhaltender Wirkung.
http://www.gerdluedemann.de/
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