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Der Fundamentalismus in den Religionen












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In seinem ursprünglichen, terminologischen Sinn bezeichnet Fundamentalismus das Wörtlichnehmen einer heiligen Schrift, ihrer Sachaussagen wie ihrer Handlungsnormen. Fundamentalistisch ist etwa die Auffassung, dass Gott die Welt tatsächlich, wie im Buch Genesis geschildert, in sechs Tagen erschaffen hat. Die "Kreationisten", die dies glauben, haben in den Vereinigten Staaten wiederholt den Versuch unternommen, mit ihrer biblisch-buchstäblichen Schöpfungslehre bis in den staatlichen Schulunterricht vorzudringen. Das ist ein zweites typisches Merkmal des Fundamentalismus: sein Unwille, Religion als Privatsache zu verstehen, der Drang, die öffentliche Sphäre nach den eigenen Glaubensüberzeugungen zu prägen. Im Extremfall ist das Ideal die Theokratie, die Gottesherrschaft, in der das offenbarte Gebot zugleich irdisches Gesetz ist, wie besonders in der radikalen Frühphase der Islamischen Republik Iran unter Khomeini oder jetzt bei den afghanischen Taliban.

Allerdings muss man vorsichtig sein mit der nahe liegenden Annahme, dass dieser Direktdurchgriff des Glaubens auf das Leben etwas Archaisch-Vorsintflutliches, eben "finsteres Mittelalter" sei. Der Sozialanthropologe Ernest Gellner hat gezeigt, dass die Durchsetzung eines streng schrift- und gesetzesorientierten Islam auf Kosten der viel bunteren traditionellen Volksfrömmigkeit der muslimischen Welt einen enormen Modernisierungsschub gebracht hat, eine ganz neuartige kulturelle Vereinheitlichung und Dynamisierung. Auch sonst ist das Verhältnis des Fundamentalismus zur Moderne bekanntlich durchaus ambivalent; er bedient sich ohne Zögern der technischen Hilfsmittel der Gegenwart und gibt sich in seinem Ressentimentcharakter als Reaktionsphänomen zu erkennen, zutiefst bestimmt vom Westen, gegen den er aufbegehrt. Sucht man eine historische Parallele zu dieser eigentümlichen Verschlingung von Modernität und Antimoderne, so mag sie am ehesten, und das ist einer der wirklich beunruhigenden Aspekte der Sache, im Faschismus zu finden sein.

+++guter Lesestoff
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