Frage: Lässt sich Gott beweisen?


Sixpack hat folgendes geschrieben:
Hallo meine schäfchen, ich bin Gott

Neiiin - nicht schon wieder einer!!!

Zitat:
Das problem bei der Gottesanschaung ist doch, dass die meisten Menschen Gott als eine art Person anschauen. Ich denke Gott ist wir alle zusammengenommen. . Hört sich komisch an, ist aber vergleichbar mit einem Ameisenhaufen. Alle Ameisen zusammen bilden zusammen einen Superorganismus welcher aus dutzenden kleinen Organismen besteht.

Das Problem sehe ich auch, dass man sich Gott als so etwas vorstellt wie man selbst
[also Person], nur viiiel größer, besser und mächtiger... Aber ich sehe die Vorstellung
von Gott als Summe auch nicht hilfreicher - eben auch eine Vorstellung, ein Hilfmittel -
da halte ich's lieber mit Augustinus:
Zitat:
'Gott ist nicht dies oder das. Wenn einer wähnt, er habe Gott erkannt,
und sich irgendetwas darunter vorstellt, so hat er Irgendetwas erkannt,
aber nicht Gott!'


Zitat:
Der Beweis für das was man Gott nennt bist du selbst.
Wenn du dich selbst findest, dann wirst du deine Verbundenheit mit deiner Umwelt bemerken und du wirst warscheinlich auch Gott finden, in dir selbst!

Ja, das sehe ich ganz ähnlich (solange man sich's nicht allzu wörtlich vorstellt -
da käme man sonst zum 'kleenen Mann im Ohr' )
Wu hat folgendes geschrieben:

Neiiin - nicht schon wieder einer!!!


hach wu - wir haben doch so viele Götter. Wenn du das Fernsehen anschaltest, da siehst du täglich viele Götter. Journalisten, Politiker, Schauspieler, Sänger ... die meisten halten sich für Gott *fg*

Man muss entweder sehr selbstverliebt sein, um zu schreiben
"ich bin Gott", oder aber möchte damit irgend ein Defizit
kompensieren
_________________
was mich nicht umbringt, macht mich stark
----------------------------------------------------
Nicht um meinen Bruder zu besiegen,
suche ich Kraft, sondern meinen
größten Feind, mich selbst.
Naja - war auch nicht so ernst gemeint - ebensowenig wie Sixpacks Vorstellung
Wu hat folgendes geschrieben:

Hm - wenn es auch nur einen tatsächlich schlagenden Beweis gäbe, müsste das nicht
notwendig heißen, dass nur Dumme oder Böswillige ihn nicht anerkennen würden...


Hi! Nun, ich wuerde keines falls sagen, dumme oder böswillige. Ich wuerde eher sagen, Menschen, die die beweise nicht sehen wollen...

Wu hat folgendes geschrieben:

Zitat:
Wissenschaftler sagen, entweder der Mensch ist geschaffen, oder er hat sich entwickelt. Es gibt keine andere Lösung.

Das ist nun definitiv unrichtig. Es gibt viele Wissenschaftler, die der Meinung sind,
der Mensch sei erschaffen worden und habe sich entwickelt - nur ist das eine eine
falsifizierbare, also wissenschaftliche, das andere eine Glaubensaussage - und kein
ernstzunehmender Wissenschaftler wird die beiden Bereiche durcheinanderbringen.


Nun, damit habe ich mich auch näher beschäftigt in den letzten tagen, ich hatte ein buch gelesen dass so ueberzeugt von der evolution berichtet. Ich hatte die Evolution in dem sinne gemeint, dass sich der Mensch aus nichts entwickelte. Natuerlich gibt es eine evolution, aber meiner Meinung nach nicht im sinne von darwin.

Und dass mit dem woher Gott komme, hatte ich doch schon erklärt. Fuer den schöpfer gilt dieser kausalitätsbeweis nicht, denn er ist ja kein Geschöpf, und wurde somit nicht erschaffen. Er untersteht nicht den gesetzen, die Er selbst geschaffen hat!!!

Gruss
_________________
Selbst eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.

-Laotse-
Heisst es nicht , dass es keinen Anfang und kein Ende gibt? Das heisst doch auch , dass Gott niemals etwas erschaffen hat , sondern es schon immer da war ... U N V O R S T E L L B A R

Naja , aber Gott ist sicherlich kein Typ mit langem, weißen Bart oder?

Heutzutage ist ja alles möglich ...
_________________
Denkt selber nach!
Oh der ding, ich liebe deinen Humor!

Aber das die Welt und das Universum nicht seit ewigkeiten existiert, ist doch vielfach bewiesen!

Ich persönlich denke dass Gott nicht Mann oder Frau ist. (Obwohl ich in Er form spreche) Ich glaube nicht dass ein Mensch sein wesen je erfassen könnte. Man könnte es nicht ertragen. Deswegen muss der Mensch auch das leben durchstehen, sein geist erweitern und wachsen, damit er sich auf das Göttliche vorbereiten kann!

Gruss
_________________
Selbst eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.

-Laotse-
Danke Schön Elisha

Ja , das mit Gott ist immer so eine Sache.
Am Ende ist es immer anders , als man glaubte!
_________________
Denkt selber nach!

was man glaubt, braucht keinen Beweis. Wissen ist nicht Glauben. Und doch sind wir da an der Kippe: als Jesus nach seiner Auferstehung den zweifelnden Juengern entgegenhielt, warum sie nicht akzeptierten, was sie sahen, also wussten, und fragte, wie denn spaeter Menschen, die es nicht gesehen haetten, glauben sollten. Da also gab es eine Linie, dass Wissen dessen, was als unmoeglich gilt, nicht dasselbe ist, wie reines Wissen. Da kommt also auch schon selbst beim Wissen Glauben ins Spiel.

Uebrigens uebersetzten altgotische Schriften Glauben mit "hopian" gleich "Hoffen" Hoffen auf Gott ist vielleicht viel ehrlicher als glauben oder gar "beweisen"
Will man den grundlegenden Unterschied des Islam zu anderen Ideologien verstehen, so muß zunächst einmal eine Auseinandersetzung mit der islamischen ´Aqida (Überzeugung) stattfinden, ehe man sich überhaupt aufs Feld der praktischen Aspekte des Islam begibt.
Diese seit etwa 1400 Jahren bestehende Ideologie, die zweifelsohne eine der größten Kulturen und Zivilisationen in der Menschheitsgeschichte hervorgebracht hat, prägt nach wie vor das Leben von Millionen von Menschen, welche ihre Konzepte zum Teil noch tragen: Als eine ´Aqida und eine ihr entspringende umfassende Ordnung.
Obwohl weite Teile der islamischen Jurisprudenz im Zuge des Imperialismus und der Säkularisierung der islamischen Welt von der Kolonialzeit bis zum heutigen Tag weitgehend aus Staat und Gesellschaft verbannt worden sind, bleibt der Islam für die meisten Menschen, und nicht nur für die Muslime allein, die einzige Hoffnung, um sich von den Fesseln einer heute fast alle Lebensbereiche der Menschen dominierenden kapitalistischen Ideologie zu befreien.
Will man den Islam richtig verstehen und (er)leben, so ist eine vorurteilsfreie und rationale Auseinandersetzung mit der islamischen ´Aqida unumgänglich.
Seit den ersten Schuljahren wächst man mit der Ansicht auf, daß “Verstand” bzw. “Denken” irgendwie mit “Logik” zu tun hat. Dies führt i.A. dazu, daß die einfachsten Grundlagen menschlichen Denkens, bedingt durch die Verwechslung beider Begriffe, keine scharfen Grundrisse annehmen können. Das Bild über den Sinn unserer Existenz, welches sich die Menschen dann ausmalen, bleibt für immer verschwommen.
Daher gilt es, dieses mächtige Werkzeug, das die Menschen besitzen, nämlich den Verstand, zu definieren und die ihm von der qur´anischen Offenbarung zugewiesene Rolle anhand einiger Beispiele aufzuzeigen.
Verstehen heißt begreifen, würde man sagen. Richtig!
Aber Verstehen heißt auch erkennen und urteilen können, d.h. denken!
Es ist unbestreitbar, daß ohne ein gesundes und ausgereiftes menschliches Gehirn kein Denken möglich sein kann. Das Vorhandensein dieses wichtigen Organs allein reicht jedoch nicht aus, um unsere Umgebung (unmittelbare Realität) wahrzunehmen und zu beurteilen.
Unbestreitbar ist auch die Tatsache, daß ein blinder Mensch, der nie in seinem Leben Farben gesehen hat, diese nicht erkennen kann. Wie sollte er dies auch tun, wenn sie sich seiner visuellen Wahrnehmung entziehen?
Ein tauber Mensch, der nie im Leben ein Geräusch gehört hat, kann mit Begriffen wie laut, leise oder Musik wohl nichts anfangen.



Ein Mensch, dessen Hautnerven beschädigt sind, kann sich die Hand verbrennen, ohne jedoch irgendwelche Schmerzen zu verspüren. D.h. er kann weder fühlen noch urteilen, ob beispielsweise irgendein Gegenstand kalt oder warm ist.



Diese einfachen Beispiele zeigen, daß neben dem Gehirn zwei weitere und zugleich wichtige Elemente - die 5 Sinne und die uns umgebende Realität - vorhanden sein müssen, um verstehen, d.h. urteilen, zu können. Eine weitere noch notwendige Komponente stellt das Vorhandensein bestimmter, zumindest primärer Informationen über die uns umgebende Realität dar. Unabhängig davon, ob sie durch Dritte oder durch die eigenen Erfahrungen erlangt worden sind, sind sie jedoch unverzichtbar, wenn die Realität begriffen bzw. verstanden werden soll.
Ein Mensch mit einem ausgereiften und gesunden Hirn, sowie intakten Sinnen kann natürlich keinen Unterschied zwischen koreanischer und chinesischer Schrift machen, solange er zuvor keine, wenn auch einfache, Informationen über beide Schriftzeichen erworben hat.
Hat er dagegen vorher elementare Kenntnisse über beide Schriftzeichen vermittelt bekommen, so kann er gewiß den Unterschied erkennen und sein Urteil darüber fällen, welche Schrift die chinesische und welche die koreanische ist. Daher wird vom Verstand nur dann gesprochen, wenn alle 4 Elemente gleichzeitig vorhanden sind:
Das gesunde, ausgereifte Hirn, die 5 Sinne, eine uns umgebende Realität und die notwendigen Vorinformationen, die diese Realität erklären können.
Verstehen heißt auch denken. Aber wie?
Der Mensch nimmt die ihn umgebende Realität mit seinen Sinnen wahr, also er “empfindet” sie. Diese Empfindung wird durch diese Sinne mittels seiner Nerven ins Gehirn übertragen, wo ein “Vergleich” zwischen der eben übertragenen Empfindung mit den im Nervenzentrum gespeicherten und dieser Realität erklärenden Vorinformationen stattfindet, dann fällt er sein Urteil über diese von ihm wahrgenommene Realität: er hat eben gedacht.
Dieser Denkprozeß ist die natürlichste Art und Weise, auf die der Mensch seine Umgebung - Gegenstände und Ereignisse - sowohl wahrnehmen als auch beurteilen (verstehen) kann.

Es ist der rationale Denkprozeß schlechthin, dessen Ergebnisse, was die Existenz oder Nichtexistenz eines Gegenstandes angeht, zweifelsohne eindeutig sind. Daher kann eine Verwechslung der Ratio mit der Logik, deren Aussagen nicht immer realitätsbezogen sind, und die oft auf Annahmen beruhen (auch wenn sie logisch richtig miteinander verknüpft sind) für die ´Aqida einer Umma fatale Folgen haben.



Natürlich sind diese Denkprozesse in ihrer Komplexität von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche denken oberflächlich, wie jeder von uns Durchschnittsmenschen es auch tut, manch andere denken eben tiefgründiger, wie z.B. Wissenschaftler und Politiker.

Erstere begnügen sich mit relativ wenig Informationen, um sich eine eigene Meinung (Urteil) zu bilden. Letztere aber, bedingt durch den Grad ihrer Verantwortung und ihres Aufgabenbereichs, betrachten die Realität viel gründlicher, wenn sie zu einem möglichst korrekten Urteil kommen wollen.



Die islamische ´Aqida verlangt nicht nur eine tiefgründige Denkweise mit einer scharfen Analyse unserer Realität, sondern viel mehr als das.

Will man alle Fragen über unsere Existenz korrekt und überzeugend beantworten, so ist Luzidität im Denken erforderlich. Es genügt nicht, die uns umgebende Realität tiefgründig zu beobachten und korrekt zu beurteilen. Es muß auch über das “davor” und das “danach” nachgedacht werden, wenn das Urteil eindeutig und richtig, d.h. überzeugend, sein soll.



Es ist notwendig, auf die stets aufgeworfene Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz: woher komme ich, warum bin ich hier und wohin führt mich mein Schicksal?, eine überzeugende Antwort zu geben, damit sich alle anderen in unserem Leben auftauchenden Zweigfragen beantworten lassen.



Um diese essentielle Frage exakt beantworten zu können, ist das luzide, d.h. die Dinge und ihre Umstände erhellende Denken gefragt, welches den Menschen nur von einer vollkommenen Ideologie gegeben werden kann, nämlich vom ISLAM und nur vom ihm alleine. Keine Religion oder philosophische Denkschule der Welt konnte oder kann diese eben gestellten Fragen umgehen, ohne wenigstens den Versuch zu wagen, eine mehr oder weniger zufriedenstellende Antwort darauf zu geben.



Der Kapitalismus mit seiner säkulären Weltsicht konnte sie nach dem Prinzip “gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist “ geschickt vermeiden und sie somit weitgehend der “Kirche” bzw. dem privaten Bereich des einzelnen Individuums überlassen. Der Kommunismus versuchte seinerseits vergeblich, die Utopie eines ausschließlich auf das Materielle bezogenen “idealen” Menschen in einer “vollkommenen” Gesellschaft zu verwirklichen. Die Früchte dieser beiden Ideologien konnten und können sich bis in in unsere Tage sehen lassen. Die erstgenannte noch siegreiche Ideologie setzt ihr Zerstörungswerk fort, ehe sie langsam dahinsiecht. Dagegen ist letztere schon nach fast 70 Jahren ruinösen Realsozialismus sang- und klanglos dahingeschieden, ohne daß ihr irgendeiner heutzutage ein Tränchen nachzuweinen braucht.



Es wird oft gesagt, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Wie wahr!



Man lebt vor allem von Ideen, sollte man auch sagen können und dürfen.



Aber wie wertvoll kann eine Idee sein, wenn sie etweder mit der Realität nicht übereinstimmt oder keine Akzeptanz beim Menschen findet? Genau hier setzt die islamische Überzeugung (´Aqida) an. Eine Idee, die keine Entsprechung in der Realität findet, ist entweder eine Utopie oder das Produkt der eigenen Phantasie.



Das Leben eines Menschen beginnt nun mal mit seiner Geburt und endet mit dem Tod. Es ist somit begrenzt. Der Mensch ist sowohl in seinen Dimensionen als auch durch den von ihm gefüllten Raum begrenzt. Unser Universum, das nichts anderes als eine “Sammlung” begrenzter Objekte darstellt, ist auch somit begrenzt, unabhängig davon, wie groß die Anzahl dieser Objekte auch sein mag. Sie bleibt zahlenmäßig endlich, sprich begrenzt.



Diese 3 Elemente: Mensch, Leben und Universum, sind auch bedürftig, d.h. sie können nicht unabhängig weiter bestehen. Um weiter bestehen zu können, sind sie wohl auf “etwas” anderes angewiesen, das keine Materie ist.



Dieses “etwas” kann auch nicht durch die Naturgesetze verkörpert werden. Denn diese sind ebenfalls von diesem “etwas anderem”, das sich unserer Wahrnehmungs- und Vorstellungskraft entzieht, abhängig. Darüber hinaus verlieren sie ihre Wirkung, sobald diese 3 Elemente verschwinden. Demnach sind die Naturgesetze genauso begrenzt und bedürftig.



Da diese Elemente in ihrem Dasein und Fortbestehen, also in ihrer Existenz, begrenzt und bedürftig sind, können sie konsequenterweise weder von jeher noch bis in die Ewigkeit existieren. Folgerichtig müssen sie einen Anfang und ein Ende haben, sie sind eben nicht ohne Anfang und ohne Ende, d.h. sie sind nicht "azali" . Mit anderen Worten: sie müssen geschaffen worden und in ihrem Dasein von ihrem Schöpfer abhängig sein.



Die Frage, die hier aufgeworfen werden kann, betrifft die Herkunft dieses Schöpfers.



Eine eindeutige Aussage darüber kann wohl gemacht werden.



Kann dieser Schöpfer selber erschaffen worden sein?



Nein! Denn ein “erschaffener Schöpfer” ist zwangsläufig von seinem “eigentlichen Schöpfer” abhängig und ist somit zumindest in der Zeit begrenzt. Das würde heissen, er ist auf seinen Urheber, ohne den er nicht existieren kann, angewiesen. Deshalb schließt sich dieser Fall von selbst aus.



Die zweite Möglichkeit, ob er sich selbst geschaffen haben könnte, ist genauso absurd und läßt sich keinesfalls mit dem gesunden Menschenverstand vereinbaren. Denn eine solche Möglichkeit birgt viele Widersprüche in sich. Daher scheidet sie genauso aus.



Es bleibt nur die einzig vernünftige Erklärung, daß dieser Schöpfer keine Eigenschaften mit seiner Schöpfung teilt. Er hat keinen Anfang und kein Ende, er ist eben "azali", Er ist auch nicht bedürftig und muß vollkommen sein. Er ist Allah (swt), der immer da war, da ist, und für immer da sein wird. Er ist Allah (swt), auf den alles Geschaffene, sei es sichtbar oder nicht, in seinem Dasein und auch in seinem Fortbestehen angewiesen ist und immer angewiesen sein wird.



Mit diesen einfachen Überlegungen wurde ganz rational die Existenz unseres Schöpfers - Allah (swt) - bewiesen.



Allah (swt) sagt in Surat Ar-Ra´d:

„Sprich: Wer ist der Herr der Himmel und der Erde? Sprich: Allah. Sprich: Nehmt ihr euch außer Ihm andere Beschützer, welche sich weder nutzen noch schaden können? Sprich: Sind etwa der Blinde und der Sehende gleich? Oder sind etwa die Finsternis und das Licht gleich? Oder machten sie Allah andere Nebengötter, die etwas wie seine Schöpfung erschufen, so daß beide Schöpfungen ihnen ähnlich erscheinen? Sprich: Allah ist der Schöpfer eines jeden Dinges und Er ist der Einzige, der Allbezwinger“



Sagte doch nicht Nietzsche, “Gott” sei tot ?



Mancher Rationalist mag heutzutage die obige Aussage entweder damit begründen, daß Nietzsche damit meinte, die “Gottesidee” lebe im Kopf des Menschen und verschwinde mit ihm, sobald dieser auch stirbt oder ebenfalls damit, daß dieser “Schöpfer” solange existiert, wie die Menschen dieser Idee anhängen und dann verschwindet, wenn diese Idee stirbt.



Meines Erachtens geht die oben erwähnte Aussage viel weiter als das. Im Zuge der europäischen Aufklärung dachte der Philosoph, mit dem Verstand und der Wissenschaft sei alles erklärbar und somit auch begründbar und daher müsse “Gott” in der Kirche bleiben.



Seine Aussage bedeutet nichts anderes als die Sanktionierung der kapitalistischen Ideologie, deren Fundamente auf der Säkularisierung von Staat und Gesellschaft fußen.



Nein, “Gott” ist nicht tot, aber Nietzsche wohl.



Die Idee über die Existenz eines Schöpfers muß als Produkt einer luziden Denkweise, nicht einer spekulativen Philosophie und schon gar nicht der Metaphysik, erfolgen. Erst dann kann diese Idee zu einem klar umrissenen Konzept werden. Sie überzeugt die eigene Ratio und stellt das Herz vollkommen zufrieden:



„Finden die Herzen doch nicht ihre innere Ruhe dadurch, daß sie Allah eingedenk sind?“



Allah (swt) sagt beispielsweise in Surat At-Tariq:

„Der Mensch soll doch sehen, woraus er erschaffen wurde. Er wurde aus einer herausströmenden Flüssigkeit erschaffen, die zwischen den Lenden und den Rippen lagert“,



und in Surat Yasin:

„Und ein Zeichen für sie ist die Nacht, aus der Wir den Tag hervorgehen lassen, dann verweilen sie in der Dunkelheit“,



und in Surat Al-Hagg:

„Ihr Menschen, es wird (euch) ein Gleichnis vorgetragen, so hört es an: Diejenigen, die ihr außer Allah anbetet, können nicht einmal eine Fliege erschaffen, auch wenn sie sich zusammenschließen. Und wenn die Fliege sie um etwas berauben sollte, so können sie es ihr nicht entreißen. Schwach ist der Fordernde und das Geforderte“



Ferner sagt Allah (swt) in Surat An-Nahl:

„Er ist Derjenige, Der für euch Wasser, aus dem euer Getränk ist und wodurch Bäume, an denen ihr weidet, hervorkommen, vom Himmel herabregnen läßt. Dadurch läßt Er das Korn, die Oliven, die Palmen, die Trauben und allerlei Früchte für euch wachsen. Hierin ein Zeichen für Leute, die denken. Für euch machte Er die Nacht und den Tag, die Sonne, den Mond und die Sterne auf Sein Geheiß dienstbar. Hierin sind Zeichen für Menschen, die verständig sind (d.h. für Menschen mit Verstand). Und alles, was Er für euch schuf, dessen Farben verschieden sind, darin ist ein Zeichen für Leute, die dessen eingedenk sind.“



Dann sagt Er:

„Ist Derjenige, der erschafft, etwa gleich demjenigen, der nichts erschaffen kann? Könnt ihr denn nicht dessen eingedenk sein?“



Nach dem Verständnis der kapitalistischen Ideologie hat der Schöpfer, ob er nun existiert oder nicht, in weltlichen Angelegenheiten nichts zu suchen.



Im Hinblick auf die Kirchengeschichte mag oben Gesagtes aus europäischer “aufgeklärter” Sicht legitim sein, zumal das feudale mittelalterliche Europa sicherlich kein ruhmreiches Kapitel der Weltgeschichte darstellt. Aber der Säkularismus ist bis dato einer vollkommen rationalen Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens schuldig geblieben.



Es wird die Ansicht vertreten, die Glaubensfrage sei nun mal als solche zu sehen und zu behandeln und müsse dem Gewissen einzelner Individuen überlassen werden. Weiter heißt es, kein Mensch könne die “absolute Wahrheit” für sich beanspruchen.



Vielleicht doch!



Diese Problematik, wer sei im Besitz welcher Wahrheit, läßt sich auf einen einfachen Punkt bringen: Gibt es überhaupt eine absolute Wahrheit? Und wenn ja, wie erfahre ich sie?



Eine exakte Antwort auf eine solche durchaus abstrakt erscheinende Frage läßt sich weder empirisch noch logisch eindeutig ermitteln. Vielmehr ist hier der gesunde Menschenverstand gefragt, d.h. das luzide Denken.



Am Anfang dieser Abhandlung wurde näher auf diese Frage eingegangen und aufgeführt, wie die Existenz des Schöpfers ganz rational bewiesen werden kann. Dieser rationale Beweis ist jener von dem im Qu´ran Karim die Rede ist, wenn es um die ´Aqa`id geht.



Denn Allah (swt) sagt z.B.:

„Und wer neben Allah einen anderen "Gott" (Ilah) anruft, für den er keinen eindeutigen Beweis hat, wird von seinem Herrn zur Rechenschaft gezogen. Die Kuffar werden wahrlich keinen Erfolg haben.“



Ferner sagt Er:

„Und Wir ließen aus jeder Nation einen Zeugen hervortreten und sagten:" Bringt euren Beweis". Dann wußten sie, daß Allah im Besitz der Wahrheit ist. Es entging ihnen dann, was sie immer erdichtet hatten.“



Und in Surat Ar-Ra´d sagt Er:

„Ist etwa derjenige, welcher weiß, daß das, was dir von deinem Herrn herabgesandt wurde, die Wahrheit ist, gleich demjenigen, welcher blind ist? Eingedenk sind dessen (nur) Leute mit Verstand“



Das Problem liegt also nicht darin, sich zu fragen, ob es eine absolute Wahrheit gibt oder nicht, sondern vielmehr darin, zu wissen, welche Denkmethode uns als Menschen zur Verfügung steht, um überhaupt zu dieser Erkenntnis gelangen zu können.



Ein Wissenschaftler kann natürlich nicht in seinem Labor nachweisen, was ein Mensch auf dieser Erde überhaupt zu suchen hat. Ein Philosoph kann die Frage genausowenig ausreichend beantworten, solange er sich der Logik als Basis für sein Denken bedient.



Die einzige Möglichkeit stellt die rationale Methode dar, wie zuvor definiert, die jedem Menschen dazu verhilft, zu dieser Wahrheit zu gelangen, nämlich die Existenz eines Allgegenwärtigen, Allmächtigen und zwangsläufig eines Allwissenden Schöpfers: ALLAH (swt).



Dieses durch unsere Ratio erlangte Wissen um die Existenz des Schöpfers darf auf keinen Fall mit dem Wissen um sein eigentliches Wesen, das weiterhin unserem begrenzten Wahrnehmungsvermögen entzogen bleibt, verwechselt werden. Das göttliche Wesen bleibt uns weiterhin verborgen, während seine Existenz im Rahmen des rational Beweisbaren liegt.



Warum müßte eine Idee, neben dem Bezug zur Realität, das Herz eines Menschen zufriedenstellen, um richtig zu sein?



Es ist nicht zu verleugnen, daß jeder Mensch außer seinen biologischen Bedürfnissen auch Instinkte hat: den Selbsterhaltungsinstinkt und den Instinkt zur Erhaltung der Art.



Insofern ist der Mensch von einem Tier hinsichtlich dieser Bedürfnisse nicht zu unterscheiden.



Beide Instinkte lassen den Menschen wie so oft seine natürlichen Grenzen erkennen. Dieses weckt in ihm das Bedürfnis, nach einem Allmächtigen zu suchen, der ihm Schutz und Geborgenheit gewährt und ihm den Sinn seiner Existenz vermittelt: Dieses Bedürfnis ist nichts anderes als der Religiösitätsinstinkt. Wird diese Suche dem Instinkt alleine überlassen, so ist es nicht verwunderlich, daß der Mensch der Idolatrie (Götzendienst) verfällt. Aus diesem Grunde ist der Einsatz des Verstandes unerläßlich, will man diese Suche in geordnete Bahnen lenken, und zu einem eindeutigen Ergebnis kommen, das den Verstand überzeugen und diesen Instinkt voll befriedigen kann.



Allah (swt) sagt in Surat Al-Mulk:

„Ist derjenige, der mit einem zur Erde gebeugten Gesicht läuft, besser rechtgeleitet, oder derjenige, welcher aufrecht auf einem geraden Weg läuft?“



Und weiter :

„Er ist Derjenige, Der euch erschuf und euch mit Gehör, Augen und Herzen ausstattete. Wie wenig seid ihr dankbar.“



Zum Abschluss möchten wir diese kurze Abhandlung mit einem an den Gesandten Allahs (ass) gerichteten Qur`anvers aus Surat Yusuf (as) abschließen, der die Tragweite des Islam als ´Aqida und eine ihr entspringende umfassende Lebensordnung eindrucksvoll beschreibt:



„Sprich: Dies ist mein Weg, auf dem ich mit Weitblick und innerer Sicht -samt derjenigen, welche mir folgen- zu Allah aufrufe. Und SubhanAllah und ich bin keiner der Musrikin.“
Will man den grundlegenden Unterschied des Islam zu anderen Ideologien verstehen, so muß zunächst einmal eine Auseinandersetzung mit der islamischen ´Aqida (Überzeugung) stattfinden, ehe man sich überhaupt aufs Feld der praktischen Aspekte des Islam begibt.
Diese seit etwa 1400 Jahren bestehende Ideologie, die zweifelsohne eine der größten Kulturen und Zivilisationen in der Menschheitsgeschichte hervorgebracht hat, prägt nach wie vor das Leben von Millionen von Menschen, welche ihre Konzepte zum Teil noch tragen: Als eine ´Aqida und eine ihr entspringende umfassende Ordnung.
Obwohl weite Teile der islamischen Jurisprudenz im Zuge des Imperialismus und der Säkularisierung der islamischen Welt von der Kolonialzeit bis zum heutigen Tag weitgehend aus Staat und Gesellschaft verbannt worden sind, bleibt der Islam für die meisten Menschen, und nicht nur für die Muslime allein, die einzige Hoffnung, um sich von den Fesseln einer heute fast alle Lebensbereiche der Menschen dominierenden kapitalistischen Ideologie zu befreien.
Will man den Islam richtig verstehen und (er)leben, so ist eine vorurteilsfreie und rationale Auseinandersetzung mit der islamischen ´Aqida unumgänglich.
Seit den ersten Schuljahren wächst man mit der Ansicht auf, daß “Verstand” bzw. “Denken” irgendwie mit “Logik” zu tun hat. Dies führt i.A. dazu, daß die einfachsten Grundlagen menschlichen Denkens, bedingt durch die Verwechslung beider Begriffe, keine scharfen Grundrisse annehmen können. Das Bild über den Sinn unserer Existenz, welches sich die Menschen dann ausmalen, bleibt für immer verschwommen.
Daher gilt es, dieses mächtige Werkzeug, das die Menschen besitzen, nämlich den Verstand, zu definieren und die ihm von der qur´anischen Offenbarung zugewiesene Rolle anhand einiger Beispiele aufzuzeigen.
Verstehen heißt begreifen, würde man sagen. Richtig!
Aber Verstehen heißt auch erkennen und urteilen können, d.h. denken!
Es ist unbestreitbar, daß ohne ein gesundes und ausgereiftes menschliches Gehirn kein Denken möglich sein kann. Das Vorhandensein dieses wichtigen Organs allein reicht jedoch nicht aus, um unsere Umgebung (unmittelbare Realität) wahrzunehmen und zu beurteilen.
Unbestreitbar ist auch die Tatsache, daß ein blinder Mensch, der nie in seinem Leben Farben gesehen hat, diese nicht erkennen kann. Wie sollte er dies auch tun, wenn sie sich seiner visuellen Wahrnehmung entziehen?
Ein tauber Mensch, der nie im Leben ein Geräusch gehört hat, kann mit Begriffen wie laut, leise oder Musik wohl nichts anfangen.



Ein Mensch, dessen Hautnerven beschädigt sind, kann sich die Hand verbrennen, ohne jedoch irgendwelche Schmerzen zu verspüren. D.h. er kann weder fühlen noch urteilen, ob beispielsweise irgendein Gegenstand kalt oder warm ist.



Diese einfachen Beispiele zeigen, daß neben dem Gehirn zwei weitere und zugleich wichtige Elemente - die 5 Sinne und die uns umgebende Realität - vorhanden sein müssen, um verstehen, d.h. urteilen, zu können. Eine weitere noch notwendige Komponente stellt das Vorhandensein bestimmter, zumindest primärer Informationen über die uns umgebende Realität dar. Unabhängig davon, ob sie durch Dritte oder durch die eigenen Erfahrungen erlangt worden sind, sind sie jedoch unverzichtbar, wenn die Realität begriffen bzw. verstanden werden soll.
Ein Mensch mit einem ausgereiften und gesunden Hirn, sowie intakten Sinnen kann natürlich keinen Unterschied zwischen koreanischer und chinesischer Schrift machen, solange er zuvor keine, wenn auch einfache, Informationen über beide Schriftzeichen erworben hat.
Hat er dagegen vorher elementare Kenntnisse über beide Schriftzeichen vermittelt bekommen, so kann er gewiß den Unterschied erkennen und sein Urteil darüber fällen, welche Schrift die chinesische und welche die koreanische ist. Daher wird vom Verstand nur dann gesprochen, wenn alle 4 Elemente gleichzeitig vorhanden sind:
Das gesunde, ausgereifte Hirn, die 5 Sinne, eine uns umgebende Realität und die notwendigen Vorinformationen, die diese Realität erklären können.
Verstehen heißt auch denken. Aber wie?
Der Mensch nimmt die ihn umgebende Realität mit seinen Sinnen wahr, also er “empfindet” sie. Diese Empfindung wird durch diese Sinne mittels seiner Nerven ins Gehirn übertragen, wo ein “Vergleich” zwischen der eben übertragenen Empfindung mit den im Nervenzentrum gespeicherten und dieser Realität erklärenden Vorinformationen stattfindet, dann fällt er sein Urteil über diese von ihm wahrgenommene Realität: er hat eben gedacht.
Dieser Denkprozeß ist die natürlichste Art und Weise, auf die der Mensch seine Umgebung - Gegenstände und Ereignisse - sowohl wahrnehmen als auch beurteilen (verstehen) kann.

Es ist der rationale Denkprozeß schlechthin, dessen Ergebnisse, was die Existenz oder Nichtexistenz eines Gegenstandes angeht, zweifelsohne eindeutig sind. Daher kann eine Verwechslung der Ratio mit der Logik, deren Aussagen nicht immer realitätsbezogen sind, und die oft auf Annahmen beruhen (auch wenn sie logisch richtig miteinander verknüpft sind) für die ´Aqida einer Umma fatale Folgen haben.



Natürlich sind diese Denkprozesse in ihrer Komplexität von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche denken oberflächlich, wie jeder von uns Durchschnittsmenschen es auch tut, manch andere denken eben tiefgründiger, wie z.B. Wissenschaftler und Politiker.

Erstere begnügen sich mit relativ wenig Informationen, um sich eine eigene Meinung (Urteil) zu bilden. Letztere aber, bedingt durch den Grad ihrer Verantwortung und ihres Aufgabenbereichs, betrachten die Realität viel gründlicher, wenn sie zu einem möglichst korrekten Urteil kommen wollen.



Die islamische ´Aqida verlangt nicht nur eine tiefgründige Denkweise mit einer scharfen Analyse unserer Realität, sondern viel mehr als das.

Will man alle Fragen über unsere Existenz korrekt und überzeugend beantworten, so ist Luzidität im Denken erforderlich. Es genügt nicht, die uns umgebende Realität tiefgründig zu beobachten und korrekt zu beurteilen. Es muß auch über das “davor” und das “danach” nachgedacht werden, wenn das Urteil eindeutig und richtig, d.h. überzeugend, sein soll.



Es ist notwendig, auf die stets aufgeworfene Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz: woher komme ich, warum bin ich hier und wohin führt mich mein Schicksal?, eine überzeugende Antwort zu geben, damit sich alle anderen in unserem Leben auftauchenden Zweigfragen beantworten lassen.



Um diese essentielle Frage exakt beantworten zu können, ist das luzide, d.h. die Dinge und ihre Umstände erhellende Denken gefragt, welches den Menschen nur von einer vollkommenen Ideologie gegeben werden kann, nämlich vom ISLAM und nur vom ihm alleine. Keine Religion oder philosophische Denkschule der Welt konnte oder kann diese eben gestellten Fragen umgehen, ohne wenigstens den Versuch zu wagen, eine mehr oder weniger zufriedenstellende Antwort darauf zu geben.



Der Kapitalismus mit seiner säkulären Weltsicht konnte sie nach dem Prinzip “gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist “ geschickt vermeiden und sie somit weitgehend der “Kirche” bzw. dem privaten Bereich des einzelnen Individuums überlassen. Der Kommunismus versuchte seinerseits vergeblich, die Utopie eines ausschließlich auf das Materielle bezogenen “idealen” Menschen in einer “vollkommenen” Gesellschaft zu verwirklichen. Die Früchte dieser beiden Ideologien konnten und können sich bis in in unsere Tage sehen lassen. Die erstgenannte noch siegreiche Ideologie setzt ihr Zerstörungswerk fort, ehe sie langsam dahinsiecht. Dagegen ist letztere schon nach fast 70 Jahren ruinösen Realsozialismus sang- und klanglos dahingeschieden, ohne daß ihr irgendeiner heutzutage ein Tränchen nachzuweinen braucht.



Es wird oft gesagt, der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Wie wahr!



Man lebt vor allem von Ideen, sollte man auch sagen können und dürfen.



Aber wie wertvoll kann eine Idee sein, wenn sie etweder mit der Realität nicht übereinstimmt oder keine Akzeptanz beim Menschen findet? Genau hier setzt die islamische Überzeugung (´Aqida) an. Eine Idee, die keine Entsprechung in der Realität findet, ist entweder eine Utopie oder das Produkt der eigenen Phantasie.



Das Leben eines Menschen beginnt nun mal mit seiner Geburt und endet mit dem Tod. Es ist somit begrenzt. Der Mensch ist sowohl in seinen Dimensionen als auch durch den von ihm gefüllten Raum begrenzt. Unser Universum, das nichts anderes als eine “Sammlung” begrenzter Objekte darstellt, ist auch somit begrenzt, unabhängig davon, wie groß die Anzahl dieser Objekte auch sein mag. Sie bleibt zahlenmäßig endlich, sprich begrenzt.



Diese 3 Elemente: Mensch, Leben und Universum, sind auch bedürftig, d.h. sie können nicht unabhängig weiter bestehen. Um weiter bestehen zu können, sind sie wohl auf “etwas” anderes angewiesen, das keine Materie ist.



Dieses “etwas” kann auch nicht durch die Naturgesetze verkörpert werden. Denn diese sind ebenfalls von diesem “etwas anderem”, das sich unserer Wahrnehmungs- und Vorstellungskraft entzieht, abhängig. Darüber hinaus verlieren sie ihre Wirkung, sobald diese 3 Elemente verschwinden. Demnach sind die Naturgesetze genauso begrenzt und bedürftig.



Da diese Elemente in ihrem Dasein und Fortbestehen, also in ihrer Existenz, begrenzt und bedürftig sind, können sie konsequenterweise weder von jeher noch bis in die Ewigkeit existieren. Folgerichtig müssen sie einen Anfang und ein Ende haben, sie sind eben nicht ohne Anfang und ohne Ende, d.h. sie sind nicht "azali" . Mit anderen Worten: sie müssen geschaffen worden und in ihrem Dasein von ihrem Schöpfer abhängig sein.



Die Frage, die hier aufgeworfen werden kann, betrifft die Herkunft dieses Schöpfers.



Eine eindeutige Aussage darüber kann wohl gemacht werden.



Kann dieser Schöpfer selber erschaffen worden sein?



Nein! Denn ein “erschaffener Schöpfer” ist zwangsläufig von seinem “eigentlichen Schöpfer” abhängig und ist somit zumindest in der Zeit begrenzt. Das würde heissen, er ist auf seinen Urheber, ohne den er nicht existieren kann, angewiesen. Deshalb schließt sich dieser Fall von selbst aus.



Die zweite Möglichkeit, ob er sich selbst geschaffen haben könnte, ist genauso absurd und läßt sich keinesfalls mit dem gesunden Menschenverstand vereinbaren. Denn eine solche Möglichkeit birgt viele Widersprüche in sich. Daher scheidet sie genauso aus.



Es bleibt nur die einzig vernünftige Erklärung, daß dieser Schöpfer keine Eigenschaften mit seiner Schöpfung teilt. Er hat keinen Anfang und kein Ende, er ist eben "azali", Er ist auch nicht bedürftig und muß vollkommen sein. Er ist Allah (swt), der immer da war, da ist, und für immer da sein wird. Er ist Allah (swt), auf den alles Geschaffene, sei es sichtbar oder nicht, in seinem Dasein und auch in seinem Fortbestehen angewiesen ist und immer angewiesen sein wird.



Mit diesen einfachen Überlegungen wurde ganz rational die Existenz unseres Schöpfers - Allah (swt) - bewiesen.



Allah (swt) sagt in Surat Ar-Ra´d:

„Sprich: Wer ist der Herr der Himmel und der Erde? Sprich: Allah. Sprich: Nehmt ihr euch außer Ihm andere Beschützer, welche sich weder nutzen noch schaden können? Sprich: Sind etwa der Blinde und der Sehende gleich? Oder sind etwa die Finsternis und das Licht gleich? Oder machten sie Allah andere Nebengötter, die etwas wie seine Schöpfung erschufen, so daß beide Schöpfungen ihnen ähnlich erscheinen? Sprich: Allah ist der Schöpfer eines jeden Dinges und Er ist der Einzige, der Allbezwinger“



Sagte doch nicht Nietzsche, “Gott” sei tot ?



Mancher Rationalist mag heutzutage die obige Aussage entweder damit begründen, daß Nietzsche damit meinte, die “Gottesidee” lebe im Kopf des Menschen und verschwinde mit ihm, sobald dieser auch stirbt oder ebenfalls damit, daß dieser “Schöpfer” solange existiert, wie die Menschen dieser Idee anhängen und dann verschwindet, wenn diese Idee stirbt.



Meines Erachtens geht die oben erwähnte Aussage viel weiter als das. Im Zuge der europäischen Aufklärung dachte der Philosoph, mit dem Verstand und der Wissenschaft sei alles erklärbar und somit auch begründbar und daher müsse “Gott” in der Kirche bleiben.



Seine Aussage bedeutet nichts anderes als die Sanktionierung der kapitalistischen Ideologie, deren Fundamente auf der Säkularisierung von Staat und Gesellschaft fußen.



Nein, “Gott” ist nicht tot, aber Nietzsche wohl.



Die Idee über die Existenz eines Schöpfers muß als Produkt einer luziden Denkweise, nicht einer spekulativen Philosophie und schon gar nicht der Metaphysik, erfolgen. Erst dann kann diese Idee zu einem klar umrissenen Konzept werden. Sie überzeugt die eigene Ratio und stellt das Herz vollkommen zufrieden:



„Finden die Herzen doch nicht ihre innere Ruhe dadurch, daß sie Allah eingedenk sind?“



Allah (swt) sagt beispielsweise in Surat At-Tariq:

„Der Mensch soll doch sehen, woraus er erschaffen wurde. Er wurde aus einer herausströmenden Flüssigkeit erschaffen, die zwischen den Lenden und den Rippen lagert“,



und in Surat Yasin:

„Und ein Zeichen für sie ist die Nacht, aus der Wir den Tag hervorgehen lassen, dann verweilen sie in der Dunkelheit“,



und in Surat Al-Hagg:

„Ihr Menschen, es wird (euch) ein Gleichnis vorgetragen, so hört es an: Diejenigen, die ihr außer Allah anbetet, können nicht einmal eine Fliege erschaffen, auch wenn sie sich zusammenschließen. Und wenn die Fliege sie um etwas berauben sollte, so können sie es ihr nicht entreißen. Schwach ist der Fordernde und das Geforderte“



Ferner sagt Allah (swt) in Surat An-Nahl:

„Er ist Derjenige, Der für euch Wasser, aus dem euer Getränk ist und wodurch Bäume, an denen ihr weidet, hervorkommen, vom Himmel herabregnen läßt. Dadurch läßt Er das Korn, die Oliven, die Palmen, die Trauben und allerlei Früchte für euch wachsen. Hierin ein Zeichen für Leute, die denken. Für euch machte Er die Nacht und den Tag, die Sonne, den Mond und die Sterne auf Sein Geheiß dienstbar. Hierin sind Zeichen für Menschen, die verständig sind (d.h. für Menschen mit Verstand). Und alles, was Er für euch schuf, dessen Farben verschieden sind, darin ist ein Zeichen für Leute, die dessen eingedenk sind.“



Dann sagt Er:

„Ist Derjenige, der erschafft, etwa gleich demjenigen, der nichts erschaffen kann? Könnt ihr denn nicht dessen eingedenk sein?“



Nach dem Verständnis der kapitalistischen Ideologie hat der Schöpfer, ob er nun existiert oder nicht, in weltlichen Angelegenheiten nichts zu suchen.



Im Hinblick auf die Kirchengeschichte mag oben Gesagtes aus europäischer “aufgeklärter” Sicht legitim sein, zumal das feudale mittelalterliche Europa sicherlich kein ruhmreiches Kapitel der Weltgeschichte darstellt. Aber der Säkularismus ist bis dato einer vollkommen rationalen Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens schuldig geblieben.



Es wird die Ansicht vertreten, die Glaubensfrage sei nun mal als solche zu sehen und zu behandeln und müsse dem Gewissen einzelner Individuen überlassen werden. Weiter heißt es, kein Mensch könne die “absolute Wahrheit” für sich beanspruchen.



Vielleicht doch!



Diese Problematik, wer sei im Besitz welcher Wahrheit, läßt sich auf einen einfachen Punkt bringen: Gibt es überhaupt eine absolute Wahrheit? Und wenn ja, wie erfahre ich sie?



Eine exakte Antwort auf eine solche durchaus abstrakt erscheinende Frage läßt sich weder empirisch noch logisch eindeutig ermitteln. Vielmehr ist hier der gesunde Menschenverstand gefragt, d.h. das luzide Denken.



Am Anfang dieser Abhandlung wurde näher auf diese Frage eingegangen und aufgeführt, wie die Existenz des Schöpfers ganz rational bewiesen werden kann. Dieser rationale Beweis ist jener von dem im Qu´ran Karim die Rede ist, wenn es um die ´Aqa`id geht.



Denn Allah (swt) sagt z.B.:

„Und wer neben Allah einen anderen "Gott" (Ilah) anruft, für den er keinen eindeutigen Beweis hat, wird von seinem Herrn zur Rechenschaft gezogen. Die Kuffar werden wahrlich keinen Erfolg haben.“



Ferner sagt Er:

„Und Wir ließen aus jeder Nation einen Zeugen hervortreten und sagten:" Bringt euren Beweis". Dann wußten sie, daß Allah im Besitz der Wahrheit ist. Es entging ihnen dann, was sie immer erdichtet hatten.“



Und in Surat Ar-Ra´d sagt Er:

„Ist etwa derjenige, welcher weiß, daß das, was dir von deinem Herrn herabgesandt wurde, die Wahrheit ist, gleich demjenigen, welcher blind ist? Eingedenk sind dessen (nur) Leute mit Verstand“



Das Problem liegt also nicht darin, sich zu fragen, ob es eine absolute Wahrheit gibt oder nicht, sondern vielmehr darin, zu wissen, welche Denkmethode uns als Menschen zur Verfügung steht, um überhaupt zu dieser Erkenntnis gelangen zu können.



Ein Wissenschaftler kann natürlich nicht in seinem Labor nachweisen, was ein Mensch auf dieser Erde überhaupt zu suchen hat. Ein Philosoph kann die Frage genausowenig ausreichend beantworten, solange er sich der Logik als Basis für sein Denken bedient.



Die einzige Möglichkeit stellt die rationale Methode dar, wie zuvor definiert, die jedem Menschen dazu verhilft, zu dieser Wahrheit zu gelangen, nämlich die Existenz eines Allgegenwärtigen, Allmächtigen und zwangsläufig eines Allwissenden Schöpfers: ALLAH (swt).



Dieses durch unsere Ratio erlangte Wissen um die Existenz des Schöpfers darf auf keinen Fall mit dem Wissen um sein eigentliches Wesen, das weiterhin unserem begrenzten Wahrnehmungsvermögen entzogen bleibt, verwechselt werden. Das göttliche Wesen bleibt uns weiterhin verborgen, während seine Existenz im Rahmen des rational Beweisbaren liegt.



Warum müßte eine Idee, neben dem Bezug zur Realität, das Herz eines Menschen zufriedenstellen, um richtig zu sein?



Es ist nicht zu verleugnen, daß jeder Mensch außer seinen biologischen Bedürfnissen auch Instinkte hat: den Selbsterhaltungsinstinkt und den Instinkt zur Erhaltung der Art.



Insofern ist der Mensch von einem Tier hinsichtlich dieser Bedürfnisse nicht zu unterscheiden.



Beide Instinkte lassen den Menschen wie so oft seine natürlichen Grenzen erkennen. Dieses weckt in ihm das Bedürfnis, nach einem Allmächtigen zu suchen, der ihm Schutz und Geborgenheit gewährt und ihm den Sinn seiner Existenz vermittelt: Dieses Bedürfnis ist nichts anderes als der Religiösitätsinstinkt. Wird diese Suche dem Instinkt alleine überlassen, so ist es nicht verwunderlich, daß der Mensch der Idolatrie (Götzendienst) verfällt. Aus diesem Grunde ist der Einsatz des Verstandes unerläßlich, will man diese Suche in geordnete Bahnen lenken, und zu einem eindeutigen Ergebnis kommen, das den Verstand überzeugen und diesen Instinkt voll befriedigen kann.



Allah (swt) sagt in Surat Al-Mulk:

„Ist derjenige, der mit einem zur Erde gebeugten Gesicht läuft, besser rechtgeleitet, oder derjenige, welcher aufrecht auf einem geraden Weg läuft?“



Und weiter :

„Er ist Derjenige, Der euch erschuf und euch mit Gehör, Augen und Herzen ausstattete. Wie wenig seid ihr dankbar.“



Zum Abschluss möchten wir diese kurze Abhandlung mit einem an den Gesandten Allahs (ass) gerichteten Qur`anvers aus Surat Yusuf (as) abschließen, der die Tragweite des Islam als ´Aqida und eine ihr entspringende umfassende Lebensordnung eindrucksvoll beschreibt:



„Sprich: Dies ist mein Weg, auf dem ich mit Weitblick und innerer Sicht -samt derjenigen, welche mir folgen- zu Allah aufrufe. Und SubhanAllah und ich bin keiner der Musrikin.“

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