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Hallo Heiko,
sorry das Du warten mußtest. Ich komme leider nicht immer zum schreiben - so wie ich gerne würde, aber ich kann versichern, dass ich immer antworten werde, egal wie spät!
"Für die Firma zu abeiten" klingt lustig, aber warum nicht.
Kurz bevor ich hier her kam, da habe ich mich auf ein christliches Terrain verirrt, da würde man Dich für diese lockere Umschreibung ordentlich zusammenpfeifen. Da geht alles stur nach Bibel und sollte JC nochmal die Erde betreten und es wahrhaftig wagen nicht so in Erscheinung zu treten, wie diese Bibeltreuen es annehmen....dann kann er sicher sein, dass man ihn in der Klapsmühle einweist (Lynchjustiz ist ja inzwischen verboten).
Jedem seinen Glauben, doch anderen Angst machen, damit sie SO glauben wie andere es wollen...das hat mit Toleranz und Liebe nichts mehr zu tun.
Ich bin katholisch betrogen (statt erzogen) worden und ich bin seit geraumer Zeit dabei mich aus den Trümmern zu erheben...den Trümmern des Widerstandes, des Befreiungskampfes.
Meine Eltern haben mir die 10 Gebote als Regel aufdiktiert, doch aus unerfindlichen Gründen waren sie davon befreit. Sie durften ungestraft lügen, mich schlagen, haben betrogen, geflucht, waren unnahbar, haben auf Partys mit anderen Pärchen herumgemacht, sich oft betrunken uvm...
und sie hatten für alles immer gute Gründe und Erklärungen, sie drehten alles so wie sie es brauchten...und es funktionierte. Sie standen für mich, aus meiner kindlichenn Sicht noch über Gott!
So ein Glück!
Dadurch rückte Gott mir näher als meine Eltern! Er wurde mein Vertrauter, ich schrieb ihn an, in meinen Tagebüchern, manchmal direkt und manchmal über meine verstorbene Oma. Wenn meine Anliegen, meiner Meinung nach vielleicht zu banal waren, dann schrieb ich an Oma (im Himmel), sie möge es ihm doch bei passender Gelegenheit sagen.
Ich wartete unerschütterlich auf Zeichen und Wunder. Und das lag einzig und allein an den Text einer Beileidskarte, den ich mal las:
Gott hilft nicht am Leiden vorbei, aber er hilft hindurch.
Das nahm ich ernst. Ich wollte das glauben, denn ohne diesen Satz, hätte ich damals an Gott zweifeln müssen. Dieser Satz kam mir also wie gerufen, im rechten Moment, zu Omas Tod, der einzigen Frau, die mir zu Lebzeiten das Gefühl gab Gott zu kennen.
Mit diesem Satz und dem Glauben, Oma/Gott/dashöhereSelbst (oder wie auch immer man das nennen mag), kommuniziere mit mir, also zu glauben, dass ich in der Lage war "etwas" zu empfangen das hilfreich und so liebevoll/weise schien....das lies mich immer neugieriger werden.
Ich las viel über etliche Religionen, bemühte mich meinen Horizont zu erweitern und stellte fest, dass ich ganz schön "beschränkt" war, durch Erziehung allgemein und dem christlichen Denken an sich.
Ich nahm therapeutische Hilfe in Anspruch, nabelte mich zunehmend los, von den Irrtümern, den Machtspielchen, dem Mißbrauch, den unzählgen dummen Gewohnheiten....und mit der Zeit erkannte ich, dass Psychologie und Glaube sich wunderbar ergänzen können.
Während ich früher ahnungslos, immer wieder im Gebet darum bat, meine "Wut" überwinden zu können, lernte ich in der Therapie, das Wut nichts anderes ist wie Trauer! Doch Trauer zuzulassen ist schmerzhafter, wie wütend zu sein. Die Wut war also nur Tarnung. Ein Deckmantel der mich nicht ständig zusammenbrechen ließ.
Also betete ich später anders. Ich bat um die Kraft die Trauer auszuhalten. Ich dachte dan darüber nach was mich so enttäuschte, so kränkte, so verletzt hatte usw. und dann brach ich zusammen, heulte ein paar Tage, sah danach klarer und traf klaren Entscheidungen, die dafür sorgten sollten, das mir diese Art von Schmerz nicht mehr zugefügt werden konnte. Ich änderte etwas, mit seiner Hilfe.
Ich könnte da tausend Beispiele anführen, für Gewohnheiten oder Dinge die man ganz unkritisch übernimmt und sich später wundert wieso man strändig damit aneckt.
Ebenso ist es mit Verhaltensweisen, die man bei anderen kritisiert...und dann doch bei sich selbst auch entdeckt, manchmal wie verhext!
Dafür gibt es gute Gründe und wenn ich verhaltenstherapeutische Lektüren lese, dann finde ich auch viele Paralelen in religösen Schriften/Lehren.
Also ich habe meine Suche nicht nur auf die Religionen bezogen, sondern auch mich auch über NLP informiert, habe Friedeman Schulz von Thun gelesen 1-3 ("Miteinander Reden", Hauptgründe von Kommunikatinsstöungen, wieso Menschen aneinander vorbeireden, sich mißverstehen usw.), dann vieles zm Thema "innere Stimme" oder "das Kind in uns", C.G. Jungs "Synchronizitäten" haben mich fasziniert, weil ich damit den "vielen Zufällen", die aufgrund ihrer Häufigkeit ja gar keine Zufälle mehr sein können, endlich einen Namen geben konnte. Und und und...
Und ich denke da so wie Du, Gott ist näher als wir glauben und wir müssen ihn in allem sehen was uns umgibt. Wenn wir das können, dann kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
Wer eine Schöpfung mißbraucht, mutwillig verletzt oder beschädigt/entwürdigt, kann nur Mensch sein.
Wie hast Du zu deinem Glauben gefunden? Ich meine, was bewegte dich dazu es glauben zu wollen/können?
Und richtig Heiko, das frage ich mich auch immer, wie man denn darauf schließen könne, dass Gott es zuläßt das der Mensch sich neuer Sprachen bedient, doch er sie nicht sprechen würde? Hä? Das will mir echt nicht in den Kopf gehen, das Menschen so etwas glauben können.
Ich denke auch, das einige Religionen schon zu lange auf ihrer BetaVersion sitzen und sich nicht wundern müssen, wieso sie kaum noch einer ernst nehmen will.
Liebe Grüße und
vaya con dios!
lt.Ellen
Nachtrag:
Ich werde mich bemühen demnächst etwas sparsamer zu schreiben. Das ist halt alles noch neu für mich....und ich sprudele quasi vor Freude.
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