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Es geht uns alle an, weil wir mitten im Prozeß des Wandels stehen. Die Globalisierung tut ein Übriges dazu.
Der Heidelberger Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Merkel sprach im Rahmen des Uni-Forums 2003 des Sudwestrundfunks zum Thema „The Clash of Civilizations – Der‚ Westen' und die ‚islamische Welt'“. Das Eurasische Magazin dokumentiert Auszuge aus seinem Vortrag. Merkel stellt darin die These auf, Islam und Demokratie ließen sich deshalb so schwer vereinbaren, weil die islamistische Welt nicht an der Aufklärung teilgenommen habe und daher keine Trennung zwischen Staat, Gesetz und Religion kenne.
Von Prof. Dr. Wolfgang Merkel
EM 10-03 · 25.10.2003
EM – Sperrt sich der gegenwärtige Islam gegenüber der Demokratie, der einzigen selbstbestimmten Herrschaftsform die wir kennen? Ist ein demokratisch islamischer Staat eine „contradictio in adjecto“, wie Samuel P. Huntington unmißverständlich postuliert? Und damit verbunden: Kann der Islam die Universalität der Menschenrechte als unverzichtbaren Kern der rechtsstaatlichen Demokratie akzeptieren, oder muß er sie als partikulare „westliche Erfindung“ denunzieren?
Von der Beantwortung dieser Fragen wird abhängen, ob es wirklich unversöhnliche zivilisatorische Differenzen zwischen dem „universalistischen Westen“ und der „islamischen Welt“ gibt, und welches Konfliktpotential sie bergen. Beide Fragen sollen in drei Schritten geprüft werden: zunächst auf der empirischen, dann auf der normativen und schließlich auf der handlungsorientierten Ebene. [...]
Islam und Demokratie: Die empirische Ebene
http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=101603
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Der Islamismus, islamische Fundamentalismus, Integrismus oder auch politische Islam ist die Beschreibung einer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts radikalisierten Ausprägung islamischer Traditionen, die den Anspruch erhebt, mit ihrem religiösen „Rechtekanon“, der Scharia, die verbindliche Normierungsinstanz für das private und Öffentliche, das Individuum und die Gesellschaft sowie die politische Herrschaftsverfassung zu sein. Der islamische Fundamentalismus tendiert zu einer orthodoxen, also wörtlichen und nicht historisierenden Interpretation heiliger Texte. Antipluralismus, Antimodernismus, Intoleranz und ein rigider Moralismus vor allem in Fragen der Sexualmoral und der Geschlechterbeziehung kennzeichnen ihn. Diese Charakteristika hat der Islamismus im Übrigen mit anderen fundamentalistischen Religionsbewegungen im Christentum und Judentum gemeinsam.
Das zentrale Problem ist, daß die islamistische Welt keine wirkliche Aufklärung erfahren hat.
Das zentrale Problem der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam ist, daß bis heute die islamistische Welt keine wirkliche Aufklärung erfahren hat. Ansätze dafür hat es wiederholt gegeben, im andalusischen Hochislamdes Mittelalters ebenso wie im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Sie scheiterten jedoch an der kardinalen Frage der (weitgehenden) Trennung von Staat und Religion. Koran und Sunna gelten im Islam nicht für einen Teilbereich, sondern für die gesamte islamische Gesellschaft, für die private Sphäre ebensowie die öffentliche. Religion und Politik haben sich in den meisten islamischenGesellschaften nicht als eigene Teilsysteme ausdifferenziert. Es gab weder eine Renaissance, in der schon Machiavelli das Konzept der göttlichenOrdnung zugunsten der menschlichen Selbstregierung wirkungsmächtig revidiert hatte, noch die vertragstheoretische Tradition der europäischen Neuzeitmit Hobbes, Locke und Rousseau, die Herrschaft an Zustimmung knüpfte;auch gab es keine Aufklärung im Sinne Kants, die der Religion die Vernunftgegenübergestellt hätte. Die religiöse Weltdeutung wurde im Islam nie vergleichbar wie in der europäischen Aufklärung „entstaatlicht“ oder „entzaubert“.Das theozentrische Weltbild wurde im Hinblick auf die Legitimität politischerHerrschaftsformen nie oder nicht hinreichend durch ein anthropozentrisches ersetzt. Letzteres ist aber eine notwendige, wenn gleich längst nicht hinreichendeVoraussetzung für Volkssouveränität und Demokratie.
Die Globalisierung wird den Prozeß vorantreiben. Das Leben besteht aus Wandel, befindet sich stets im Wandel und alles ist nach vorn gerichtet.
Das Zusammenkommen der Völker hat dazu geführt, die Religion des Anderen zu erfahren und sich damit auseinander setzen zu können. Der Evolutionsprozeß vollzieht sich stetig. Auch, wenn Menschen sich dagegen stemmen. Alles Geschehen in der Welt hat seinen Sinn.
In der islamischen Welt vollzog sich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ein Prozeß historischer Erneuerung der religiösen Tradition im Spannungsfeld von Tradition und Moderne: der islamische Fundamentalismus. Ideologisch gedeutet ist er ein Reflexionsprozeß, der die Tradition reinterpretiert und radikalisiert (Riesebrodt 2001: 1 . Bezugspunkt ist ein aus dem Koran und der Sunna idealisiertes, versunkenes und imaginiertes „goldenes Zeitalter“, das es heute wieder herzustellen gelte. Die idealisierte Frühzeit des Islam wird so zum verpflichtenden Ideal der Gegenwart. Insofern ist dieser Islam – und noch viel stärker der Islamismus – eine radikal rückwärts gewandte Utopie. Nicht der Islam soll modernisiert, sondern die Moderne islamisiert werden (Tibi 2001: 101). Aber erst wenn sich diese Dialektik umkehrt, wird Demokratie möglich.
http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=101603
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| Religionsgemeinschaften sind erst dann mit den konstitutiven Prinzipien der rechtsstaatlichen Demokratie zu versöhnen, wenn sie aus eigener Einsicht auf die diktatoriale oder gewaltsame Durchsetzung ihrer Glaubensweisheiten verzichten. Sie müssen deshalb, wie Jürgen Habermas (2001: 17) formuliert, eine dreifache Reflexion berücksichtigen: „Das religiöse Bewußtsein muß erstens die Begegnung mit anderen Konfessionen und Religionen kognitiv verarbeiten. Es muß sich zweitens auf die Autorität von Wissenschaften einstellen, die das gesellschaftliche Monopol an Weltwissen innehaben. Schließlich muß es sich auf Prämissen eines (demokratischen) Verfassungsstaats einlassen, der sich aus einer profanen Moral begründet.“ Ohne diesen Reflexionsschub entfalten fundamentalistische Religionen in modernisierten Gesellschaften ein destruktives Potential und sind nicht mit der Demokratie zu vereinbaren. In den meisten islamischen Gesellschaften der Gegenwart hat zumindest der dritte Reflexionsprozeß noch kaum begonnen.
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| Ich denke, dass Demokratie keine gute Staatsform ist. Eher konditionelle Monarchie.
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Hallo,
warum denkst Du das eine konstitutionelle Monarchi besser wäre?
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